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Leselupe.de > Humor und Satire
Herr K. und das Tissue-Komplott
Eingestellt am 02. 12. 2003 18:15


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Rumpelsstilzchen
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Herr K. hatte den letzten Artikel gelesen und ordnete die Zeitung sorgf├Ąltig nach Seitenfolge, ehe er sie sauber gefaltet am Tischrand ausrichtete. Dann trank er den verbliebenen Rest Morgenkaffee und schob den Stuhl zur├╝ck, um den Tisch abzur├Ąumen.
Das benutzte Geschirr wusch Herr K. sofort ab und verstaute es in den Schr├Ąnken, denn er hasste nichts mehr, als abends in eine unaufger├Ąumte K├╝che zu kommen.

Au├čerdem hatte das Recken und Beugen nach Ober- und Unterschr├Ąnken den vorteilhaften Effekt, dass seine Peristaltik angeregt wurde. Ein pr├╝fender Rundblick in der aufger├Ąumten K├╝che, der auf der Uhr endete, bevor er ins Bad ging.
Er lag gut in der Zeit und da der Verkehrsbericht auch keine besonderen Behinderungen gemeldet hatte, standen ihm ├╝ppige drei├čig Minuten f├╝r seine Darmentleerung und die restliche Morgentoilette zur Verf├╝gung.

Die meisten seiner Kollegen erledigten ihre Gesch├Ąfte w├Ąhrend der bezahlten Arbeitszeit, wie ihm seine Nase unmissverst├Ąndlich mitteilte, wenn ihn der Morgenkaffee in der Fr├╝hst├╝ckspause auf die Abteilungstoilette trieb.
Herr K. verachtete solche Schmarotzer.
Sie betrogen die Allgemeinheit um wertvolle Mannstunden, schissen buchst├Ąblich auf ihren Diensteid! Er fand es erstaunlich, dass es hier├╝ber keinerlei statistisches Material zu geben schien, wo sein Amt doch sonst alles erfasste. Schlie├člich ging es hier um Millionen an Steuergeldern, die in die Kanalisation gesp├╝lt wurden. Manchmal, wenn er nach der halben Flasche Wein, die er sich Freitags beim Abendessen g├Ânnte, von seinem baldigen Aufstieg zum stellvertretenden Abteilungsleiter tr├Ąumte, spielte er mit dem Gedanken, eine Erfassung der Toilettenaufenthalte vorzuschlagen.
Nicht personalisiert selbstverst├Ąndlich, schlie├člich gab es Datenschutz.
Er hatte schon alles genau ├╝berlegt: Man m├╝sste lediglich die T├╝rknebel gegen solche mit Z├Ąhlwerk und Zeiterfassung austauschen. Technisch kein Problem. Er war ├╝berzeugt, dass diese Investition sich in k├╝rzester Zeit amortisieren w├╝rde, wenn die aus den Daten gewonnenen Erkenntnisse in konsequente Dienstvorschriften umgesetzt w├╝rden.
Bisher hatte er es allerdings noch nicht gewagt, diesen Vorschlag in der w├Âchentlichen Dienstbesprechung zu unterbreiten, denn m├Âglicherweise existierte bereits eine solche Statistik, ohne dass er davon wusste. Seine diskreten Nachforschungen waren zwar ergebnislos geblieben, aber wusste er, ob nicht bereits hochbrisantes Material zu diesem Thema im Giftschrank eines Ministerialdirektors lag? Politisch inopportun und totgeschwiegen? Er w├Ąre erledigt.

Nachdem Herr K. mit runtergelassenen Hosen auf der Toilettenbrille Platz genommen hatte, hielt er seinen Anus noch eine Weile geschlossen. Die bewusste Kontrolle seines Schlie├čmuskels im Kampf gegen den dr├Ąngenden Darminhalt best├Ątigte ihm jeden Morgen seine Selbstbeherrschung, auf die er mit Recht stolz war, wie er fand.
Niemals w├╝rde er sich so gehen lassen, wie Frau Rebstein aus der EDV, die auf der Weihnachtsfeier den ganzen Flur voll gekotzt hatte! Aber bei so einer Schlampe konnte man wohl nichts anderes erwarten. Er mochte nicht wissen, wie viel Zeit die auf der Damentoilette verbrachte.

Schlie├člich gab er nach und schloss and├Ąchtig die Augen, w├Ąhrend sich sein Darm entleerte. Ganz von allein und ohne Dr├╝cken, denn Herr K. achtete auf ballaststoffreiche Ern├Ąhrung. Er blieb noch eine Weile sitzen und genoss die angenehme Leere.
Fr├╝her hatte er dabei immer Zeitung gelesen, bis er eines Tages zwangsweise verzichten musste, weil starker Schneefall die p├╝nktliche Auslieferung verhindert hatte. Zum ersten Mal seit seiner Kindheit hatte er dem Vorgang seine volle Aufmerksamkeit geschenkt und ├╝berrascht festgestellt, wie die Konzentration auf das Wesentliche die unverdaulichen Schlacken in seinem Gem├╝t zusammen mit dem Kot abf├╝hrte.
Ziellos streiften Herrn K.s Blicke umher, blieben an der leeren Papprolle im Papierhalter h├Ąngen. Nat├╝rlich war das kein Problem, denn ihm gegen├╝ber an der Wand gelehnt stand ein voller Zehnerpack mit Tissue-Papier. Seine Nachl├Ąssigkeit ├Ąrgerte ihn trotzdem. Eigentlich hatte er gestern nach dem Einkauf eine neue Rolle einh├Ąngen und den Vorratspack in den Abstellschrank r├Ąumen wollen. Dann hatte Frau Kohlscheidt von dr├╝ber geklingelt. Nat├╝rlich brauchte sie wieder was, konnte die sich ihren Einkauf eigentlich nicht aufschreiben?
Pl├Âtzlich stutzte er.

