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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Herbst
Eingestellt am 01. 10. 2003 23:54


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Chocos_Ramabotti
???
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Tjaja... ich lass also auch mal wieder was von mir hören. Der nachfolgende Text ist sehr spontan entstanden und eine richtig schön mysteriöse Nummer . Er ist bereits einmal geringfĂŒgig ĂŒberarbeitet. Macht damit, was ihr wollt, nur ein grosses Aber habe ich: lasset bitte Gnade walten, bin nĂ€mlich Ă€usserst kritikempflindlich >_< .

P.S.: Das da oben sollte 'n klÀglicher erster Versuch von Haiku sein, wobei mir bewusst ist, dass ich das mit den Silben noch nicht so ganz hingekriegt hab. Ich sah nur keine andere Art, wie ich es hÀtte machen können...

Nun denn, here it goes!
__________________________

KĂ€lte und Nebel
VerhĂŒllen alles Sein. Die Sonne
Ist ferner denn je.

„Guten Morgen.“
„Guten Morgen.“
„Wie geht es Ihnen heute?“
„Wie immer. GleichgĂŒltig mit ersten Anzeichen von Winterdepression.“
„Aber es ist doch erst Herbst.“
„Das GefĂŒhl ist dasselbe. Das Sterben des Jahres stimmt mich melancholisch. Wie geht es Ihnen?“
„Gut. Allerdings habe ich schon den ganzen Morgen ein komisches GefĂŒhl im Hinterkopf. Als ob heute anders wĂ€re als die vergangenen Tage.“
„Das ist seltsam. Ich kann nicht sehen, wie heute anders sein sollte.“
„Es wird sich wohl zeigen.“
„Wahrhaftig. Lassen Sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Kaffee?“

Mit zielstrebigem Schritt gehe ich unter den BĂ€umen entlang, die BlĂ€tter unter meinen FĂŒssen knistern. Der Nebel ist heute dicht und allgegenwĂ€rtig, ich kann kaum fĂŒnf Meter weit sehen. Nur meinen Atem kann ich vor mir kondensieren sehen, ein Zeichen der KĂ€lte, die durch meine Kleider und dann meinen Körper dringt. Ich blicke auf meine Uhr. Noch genug Zeit. Heute muss ich pĂŒnktlich sein, unbedingt. Sonst bleibe ich vor der TĂŒre stehen und bin mir selbst ĂŒberlassen, das weiß ich. Das könnte ich nicht ertragen, nicht heute.
Von der anderen Seite des Nebels dringen Stimmen an mein Ohr. Ein Radio spielt ein altes Lied, das in meiner Kindheit ein Hit war... ein Anflug von Nostalgie. Wie oft bin ich alleine durch die traurig-schöne Herbstlandschaft meines Wohngebietes im Randviertel unserer Großstadt gegangen? UnzĂ€hlige Male mĂŒssen es gewesen sein, und immer dieses vertraute GefĂŒhl von Abgeschiedenheit, von angenehmem Alleinsein. Und meistens in der Ferne die Musik aus den Radios spĂ€rlich besuchter StraßencafĂ©s. An diesen CafĂ©s kam ich oft vorbei, und ĂŒberall kannte man mich mehr oder weniger. Und dann der Gedanke, dass dies alles vorbei bist, dass ich in einer anderen Stadt bin, dass man mich hier nicht kennt. Ich beschleunige meinen Schritt.

Ich kenne meinen Weg. Jeden Morgen und jeden Abend gehe ich ihn, sechs Tage in der Woche. Ich habe ihn so stark verinnerlicht, dass meine FĂŒĂŸe automatisch in die richtige Richtung gehen. Dass ich jetzt vor einem mir unbekannten Haus stehe, kann also nicht daran liegen, dass ich mich verlaufen habe. Ein großes, altes Haus ist es, dessen Konturen sich im Nebel deutlich abzeichnen. Wie ist das passiert?, geht es mir dumpf durch den Kopf. Ich bin nicht, wo ich sein sollte. Die tĂ€gliche Routine ist zerbrochen. Langsam sickert ein GefĂŒhl der Panik in mein Bewusstsein. Ein paar Momente ringe ich damit. WĂ€hrenddessen entdecke ich eine Bank neben mir. Als ich mich setze, ist das GefĂŒhl verschwunden, und es bleibt nur eine durch und durch ruhige, kalte Leere.
Ich blicke mich um. Nebel, das ist das erste, was mir auffĂ€llt. Wohin ich gehe, Nebel. Nackte schwarze BĂ€ume, an denen nur noch vereinzelt fahlbraune BlĂ€tter hĂ€ngen. Der Rest liegt auf dem Boden und modert vor sich hin. Wenige der BlĂ€tter haben ihre Farbenfreude behalten können. Ein sterbendes Jahr. Die letzte Phase des Kampfes vor dem Tod. Doch mich beunruhigt es nicht, denn ich weiß ja, dass nĂ€chstes Jahr das Leben wieder auferstehen wird. Ist das so sicher? Irgendwie fĂŒhle ich mich aus der Bahn gebracht. So lange ich denken kann, war dem so, also wie könnte es jetzt anders sein? Aber dies ist kein gewöhnlicher Tag.

