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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Herbstlaub
Eingestellt am 19. 09. 2003 08:18


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Traum
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2003

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Helene und Martin sitzen auf der Parkbank. Sie lassen ihre Blicke ├╝ber den See, die Insel und das Schweizer Ufer schweifen, hinter dem sich majest├Ątisch die Berge erheben, die Gipfel bereits leicht verzuckert. Der See ist giftgr├╝n aufgesch├Ąumt. Der Wind rei├čt noch die letzten Bl├Ątter von den B├Ąumen, wirbelnd fallen sie zu Boden.

Es ist Herbst geworden. Und herbstlich ist es auch bei Helene und Martin. Sie sind bereits ├╝ber 50 Jahre verheiratet, haben ihre Kinder gro├č werden sehen, Selbst die Enkel sind zum Teil schon erwachsen, ein Urenkelchen schreit in der Wiege.

"Mein Gott, wie die Zeit vergeht, Martin, ich kann┬┤s einfach nicht fassen, wo ist sie nur geblieben?" wundert sich Helene.- Martin schaut hinaus auf den bewegten See. Dr├╝ckt seinen Hut noch tiefer ins Gesicht, damit er nicht wegfliegen kann. "Hmm" sagt er, "fr├╝her hab┬┤ich Drachen um diese Zeit steigen lassen, bin ihnen nachgewetzt, wie ein Wiesel!"- "Brauchst du nicht mehr, Martin, hast ja deinen Drachen nun st├Ąndig im Haus, oder?!" Helene knufft ihren Martin liebevoll in die Seite. Sie weiss, dass er in seiner Aktivit├Ąt durch das Alter gebremst wurde. Er lehnt auch einen Spazierstock ab. Er doch nicht! Und: wie schaut das denn aus? Was sollen die Leute dazu sagen?

"Siehst du die Bl├Ątter am Boden, Martin? Ist doch sch├Ân, der goldene Herbst - und das Licht ist so weich, so samtig!" - "Hmm" brummt Martin, "aber der Nebel, der jetzt ├╝ber den See kommt, Helene, den siehst du nicht! Alles ist sch├Ân bei dir, egal was!" - "Na und? Martin, ist das ein Fehler, ist es denn falsch, aus jeder Situation das Beste zu machen?" Es ist schon zum Verzweifeln mit diesem Miesepeter, denkt Helene, aber sie kennt ihn ja. Kennt ihn schon so lange. Er ist nun mal, wie er ist.

Die Nebelschwaden werden dichter. "Komm" sagt sie, "wir haben nun genug gesessen - wir gehen weiter." Sie schlagen den Weg durch den Park ein. Gefallenes Laub bedeckt den Weg. Helene hat die Idee. "Weisst du was, Martin, wir rascheln jetzt mit den F├╝├čen durch das Laub wie die Kinder!" - Und schon pfl├╝gt sie mit ihren Schuhen wie eine Lokomotive durch das dichte Laub.

"Helene! Du benimmst dich wieder unm├Âglich!" bemerkt Martin dazu. Helene dreht sich nach ihrem Mann um, der etwas zur├╝ck geblieben ist, gerade so, als wenn er jetzt nicht zu ihr geh├Âren m├Âchte.

"Was ist los?" fragt sie, "wieso ist durch das Laub rascheln nur Kindern vorbehalten? Hast du das fr├╝her nicht gern getan?" Provozierend pfl├╝gt Helene weiter durch die herbstgoldenen Bl├Ątter am Boden. "Wir sind doch schon zu alt daf├╝r, kapier┬┤das doch mal, Helene!"

"Jetzt h├Âr┬┤ aber auf," sagt sie, "das ist ja nicht zum aushalten mit dir! Denk┬┤einfach, du kannst deine F├╝├če nicht mehr so anheben und nur noch schlurfend laufen- das w├╝rden die Leute bestimmt akzeptieren und Verst├Ąndnis daf├╝r aufbringen!"

Martin drehte sich verstohlen um. Niemand zu sehen. Ja, warum sollte er nicht auch mal...? - denkt er. Warum eigentlich nicht noch einmal das Gef├╝hl haben, wie es fr├╝her war - ob es heute noch so sch├Ân ist, mit den F├╝├čen raschelnd durch dichtes Laub zu pfl├╝gen?!

Z├Âgernd beginnt er - und es geht! Sehr gut sogar, macht Spass! Immer schneller, immer heftiger rauscht er mit seinen F├╝├čen durch das Laub am Boden. Holt seine Frau ein, gleicht sich den Schritten von Helene an. "Na siehst du, M├Ąnne" sagt Helene, "Ich hab┬┤s doch gewu├čt, dass es dir Spass macht! Wieso ist es denn so ein Problem, noch einmal jung zu sein?!"
__________________
Den anderen nehmen wie er ist. Kritik ist fruchtbar, darf aber nicht zerst├Âren.

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flammarion
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ich

finde die geschichte zum heulen sch├Ân. mach mal so weiter!
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Traum
One-Hit-Wonder-Autor
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Herbstlaub

leider kann ich kein Taschentuch durch den Äther schicken, liebe Flammarion, aber raschel Du für mich mit durch das herbstliche Laub, es ist an kein Alter gebunden.

Danke, w├╝nsche Dir einen sch├Ânen Abend-

Traum
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