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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hinter meinen Augen..
Eingestellt am 03. 10. 2003 19:09


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None Back
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

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Die Sonne stand hoch am hellblauen Himmel, schickte ihre Strahlen zu uns herunter, w├Ąrmte uns.
Meine Hand umfasste die ihre mit einer Z├Ąrtlichkeit, die sich mit meinem ├äu├čeren zu beissen schien.
Meinem ├äu├čeren, das aus kalten, grauen Augen bestand; einem Mund, dessen Winkel immer herunter gezogen schienen, im Schatten gelegen; einer zerfurchten Stirn die Abweisung und K├Ąlte bereit hielt.
Mein Daumen strich ├╝ber ihren Handr├╝cken - und ich sp├╝rte ihre warme, seidige Haut unter meiner rauhen; sp├╝rte das Leben, das in ihr pulsierte und sich in jeder ihrer Bewegung zeigte, sich in ihrer Mimik widerspiegelte.
Sie liebte ihre Existenz; und ich liebte sie, meine Frau.

Unsere Blicke lagen auf der Landschaft, die sich unter uns erstreckte, den Wiesen, die mit einem satten Gr├╝n ├╝berzogen waren und den gelben Weizenfeldern, die sich mit dem Wind hin und her wogen.
Sie lehnte sich an mich, legte ihren Kopf leicht an meiner Schulter ab und seufzte vor Gl├╝ck, genoss den Anblick.
Schweissperlen prangten noch auf meiner Stirn, Schweissperlen von dem harten Aufstieg, den wir hinter uns gebracht hatten, um das Land ├╝berblicken zu k├Ânnen.
Wir hatten nicht mehr lange, denn sie warteten auf uns. Dort unten glichen sie Ameisen, die von einem Ort zum anderen liefen, aufgeregt, hektisch, als h├Ątten sie eine neue Futterquelle gefunden - eine ganze Armee.
Ich drehte sie zu mir um, presste meine Lippen auf ihre, leidenschaftlich, um mich bald darauf von ihr zu l├Âsen. Sie w├╝rde die erste sein, die erste auf dem Weg nach unten.
Meine Finger glitten ├╝ber ihre Gurte um sie festzuzerren. Ich wollte kein Risiko eingehen, nicht bei meinem Engel.

Und dann machte sie sich daran, die steile Steinwand wieder zu verlassen.
Mit ihrem Fu├č suchte sie einen Felsspalt, der ihr genug Halt bot, ihre schlanken Finger klammerten sich dagegen an den steinigen Rand, fest, damit sie sich halten konnte.
Langsam, vorsichtig machte sie sich weiterhin an den Abstieg.
Wenn sie sich konzentrierte schaute immer ihre Zungenspitze aus dem rechten Mundwinkel hervor; ich konnte dar├╝ber immer nur l├Ącheln.

Sie hatte vielleicht 1 m hinter sich gebracht, als man ein leises Klirren h├Ârte, ein Klacken.
Ich hatte sie genau im Blickfeld und jetzt schon schoss mir die Sorge in die Augen, haftete auf der Oberfl├Ąche, genau erkennbar, wie ├ľl auf dem Wasser haftet.
Doch sie schenkte mir nur ein weiteres, liebliches L├Ącheln - wie stets -, damit ich meine Sorgen verga├č.

Gerade wollte sich ihr Fu├č einen neuen Halt suchen, gerade wollte sie aufatmen, als sie pl├Âtzlich, begleitet von einem weiteren Klacken einen halben Meter fiel.
Ihre Augen rissen sich auf, suchten die meinen, als sie pl├Âtzlich, in Panik, ihre Hand hilflos ausstreckte, irgendetwas zu greifen versuchte - einen Felsspalt.
Doch ihre Bewegungen waren zu hektisch, zu unkontrolliert, als das sie etwas zu greifen vermocht h├Ątte.

