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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hitlerjunge
Eingestellt am 09. 07. 2012 10:04


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mavys
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2010

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Es ist die Einsamkeit, die uns verflucht. Sie wirkt so unerbittlich. Manche sagen, es w├Ąre die Unwissenheit, die Angst vor dem Tod, die uns Menschen ein Leben lang diesen Kampf gegen uns selbst beschert. Ich aber sage, es ist die Einsamkeit. Ich bin jetzt 84 Jahre alt. Angst vor dem Tod habe ich nicht mehr. H├Âchstens Sehnsucht danach. Damals in der Hitlerjugend; wu├čte ich nicht, was Einsamkeit bedeutet. Doch diese Todessehnsucht hatte ich damals schon. Sie war nur anders. Ich hatte immer die Vision, ich w├╝rde als Held sterben im Kampf um das deutsche Vaterland. Ich dachte wirklich, Juden seien etwas Schlimmes, Verachtungsw├╝rdiges. Nun, ich wurde eines Besseren belehrt und die Tage flossen dahin. Als ich 44 war, h├Ârte ich auf mit den Zigaretten. 6 Jahre sp├Ąter h├Ârte ich auf mit Pfeifenrauchen. Heute bin ich bei bester Gesundheit, als h├Ątte ich nie geraucht. Freitags um 12 Uhr mittags gehe ich ins Hallenbad an der Budapesterstra├če und mache Wassergymnastik. Das h├Ąlt fit. Vor 5 Jahren ist meine Frau Ruth gestorben, an Geb├Ąrmutter-Krebs. Und selbst das hat mich nicht umgehauen. Mein Arzt sagt, ich kann noch hundert werden mit dieser Konstitution und meinem Hang zum Gleichmut. Es ist sch├Ân am Leben zu sein, ohne Frage, und trotz meiner Sehnsucht nach dem Tod und meiner unermesslichen Einsamkeit, werde ich niemals einen Selbstmord in Betracht ziehen. Mein Sohn kommt mich ab und zu besuchen. Der feiert in einer Woche auch schon seinen 60sten. Auch schon ein alter Mann. Nein, das Leben ist sch├Ân und am meisten erfreue ich mich an den wechselnden Jahreszeiten. Wenn der Winter geht mit seinem Eis und dem Frost. Wenn helles Gr├╝n ├╝berall hervortritt; Oder wenn dieses Gr├╝n dunkler geworden ist. Wenn es nicht nur tags├╝ber dr├╝ckend hei├č sein kann, sondern auch in der Nacht; Oder wenn sich die Kraft der B├Ąume von den Bl├Ąttern wieder in den Stamm zieht und die bunten Farben sehr traurig und schw├Ącher leuchten, um dann wieder der unerbittlichen K├Ąlte und Dunkelheit des Winters Platz zu geben. Ich liebe das, diese Wechsel. Dann merke ich, da├č was passiert. Ansonsten bedeutet Einsamkeit: Stillstand. Eigentlich f├╝hle ich mich nicht alt. Ich habe nur mein Leben darauf hingearbeitet irgendwann nichts mehr tun zu m├╝ssen und das ist das eigentliche Dilemma. Ich glaube, man kann in jedem Alter neu beginnen. Ein Anfang ist etwas Gro├čartiges. Man darf sich nur nicht, wie ich, davon ├╝berzeugen lassen, dass das Alter eine Zeit des Abschieds ist, das st├Ąndige Ende. F├╝r mich ist das zu sp├Ąt. Ich k├Ânnte sogar wieder mit Rauchen beginnen, aber Rauchen ist Schwachsinn und deshalb indiskutabel. Nun habe ich also angefangen zu schreiben und ein Roman wird daraus nicht mehr, denn nach diesem kurzen Abschnitt ist Schlu├č damit. Ich f├╝hle mich einfach nicht wohl. Es ist mir peinlich etwas zu tun, was meinem Alter nicht entspricht. So bin ich und ich akzeptiere das so.....