Ich blicke auf und zur Seite, aber das Haus kann ich nicht mehr sehen. Sind nur die Nebelschwaden zu dicht oder ist es tatsĂ€chlich verschwunden? Ich weiß es nicht, neige aber zu letzterem, unbewusst. Hier sitze ich auf einer Bank im Nebel, und ich habe mich verlaufen, und eigentlich sollte ich schon lĂ€ngst dort sein. Ich bin schon lĂ€ngst zu spĂ€t, das ist mir klar, ohne dass ich auf die Uhr schaue. So total abgeschnitten von der Welt... ein unbehagliches GefĂŒhl. In diesem Moment kenne ich erst die Bedeutung von Winterdepression. Ich war immer gern allein, doch nun sehe ich die Kehrseite der Medaille. So vollkommen verlassen habe ich mich noch nie gefĂŒhlt. Noch nicht einmal die Sonne dringt durch die Dichte dessen, das mich umfĂ€ngt. Was nun?

Eine ganze Weile sitze ich so schweigend da und starre auf den Boden. Ich versuche, alle Gedanken fern zu halten. Aber mit der Zeit gewinnen sie unvermeidlich die Übermacht. Überfluten mein Bewusstsein mit unaufhaltsamer Stetigkeit. Und dann gibt es kein zurĂŒck mehr.

Ich spĂŒre die chemischen Prozesse in meinem Hirn, als ich denke. Der erste konkrete Gedanke ist eine Szene, die sich irgendwann in meiner Vergangenheit abgespielt haben muss, ich weiß nicht mehr, wann. Es war nicht im Herbst, es war im Sommer. Ich erinnere mich noch genau an das leuchtende GrĂŒn der BĂ€ume und des Grases, an das gleißende Grau der Strassen und HĂ€userblocks, das Leuchten des blauen Himmels. An die allgegenwĂ€rtige Hitze, welche an diesem Tag nur knapp der UnertrĂ€glichkeit entging. An das ferne GerĂ€usch eines einsamen Motorflugzeuges, von dem ich in Kinderjahren dachte, es kĂ€me von der Sonne. Es muss an dem Tag alles klar vor meinen Augen gewesen sein, doch immer, wenn ich mich daran erinnere, scheint es in der Ferne zu liegen, ist verschwommen.

Ein kleines MĂ€dchen, sechs Jahre alt war sie. Nebeneinander saßen wir im Gras und redeten ĂŒber irgendetwas belangloses. Ich verspĂŒrte keinerlei Eile. Mein ganzer Empfindungsbereich war frei von Anspannung. Das war seit je her ein seltenes GefĂŒhl, aber ein wunderschönes. Die einfache, schiere Freude, schlicht mit jemand anderes ungezwungen reden und Zeit verbringen zu können. Offenere Menschen wĂŒrden das wahrscheinlich komisch finden, aber fĂŒr mich bedeutete diese scheinbar alltĂ€gliche Sache sehr viel. Das MĂ€dchen neben mir plapperte vergnĂŒgt, erzĂ€hlte mir dies und jenes. Ich dachte immer, es machte mir nicht viel aus, dass sie mich dabei nie ansah. Ob wir nicht zusammen zum Froschweiher gehen wollten, fragte ich sie. „Nein, ich möchte nicht.“ Das war die Antwort. Erst jetzt schlugen mir derb die Kinderstimmen an die Ohren. Ich war hilflos, als ich das MĂ€dchen neben mir vergnĂŒgt quietschen hörte und aufstehen sah, und wie sie den anderen Kindern entgegenrannte. Plötzlich fröstelte ich.

Der zweite Gedanke ist auch eine Erinnerung. Im FrĂŒhling. In der Lyrik als Jahreszeit der jungen, sorglosen Liebe gebrandmarkt. Auch ich war in diesem FrĂŒhling Opfer jenes GefĂŒhls. Fast alle kennen es, ein ebenso unerklĂ€rliches wie alltĂ€gliches PhĂ€nomen. Aber meine Anbetung war heimlich, und von Anfang an verurteilt, abgewiesen zu werden. Diese Bestimmung erfĂŒllte sich an jenem Tag, auf recht kalte Art und Weise. Danach war ich eine Weile lang am Boden zerstört, es hatte mich ziemlich fertig gemacht. Am Ende jedoch war meine Haut wieder ein wenig dicker geworden.

Die dritte ist im Winter. Ich war noch sehr jung, daher ist es die unklarste von allen. Ich weiß nur, dass ich irgendetwas angestellt hatte. Durch das einst starke, nun aber abgeschwĂ€chte SchuldgefĂŒhl, das die Erinnerung mit sich trĂ€gt. Eine erwachsene Frau, ganz klar AutoritĂ€tsperson, schimpfte gehörig mit mir. Lange und ausgiebig. Danach war ich emotional völlig geschafft, fĂŒhlte mich aller Kraft beraubt. Wie Kinder so sind, dachte ich nur daran, wie ungerecht man mich behandelt hatte. Ich war wohl zu jung, um zu begreifen, dass ich etwas Falsches getan hatte. Und an dieser Stelle höre ich aus unbestimmter Richtung Musik spielen:
„From now on I will behave
But in the back of my mind I will be enslaved...“


Im Nachhinein bin ich traurig, jedoch weitaus weniger, als ich erwartet hĂ€tte. Der Herbst hat mich schon zu seinem Eigen gemacht. Der letzte Gedanke ist, vielleicht hat niemand den Wunsch, mich zurĂŒckzuholen.

