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Leselupe.de > Kindergeschichten
Himmelblau im Streik
Eingestellt am 22. 10. 2002 00:33


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wondering
Fast-Bestseller-Autor
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Himmelblau im Streik

An einem Sommermorgen, mitten in den Ferien, wachte Bille auf. Sie merkte sofort, dass etwas anders war als sonst. Sie rieb sich kr├Ąftig die Augen und blinzelte in ihrem Zimmer umher. Was war denn das? Alles um sie herum sah grau aus. Alle Farben waren verschwunden. Ihre Bettw├Ąsche mit den vielen, bunten Farbklecksen war nur noch grau. Der rote Ball, oder ist er orange gewesen? Jetzt war er auch grau! Egal wo Bille hinsah, es gab nur noch eine Farbe. Grau. Mal ein bi├čchen heller oder auch dunkler, aber eben grau. Bille sprang erschrocken aus ihrem Bett und lief zum Fenster. Sie rieb sich noch einmal die Augen, vielleicht hatte sie noch Schlaf darin von letzter Nacht. Aber als sie nach drau├čen schaute, sah dort auch alles nur grau aus. Die Wiese war nicht mehr gr├╝n, der Baum vor ihrem Fenster nicht mehr braun, seine Bl├╝ten nicht gelb. Ihr sch├Ânes Fahrrad, das am Schuppen lehnte, war doch vorher gelb und blau gewesen, oder nicht? Und da, gerade flatterte ein Schmetterling an ihrem Fenster vorbei, mit grauen Fl├╝geln. Das gibt es doch nicht! Oh je, was ist passiert?
Bille wollte v├Âllig verwirrt zu ihrer Mutter laufen, als pl├Âtzlich jemand sagte: „ He, du!“ Das M├Ądchen erschrak heftig und starrte in die Richtung, aus der die Stimme kam. „Entschuldige, falls ich dich erschreckt habe, aber ich muss dir Wichtiges mitteilen.“ Mitten auf dem Teppich, der vorher so bunt gewesen war, stand ein kleines M├Ąnnchen in einem grauen Anzug, mit hellem Hemd und dunkler Krawatte. Bille schaute die kleine Gestalt mit gro├čen Augen ├Ąngstlich an. Bevor sie etwas sagen konnte, begann das M├Ąnnlein energisch auf und ab zu gehen, setzte eine wichtige Miene auf und sagte: „Mein Name ist Markus Malkasten und ich bin der Farbensprecher. Mein Auftrag ist es, heute zu verk├╝nden, dass die Farben in einen Streik getreten sind. Ab sofort und auf unbestimmte Zeit sind alle Farben erst einmal weg. Wir haben das Grau als Notfarbe hier gelassen.“. „Was, wie bitte?“, rief Bille und traute ihren Augen und Ohren nicht. „Was soll das hei├čen, die Farben streiken? Das geht doch gar nicht. Farben k├Ânnen nicht einfach weg sein. Sie sind immer da. Und ├╝berhaupt, warum streiken die Farben denn eigentlich?“ Bille wurde auf einmal ziemlich w├╝tend, denn ihr sch├Âner, brauner Teddy war auch grau. Was bildete sich dieses M├Ąnnlein da ein? So ein Unsinn. Bille stemmte beide H├Ąnde in die Seiten und schimpfte: „ Kannst du grauer Zwerg mir bitte mal erkl├Ąren, wo die Farben hin sind und wann sie wieder kommen?“ „Tja, gn├Ądiges Fr├Ąulein,“ sagte der Kleine und setzte ein ernstes Gesicht auf, „ das ist so: Die Farben sind schon lange der Meinung, sie erhielten nicht genug Beachtung. Sie haben es satt, dass man sie „rot“, „blau“, „gr├╝n“ oder „gelb“ nennt. Ich habe hier Hunderte von Beschwerdebriefen von zum Beispiel „zitronengelb“, von „kirschrot“ oder „eierschalenweiss“. Sieh‘ nur!“ Der kleine Mann klappte seine Aktentasche auf und es purzelten lauter kleine Farbschnipsel wie Konfetti heraus. Bille staunte. So viele verschiedene Farben, bunter als jeder Regenbogen. Das M├Ąnnlein erkl├Ąrte wichtig weiter: „ Die Bedingung, dass alle Farben wiederkommen, ist folgende: Die Farben wollen gesehen werden. Sie wollen, dass man sie erkennt und unterscheidet. Wei├čt du, sie geben sich st├Ąndig solche M├╝he, alle da zu sein. Aber die Menschen nennen das Himmelblau einfach blau, das Wasserblau auch nur blau, und das Nachtblau ist zur Zeit v├Âllig beleidigt!“
Bille lie├č die Arme aus den Seiten fallen und dachte dar├╝ber nach, welche Farbe ihr Ball tats├Ąchlich gehabt hatte: rot oder orange. Sie schaute den kleinen Mann nachdenklich an und fragte: „ Warum kommst du zu mir? Was kann ich tun?“ Das M├Ąnnchen sah Bille fest in die Augen und sagte fast beschw├Ârend: „ Du bist ein Kind. Du hast deine Augen noch v├Âllig offen. Sieh‘ genau hin. WIE blau ist der Himmel, WIE gelb sind Sonnenblumen und WIE rot ist dein Ball? Und dann erz├Ąhle es deinen Freunden und allen anderen so, wie du es siehst. Die Farben sind bereit zur├╝ckzukehren, wenn,“ und der kleine Mann im Anzug nahm seine Sache gerade enorm ernst, „ wenn ihr Menschen versichert, keine Farbe mehr zu ├╝bersehen. Schlie├člich sind sie, jede einzelne Farbe, dazu da, eure Welt so herrlich bunt zu machen.“ „Na gut,“ gestand Bille ein, „du hast Recht. Aber kannst du mir auch versprechen, dass dieselbe Farbe zu meinem geliebten Teddy zur├╝ckkommt, wie vorher?“ Das M├Ąnnchen schaute fast ver├Ąchtlich und sagte: „Das wirst du ja wohl selbst sofort erkennen k├Ânnen. Du kannst dich sonst gerne bei mir beschweren. Das ist mein Job.“
Bille war nun fest entschlossen, alle Farben zur├╝ckzuholen und wollte ganz schnell nach drau├čen zu ihren Freunden, um damit zu beginnen. Ihr Blick fiel beim Anziehen auf ihr so graues Lieblingsbilderbuch. Sie hatte es jetzt sehr eilig.
„Eins noch,“ rief das M├Ąnnlein und wandte sich zur T├╝re, „ die T├Âne und Ger├Ąusche denken gerade ├╝ber ihren Streik nach.“