Version vom 09. 07. 2012 10:04

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DerKleinePrinz
Guest
Registriert: Not Yet

Guten Tag mavys,

aufgrund des Titels deiner Geschichte erwartete ich zun├Ąchst einen weniger gelungenen Text. Ich bin jedoch recht angetan, obwohl ich mich eher an einen Tagebucheintrag als an eine Kurzgeschichte erinnert f├╝hle.
Wenn du erlaubst, werde ich meinem Vorredner Vorarbeit leisten und die Fehler, die ich finde, markieren.

quote:
Es ist die Einsamkeit, die uns verflucht. Sie wirkt so unerbittlich. Manche sagen, es w├Ąre die Unwissenheit, die Angst vor dem Tod, die uns Menschen ein Leben lang diesen Kampf gegen uns selbst beschert. Ich aber sage, es ist die Einsamkeit. Ich bin jetzt 84 Jahre alt. Angst vor dem Tod habe ich nicht mehr. H├Âchstens Sehnsucht danach. Damals in der Hitlerjugend, wu├čte ich nicht, was Einsamkeit bedeutete. Doch diese Todessehnsucht hatte ich damals schon. Sie war nur anders. Ich hatte immer die Vision, ich w├╝rde als Held sterben im Kampf um das deutsche Vaterland. Ich dachte wirklich damals (w├╝rde ich weglassen, da zusammen mit Pr├Ąteritum pleonastisch), Juden seien etwas Schlimmes, Verachtungsw├╝rdiges. Nun, ich wurde eines Besseren belehrt und die Tage flossen dahin. Als ich 44 war, h├Ârte ich auf mit den Zigaretten. 6 Jahre sp├Ąter h├Ârte ich auf mit Pfeifenrauchen. Heute bin ich bei bester Gesundheit, als h├Ątte ich nie geraucht. Freitags um 12 Uhr mittags gehe ich ins Hallenbad an der Budapesterstra├če und mache Wassergymnastik. Das h├Ąlt fit. Vor 5 Jahren ist meine Frau Ruth gestorben, an Geb├Ąrmutter-Krebs. Und selbst das hat mich nicht umgehauen. Mein Arzt sagt, ich kann noch hundert werden mit dieser Konstitution und meinem Hang zum Gleichmut. Es ist sch├Ân, (fakultativ) am Leben zu sein, ohne Frage, und trotz meiner Sehnsucht nach dem Tod und meiner unermesslichen Einsamkeit, werde ich niemals einen Selbstmord in Betracht ziehen. Mein Sohn kommt mich ab und zu besuchen. Der feiert in einer Woche auch schon seinen 60sten. Auch schon ein alter Mann. Nein, das Leben ist sch├Ân und am meisten erfreue ich mich an den wechselnden Jahreszeiten. Wenn der Winter geht mit seinem Eis und dem Frost. Wenn helles Gr├╝n ├╝berall hervortritt; Oder wenn dieses Gr├╝n dunkler geworden ist. Wenn es nicht nur tags├╝ber dr├╝ckend hei├č sein kann, sondern auch in der Nacht; Oder wenn sich die Kraft der B├Ąume von den Bl├Ąttern wieder in den Stamm zieht und die bunten Farben sehr traurig und schw├Ącher leuchten, um dann wieder der unerbittlichen K├Ąlte und Dunkelheit des Winters Platz zu geben. Ich liebe das, diese Wechsel. Dann merke ich, da├č was passiert. Ansonsten bedeutet Einsamkeit: Stillstand. Eigentlich f├╝hle ich mich nicht alt. Ich habe nur mein Leben darauf hingearbeitet, (fakultativ) irgendwann nichts mehr tun zu m├╝ssen und das ist das eigentliche Dilemma. Ich glaube, man kann in jedem Alter neu beginnen. Ein Anfang ist etwas Gro├čartiges. Man darf sich nur nicht, wie ich, davon ├╝berzeugen lassen, dass das Alter eine Zeit des Abschieds ist, das st├Ąndige Ende. F├╝r mich ist das zu sp├Ąt. Ich k├Ânnte sogar wieder mit Rauchen beginnen, aber Rauchen ist Schwachsinn und deshalb indiskutabel. Nun habe ich also angefangen zu schreiben und (w├Ąre aber nicht besser) ein Roman wird daraus nicht mehr, denn nach diesem kurzen Abschnitt ist Schlu├č damit. Ich f├╝hle mich einfach nicht wohl. Es ist mir peinlich, etwas zu tun, was meinem Alter nicht entspricht. So bin ich und ich akzeptiere das so.....

