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Leselupe.de > Kurzprosa
Henne Gabriele
Eingestellt am 18. 08. 2011 22:41


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Martin GK Meyer
???
Registriert: Aug 2011

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Die Falltür sprang auf. Gabriele verließ den Käfig, schlug mit ihren Flügeln und pickte gierig nach den Körnern, die aus den undichten Weizensäcken auf die Schiffsplanken gefallen waren.
Es roch nach verbranntem Diesel – und nach Freiheit. Endlich war sie vor den beiden sicher.
Auf der endlosen Überfahrt hatte Gabriele, auf allerengstem Raum mit anderen Hennen zusammengepfercht, noch oft an ihr Zuhause denken müssen … den Piepenbrook-Hof in einem gottverlassenen Dorf in der Nähe von Cloppenburg. Wo man sie stets hungern ließ und von ihr erwartete, dass sie an jedem Tag mindestens drei Eier legte.
Das hätte sie ja gerade noch ertragen.
Denn noch schlimmer als das ständige Eierlegen war der Leander. Dieser grässliche, vom Scheitel bis zur Sohle verwachsene Hahn, der im Verein mit dem nicht minder entsetzlichen Nachbarsgockel von Brüggemeier um ihre Gunst gewetteifert hatte. Vom ersten bis zum letzten Hahnenschrei stolzierten sie mit geschwelltem Kamm an ihr vorbei und krähten sich in Grund und Boden – als kämpften sie um den Ehrenpreis beim Coq Oldenburger Münsterland.
Kurz und gut … nicht eine Sekunde hätte sie es bei Piepenbrook noch ausgehalten.
Inzwischen hatte Gabriele das Ende der Landungsbrücke erreicht. Insgeheim war sie ein bisschen enttäuscht. Amerika hatte sie sich denn doch etwas anders vorgestellt. Da gab es keine Futtertröge, keine zu Boden gefallenen Sonnenblumenkerne, nicht einmal eine Schale mit frischem Wasser. Und ihre Füße brannten höllisch auf dem heißen Asphalt.
Eines Morgens war sie davongelaufen, so weit die Körner reichten und die Füße trugen. Erst am Pier in Bremerhaven hatte sie sich wirklich sicher gefühlt. Ein alter Wanderschuster hatte sie kurz vor Hude auf seinem Leiterwagen mitgenommen – zum Glück, denn wie wäre sie sonst über die Unterweser gekommen? Und nun war sie in Amerika … aber zum Teufel, gab es hier denn gar nichts zu fressen?
Da griff eine grobe Hand nach ihr, drehte ihr den Kragen rum und warf sie in eine Mulde. Ehe ihr das Augenlicht brach, sah sie noch die Aufschrift auf der Mulde: Chicken McNuggets.

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