„Guten Morgen.“
„Guten Morgen.“
„Wie geht es Ihnen heute?“
„Ausnahmsweise recht heiter. Wie geht es Ihnen?“
„Gut. Allerdings habe ich schon den ganzen Morgen ein komisches GefĂŒhl im Hinterkopf. Als ob es nie mehr so sein wird, wie es war.“
__________________
*zĂŒckt die Sonnenbrille* Yo!

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Rainer
???
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hallo chocos,

nun ja, der herbst steht vor der tĂŒr, bzw. hat schon mit einem bein die schwelle ĂŒberschritten.
da bin ich bei der schreibenden zunft auf vieles gefasst:
goldene sonnenstrahlen, die vom sich lichtenden blÀtterdach uralter baumkronen gebrochen, den moosigen grund beflackern,
pilze, die parabeln erzÀhlen,
wallende nebel, die der sterbenden natur einen melodramatischen abschied bescheren...
ja, und es wird wieder vermehrt von brĂŒcken, tĂŒrmen und klippen gesprungen werden.
alles gut und schön, aber das wird mich höchstwahrscheinlich nur in ausnahmefĂ€llen berĂŒhren können.

dein text dagegen ist ein großstadtkindertext. da ich auch SO aufwuchs, kann ich den text nachvollziehen, und glaube sogar, er stellt fĂŒr landpomeranzen (`tschuldigung) ein lehrstĂŒck dar, wie stĂ€dtische landschaften mit ihren hĂ€usern und vereinzelten naturlĂŒcken ebenfalls emotionen zulassen, ohne in hedwig courths-mahler manier zu verfallen.

der von dir geschlagene bogen von der urbanitĂ€t ĂŒber psychologische aspekte hin zu zeitlĂ€uften (sowohl des jahres als auch der individuellen menschlichen entwicklung) hat mich fasziniert.

an der form könnte an manchen stellen ein wenig feinschliff die geschichte abrunden, und so dem matt schimmernden stein eine geheimnisvolle, untergrĂŒndige opaliszens verschaffen.

soll ich mal mit dem farbenzauber ĂŒber den text gehen, und meine unvollstĂ€ndigen und persönlichen anmerkungen hinterlassen?

viele grĂŒĂŸe + bin gespannt auf wintertexte von dir

rainer

p.s. ein "patent" wĂŒrde ich auf folgendes anmelden:

"Im FrĂŒhling. In der Lyrik als Jahreszeit der jungen, sorglosen Liebe gebrandmarkt."


__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Monfou Nouveau
???
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Liebe Chocos,

es gelingt dir, altergemĂ€ĂŸ ein sehr gut nachempfindbares Stimmungsbild zu zeichnen. Es sind die „herbstlichen“ Stimmungen – das Empfinden der Vergeblichkeit, des Sichbesinnens, der Gleichförmigkeit und der VergĂ€nglichkeit der Welt – die das Bild vor dem Herbsthintergrund bestimmen: Nebel, fahlbraune BlĂ€tter (schön gewĂ€hltes Adjektiv) und weitgehend kahle BĂ€ume. Der Herbst inspiriert wie keine andere Jahreszeit zur Wiedergabe unserer eigenen Innenwelt. Es ist also eine Vergewisserung des eigenen FĂŒhlens und damit weniger eine Geschichte mit Plot und handelnden Figuren als eine Begegnung mit sich selbst. Das Ich ist die Welt. Das Ich identifiziert sich mit der Naturstimmung.

FrĂŒhe „Texte“ von mir versuchten oft, eine Ă€hnliche Stimmung einzufangen. Es ist schön, dass es dir bei alledem gelingt, nicht larmoyant zu wirken und jeden Anflug von Selbstmitleid zu vermeiden. Darin liegt fĂŒr mich die StĂ€rke des Textes. So dicht du am Ich dran bist (Seelenschau), so bleibt oft dank der recht guten Formulierungen eine Distanz, fĂŒr die der Leser dankbar ist.
Herbst heißt sterben und fĂŒhrt dazu, dass wir eher nach Innen blicken als in jene Freude ausbrechen und Euphorie, die das FrĂŒhjahr bringt. So ist der Herbst die Jahreszeit der Reflektion und der FrĂŒhling die der Liebe.
Deine Formulierungen sind teils sehr fantasievoll. Dass man die „chemischen“ Prozesse im Hirn spĂŒrt, muss gewiss eine ganz subjektive EinschĂ€tzung bleiben


„Ich weiß es nicht, neige aber zu letzterem, unbewusst.“ Hier wĂŒrde ich nicht schreiben „letzterem“, weil das innerhalb der AtmosphĂ€re zu exakt, wissenschaftlich (oder etwas hölzern) klingt. Es lohnt ganz sicher, ein paar Stellen daraufhin anzusehen, zumal du schreibst, dass du den Text erst einmal kurz ĂŒberarbeitet hast. Ich selbst schreibe in vielen FĂ€llen eine ganze Reihe von Fassungen.