Ich hoffe, du bist mir nicht b├Âse, aber ich denke, es kann nicht schaden, seinen Text auch bez├╝glich der Interpunktion zu perfektionieren.

Liebe Gr├╝├če
DerKleinePrinz

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Dominik Klama
Guest
Registriert: Not Yet

Es liest sich, als habe der anscheinend noch ziemlich junge Autor (ich habe seinem Waschmaschinenrap gelauscht) einem real existierenden alten Mann zugeh├Ârt, was der so zu erz├Ąhlen hat.

Ja. Nun gut. Aber, dass es da drau├čen einen bestimmten einzelnen Menschen geben k├Ânnte, der so was erz├Ąhlt, hei├čt ja nun nicht, dass man somit eine Figur f├╝r einen literarischen Text h├Ątte - und dass dieser Text seinen Lesern auch etwas erz├Ąhlt.

Der Titel ist Etikettenschwindel. Ich lese den, denke, ha, ja, das w├╝rde mich momentan gerade mal interessieren, eine Geschichte mit einem Hitlerjungen. Aber ich bekomme keine. Der Abschnitt ├╝ber den Wechsel der Jahrezeiten in der Natur ist umfangreicher als alles, was ich ├╝ber die Hitlerjugend erfahre. Und das eine hat mit dem anderen nicht das Geringste zu tun.

In der Hitlerjugend war in bestimmten Jahren ja wohl praktisch jeder - soweit sie nicht im BdM war. Was den Titel auf "Person im Greisenalter" reduziert. Wozu es den Titel aber nicht gebraucht h├Ątte.

Es sind bestimmte einzelne Aussagen der redenden Figur, die NICHT f├╝r jedermann in diesem Alter zutreffen, die etwas quer zu "normal" liegen, die ein Leseinteresse wecken. Aber diese Aussagen fangen an, sich zu widersprechen. Dann wird nichts mehr damit gemacht, sondern ist: Ende.

Was soll es also?

quote:
Einsamkeit bedeutet: Stillstand
quote:
Ich habe mein Leben lang darauf hingearbeitet, irgendwann nichts mehr tun zu m├╝ssen
quote:
Es ist mir peinlich etwas zu tun, was meinem Alter nicht entspricht.
quote:
Man kann in jedem Alter neu beginnen.
quote:
F├╝r mich ist das zu sp├Ąt.
quote:
Eigentlich f├╝hle ich mich nicht alt.
quote:
Ich f├╝hle mich einfach nicht wohl.
quote:
das Leben ist sch├Ân
quote:
Ich liebe das, diese Wechsel. Dann merke ich, da├č was passiert.
quote:
trotz meiner Sehnsucht nach dem Tod und meiner unermesslichen Einsamkeit
quote:
Als ich 44 war, h├Ârte ich auf mit den Zigaretten.
quote:
Ich k├Ânnte wieder mit Rauchen beginnen, aber Rauchen ist Schwachsinn und deshalb indiskutabel.
quote:
Ich kann noch hundert werden mit dieser Konstitution... Es ist sch├Ân am Leben zu sein...
quote:
Diese Todessehnsucht hatte ich damals schon. ... die Vision, ich w├╝rde als Held sterben im Kampf um das deutsche Vaterland.
quote:
Es ist die Einsamkeit, die uns Menschen ein Leben lang diesen Kampf gegen uns selbst beschert.
quote:
...und mit meinem Hang zum Gleichmut.
quote:
Es ist die Einsamkeit, die uns verflucht. Sie wirkt so unerbittlich.

