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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Herbst, Winter und . . .
Eingestellt am 27. 03. 2001 07:15


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Fredy Daxboeck
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├ängstlich betrat ich das Zimmer der sterbenden Jessica das sie seit letzten Herbst nicht mehr verlassen konnte, und sah auf den gro├čen, bunten Kalender mit den vielen Pferden. 15. Februar 1980. Ein Monat vor ihrem Geburtstag. Noch ein Monat vor ihrem gro├čen Ziel, ihren zwanzigsten Geburtstag zu erleben. Schnell riss ich das oberste Blatt ab und zerkn├╝llte es. Wut, Trotz und ein ├╝bergro├čer, hilfloser Schmerz brannte in meiner Brust. Ich ging zum Fenster, lehnte mich an das k├╝hle Glas, betrachtete den verschneiten Garten und versuchte meine innere Ruhe wiederzufinden.
"Welches Datum haben wir?" Jessica hob den Kopf und sah mit unnat├╝rlich gl├Ąnzenden Augen im Zimmer herum. Ihr Blick hatte etwas eigent├╝mlich Wildes an sich.
"Heute ist der f├╝nfzehnte ... M├Ąrz, mein Schatz." Mit ein paar schnellen Schritten war ich bei ihr, beugte mich ├╝ber sie, nahm ihr Gesicht in meine rauen H├Ąnde und k├╝sste sie sanft auf die Augen, die Nase und den Mund. Tr├Ąnen tropften auf ihre bleiche Haut und bildeten dort gl├Ąnzende schmale Spuren. "In ein paar Tagen haben wir Ostern."
"Ich werde heute zwanzig" fl├╝sterte Jessica mit schwacher Stimme und ihr Gesicht zeigte ein blasses Strahlen. Ihre Z├╝ge, in die der Schmerz seine tiefen Furchen gegraben hatte, wurden f├╝r einen kurzen Augenblick weich und sie sah wieder aus wie der Engel, den ich vor zu kurzer Zeit, wie mir schien, kennengelernt hatte.
"Ja, ich wei├č. Du bist heute zwanzig, mein Liebling." erwiderte ich und w├╝rgte an meinen Worten. "Ich wei├č", meine Stimme versagte den Dienst.
"Ich muss Dir etwas gestehen", wisperte Jessica. Sie sog scharf die Luft ein, als eine neue Woge des Schmerzes sie ├╝berrollte. "Du sollst wissen, dass ich gedacht habe, ich werde nie so alt, weil ich den Krebs . . . vielleicht doch nicht besiegen kann, und nun ...?" Ihre H├Ąnde tasteten wie zwei m├╝de kleine Spinnen ├╝ber die Bettdecke und ber├╝hrten mich zart. "Ich freue mich auf den Fr├╝hling, wenn es nicht mehr so kalt ist, und wir wieder gemeinsam reiten werden."
"Du hast es geschafft. Du bist nun doch ein gro├čes M├Ądchen geworden und wir werden noch viele gemeinsame Ritte unternehmen." beeilte ich mich ihr zu versichern. Ich l├Ąchelte so gut ich es vermochte, doch die Tr├Ąnen liefen unaufh├Ârlich ├╝ber meine Wangen.
"Ja, jetzt habe ich auch wieder eine ganz kleine Hoffnung. Es wird alles gut, nicht wahr?" Jessicas Stimme wurde leiser und flacher. Ich musste mich nach vor beugen und mein Ohr an ihren Mund legen, um ihre verstummenden Worte zu verstehen.
"Ja, es gibt immer eine Hoffnung." Jessicas Z├╝ge wurden weich und sanft. Sie hatte das Gef├╝hl, ein erstes Mal in ihrem Leben wirklich gewonnen zu haben. Ihr Brustkorb hob sich noch einmal in einer Welle des Schmerzes und sie gab ein rasselndes Ger├Ąusch von sich. In dem Schweigen, das folgte, wurde sie vor dem weinroten Hintergrund ihres Lakens immer blasser. Ohne es zu merken klammerte ich mich an sie, als ob ich dadurch ihr Leben am Entschwinden hindern k├Ânnte. Aber es war wohl zu sp├Ąt. Als die Nacht dem Ende zuging, wurde ihr sch├Ânes Gesicht reglos und schlaff. Und dann, nur Augenblicke, bevor der Himmel im Osten hell wurde, sp├╝rte ich pl├Âtzlich die Stille im Raum und wusste, dass Jessica ihren ohnehin aussichtslosen Kampf endg├╝ltig verloren hatte und ich jetzt ganz allein war. F├╝r den Rest meines Lebens.

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Jessica . . . gabst mir das, was andere immer verwehrten . . . Freiheit und Liebe
und musstest doch als erstes gehen


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flammarion
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eine

sehr anr├╝hrende geschichte. gut erz├Ąhlt und fl├╝ssig geschrieben. bewundernswert, da├č du einen so schweren verlust in eine geschichte umsetzen kannst. sowas hilft. ein bekannter erz├Ąhlte mir, da├č seine nachbarin aus kindertagen einen schwerkranken mann hatte. an jedem seiner letzten tage redete sie ihm ein, da├č er geburtstag hat und die kinder brachten ihm ein st├Ąndchen. das nur nebenbei. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Fredy Daxboeck
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Hallo liebe Marion

Diese Geschichte ist jetzt 21 Jahre her.
Ich habe es geschrieben, weil ich dachte
Schreiben verursacht kein Leid
jetzt wei├č ich
Schreiben wird aus Leid geboren.
Dabei habe ich Wunden aufgerissen, die ich lange vernarbt
glaubte.

sorry

trotzdem sch├Âne Gr├╝├če

fredy

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