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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Herbst
Eingestellt am 02. 10. 2007 18:52


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nofrank
???
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herbst

Herbst:
kalendarisch definiert vom 23. September bis zum 21. Dezember. 89 Tage, angefĂŒllt mit norddeutschem KĂŒstengrau, ĂŒberflĂŒssig viel feuchter Luft und flĂŒchtenden Winden und erstaunlich viel Nebel. AngefĂŒllt mit stumpfer körperlicher Arbeit ohne jede Eigenverantwortung. Totes GestrĂ€uch reckt sich nach mir und schlĂ€gt mich bei jeder Gelegenheit. Deportation von Strauchwerk, Töten von BĂ€umen, Ausheben von GrĂ€bern. Ich bin nur der MitlĂ€ufer, der Harry, der die dreckigen Dinge erledigt. Ich werde nicht wahrgenommen. Ich bin ein Teil der Szenerie, notwendig aber gĂ€hnend langweilig, wĂ€hrend Kletteraffen mit MotorsĂ€gen singulĂ€re Eitelkeiten befriedigen. Mehr Licht, mehr Licht. Am spĂ€ten Abend ist es dann vorbei. Papierene Götzen wechseln den Besitzer und mit dem NachzĂ€hlen setzt auch mein Gehirn wieder ein. Bis zum nĂ€chsten Mal. Nichts besonderes, nichts erhebendes, pure Existenz. Was bleibt ist Herbst, der sich nicht unterscheidet vom schneelosem Winter, trödelndem FrĂŒhling und verregnetem Sommer. Gleichheit fĂŒr alle Jahreszeiten.

nofrank
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„Die Preisgabe der Diskretion im öffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesblödigkeit")

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nofrank
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28.09.irgendwo.irgendwann.

28.09.irgendwo.irgendwann.

Ohne die Zeit zu denken und zu schreiben verliert sich die Gewohnheit, Ungewöhnliches zu protokollieren. Ich hatte mir fĂŒr dieses Jahr ein Ziel gesetzt, eine Seitenzahl, möglichst am StĂŒck, um endlich zu testen, ob die FĂ€higkeiten dem Anspruch genĂŒgen - und um endlich etwas zu produzieren. Bis zum SpĂ€tsommer ist das allerdings Hirngespinst geblieben: nicht eine zĂ€hlbare Seite!

Nach Ihrem Abschluss ist mein Kopf noch immer leer, und die BeschĂ€ftigung mit dem was wir, speziell bezĂŒglich dauerhaften Broterwerbs, quĂ€lt mich ĂŒber alle Maßen. Dass mein Worttank so leer ist, scheint mir natĂŒrlich. Ich muss mehr lesen, finde aber nicht genug Gelegenheit, und es fehlt an Konzentration. Uninspiriert quĂ€le ich mich durch die Tage. Alles geht sehr langsam und nur mit großer Anstrengung. Ich bin unzufrieden und verabscheue mich dafĂŒr. Der Gedanke an Existenzdruck tötet jede Leichtigkeit und es fĂ€llt schwer, mit der unsicheren Zukunft umzugehen. Wiewohl ich weiß, dass es an mir ist, Initiative zu zeigen, ist es mir unertrĂ€glich. Der Perfektionsdruck lĂ€hmt mich so sehr wie die Aussicht zu veröden...eine weitere bombe detoniert.

Das kleinkarierte, kleinformatige Papier begrenzt den Gedankenfluss:

Kleingeist regiert

Tintenfluss krepiert

nofrank verliert


nofrank


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„Die Preisgabe der Diskretion im öffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesblödigkeit")

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nofrank
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1.10.festplatte.erster versuch.