Sowieso spricht einer, der einem so das Leben erz├Ąhlt, aus dem Verlangen heraus, einen Freund zu finden. Und der Autor, der es aufschreibt, spricht ebenfalls aus einer Einsamkeit heraus, die er - zumindest zeitweise - beenden m├Âchte.

Mavys kennt also einen, der sich st├Ąndig selber widerspricht, wenn er von sich erz├Ąhlt.

Ich kenne auch einen.

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Dominik Klama
Guest
Registriert: Not Yet

Ich glaub nicht, dass mavys die Geschichte von einem Nazi erz├Ąhlen wollte.

Da genau liegt ein gewisses Problem mit der ├╝blichen deutschen "Geschichtsbew├Ąltigung". Dass blo├č ein einziges Mal in einem Text ein Wort wie: Hitler, Hakenkreuz, Nazi, KZ, Endl├Âsung, Gleichschaltung etc. pp. auftauchen muss - und sofort meint das Publikum, der Autor wolle einem jetzt seine "endlich mal alles zurechtr├╝ckende" Meinung ├╝ber die zw├Âlf Nazi-Jahre aufs Auge dr├╝cken. Wenn man sich statt dessen mal vorstellt, dass in einer Geschichte W├Ârter wie Mondlandung, Louis Armstrong, Kaiser Wilhelm, Adenauer, John F. Kennedy, Beatles, McDonald's vorkommen, dann w├╝rd ich mal sagen, erwartet der Leser nicht im selben Umfang, dass jetzt nicht mehr ├╝ber die Geschichte einer einzelnen Figur gesprochen, sondern ein ganzes Zeitalter aufgearbeitet wird.

Ich muss meinen ersten Satz dann noch relativieren:
Es k├Ânnte auch sein, dass mavys in Folge seines eigenen Lebensalters so derma├čen weit weg von den Jahren 1933 bis 1945 aufgewachsen ist, dass ihm nur einer sagen muss: "Mit vierzehn war ich bei der Hitlerjugend. Hab immer noch den HJ-Dolch daheim. H├Ątten wir eigentlich abgeben m├╝ssen, aber haben wir versteckt." Und dann denkt er sofort, er h├Ątte es mit einem lupenreinen zumindest ehemaligen Nazi zu tun.

Wie auch immer... Ich bekam den Eindruck, dass es ein "Bildchen", aber keine Geschichte ist. So: Ich hab was mitgekriegt und da mach ich jetzt mal einen Text daraus. Ohne so recht zu wissen, wo man mit dem Text eigentlich hin will. Also, wenn es der Autor nicht wei├č, wird es der Leser auch nicht wissen.

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mavys
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Danke f├╝r die umfangreichen Meinungen zu meinem Text. Nat├╝rlich ist es nur ein Bild. F├╝r mich ist ein Bild immer eine Geschichte. Meine Beziehung zur Nazivergangenheit ist die gleiche wie eure. Aus zweiter, dritter Hand, ├╝ber Medien, alles weit weg, abstrakt und doch so nah. Als deutscher hat man immer Schuld, selbst wenn man wie ich nur zur H├Ąlfte deutsch ist.
Aber wie das nun immer so ist, spricht ein Bild, eine Geschichte nicht immer logisch und klar. Deshalb ist jede Kritik angebracht, denn mein aufgeschriebenes Bild verweigert die Illusion der Klarheit.

Alles liebe mavys

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Walther
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Lb. mavys,

Du wiederholst Dich. Das ist kein Diskutieren mit Dir, sondern ein Abfackeln von nicht geh├Ârten Statements. Es werden Laute ausgetauscht, aber keine Sprache. Kritik an Deinen Texten ist so besehen Energieverschwendung.

LG W.
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Walther
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