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Leselupe.de > Gereimtes
Herbsttraum
Eingestellt am 06. 10. 2007 17:30


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Vera-Lena
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Herbsttraum

Der Baum steht da, tief in sich selbst versunken,
ein Abschiedsfest gibt er fĂŒr jedes Blatt,
das gelblich-rot und sommersatt getrunken
sich leise von ihm abgewendet hat.

Mit Gleichmut trÀgt die Nacktheit seiner Zweige
er in den nÀchsten Jahresring hinein.
Der Sommer schwand, der Herbst mit letzter Neige
hĂŒllt ihn in SilberfĂ€den dunstig ein.

Er trÀumt sich fraglos durch die Widrigkeiten,
beschirmt fassadentreu mein kleines Haus.
Mit dem „Warum“ beklopft der Mensch die Zeiten,
wirft nach Erkenntnis seine Netze aus.

Dem Baume gleich, dem Erdreich fest verbunden
steht er, sein Scheitel rĂŒhrt den Horizont,
er sucht, sich in sich selber abzurunden -
die Wurzeln kĂŒhl, die BlĂ€tter ĂŒbersonnt,

so hofft er auf das Finden einer Milde,
die kalt und heiß geklĂ€rt in sich vereint,
er trÀumt sich selbst vollendet zu dem Bilde,
das durch sein Dunkles schimmernd ihm erscheint.






__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Thys
Guest
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Vera-Lena,

das ist richtig gut!
Gut geschrieben und auch inhaltlich gut.
Auch der Vergleich zwischen Baum und Mensch ist gelungen.

Mit Gleichmut trÀgt die Nacktheit seiner Zweige
er in den nÀchsten Jahresring hinein.
:
:
:
Mit dem „Warum“ beklopft der Mensch die Zeiten,
wirft nach Erkenntnis seine Netze aus.


Sehr schön. Beide sind des gleichen Ursprungs, beide aus der gleichen Quelle. Der Eine ist "gleichmĂŒtig" der Andere "ungleichmĂŒtig", ruhelos.

Dem Baume gleich, dem Erdreich fest verbunden

Perfekt beschrieben!

steht er, sein Scheitel rĂŒhrt den Horizont,
er sucht, sich in sich selber abzurunden -
die Wurzeln kĂŒhl, die BlĂ€tter ĂŒbersonnt,


"rĂŒhrt den Horizont" ja leider.. ĂŒberschreitet den eigenen Horizont aber nicht.

so hofft er auf das Finden einer Milde,
die kalt und heiß geklĂ€rt in sich vereint,
er trÀumt sich selbst vollendet zu dem Bilde,


Ja, so ist er. Will sich einfach nicht einfĂŒgen in das Ganze, dessen Ursprung er ist. Er will herausragen, sich ĂŒberhöhen und glorifizieren. GrĂ¶ĂŸenwahn! Niemand kann gegen seinen Ursprung leben... langfristig!

das durch sein Dunkles schimmernd ihm erscheint.

Ja, es erscheint ihm einiges. Nur hat dies oft nichts mit der RealitÀt zu tun.

Vera-Lena, ich wiederhole mich eigentlich nur ungern; hier aber gerne. Wirklich GUT!

Gruß

Thys

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

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Hallo Thys,

(war eine Woche im Krankenhaus, erhole mich erst allmÀhlich, kann deshalb erst jetzt antworten)

Danke fĂŒr Deine ausfĂŒhrliche Interpretation und fĂŒr Dein Lob, das mir natĂŒrlich gut tut.

Die Parallele Baum-Mensch war mir wichtig. Den Schluss kann man ganz sicher so lesen, wie Du es tust. Ich hatte dabei aber noch einen anderen Gedanken.

Da der Mensch ĂŒber ein Bewusstsein und somit auch ein Bewusstsein ĂŒber sein ganz persönliches Menschsein verfĂŒgt, hat er die Möglichkeit, an sich selbst zu arbeiten. Er kann schauen, wo seine Extreme liegen im Handeln und auch im FĂŒhlen, ja selbst im Denken. Er kann im Laufe seines Lebens (so alt wie ein Baum wird er ja meistens nicht) anstreben, die eine und andere Untugend abzulegen und sich Tugenden zu erwerben. Das ist durchaus möglich, wenn man seine Gedanken stĂ€ndig unter Kontrolle hat und filtert, welchen Gedanken man weiter verfolgen will und welchen man besser beiseite tut. Eine mĂŒhselige Arbeit, die sich auch erst im Laufe mehrer Jahre beginnt auszuzahlen. (Wenn ich denke, wie geschwĂ€tzig ich als Kind gewesen bin, wieviel Disziplin mir auf diesem Sektor gefehlt hat!!!)

Was auch noch dabei helfen kann, ist die Vorstellung ĂŒber sich selbst, dass man eines Tages bei diesem BemĂŒhen schon weiter gekommen sein wird, also das Ganze nicht als Arroganz, sondern als eine Hoffnung auf ein ZukĂŒnftiges.

Niemand muss meinen Text in dieser Weise verstehen, warum auch? Aber ich wollte Dir doch gerne darlegen, was mir so durch den Kopf gegangen ist.

Noch einmal Danke!

Liebe GrĂŒĂŸe von Vera-Lena





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