Dein Text ist in seiner Art ein sehr nah und nahegehend empfundenes Stimmungsbild.

Herzliche GrĂŒĂŸe



__________________
Monfou

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Chocos_Ramabotti
???
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Oh, Reviews!

Na, da freu ich mich doch ganz dolle . Vielen Dank ^_^ <verbeug>. Kein Selbstmitleid oder zuviel Schmalz? Puh <g>. Genau das möchte ich nÀmlich bewusst vermeiden. Freut mich, dass euch mein Text gefallen hat ^_^.

Rainer:

Eigentlich bin ich ja ein Kleinstadtkind <g>. Aber jetzt, wo du es sagst, fĂ€llt mir auch auf, dass ich vielleicht eher an eine Grossstadt (Ă€rks...hĂ€tte hier ja ein ß verwenden können, aber man will ja konsistent bleiben ) wie zum Beispiel MĂŒnchen gedacht hab... Aber an die ganzen Sachen, die du da sagst, hab ich beim Schreiben auch nicht gedact O.o. Mir kam es eher vor, als ob ich da einfach sonstwas hingeschrieben hab, ohne speziellen Zweck ^_^°.

Monfou:

Also, das mit den chemischen Prozessen war so gemeint: ich persönlich spĂŒr es eigentlich irgendwie, wenn mein Hirn da oben am Werkeln ist... das wollte ich damit umschreiben. Vielleicht gibt es ja eine bessere Formulierung, aber diese war die einzige, die mir im Moment als passend erschien. Ich werd nochmal drĂŒber nachdenken .

Hoppla, ĂŒber die manchmal eher klinischen Begriffe hat mich Elsa schon ermahnt O_o. Weiss nicht, kommt vielleicht daher, dass ich manchmal gerne so geschraubt rede (Mann, hört sich das auf Hochdeutsch doof an ), wenn auch eher im Spass. Das ĂŒbertrĂ€gt sich vielleicht auf meine Schreibe ^_^°°°.

Ich werde also demnĂ€chst nochmal selbst ĂŒber den Text gehen und ihm einen besseren Schliff verpassen . Danach seid ihr dran, ja? ^_~

Mata ne,
Val ^_^
__________________
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Chocos_Ramabotti
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Sodele, ein ganz klein wenig hab ich noch dran rumfeilen können ^^°. Ich glaube, da mĂŒssen doch mal die Experten ran ^^°°°. Hier ist die wiederum leicht abgeĂ€nderte Version:

KĂ€lte und Nebel
VerhĂŒllen alles Sein. Die Sonne
Ist ferner denn je.


"Guten Morgen."
"Guten Morgen."
"Wie geht es Ihnen heute?"
"Wie immer. GleichgĂŒltig mit ersten Anzeichen von Winterdepression."
"Aber es ist doch erst Herbst."
"Das GefĂŒhl ist dasselbe. Das Sterben des Jahres stimmt mich melancholisch. Wie geht es Ihnen?"
"Gut. Allerdings habe ich schon den ganzen Morgen ein komisches GefĂŒhl im Hinterkopf. Als ob heute anders wĂ€re als die vergangenen Tage."
"Das ist seltsam. Mir ist nicht klar, wie heute anders sein sollte."
"Es wird sich wohl zeigen."
"Wahrhaftig. Lassen Sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Kaffee?"

Mit zielstrebigem Schritt gehe ich unter den BĂ€umen entlang. Seltsamerweise bemerke ich, dass die BlĂ€tter zu feucht sind, um unter meinem Schritt zu knistern, wie sie es gestern noch getan hatten. Der Nebel ist heute dicht und allgegenwĂ€rtig, ich kann kaum fĂŒnf Meter weit sehen. Nur meinen Atem kann dabei zusehen, wie er vor mir kondensiert; ein Zeichen der KĂ€lte, die durch meine Kleider und dann meinen Körper dringt. Ich blicke auf meine Uhr. Noch genug Zeit. Heute muss ich pĂŒnktlich sein, unbedingt. Sonst bleibe ich vor der TĂŒre stehen und bin mir selbst ĂŒberlassen, das weiß ich. Das könnte ich nicht ertragen, nicht heute.
Von der anderen Seite des Nebels dringen Stimmen an mein Ohr. Ein Radio spielt ein altes Lied, das in meiner Kindheit ein Hit war... ein Anflug von Nostalgie. Wie oft bin ich alleine durch die traurig-schöne Herbstlandschaft meines Wohngebietes im Randviertel unserer Großstadt gegangen? UnzĂ€hlige Male mĂŒssen es gewesen sein, und immer dieses vertraute GefĂŒhl von Abgeschiedenheit, von angenehmem Alleinsein. Meistens in der Ferne die Musik aus den Radios der spĂ€rlich besuchten StraßencafĂ©s. An diesen CafĂ©s kam ich oft vorbei, und ĂŒberall kannte man mich mehr oder weniger. Und dann der Gedanke, dass dies alles vorbei ist, dass ich in einer anderen Stadt bin, dass man mich hier nicht kennt. Ich beschleunige meinen Schritt.