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JojoBrown
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2002

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Himmelblau im Streik

Lieber unbekannte Schreiberling
Ich habe diese Zeilen mit sehr viel Interesse gelesen.
In der Hoffnung, dass so etwas nie passiert, sage ich,
toll, dass es jemanden gibt, der sich ├╝ber nie dagewesenes
Gedanken macht. Aber mal im Ernst, wir achten doch noch kaum darauf wie Farben wirklich beschaffen sind.
Von daher, ist das Thema nicht so doll an den Haaren herbei gezogen, wie es auf den ersten Blick scheint.
Ich ziehe meinen Hut, und sage: Weiter so, es macht Lust auf mehr.

Jojo030156@lycos.de
__________________
Jojo Brown

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wondering
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Registriert: Oct 2002

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eben drum

Lieber Jojo,
was du herausgelesen hast,ist genau das, was die Geschichte den Kindern, und durch das Vorlesen auch den Erwachsenen zeigen soll. Interessant, wie unterschiedlich beim Probevorlesen, die kleinen bzw. gro├čen Zuh├Ârer reagiert haben. Die Kids haben es gleich verstanden, die Gro├čen waren nicht immer zufrieden mit dem Ende der Geschichte und verlangten nach kompletter Aufl├Âsung. Die Kids haben gleich von den unterschiedlichsten Farben erz├Ąhlt: mein hellrose Kleid, mein Ball ist gelb wie ein Zitrone etc. w├Ąhrend die Erwachsenen z.B. meinten : "Meine Libelingsfarbe ist blau...in meiner K├╝che ist alles blau"...

Liebe Gr├╝├če
wondering

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Criss Jordan
???
Registriert: May 2001

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Hallo Wondering

Deine Geschichten lesen sich wunderbar. Auch diese hier. Traumhaft sch├Ân. Und damit die Farben nicht wieder streiken: Meine Lieblingsfarbe ist Gr├╝n: Sturmgr├╝n, so wie der himmel aussieht, kurz bevor ein Herbststurm ├╝bers Land fegt.


Criss
__________________
Ensign Criss Jordan
Protection Highlander NCC 2404-A
K├╝chenchef bei Das Kochbuch

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wondering
Fast-Bestseller-Autor
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sturmgr├╝n

Hallo Criss,
vielen Dank! STURMGR├ťN! Klasse; findet sich in keinem Malkasten! Genau das meine ich
Liebe Gr├╝├če
wondering
__________________
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie woanders zu suchen.

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