Mehr als ein keuchendes Lachen brachte er nicht zustande, als er aus dem Fenster sah und von der immer weiter fallenden NĂ€sse des Regens in einen tranceartigen Tagetraum gezogen wurde. Der Gleichklang der Tropfen beruhigte ihn nicht, sondern erzeugte Falten auf seiner Stirn. Sein Atem wurde hektisch und ruckartig. Er konnte den Blick nicht abwenden. Die triste, graublaue Wasserwand begrenzte seine Gedanken. Keine tĂ€nzelnden HöhenflĂŒge, nur Schlammschlachten. Keine lĂ€chelnde Idylle, nur Torfstechen. Und dann kamen die Bilder.

Es war ihn nie leicht gefallen zu vergessen, loszulassen, die Vergangenheit in das Dunkel der Schrankwand zu sperren. StĂ€ndig und unerwartet fielen die verblassenden Sekunden seiner Kindheit vom Himmel wie TrĂ€nen, wie der Regen hier vor seinem Fenster, vor seinen Gedanken, vor seinem Herzen. Auch der Schmerz war dumpf und grau. Nicht gleißend, stechend, explosiv, sondern stumpf und trĂ€ge. Wessen Schmerz er fĂŒhlte, wusste er nicht, aber dass es nicht seiner war, wurde ihm bewusst als der Aufseher den Torfstechern mit dem Stock seinen Arbeitseifer einprĂŒgelte. Er konnte die SchlĂ€ge fĂŒhlen, fĂŒhlte die Hemden reißen und das dumpfe Brennen der Wunde bei jeder Bewegung.


nofrank

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Otto Lenk
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deine gedanken machen lust auf mehr...viel mehr.

alles liebe otto


p.s. und wer kurt vonnegut erwĂ€hnt, also ursprĂŒnglich von tralfamadore stammt, ist mir eh lieb.

"That's the secret of how to enjoy writing and how to make yourself meet high standards," said Mrs. Berman. "You don't write for the whole world, and you don't write for ten people, or two. You write for just one person."


Kurt Vonnegut: Bluebeard
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Der Kopf denkt weiter als man denkt.

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nofrank
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03.10.wohnung.einheit.

Wenn das Hirn langsam aus dem Ohr tropft, merke ich die Erleichterung, welche nicht nur mit dem schwindenden Gewicht meines Kopfes zusammenhĂ€ngt, sondern auch mit der Unterbrechung des konstanten Bewusstseinsstroms stĂ€ndig und stets vor sich hin brabbelnder Gedanken. Die Unterbrechung - hervorgerufen durch den Rhythmus der Tropfen auf dem Parkett. Das GerĂ€usch erinnert an einen leckenden Wasserhahn, nur dass der Nachhall des Platsch nicht hohl von den BeckenwĂ€nden prallt, sondern sich wie eine dunkle Druckwelle konzentrisch ausbreitet. Das stete Tropfen schleicht sich langsam aber bestĂ€ndig in den Fluss, bringt den Rhythmus des Aneinanderreihens, des Fließens aus dem Takt und schafft einen Off-beat.

Kein konstantes Denken mehr, eher in meditatives Ping. Taktgeber der Weisheit klopft gegen Kopf. Bewusstsein setzt aus...manchmal...öfter...regelmĂ€ĂŸig... tropf...tropf...tropf...


nofrank
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05.10.irgendwo.irgendwann.

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt einen Traum erinnerte. Das frĂŒhe Aufstehen und das Tröten des Weckers vertreiben die letzten, humpelnden Traumfetzen, ohne dass ich schlaftrunken hinter ihnen herwanken kann. Ich mag meine TrĂ€ume. Wo sind sie nur? Ich muss versuchen, mehr von ihnen zu fangen, festzuhalten.

TrĂ€ume sind gut: so anders und meistens spielen wir auch mit. Glaube nicht, dass jeder Traum irgendetwas ĂŒber dein tĂ€gliches Leben verrĂ€t. Die anderen, die absurden, die skurilen TrĂ€ume sind es, die ich vermisse. Und ich bin sicher, dass sie zum großen Teil unabhĂ€ngig von allem Tagesgeschehen sind und einfach nur Spaß machen sollen. Hoffentlich kann ich mich bald wieder in die Rutschpartien des Unterbewussten einklinken.

nofrank

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