Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5552
Themen:   95267
Momentan online:
399 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Herr Watsch
Eingestellt am 14. 05. 2013 02:13


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
PaAs
Hobbydichter
Registriert: May 2013

Werke: 1
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um PaAs eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Alles war voller Leute. Warum musste es nur immer so voll sein und immer nur alte Menschen, dachte sich der junge Mann, der sich gekonnt den Weg durch die Menge bahnte.
Frische ├äpfel hier und rote Tomaten dort, an jeder Ecke standen Menschen, die mit Akzenten um Kunden warben. Der junge Mann setzte sich seine Kapuze auf und ging weiter, er wollte nicht schon wieder angesprochen werden.Zu sp├Ąt.
\"Wohin so fr├╝h Timur?\", rief ihm ein Mann entgegen. Ist doch egal Pa\', bis sp├Ąter, sagte der Junge, nahm sich ein paar Sonnenblumenkerne aus der Tasche und lief weiter die belebte Stra├če entlang. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er sich beeilen musste, er durfte nicht zu sp├Ąt kommen. Schon wieder. Mit z├╝gigem Gang erreichte er die 15. Stra├če und war erleichtert, es rechtzeitig geschafft zu haben. Da ├Âffnete sich die T├╝r und ein kleiner, alter Mann kam in gebeugter Haltung heraus. Mit viel M├╝he trug er den Koffer ├╝ber die T├╝rschwelle, als er endlich aufschaute. \"Timmi, sch├Ân, dass du schon da bist, hilfst du mir?\", er zeigte dem Jungen ein beinahe zahnloses L├Ącheln, er war froh wenn er Gesellschaft hatte. Ich hei├če Timur.
Der Junge nahm den Koffer und drehte sich zur Stra├če. Wohin gehen wir heute, fragte er den Mann. \"Ich m├Âchte dir einfach was zeigen.\" Gleichg├╝ltig schaute Timur auf die Stra├če,er schaute die Leute an, wie sie in ihren schicken Anz├╝gen liefen und mit ihrem Kaffee To-Go was ganz besonderes waren. Von mir aus.
\"Warum musstest du gleich deine Zeit mit mir verbringen? Ich wei├č, ihr jungen Leute habt sicher besseres zu tun, aber es freut mich, ja wirklich.\" Timur musste sich anstrengen, um den Mann zu verstehen, seine Stimme war so leise, so leer. Sie fragen mich nun schon zum dritten Mal.
\"Tut mir Leid mein Junge, ich bin schon alt und erinnere mich nicht mehr an alles, was man mir sagt.\" Solange du noch wei├čt wer du bist und wo du wohnst, dachte sich Timur.
Ich muss meine Sozialstunden abarbeiten.
\"Ach ja.\"
Eine Weile gingen sie still die Stra├če entlang als der Mann stehen blieb. Was ist?
\"Wisst ihr, ihr jungen Leute seid immer so verhetzt. Siehst du die Bank dort?\"
Wo das M├Ądchen sitzt? \"Ja.\" Die sehe ich ja. Er stellte den Koffer ab. Was soll damit sein?
\"Dort hab ich meine Frau gefragt, ob sie mich heiraten will.\"
Was, auf der Bank? Ich habe mir das immer anders vorgestellt, mit Blumen oder so.
\"Oh ich hatte Blumen, es war der teuerste Strau├č, den ich je gekauft habe.\" Der Mann lachte leise und seufzte. Sie sind also verheiratet? \"Ich war es ja, ├╝ber 60 Jahre lang.\" Hat sie Sie verlassen? \"Sie ist gestorben.\" Tut mir Leid. \"Sie war mein Ein und Alles.\"
Eine Weile standen sie da und schauten nur auf die Bank, bis ein Bus kam und das M├Ądchen einstieg. Als er weg fuhr schien es , als w├Ąren die Erinnerungen mit ihm gefahren.
Gehen wir weiter Herr Watsch, wir haben nicht mehr viel Zeit.
\"Ich habe nicht mehr viel Zeit, du hast recht mein Junge.\" Inzwischen waren die Stra├čen ein wenig leerer, die Leute arbeiteten in ihren B├╝ros oder sa├čen in ihren Gesch├Ąften und hofften auf Kundschaft.
Ich hoffe es regnet nicht. Herr Watsch schaute in den Himmel.
Das Blau des Himmels war mit grauen Wolkenfetzen bedeckt, als w├╝rde er den Himmel vom Dreck der Erde sch├╝tzen wollen, wie eine Decke.
\"Und, hast du eine Freundin?\" Timur steckte seine Hand erneut in die Tasche, nahm ein paar Sonnenblumenkerne heraus und steckte sie sich in den Mund.
Ich? Nein, ich will auch keine. \"Das sagst du jetzt, ich w├╝nsche jedem und besonders dir, dass du einmal eine Familie haben wirst, du bist kein Krimineller.\" Was wissen Sie schon ├╝ber mich.
\"Ich wei├č eine Menge, vielleicht nicht ├╝ber dich, aber ├╝ber das Leben.\"
Soll ich Sie zur├╝ck bringen? Wozu ├╝berhaupt der Koffer?
Die ganze Zeit trug er den Koffer mit sich herum, der sich f├╝r ihn wie leer anf├╝hlte.
\"Warte noch, ich m├Âchte dir noch was zeigen. Siehst du die Wohnung dort an der Ecke? Die im zweiten Stock, wo das Fenster offen ist.\" Ja. \"Es ist sch├Ân zu sehen, dass noch Leben in der Wohnung ist. Das war unsere Wohnung, unsere erste. Wei├čt du wie sich so was anf├╝hlt?\"
Nein.
\"Es ist das beste Gef├╝hl, was du dir vorstellen kannst. Immer wenn du nach Hause kommst, ist jemand f├╝r dich da, es ist was warmes zu essen auf dem Tisch und du f├╝hlst dich sicher. Sicherer als sonst wo auf diese Welt.\"
Sie scheinen gl├╝cklich gewesen zu sein. Es tut mir Leid f├╝r Sie, dass gerade so einer wie ich jetzt bei Ihnen sein muss.
Er sah aus dem Augenwinkel, wie dem Mann eine Tr├Ąne ├╝ber die faltige Haut lief. Er tat ihm Leid. \"Ich w├╝nsche jedem eine Familie, besonders dir.\"
Ich wei├č.
Als das Fenster der Wohnung von einem kleinen Kind geschlossen wurde ging der Mann ohne weitere Worte. Wohin gehen wir? Er antwortete nicht, aber Timur folgte ihm still.
Er war von sich selbst erstaunt, dass er erschrocken war, als er sah, wohin der Mann ihn gef├╝hrt hatte. Was machen wir hier?
\"Wir besuchen meine Frau. Du gehst jetzt am besten nach Hause. Ich w├╝nsche dir alles gute.\"
Sie k├Ânnen nicht einfach gehen, ich bin verantwortlich f├╝r Sie.
\"Jeder ist verantwortlich f├╝r sich selber.\" , sagte der Mann ohne sich um zudrehen.
Als er den Friedhof betrat, sp├╝rte Timur, wie eine Erleichterung die Umgebung erf├╝llte.
Und der Koffer? \"Behalte ihn.\"
Timur hockte sich hin und ├Âffnete den Koffer, darin ein Bild. Er nahm es in die Hand und begutachtete es. Eine schwarz ÔÇô wei├č Aufnahme. Ihm strahlten zwei Gesichter entgegen. Herr und Frau Watsch. Auf der R├╝ckseite war ein Schriftzug
\"Ich w├╝nsche dir alles gute, Timmi.\"

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung