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Leselupe.de > Humor und Satire
Hillfe fier's Folk
Eingestellt am 30. 04. 2010 21:36


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XBLiebig
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2010

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Was beginnt mit ‚Apo‘ und ist eines der elementarsten Dinge des Lebens?


Die Antwort auf diese Frage ist ein Produkt aus Lebenseinstellung, Bildung und Herkunft. Die mit dem klerikalen Hang werden sofort an die Apostel oder an die Apotheose denken, die Pessimisten an die Apokalypse, die Hypochonder an die Apotheke, Frauen an Apoll und die Fortschrittsfanatiker an das Apollo-Programm der NASA. Und die ewigen 68ern bekommen feuchte Augen beim Gedanken an ihre Ideale, die sie in der APO (fast) verwirklicht hÀtten. Was uns aber ALLE miteinander verbindet (oder trennt?), seien wir Raucher oder Nichtraucher, Heilige oder Scheinheilige, Reiche oder Neureiche, ist ein kleines, verstecktes, aber umso wichtigeres Teilchen: der Apostroph.

FrĂŒher litt er arg unter starker Einsamkeit, weil ihn kaum einer verwenden wollte. So fristete er sein ihm angeborenes Schattendasein zwischen Bindestrich, eckiger Klammer und zweitem Futur. Nicht von ungefĂ€hr heißt er gemeinhin auch ‘Auslassungszeichen’, weil er nur dort als Stellvertreter hinkommt, wo bestimmte Wortteile ausgelassen werden. Heute jedoch hat er die Herrschaft ĂŒber uns und unsere Reklametafeln ĂŒbernommen.

Dabei fing alles zunĂ€chst harmlos an. Wir kannten ihn in dieser Form zunĂ€chst nur als exotische KuriositĂ€t aus Fernsehserien: in O'Conner's Bar, Peter's House of Horror, Ralph's Pizza Heaven. Dann muß er wohl auf dem Meeresboden als Angestellter von McDonald’s zu uns gekrochen sein. Getarnt zwischen Gurkenscheiben und Zwiebelringen, unter einer köstlichen Schicht SchmelzkĂ€se ist er in unser von 100% reinem Rinderwahn geschwĂ€chtes Bewußtsein geschlichen.

Und dann plötzlich, eines nachts, als wir friedlich schliefen, lĂ€utete er Sturm, blies zur Attacke, wie man sie aus den Western mit John Wayne kennt. Er durchbrach mit Vehemenz unsere Linien und ĂŒberflutete mit seinen Heerscharen unsere Druckerzeugnisse. Die Rechtschreibfront war zerstört, gefallen, vernichtet. An allen Ecken eröffneten die Apostrophen ihre LĂ€den: Regina's StricklĂ€dle, Heidi's Schnapseck oder RĂŒdiger's Nachtbar, wĂ€hrend wir wĂŒtende und sarkastische Pamphlete an unseren PC's verfaßten.

Vielleicht hĂ€tten wir es noch schaffen können, wenn wir unsere Gegner ernst genommen hĂ€tten. AnfĂ€nglich hatten wir uns noch lustig gemacht, dachten, wir hĂ€tten es mit lĂ€cherlichen Randerscheinungen zu tun. Doch mit der Zeit begannen wir selber, unsicher zu werden. Immer öfter erfolgte der Griff zum Duden mit den Rechtschreibregeln: Aha, so ist das also. Genau. Wir haben unser mĂŒhselig eingepauktes Schulgrammatikwissen wieder auf Vordermann gebracht und haben uns an der nĂ€chsten Ecke prompt erneut verunsichern lassen.