Ich kenne meinen Weg. Jeden Morgen und jeden Abend gehe ich ihn, sechs Tage in der Woche. Ich habe ihn so stark verinnerlicht, dass meine FĂŒĂŸe automatisch in die richtige Richtung gehen. Dass ich jetzt vor einem mir unbekannten Haus stehe, kann also nicht daran liegen, dass ich mich verlaufen habe. Ein großes, altes Haus ist es, dessen Konturen sich im Nebel deutlich abzeichnen. Wie ist das passiert?, geht es mir dumpf durch den Kopf. Ich bin nicht, wo ich sein sollte. Die tĂ€gliche Routine ist zerbrochen. Langsam sickert ein GefĂŒhl der Panik in mein Bewusstsein. Einen Moment lang ringe ich damit. Dann merke ich, wie ich mich auf eine Bank setze. Das GefĂŒhl ist verschwunden, und es bleibt nur eine durch und durch ruhige, kalte Leere.
Ich blicke mich um. Nebel, das ist das erste, was mir auffĂ€llt. Wohin ich gehe, Nebel. Nackte schwarze BĂ€ume, an denen nur noch vereinzelt fahlbraune BlĂ€tter hĂ€ngen. Der Rest liegt auf dem Boden und modert vor sich hin. Wenige der BlĂ€tter haben ihre Farbenfreude behalten können... ein sterbendes Jahr. Die letzte Phase des Kampfes vor dem Tod. Doch mich beunruhigt es nicht, denn ich weiß ja, dass nĂ€chstes Jahr das Leben wieder auferstehen wird. Ist das so sicher? Irgendwie fĂŒhle ich mich aus der Bahn gebracht. So lange ich denken kann, war dem so, also wie könnte es jetzt anders sein? Aber dies ist kein gewöhnlicher Tag.

Ich blicke auf und zur Seite, aber das Haus kann ich nicht mehr sehen. Sind nur die Nebelschwaden zu dicht oder ist es tatsĂ€chlich verschwunden? Ich weiß es nicht, aber unbewusst habe ich eine Ahnung. Hier sitze ich auf einer Bank im Nebel, und ich habe mich verlaufen, und eigentlich sollte ich schon dort sein. Ich bin schon lĂ€ngst zu spĂ€t, das ist mir klar, ohne dass ich auf die Uhr schaue. So total abgeschnitten von der Welt... ein unbehagliches GefĂŒhl. In diesem Moment kenne ich erst die Bedeutung von „Winterdepression“. Ich war immer gern allein, doch nun hat mich die Einsamkeit im Stich gelassen. So vollkommen verlassen habe ich mich noch nie gefĂŒhlt. Noch nicht einmal die Sonne dringt durch die Dichte dessen, das mich umfĂ€ngt. Was nun?

Eine ganze Weile sitze ich so schweigend da und starre auf den Boden. Ich versuche, alle Gedanken fern zu halten. Aber mit der Zeit gewinnen sie unvermeidlich die Übermacht. Überfluten mein Bewusstsein mit unaufhaltsamer Stetigkeit. Und dann gibt es kein zurĂŒck mehr.

Ich spĂŒre die chemischen Prozesse in meinem Hirn, als ich denke. Der erste konkrete Gedanke ist eine Szene, die sich irgendwann in meiner Vergangenheit abgespielt haben muss, ich weiß nicht mehr, wann. Es war nicht im Herbst, es war im Sommer. Ich erinnere mich noch genau an das leuchtende GrĂŒn der BĂ€ume und des Grases, an das gleißende Grau der Strassen und HĂ€userblocks, das Leuchten des blauen Himmels. An die allgegenwĂ€rtige Hitze, welche an diesem Tag nur knapp der UnertrĂ€glichkeit entging. An das ferne GerĂ€usch eines einsamen Motorflugzeuges, das mĂŒĂŸig seine Kreise zog. Es muss an dem Tag alles klar vor meinen Augen gewesen sein, doch immer, wenn ich mich daran erinnere, scheint es in der Ferne zu liegen, ist verschwommen.

Ein kleines MĂ€dchen, sechs Jahre alt war sie. Nebeneinander saßen wir im Gras und redeten ĂŒber etwas belangloses. Ich verspĂŒrte keinerlei Ungeduld. Mein ganzer Empfindungsbereich war frei von Anspannung. Das war seit je her ein seltenes GefĂŒhl, aber ein wunderschönes. Die einfache, schiere Freude, schlicht mit jemand anderes ungezwungen reden und Zeit verbringen zu können. Offenere Menschen wĂŒrden das wahrscheinlich komisch finden, aber fĂŒr mich bedeutete diese scheinbar alltĂ€gliche Sache sehr viel. Das MĂ€dchen neben mir plapperte vergnĂŒgt, erzĂ€hlte mir dies und jenes. Ich dachte immer, es machte mir nicht viel aus, dass sie mich dabei nie ansah. Ob wir nicht zusammen zum Froschweiher gehen wollten, fragte ich sie. "Nein, ich möchte nicht." Das war die Antwort. Erst jetzt schlugen mir derb die Kinderstimmen an die Ohren. Ich war hilflos, als ich das MĂ€dchen neben mir vergnĂŒgt quietschen hörte und aufstehen sah, und wie sie den anderen Kindern entgegenrannte. Plötzlich fröstelte ich.