Sofort lie├č ich mich auf die Knie fallen, auf den Bauch. Ich sp├╝rte die kleinen, kantigen Steinchen unter mir, die durch meine Weste zu sto├čen schienen, um mir Schmerzen in meinem Leibe zu bereiten - aber vielleicht war es nur mein Herz.
Ich streckte meine Hand unter Angst aus, ihr entgegen; sie tat es mir gleich.
Unsere Fingerkuppen drohten sich zu ber├╝hren, als wir nacheinander zu greifen versuchten. Die Panik in ihren Augen schmerzte, w├Ąhrend ich versuchte mich weiter vorzubeugen, mich zu strecken; ich schaffte es nicht.
Immer und immer wieder schienen unsere Finger sich zu streifen, nur zu ber├╝hren.
Und dann ├Âffnete sie ihren Mund und es entkam ihr ein entsetzter Schrei, erf├╝llt von Angst, Qualen - genau in diesem Moment war ein weiteres Ger├Ąusch zu h├Âren und die Gurte entledigten sich v├Âllig ihres Haltes, so dass sie fiel; fiel, in die Tiefe, die sie zu verschlucken drohte; in eine Tiefe, die ihr das Leben nehmen w├╝rde.
Im Einklang mit ihrem Schrei ert├Ânte auch meine Stimme gepeinigt, w├Ąhrend ich meine Hand noch ausstreckte, meinte sie fassen zu k├Ânnen.

Damals schrie ich im Traum, so dass sie neben mir aufwachte, mich r├╝ttelte, mir beruhigende Worte zufl├╝sterte.
Und damals wachte ich auf, bewusst, nur eine Illusion vor Augen gehabt zu haben.
Voller ├ťberschung nahm ich sie in die Arme, dr├╝ckte sie an mich, zerquetschte sie f├Ârmlich unter meinen rauhen H├Ąnden, w├Ąhrend ich zu zittern begann.

.. und damals verstand ich, was sie mir wirklich bedeutete.

__________________
"F├╝r jedes menschliche Problem gibt es immer eine einfache L├Âsung: klar, einleuchtend und falsch."
- Henry Louis Mencken -

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Hallo None Back,

inhaltlich gef├Ąllt mir der Text recht gut. Geschichten, die sich am Schlu├č als Traum entpuppen, sind immer heikel, weil der Leser sich schnell ver├Ąppelt f├╝hlt; du hast das mit dem letzten Satz sehr gut gel├Âst.

Sprachlich k├Ânntest du noch daran arbeiten. Manche Formulierungen klingen seltsam, z.B. "Ihre Augen rissen sich auf" - da f├Ąnde ich "├Âffneten sich weit" besser, oder aber "mit schreckgeweiteten/ vor Entsetzen geweiteten Augen suchte sie meinen Blick", etwas in der Art. Es gibt noch andere solche Stellen.

Das Stilmittel der Wiederholung ("Mein ├äu├čeres", "Schwei├čperlen") liest sich auch nicht so gut.

Schau dir den Text daraufhin noch einmal an; ich gehe auch gerne noch einmal genauer durch, wenn du m├Âchtest.

Gru├č,
Gabi

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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

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Hallo, None Black!
Nimm Gabis Angebot an. Da ist so einiges nicht recht stimmig, vor allem sprachlich. Inhaltlich finde ich, dass deine Geschichte nicht sonderlich viel hergibt. Ich wusste nach dem ersten Absatz, dass da einer abst├╝rzen werden w├╝rde. Der Traum hat mich zwar ├╝berrascht, doch stellte sich tats├Ąchlich ÔÇô wie Gabi schon erw├Ąhnte ÔÇô dieses Lesergef├╝hl ein, ver├Ąppelt worden zu sein.
Um nichtsdestotrotz einen konstruktiven Gedanken anzuf├╝hren: Ich habe ├╝berlegt, wie man diese Traumsache abwandeln k├Ânnte, so dass die ganze Geschichte mehr an Tiefe (von r├Ąumlicher mal abgesehen J) gewinnen k├Ânnte. ÔÇô Ein Traum hat immer eine Bedeutung; so also auch dieser. ├ťberleg und f├╝ge doch hinzu, weshalb der Erz├Ąhler solch einen Traum haben k├Ânnte. Steckt da eine Angst hinter, sie zu verlieren und woher r├╝hrt sie? Ich k├Ânnte mir zum Beispiel vorstellen, dass er bef├╝rchten k├Ânnte, seine Frau hielte ihn insgeheim f├╝r unvollkommen, gef├╝hlskalt, vielleicht sogar h├Ąsslich. (Dann w├╝rde auch die Stelle im ersten Absatz ├╝ber sein ├äu├čeres Sinn ergeben. In der bisherigen Version suche ich noch verzweifelt danach.) Diese Angst k├Ânnte nach dem Erwachen Thema seiner Gedanken werden und den ganzen Traum in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.
Nur eine Anregung.
Mit literarischen Gr├╝├čen
Markus Veith

__________________
"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

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