Stirnrunzelnd griff er nach dem Paket:
10 Rollen mit je 250 Blatt feines Tissue-Papier.
Dreilagig.
34m je Rolle.
Blattgr├Â├če 14x11cm.

Etwas stimmte hier nicht.
Zahlen waren seine Welt, da machte ihm keiner was vor.
Er las noch einmal:

10 Rollen mit je 250 Blatt feines Tissue-Papier.
Dreilagig.
34m je Rolle.
Blattgr├Â├če 14x11cm.

Fieberhaft begann er zu rechnen:
Vierzehn mal zweihundertundf├╝nfzig.
Zehn mal zweihundertundf├╝nfzig waren zweitausendf├╝nfhundert.
Vier mal zweihundertundf├╝nfzig ergaben noch mal tausend.
Zusammen dreitausendf├╝nfhundert Zentimeter.
Das waren f├╝nfunddrei├čig Meter.

Zur Sicherheit wiederholte er seinen Rechengang, aber das Ergebnis war eindeutig:
35 Meter je Rolle.
Nicht 34.
Sein Pulsschlag beschleunigte sich.
Was ging hier vor?
Ein Komplott der Papierindustrie?
Noch durchschaute er die Angelegenheit nicht vollst├Ąndig.

F├╝r einen Moment ├╝berlegte er, die Bl├Ątter der Rollen zu z├Ąhlen, doch ein Blick auf seine Armbanduhr sagte ihm, dass daf├╝r keine Zeit blieb. Aber das w├╝rde er nachholen, beschloss Herr K. und riss mit einem entschlossenen Ruck die Verpackung auf. W├Ąhrend er sich den Hintern abwischte, stellte er im Geist schon die Parameter zusammen, die zu ├╝berpr├╝fen waren.

Blattzahl nat├╝rlich.
Einzelne Blattgr├Â├če.
Gesamtl├Ąnge auf der Rolle.

Nat├╝rlich konnte er sich bei seiner Untersuchung nicht auf eine Rolle beschr├Ąnken, f├╝r eine qualifizierte Aussage waren Dutzende, wenn nicht Hunderte erforderlich.

Als er sich die H├Ąnde wusch, fiel ihm ein Punkt ein, der die Messungen erheblich erschweren w├╝rde: Luftfeuchtigkeit, beziehungsweise Feuchtigkeit ├╝berhaupt. Papier war hygroskopisch, wie er leidvoll immer wieder erfahren musste, wenn die Putzfrau den Tisch nicht richtig trocken gewischt hatte, bevor sie die Unterlagen zur├╝ck r├Ąumte. Regelm├Ą├čig waren die Dokumente wellig verformt, weil sich das Papier gedehnt hatte.

ÔÇ×Es wird nicht einfach werden, konstante Messbedingungen zu schaffenÔÇť, sagte er zu seinem Spiegelbild und bleckte die Z├Ąhne, um zu kontrollieren ob seiner Zahnb├╝rste ein Speiserest entgangen war.

Diese un├╝bersichtlichen Rollenanf├Ąnge und -enden, bei denen man nie genau wusste, wo ein Blatt aufh├Ârt und das n├Ąchste beginnt, waren ein weiterer Unsch├Ąrfefaktor, den es zu ber├╝cksichtigen galt.

Herr K. zog sich den Mantel ├╝ber, sah noch einmal nach, ob alle Lampen und Ger├Ąte ausgeschaltet waren, dann nahm er seine Tasche und verlie├č die Wohnung.

Als er die T├╝r hinter sich zu zog, war er sicher, auch daf├╝r eine L├Âsung zu finden, aber jetzt hatten zun├Ąchst seine Dienstpflichten Vorrang.

__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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dubidu
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Sch├Ân,

liebes Rumpelsstilzchen,
ich wei├č nur noch nicht, ob dein Herr K(otzbrocken) ein noch gr├Â├čerer Idiot ist als mein Herr A(rschloch) ist.
Gru├č
gez. das dubidu
__________________
Die Tollk├╝hnheit des Schreibers und sein spontanes Bed├╝rfnis nach Wahrheit m├╝ssen allemal gr├Â├čer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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Gandl

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Registriert: Jul 2003

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Liebes rumpelsstilzchen,
brillant, wie nicht anders von dir zu erwarten.
Dein Blick auf den Durchschnittsb├╝rger (der aber genau dieses "Durchschnitt" nicht gelten lassen w├╝rde, und "B├╝rger" auch nicht) l├Ąsst mich schuddern. Aber: habe ich auch nicht manchmal solche Anwandlungen?
Des beginnenden Wahnsinns? Aber nein, aber nein, es ist doch nur so: dass ich mich nicht verarschen lasse.
Und wir wissen doch alle: Die Industrie versuchts immer wieder.
Na, und Alle Anderen doch auch!
Deswegen: Hut ab! vor deinem Prot.
Na, und vor dir, dass du das so (dem Wahnsinn gleich) aufgeschrieben hast.
Liebe Gr├╝├če
Gandl

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