Der zweite Gedanke ist auch eine Erinnerung. Im FrĂŒhling. In der Lyrik als Jahreszeit der jungen, sorglosen Liebe gebrandmarkt. Auch ich war in diesem FrĂŒhling Opfer jenes GefĂŒhls. Fast alle kennen es, ein ebenso unerklĂ€rliches wie alltĂ€gliches PhĂ€nomen. Aber meine Anbetung war heimlich, und von Anfang an verurteilt, abgewiesen zu werden. Diese Bestimmung erfĂŒllte sich an jenem Tag, auf recht kalte Art und Weise. Ein harter Schlag war es gewesen, eine ganze Weile war ich buchstĂ€blich am Boden zerstört. Am Ende jedoch war meine Haut wieder ein wenig dicker geworden.

Die dritte ist im Winter. Ich war noch sehr jung, daher ist es die unklarste von allen. Ich weiß nur, dass ich irgendetwas angestellt hatte. Durch das einst starke, nun aber abgeschwĂ€chte SchuldgefĂŒhl, das die Erinnerung mit sich trĂ€gt. Eine erwachsene Frau, ganz klar AutoritĂ€tsperson, schimpfte gehörig mit mir. Lange und ausgiebig. Danach war ich emotional völlig geschafft, fĂŒhlte mich aller Kraft beraubt. Wie Kinder so sind, dachte ich nur daran, wie ungerecht man mich behandelt hatte. Ich war wohl zu jung, um zu begreifen, dass ich etwas Falsches getan hatte. Es sollte jedoch nicht meine einzige Dummheit bleiben, eher verblasste sie im Angesicht der noch folgenden.

Im Nachhinein bin ich traurig, jedoch weitaus weniger, als ich erwartet hĂ€tte. Der Herbst hat mich schon zu seinem Eigen gemacht. Der letzte Gedanke ist... vielleicht hat niemand den Wunsch, mich zurĂŒckzuholen.

"Guten Morgen."
"Guten Morgen."
"Wie geht es Ihnen heute?"
"Ausnahmsweise recht heiter. Wie geht es Ihnen?"
"Gut. Allerdings habe ich schon den ganzen Morgen ein komisches GefĂŒhl im Hinterkopf. Als ob es nie mehr so sein wird, wie es war."

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Rainer
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hallo chocos,

ich habe mich bemĂŒht, aber nun weiß ich nicht mehr, ob ich mit meinen anmerkungen nicht die stimmung deines textes verwĂ€ssert habe. vielleicht wirkt er gerade durch seinen manchmal etwas eigenwilligen satzbau. hoffentlich kannst du wenigstens mit ein paar dingen etwas anfangen. also, zerreiß mich in der luft, wenn ich etwas hinein interpretiert habe, was du nicht haben wolltest, und dinge gestrichen habe, die dir sehr am herzen liegen.

„Guten Morgen.“
„Guten Morgen.“
„Wie geht es Ihnen heute?“
„Wie immer. GleichgĂŒltig mit ersten Anzeichen von Winterdepression.“
„Aber es ist doch erst Herbst.“
„Das GefĂŒhl ist dasselbe. Das Sterben des Jahres stimmt mich melancholisch. wĂŒrde ich herauslassen, so spricht doch keiner, oder? Und Wie geht es Ihnen?“
„Gut. Allerdings habe ich schon den ganzen Morgen ein komisches GefĂŒhl im Hinterkopf. Als ob heute anders wĂ€re als die vergangenen Tage.“
"Das ist seltsam. Mir ist nicht klar, wie heute anders sein sollte." die verÀnderung gefÀllt mir
„Es wird sich wohl zeigen.“
„Wahrhaftig. Lassen Sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Kaffee?“

insgesamt finde ich den dialog etwas hölzern, passt aber zum text und macht die sache interessant


