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Leselupe.de > Ungereimtes
Herdentier
Eingestellt am 22. 01. 2006 12:54


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ENachtigall
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Herdentier


Im lose vertrauten Halbanonym der Herde
weide ich meine Wochenendgeselligkeit;
verliebe mich Hals über Kopf
in die dunkle Tristesse einer Bassklarinette,
gestehe die letzten Sünden
einem dahergelaufenen Beichtvater,
halte, schüttele warme Hände, kalte Hände,
lehne, stütze, schmiege mich ans Schwarz
der Wände oder ins umarmende Warme.
Zwischen den Garderobenständern
tummeln wir uns am liebsten,
wie in der Küche auf Partys,
oder auf dem roten Klo,
wo die Gedanken mit Flügeln vibrieren:
Kolibris am Zuckerwasserspender.
Wir schubsen, knuffen, boxen uns,
spielen Anekdotenpingpong,
bis der Ball abtaucht.
Eine Zigeunerin streicht
mit dem Bogen ihrer Geige
ein neues Blau in meinen Blues.
Ich puste ihn sanft in die Kaffeetasse.
Jagen wir lieber den schrägen Zungenschlag
unseres regionalen (elll)Ls
noch eine Weile durch die Vorortnamen
Wanne-Eickel, Rauxel, Bladenhorst, woll nich,
bevor wir den strengen
Stallgeruch der Herde
gemächlich zu unseren Schlafstellen tragen.




Anmerkung:
woll nich: heute kaum noch gebräuchliches umgangssprachliches Anhängsel im Ruhrgebiet


Januar 2006

__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Lb. ENachtigall!

Der Mensch ein Herdentier? In der Tat! Schon die Bibel beschwor den Hirten, womit sie Anleitung und Gefahrenabwehr meinte.

Folgen wir Geboten? Sogar denen, die nicht geschrieben sind, den Ruhrpott-Ls, den Kölschen Ks, den schwäbischen Les, dem Stolpern über den spitzen Stain der Hamburger, dem "Weeste" und "Mir" der Berliner. Irgendwie sind wir ohne unsere Herde hilflos und vereinsamt, fehlt die wohlige Wärme, die doch erdrückend sein kann, so atemraubend, so beengend.

Ein guter Text, besonders schön:

quote:
Eine Zigeunerin streicht
mit dem Bogen ihrer Geige
ein neues Blau in meinen Blues.
Ich puste ihn sanft in die Kaffeetasse.

Das ein echter Sprachschatz, der es wirklich in sich hat.

Liebe Grüße in den Westen!

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Prosaiker
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ein treibender text. voran, voran.
das gefällt mir gut. besonders dein "Anekdotenpingpong" hat es mir angetan. wer spielt das nicht gerne?
ein sprachschatz, tatsächlich, das hat Walther gut getroffen.
viele grüße,
Prosa.

ps: warum nicht unter prosalyrik?

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ENachtigall
Foren-Redakteur
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Danke für Eure spontane Rückmeldung!

Walther und Prosa,

mein Verhältnis zur Herde ist durchaus ambivalent. Aber wenn es, wie im beschriebenen Fall, dieses friedliche Miteinander gibt, ist sie ein behaglicher Ort.

Die Zigeunerin hatte eine beindruckende reale "Vorlage", ich fand sie aber im Text fast zu kitschig. Gut, zu lesen, dass es auf Euch nicht so wirkte.

Schönen Sonntag noch

Elke
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