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Leselupe.de > Humor und Satire
Hintersinn
Eingestellt am 02. 02. 2006 17:05


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Raniero
Textablader
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Hintersinn

Voll Wut und Entsetzen blickte der Chefredakteur der elektronischen Literaturzeitschrift auf den Monitor seiner Computeranlage; aus dem Bildschirm strahlte ihm in voller Größe ein unbekleidetes Hinterteil entgegen.
Der Redakteur war allerdings nicht so sehr darüber aufgebracht, dass ihm ein solches im Internet widerfuhr - da war er schon härtere Gangarten gewohnt und nannte dieses Netz im vertrauten Kreise gern ‚Hinternet’ – sondern darüber, woher genau dieser obszöne Anblick herrührte; nämlich aus seiner eigenen seriösen Zeitschrift.
Genauer gesagt entnahm er das Foto dieses Körperteils einem so genannten Userprofil, welches die Redaktion für alle eingeschriebenen Teilnehmer, auch Nutzer genannt, eingerichtet hatte.
Diese Nutzer nahmen an Schreibwettbewerben oder anderen Foren teil, indem sie eifrig ihre geistigen ErgĂĽsse via Internet an die Zeitschrift sandten und diese wechselseitig kommentierten; all diese elektronischen Zuschriften flossen in diese Userprofile und auf diese Weise konnte man jederzeit auf Knopfdruck entnehmen, wie rege sich die einzelnen Teilnehmer in den Foren bewegten.
Darüber hinaus war es jedem dieser Nutzer freigestellt, sein eigenes Konterfei zu veröffentlichen, damit die anderen wussten, mit wem sie es da eigentlich zu tun hatten.
Allerdings taten dieses nicht alle Teilnehmer, und so kam der Chefredakteur als relativ neugieriger Mensch eines Tages auf die Idee, die in dieser Hinsicht säumigen Schäfchen per Rundbrief aufzufordern, es doch den anderen gleichzutun und ebenfalls persönliche Fotographien einzuschicken, damit die Daten komplett wären, wie er sich ausdrückte.
Nun aber hatte er den Salat, in Form eines in der Tat sehr persönlichen Fotos, welches ihm aus dem Userprofil eines jungen männlichen Forenteilnehmers ins Auge stach.
Nachdem er sich vom ersten Schreck erholt hatte, schickte er dem jungen Mann eine drastische Nachricht folgenden Inhalts, bei der er in der Aufregung vom ansonsten ĂĽblichen Du zum steifen Sie ĂĽberging:
„Sie Schmierfink, nehmen Sie sofort Ihr Hinterteil aus meiner Zeitschrift! Wir sind ein seriöses Blatt und möchten dies auch bleiben“
Kurz darauf schon erhielt er eine Antwort von dem fassungslosen Teilnehmer, der ihm mit tränenüberströmtem Gesicht – als Beweis legte er ein Foto seines Konterfeis beim Abfassen der Mail bei – mitteilte, dass es sich bei dem in Rede stehenden Hinterteil nicht um das Seinige handele.
Darüber hinaus, so fügte er hinzu, handele es sich auch nicht um eines aus seinem Familien- oder Freundeskreis - als unumstößliche Beweise für seine Behauptung legte er ungefähr weitere gut zwei Dutzend entsprechende Fotos bei - und er könne sich auch nicht erklären, auf welche Weise dieser Hintern in sein Profil hineingelangt sei.
Guter Rat war teuer, fĂĽr den geplagten Chefredakteur.
Annähern zwei Dutzend entblößte Hinterteile hatte er nun vor sich, und er sollte ad hoc entscheiden, ob eines davon dem jungen User zugeordnet werden konnte oder nicht, obwohl er nicht einmal dessen Gesicht kannte.
So geht das nicht, befand er und rief das Redaktionsteam zu einer Sondersitzung ein.
Das Team bestand aus zwölf Personen, ihn selbst eingeschlossen, und war fein säuberlich paritätisch besetzt; sechs muntere Damen und ebenso viele Herren.
Als er diesen auseinandergesetzt hatte, worum es sich handelte und hierbei die ‚Beweisfotos’ von Hand zu Hand reichen ließ, stieß der anrüchige Anschlag auf helle Empörung; bei den männlichen Teilnehmern der Sitzung noch mehr als bei den Damen, bei denen sich stattdessen auf manchem Gesicht sogar ein kaum merkliches Schmunzeln abzeichnete; offenkundig hatten hier einige noch nicht richtig den Ernst der Lage eingeschätzt.
Genau das aber verlangte der Chef von seinen Redakteuren, eine exakte Einschätzung der Situation.
Zuerst kamen alle Mitarbeiter übereinstimmend zu dem Schluss, den er selbst zuvor gezogen hatte; dass zwar alle Fotographien eine gewisse Ähnlichkeit aufwiesen, was bei Verwandten nicht auszuschließen sei, bei Freunden allerdings die Ausnahme bilde, dass aber der angebliche Hauptbeweis, das corpus delicti aus dem Userprofil diesem Mann nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, es sei denn, man führe eine Beweisaufnahme in den Räumen der Redaktion durch.
Während die Damen nicht abgeneigt schienen, eine solche Maßnahme anzuordnen, wurden sie von den männlichen Redakteuren mithilfe der Chefstimme, die doppelt zählte, mit dem Hinweis überstimmt, man lebe in einer Demokratie und könne von einem User nicht so ohne Weiteres verlangen, seinen Hintern hierher zu bewegen und das gute Stück darüber hinaus noch als Beweisstück sichern zu lassen.
Ein weiterer Vorschlag, von allen anderen Usern, ungeachtet des Geschlechts, Fotographien des gleichen unbedeckten Körperteils zum Vergleich einzufordern, wurde auch verworfen, wiederum unter Hinweis auf die Demokratie.


Zum guten Schluss einigte sich das Team auf einen Kompromiss; versuchsweise sollte für eine Probezeit ein zusätzliches Forum mit dem Titel ‚Hintersinniges’ eingerichtet werden.
In diesem Forum könnten die User dann machen, was sie wollen.

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Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Raniero,
nachdem ich meine Tastatur mit dem Fön getrocknet habe (was wegen der Flut an Lachtränen nötig wurde), kann ich jetzt endlich einen Kommentar schreiben. Sehr hintersinnig! Ich nehme an, du dachtest dabei in keinster Weise an irgend so ein lindgrünes... nein, bestimmt nicht, wie würdest du denn.
LG Mel

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Raniero
Textablader
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Hallo Mel,

ich muss Dir ein Geständnis machen.
Auch ich habe bei der Abfassung der Story oftmals lachen mĂĽssen, vor allem, als ich mir den Redaktionsrat illustriert vorstellte und dabei unwillkĂĽrlich an eine bestimmte Literaturzeitschrift denken musste...

GruĂź Raniero

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Clara
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

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ich kann die Damen sehr wohl verstehen -
grinsbreit.
Hier ist offensichtlich, das jeder Leser sich das Objekt in irgendeiner Form "ausmalt". Diese optische "LeselĂĽcke" braucht wohl niemals gefĂĽllt zu werden.

Nun ja LindgrĂĽn... ich weiss nicht - die Natur hat mehr zu bieten.
__________________
Clara

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Raniero
Textablader
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Hallo Clara,

na,ja, ist nicht (lind)grĂĽn die Farbe der Hoffnung? Der Hoffnung,dass das 'Blatt' sich wendet?

GruĂź Raniero

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