Mit zielstrebigem Schritt gehe ich unter den BĂ€umen entlang. Seltsamerweise steht das in korrelation zum seltsam aus dem dialog? bemerke ich, dass die BlĂ€tter zu feucht sind, um unter meinem Schritt meinen FĂŒĂŸen oder meinen Schuhen zu knistern, wie sie es gestern noch getan hatten. Der Nebel ist heute dicht und allgegenwĂ€rtig, ich kann kaum fĂŒnf Meter weit sehen. Nur meinen Atem kann dabei zu sehen, wie er vor mir kondensiert; ein Zeichen der KĂ€lte, die durch meine Kleider und dann meinen Körper dringt. Ich blicke auf meine Uhr. Noch genug Zeit. Heute muss ich pĂŒnktlich sein, unbedingt. Sonst bleibe ich vor der TĂŒre stehen und bin mir selbst ĂŒberlassen, das weiß ich. Das könnte ich nicht ertragen, nicht heute.
Von der anderen Seite des Nebels dringen Stimmen an mein Ohr. Ein Radio spielt ein altes Lied, das in meiner Kindheit ein Hit war... ein Anflug von Nostalgie. Wie oft bin ich alleine durch die traurig-schöne sind herbstlandschaften nicbt immer traurig-schön, gerade fĂŒr „nostalgiker“? Herbstlandschaft meines Wohngebietes im Randviertel unserer Großstadt gegangen? UnzĂ€hlige Male mĂŒssen es gewesen sein, und immer dieses vertraute GefĂŒhl von Abgeschiedenheit, von angenehmem Alleinsein. Meistens in der Ferne die Musik aus den Radios der spĂ€rlich besuchten StraßencafĂ©s. An diesen CafĂ©s kam ich oft vorbei, und ĂŒberall kannte man mich mehr oder weniger. Und dann der Gedanke, dass dies alles vorbei ist, dass ich in einer anderen Stadt bin, dass man mich hier nicht kennt. Ich beschleunige meinen Schritt.

Ich kenne meinen Weg. Jeden Morgen und jeden Abend gehe ich ihn, sechs Tage in der Woche. Ich habe ihn so stark verinnerlicht, dass meine FĂŒĂŸe automatisch in die richtige Richtung gehen. vielleicht Meine FĂŒĂŸe finden inzwischen den Weg von selbst. Dass ich jetzt vor einem mir unbekannten Haus stehe, kann also nicht daran liegen, dass ich mich verlaufen habe. komischer satz, vielleicht: ...von selbst, und doch stehe ich plötzlich vor einem mir unbekannten Haus. Ein großes, altes Haus ist es, dessen Konturen sich im Nebel deutlich abzeichnen. Wie ist das passiert?, geht es mir dumpf durch den Kopf. Ich bin nicht, wo ich sein sollte., geht es mir dumpf durch den Kopf Die tĂ€gliche Routine ist zerbrochen. Langsam sickert ein GefĂŒhl der Panik sickert in mein Bewusstsein. sickern impliziert schon, dass es langsam passiert, denn sonst wĂŒrde es strömen Einen Moment lang ringe ich damit. Dann merke ich, wie ich mich auf eine Bank setze. Das GefĂŒhl ist verschwunden, und es bleibt nur eine durch und durch ruhige, kalte Leere.
Ich blicke mich um. Nebel, das ist das erste, was mir auffĂ€llt. Wohin ich g s ehe, Nebel. Nackte schwarze BĂ€ume, an denen nur noch vereinzelt fahlbraune BlĂ€tter hĂ€ngen. Der Rest liegt auf dem Boden und modert vor sich hin. Wenige der BlĂ€tter haben ihre Farbenfreude behalten können ... ein sterbendes Jahr. zu fett Die letzte Phase des Kampfes vor dem Tod. Doch mich beunruhigt es nicht, denn ich weiß ja, dass nĂ€chstes Jahr das Leben wieder auferstehen wird. Ist das so sicher? Irgendwie fĂŒhle ich mich aus der Bahn gebracht. So lange ich denken kann, war dem so, also wie könnte es jetzt anders sein? Aber dies ist kein gewöhnlicher Tag.

Ich blicke auf und zur Seite, aber das Haus kann ich nicht mehr sehen. Sind nur die Nebelschwaden zu dicht oder ist es tatsĂ€chlich verschwunden? Ich weiß es nicht, aber unbewusst habe ich eine Ahnung. Hier sitze ich auf einer Bank im Nebel, und ich habe mich verlaufen, und eigentlich sollte ich schon dort sein. Ich bin schon lĂ€ngst zu spĂ€t, das ist mir klar, ohne dass ich auf die Uhr schaue. So total abgeschnitten von der Welt... ein unbehagliches GefĂŒhl. In diesem Moment er kenne ich erst die Bedeutung von „Winterdepression“. Ich war immer gern allein, doch nun hat mich die Einsamkeit im Stich gelassen (sehr schön) . So vollkommen verlassen habe ich mich noch nie gefĂŒhlt. Noch nicht einmal die Sonne dringt durch die Dichte dessen, das mich umfĂ€ngt. Was nun?

Eine ganze Weile sitze ich so schweigend da und starre auf den Boden. Ich versuche, alle Gedanken fern zu halten. Aber mit der Zeit gewinnen sie unvermeidlich die Übermacht. Überfluten mein Bewusstsein mit unaufhaltsamer Stetigkeit. Und dann gibt es kein zurĂŒck mehr.