Die normative Kraft des Faktischen: Behaupte einen Blödsinn so lange, bis er durch seine stete Wiederholung richtig wird. Die permanente eigene Unsicherheit machte uns klar, dass wir nun die bedrohte Minderheit waren. So wurde es fĂŒr uns Zeit, einen Feldzug gegen den falschen Apostrophen aus unserem Exil heraus zu beginnen. Aber irgendwie schien niemand mitmachen zu wollen, schon gar nicht die unkaputtbaren Werbetexter. In Rom stolperte ich ĂŒber einen FrĂŒchtestand, der mich mit der Aufforderung „Eat the Fruit's“ zum Kauf animieren wollte und in MĂŒnchen auf eine Bratstation fĂŒr Hen'dl. Die Sinnlosigkeit wurde mir klar, als ich in einer BĂ€ckerei das alles entscheidende Schild las: "Das Betasten der Waren ist strengsten's verboten". Da gab ich auf. Und nun haben wir ihn: den totalen Apostrophen, der vom Auslassungszeichen zum EinfĂŒgungszeichen mutierte.

Was sagt eigentlich die Rechtschreibreform zum Apostrophen, außer dass er vermutlich jetzt mit einem ‘f’ geschrieben wird? Egal. Eine (Über-)Lebensregel besagt: wenn du nicht gegen den Strom ankommst, schwimme mit ihm. Anfangs ein Gegner von Reformen, die oft die Regeln so verwĂ€ssern, dass man plötzlich nur noch von Ausnahmen leben muß, bin ich heute deren glĂŒhendster Verfechter.

Plötzlich liegt alles so deutlich vor Augen: es muß alles einfacher werden, also her mit der Rechtschreibreform Den Gedanken, die Schrift der Sprache anzupassen, um die elitĂ€ren GralshĂŒter der Kommas, der richtigen Schreibweise und der Grammatik brotlos zu machen, finde ich gut. Nicht wir sollten die Grammatik lernen, nein, die Grammatik soll sich doch gefĂ€lligst uns anpassen. Sollen die doch endlich etwas VernĂŒnftigeres tun, die uns schon in der Kindheit mit der dicken Schwarte deutscher Grammatik drangsaliert und unseren jugendlichen Lebensmut mit ihr erschlagen haben.


Weg damit!


Er'st einmal bringen wir die neue rechtschreibung ĂŒber di BĂŒne und dann 'setzen wir sĂ€mtliche Kommas der Welt nach oben. Meiner Meinung nach waren die wahren TrĂ€ger des Apostrofismus diejenigen, die seit jeher Probleme mit der Kommasetzung hatten. Wahrscheinlich gilt auch hier das Gesetz von der Erhaltung der Masse. Und da mußten die Kommas natĂŒrlich irgendwo hin.. Nun endlich wird alles klarer: semtliche Kommas nach oben, und zwar ganz einfach vor jedes 'S'. Die 'sogenannten deut'schlerer 'sollen er'st einmal 'so richtig neudeut'sch lernen, di'se afektirten aufgebla'senen ferfechter der gramatig. allmehlich merke ich wi alle's einfacher wird wenn man dem klein'sten gemein'samen nenner rechnung tregt. le'se'schweche? war alle's nur humbug und fauler t'sauber der leute die mit iren nachhilfe'stunden nur geld 'scheffeln wollten weil 'sie angeblich alle's fil be's'ser können.

Ab nun eliminieren wir ale dopelten buch'staben und 'schreiben ale's klein dan entfernen wir 'semtliche umlaute: Ă€ wird zu e, ĂŒ wird zu i und ö zu e. ale worte mit mer als zwei 'silben fligen rau's. da's denungs 'h' mu's auch gen. Eben'so k (er'sedst durch g) un t (durch d) schwere worde falen der word reform zum opfer. wen wir schon dabei 'sin 'solden wir auch iber fli'sige buch 'sdaben 'sdreichen. 'sum bei'spil da's z da's onehin fa'sd wi ein 'S ge'sbrochen wird kende ein 's werden. und iberhaubt i's ale's noch fil 'su dof. “' ““' “ “““ “““

__________________
I'll let you be in my dreams if I can be in yours
Bob Dylan

Version vom 30. 04. 2010 21:36
Version vom 02. 05. 2010 12:12

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