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Leselupe.de > Kurzprosa
Hinterhöfe einer Stadt
Eingestellt am 03. 04. 2008 16:39


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Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

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Hinterhöfe einer Stadt


Taubengrau liegt der Himmel über der Stadt. Am Horizont, über der Aurora-Fabrik, brechen fahle Lichtstreifen durch die Wolkendecke. Dichter, weißer Qualm steigt aus den Schloten empor, so weich, dass ich ihn fast greifen möchte, aber er zerfasert schnell in der Luft. Ein Baukran schwenkt über die Dächer der Häuser. Investoren schwören auf diese Seite des Flusses, stark im Kommen soll sie sein. Heute merkt man davon noch nichts. Nur dass nebenan schon große Bürokomplexe aus dem Boden gestampft werden, zeugt von dem Geld, das hier in Zukunft gemacht werden soll.

Die Kirche mit den beiden wuchtigen Türmen steht wie eine Trutzburg am Anfang des Straßenzuges, Erinnerung an alte Zeiten, als die Brücke über den Fluss noch aus Eisen war und das Getrappel der Pferde weit durch die Gassen hallte. Die Türen der Kirche sind verschlossen, Trostsuchende müssen den Pfarrer erst herbei klingeln. Ein Zugeständnis an veränderte Zeiten – verschlossene Kirchentüren.

Schwarz verfärbte Backsteinmauern fangen meinen Blick, von der Straße aus nicht sichtbar – aber hier, von meiner Warte hoch über den Dächern, sehe ich weiter: Auf jedem Haus eine Satellitenschüssel, die die Sicht verschandelt. Wirr und ungeordnet scheinen die Gebäude nach dem Krieg an krummen Straßen wieder aufgebaut worden zu sein.

Weiter hinten noch mehr Baukräne, ein schmales Hochhaus, das aus der Silhouette hervorsticht, ein paar kahle Bäume dazwischen, deren Kronen wie armeegrünes Gestrüpp anmuten.

Aber da, verborgen im Innenhof hinter einer alten, löchrigen Mauer, steht eine Linde in knospendem grünen Flaum.


Version vom 03. 04. 2008 16:39
Version vom 03. 04. 2008 17:43
Version vom 04. 04. 2008 16:22

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Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Eve,

ein Text, dem die Sehnsucht nach Natur innewohnt.
Ich würde aber an deiner Stelle hie und da noch straffen.
Im Folgenden meine Vorschläge.

quote:
Hinterhöfe einer Stadt

Taubengrau liegt der Himmel über der Stadt.Träge und breit dehnt er sich aus. Am Horizont, über der Aurora-Fabrik, dringen fahle Lichtstrahlen durch einen Riss, die vermuten lassen, dass irgendwo dahinter die Sonne scheint.Hier wäre vielleicht noch schön, was gerissen ist... Dicker, weißer Qualm steigt aus den Schloten empor, so weich, dass ich ihn fast greifen wollte, aber er zerfasert schnell in der Luft. Ein Baukran schwenkt gemütlich über die Dächer der Häuser. Investoren schwören auf diese Seite des Flusses, stark im Kommen soll sie sein. Heute merkt man davon noch nichts. Nur, dass in der Parallelstraße große Bürokomplexe aus dem Boden gestampft werden, zeugt von dem Geld, das hier in Zukunft gemacht werden soll.

Die beiden Türme der ökumenischenWen interessiert's? Kirche stehen wie eine Trutzburg am Anfang des Straßenzuges, Erinnerung an alte Zeiten, als die Brücke über den Fluss noch aus Eisen war und das Hufgetrappel der Pferde weit durch die Gassen hallte. Die Türen der Kirche sind verschlossen, erst muss der Pfarrer herbei geklingelt werden, um den Trostsuchenden zu öffnen. Auch ein Zugeständnis an veränderte Zeiten – die verschlossenen Kirchentüren.Glaubst du, deine Leser sind dumm? Der Zusatz ist mir zu erklärend.