Ich spĂŒre die chemischen Prozesse in meinem Hirn, als ich denke. Der erste konkrete Gedanke ist eine Szene, die sich irgendwann in meiner Vergangenheit abgespielt haben muss, ich weiß nicht mehr, wann. Es war nicht im Herbst, es war im Sommer. Ich erinnere mich noch genau an das leuchtende GrĂŒn der BĂ€ume und des Grases, an das gleißende Grau der Strassen und HĂ€userblocks, das Leuchten des blauen Himmels. An die allgegenwĂ€rtige Hitze, welche an diesem Tag nur knapp der UnertrĂ€glichkeit entging. An das ferne GerĂ€usch eines einsamen Motorflugzeuges, das mĂŒĂŸig seine Kreise zog. Es muss an dem (diesem?) Tag alles klar vor meinen Augen gewesen sein, Punkt doch immer, wenn ich mich daran erinnere, scheint es in der Ferne zu liegen, ist verschwommen . vielleicht Wenn ich versuche mich daran zu erinnern, rĂŒckt es in die Ferne und verschwimmt

Ein kleines MĂ€dchen, sechs Jahre alt war sie. Nebeneinander saßen wir im Gras und redeten ĂŒber etwas belangloses. Ich verspĂŒrte keinerlei Ungeduld. Mein ganzer Empfindungsbereich war frei von Anspannung. Das war seit je her ein seltenes GefĂŒhl, aber ein wunderschönes. Die einfache, schiere Freude, schlicht mit jemand anderes ungezwungen reden und Zeit verbringen zu können. Offenere Menschen wĂŒrden das wahrscheinlich komisch finden, aber fĂŒr mich bedeutete diese scheinbar alltĂ€gliche Sache sehr viel. Das MĂ€dchen neben mir plapperte vergnĂŒgt, erzĂ€hlte mir dies und jenes. Ich dachte immer, es machte mir nicht viel aus, dass sie mich dabei nie ansah. Ob wir nicht zusammen zum Froschweiher gehen wollten, fragte ich sie. "Nein, ich möchte nicht." Das war die Antwort. Erst jetzt schlugen mir derb die Kinderstimmen an die Ohren. Ich war hilflos, als ich das MĂ€dchen neben mir vergnĂŒgt quietschen hörte und aufstehen sah, und wie sie den anderen Kindern entgegenrannte. Plötzlich fröstelte ich.

Der zweite Gedanke ist auch eine Erinnerung. Im FrĂŒhling. In der Lyrik als Jahreszeit der jungen, sorglosen Liebe gebrandmarkt. Auch ich war in diesem FrĂŒhling Opfer jenes GefĂŒhls. Fast alle kennen es, ein ebenso unerklĂ€rliches wie alltĂ€gliches PhĂ€nomen. Aber meine Anbetung war heimlich, und von Anfang an verurteilt, abgewiesen zu werden. Diese Bestimmung erfĂŒllte sich an jenem Tag, auf recht kalte Art und Weise. Ein harter Schlag war es gewesen, eine ganze Weile war ich buchstĂ€blich am Boden zerstört. Am Ende jedoch war meine Haut wieder ein wenig dicker geworden.

sehr minimaler abschnitt. ich empfinde es als bruch, hier nicht weiter mit „naturdingen“ zu spielen

Die dritte ist im Winter. (also, du kannst mich ja fĂŒr kleinlich halten, aber bisher war es DER erste und DER zweite gedanke, jetzt kommst du mit DIE erinnerung) Ich war noch sehr jung, daher ist es die unklarste von allen. Ich weiß nur, dass ich irgendetwas angestellt hatte. Durch das einst starke, nun aber abgeschwĂ€chte SchuldgefĂŒhl, das die Erinnerung mit sich trĂ€gt. die abfolge ist in ordnung: die erinnerung ist nicht klar, deine prot hatte was angestellt, das schuldgefĂŒhl ist abgeschwĂ€cht, aber die „durch“-konstruktion ist unglĂŒcklich unbeholfener vorschlag, mehr um meine aussage zu verdeutlichen: Ich war noch sehr jung und hatte etwas angestellt. Doch das einst starke SchuldgefĂŒhl war durch die Erinnerung abgeschwĂ€cht. Eine erwachsene Frau, ganz klar AutoritĂ€tsperson, schimpfte gehörig mit mir. Lange und ausgiebig. Danach war ich emotional völlig geschafft, fĂŒhlte mich aller Kraft beraubt. Wie Kinder so sind, dachte ich nur daran, wie ungerecht man mich behandelt hatte. Ich war wohl zu jung, um zu begreifen, dass ich etwas Falsches getan hatte. Es sollte jedoch nicht meine einzige Dummheit bleiben, eher verblasste sie im Angesicht der noch folgenden.

Im Nachhinein bin ich traurig, jedoch weitaus weniger, als ich erwartet hĂ€tte. Der Herbst hat mich schon zu seinem Eigen gemacht. Der letzte Gedanke ist... vielleicht hat niemand den Wunsch, mich zurĂŒckzuholen.

"Guten Morgen."
"Guten Morgen."
"Wie geht es Ihnen heute?"
"Ausnahmsweise recht heiter. Wie geht es Ihnen?"
"Gut. Allerdings habe ich schon den ganzen Morgen ein komisches GefĂŒhl im Hinterkopf. Als ob es nie mehr so sein wird, wie es war."


viele grĂŒĂŸe

rainer (*bibbernd*)

vielleicht kann dir (und mir) ja monfou mal zeigen, was er anders gemacht hÀtte. *ansporn*
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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