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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hinterhof
Eingestellt am 17. 11. 2002 23:27


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doktordigitalis
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Hinterhof

Zwischen Abfalltonnen und Teppichstangen spielten Kinder im Hinterhof. Kolja saß im Wohnzimmer seiner WG an der Schreibmaschine von Inka und hackte krĂ€ftig drauflos. Die Kinder waren durch das Tackern, dass durch das gekippte Fenster nach außen drang, auf ihn aufmerksam geworden.Er saß nun in ihrer Schusslinie, und sie begannen ihn anzuvisieren. Ihnen war es auch nicht recht, wenn man alles verbietet, was mit dicken Steinen am Kopf und zufĂ€llig beobachteten Displazierungen zusammenhing. Er schrieb: Insgeheim wurde stĂ€ndig jemand verwĂŒnscht, geliebt, ersehnt oder bevormundet. Schnellere Sprachrhythmen gĂ€ben dem Ganzen angenehmere Aspekte. Schwierigere Satzkonstrukte wĂŒrden Treffsicherheit voraussetzen.

Eines der Kinder sah, wie er es beobachtete und ließ die Steine wie Wasser durch die Finger gleiten. Er haßte das. Ein anderes zielte weiter an ihm vorbei. Steine an der Scheibe, das fehlte noch! Der Himmel hielt sich seit fĂŒnf Tagen hinter einer kompakten Wolkendecke verborgen. Er mußte es ja nicht hier unten aushalten, oder sich ducken unter den sich nach unten stapelnden Gasen. Regen fĂ€llt; auch Nieselregen mit KraftstoffrĂŒckstĂ€nden. Kolja fĂŒhlte sich gestört in seinen Gedanken.

Jetzt hatten die Kinder eine Kanone gebaut und eine Handvoll Kiesel hineingestopft. Sie sahen die Angst in seinen Augen, schossen aber noch nicht. Jemand kam dazwischen. Sie sahen es ein. Kolja blieb auf der Hut. Er putzte auch lieber Kindern die Nase, als dass er ihnen etwas vorlas oder sie gar schlug. Er dachte nach,wer lebt gefĂ€hrlicher: Kinder, Erwachsene oder Soldaten? Eben flog eine Kinderhandvoll vorbei. Krachen, Scheppern. RĂŒtteln Sie nicht so an meinem Wellblechdach, sonst rufe ich die Obdachlosenpolizei, tippte er instinktiv.

Auf nassen Eternit-DĂ€chern holten sich Tauben kalte FĂŒĂŸe. Eine bemalte Regentonne hielt ein Vogelhaus in der Rechten - und keiner lachte darĂŒber! MopedlĂ€rm drang ein, plĂ€dderte im Hinterhof an den WĂ€nden entlang und verzog sich durch die Garageneinfahrt. Die Straßenbahn war zu weit weg, um gehört zu werden. Die Kinder fingen an, sich einen hochexplosiven Treibstoff herzustellen. Diesmal war keiner in der NĂ€he, wenn man von dem hageren Reporter der Ruhrnachrichten absah. Der konnte keinem was zu leide tun.

Unbeabsichtigt fiel er den Kindern auf. Sie schwenkten in seine Richtung, und er zog ab. Die Kinder freuten sich. Kolja beobachtete fĂŒr ihn weiter. Die BĂ€ume waren schwarz und nackt. Kein Specht traute sich heran. Den Tauben war wohl alles egal. Die vielen ZĂ€une, wenn ich das schon sehe, dachte er. Der Blick von oben zeigte ein architektonisches Labyrinth von freistehenden Mauern, die leicht umzustoßen waren, weil sie noch so klein waren und keine Funktion nachweisen konnten.





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