Schwarz verfärbte Backsteinmauern fangen meinen Blick über die Häuser auf, von der Straße aus nicht sichtbar – aber hier, von meiner Warte hoch über den Dächern, sehe ich tiefer. Auf jedem Haus eine Satellitenschüssel, die die Sicht verschandelt. Wirr und ungeordnet scheinen die Gebäude nach dem Krieg an krummen Straßen wieder aufgebaut worden zu sein, so scheint es zumindest von hier oben.

Weiter hinten noch mehr Baukräne, ein schmales Hochhaus, das aus der Silhouette hervorsticht, ein paar kahle Bäume dazwischen, deren Kronen wie armeegrünes Gestrüpp anmuten.

Aber da, verborgen im Innenhof hinter einer alten, löchrigen Mauer, steht eine Linde in knospendem grünen Flaum.


Vielleicht magst du das ein oder andere ja übernehmen. Mir hat dein Text gefallen, auch wenn die Idee sicherlich keine Neue ist.

Liebe Grüße,
Hakan

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Eve,

ein toller und "hoffnungsvoller" Plot. Du hast den Augenblick wunderbar eingefangen:
Vorschläge:

Taubengrau liegt der Himmel über der Stadt. Am Horizont, über der Aurora-Fabrik, dringen brechen fahle Lichtstrahlen durch einen Riss in der die Wolkendecke. Dicker irgendwie passt das Wort (für mich) nicht, weißer Qualm steigt aus den Schloten empor, so weich, dass ich ihn fast greifen wollte möchte, aber er zerfasert schnell in der Luft löst sich zu schnell in der Luft. Ein Baukran schwenkt über die Dächer der Häuser. Investoren schwören auf diese Seite des Flusses, stark im Kommen soll sie sein. Heute merkt man davon noch nichts. Nur, dass nebenan große Bürokomplexe aus dem Boden gestampft werden, zeugt von dem mit Geld, das hier in Zukunft gemacht erst verdient werden soll.

Die Kirche mit den beiden wuchtigen Türmen steht wie eine Trutzburg am Anfang des Straßenzuges, Erinnerung an alte Zeiten, als die Brücke über den Fluss noch aus Eisen war und das Getrappel der Pferde weit durch die Gassen hallte. Schöner Satz!
Die Türen der Kirche sind verschlossen, Trostsuchende müssen den Pfarrer erst herbei klingeln. Auch eEin Zugeständnis an veränderte Zeiten – die verschlossenen Kirchentüren.

Schwarz verfärbte Backsteinmauern fangen meinen Blick, von der Straße aus nicht sichtbar – aber hier, von meiner Warte hoch über den Dächern, sehe ich tiefer weiter.(Doppelpunkt) Auf jedem Haus eine Satellitenschüssel, die die Sicht verschandelt. Wirr und ungeordnet scheinen die Gebäude nach dem Krieg an krummen Straßen wieder aufgebaut worden zu sein.

Weiter hinten noch mehr Baukräne, ein schmales Hochhaus, das aus der Silhouette hervorsticht, ein paar kahle Bäume dazwischen, deren Kronen wie armeegrünes Gestrüpp anmuten.

Aber da, verborgen im Innenhof hinter einer alten, löchrigen Mauer, steht eine Linde in knospendem grünen Flaum.

Vielleicht ist Etwas dabei

Liebe Grüße, Karsten

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Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

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Hallo Karsten,

vielen Dank für deine Anregungen und fürs Lesen :-) wichtig war mir tatsächlich, dass man über dem manchmal trostlosen Blick über Häusermeere nicht die kleinen Schönheiten mittendrin vergisst (die knospende Linde).

Ein paar deiner Tipps habe ich gern übernommen! An manchen Wendungen musste ich allerdings auch festhalten (die zerfasernden Wolken) ...

Viele Grüße,
Eve

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