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Leselupe.de > Erzählungen
Hitze
Eingestellt am 07. 03. 2015 00:29


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Isegrims
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2015

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Hitze
Der heißeste Tag des Jahres und er ist verabredet. Erstickende Luft und langsames, zaghaftes Denken. Er hat sie nie gesehen und nur kurz mit ihr telefoniert und hat eine hohe weiche Stimme mit Akzent gehört, die Worte unsicher und mit einem slawischen Knarren aussprach und doch mochte er Klang und Farbe sofort.
Was sollte er anziehen ? Er duscht und sofort nach dem Duschen befeuchtet sich sein T-Shirt wieder mit Schwei√ü. Ein Hemd w√ľrde Flecken verursachen und er wollte einen frischen Eindruck machen, also zieht er √ľber das wei√üe T-Shirt, das die Feuchtigkeit aufsaugen soll, ein Polo-Hemd und Jeans dazu. Er wei√ü nicht, was ihn erwartet und er f√§hrt so rechtzeitig los, dass er den Treffpunkt p√ľnktlich erreichen kann: ein kleiner Park am Neroberg in Wiesbaden zwischen Villen aus einem vergangenen Jahrhundert, in dem die Menschen noch in Parks langsam wandelten. Als er ankommt, sucht er mit seinem klapprigen Auto einen Parkplatz und findet doch keinen, der etwas Schatten spenden w√ľrde.
Er wartet, geht auf und ab und bemerkt schnell, dass er sich mehr Zeit h√§tte lassen k√∂nnen: sie ist nicht da. Er ist allein am Rande des Parks. Das Leben sucht den Schatten und die D√§mmerung an diesem Tag. Er denkt sich, dass Frauen das Recht haben, zu sp√§t zu kommen. Selbst wenn sie nicht k√§me, w√§re es keine Zeitvergeudung, schlie√ülich schafft die Hitze eine br√ľtende Stille, die es an frischeren Tagen nicht gibt.
Er beobachtet die Menschen, die sich auf dem Rasen sonnen. Der Rasen ist gepflegt und tr√§gt ein sattes Gr√ľn, das nur durch dauerhafte Bew√§sserung zu erkl√§ren ist. Ein junges Paar. Sie liegt auf dem R√ľcken und hat olivbraune Haut und er bewundert die Makellosigkeit des K√∂rpers. Ein Mann sitzt im Schneidersitz neben ihr, blickt von oben in ihre Augen und redet auf sie ein. Auch er mit der Klarheit der Jugend.
Er wartet weiter auf sie und parkt sein Auto um, weil er hofft am Rande des Parks, dort wo der Wald beginnt und die Tennispl√§tze liegen, einen Platz im Schatten zu finden. Die Schattenpl√§tze aber sind alle belegt und er stellt den Wagen am Rande des Stra√üe neben den Tennispl√§tzen ab. Durch den Wald, den H√ľgel hinauf, f√§hrt ein kleines B√§hnchen. Er schaut hinauf und erkennt, dass auch beim B√§hnchen keine Bewegung erkennbar ist. Ein Blick auf die Uhr und er √ľberlegt, wann er sie anrufen soll, um zu fragen, ob sie auf dem Weg ist.
Er hofft schon einige Zeit, dass die Schwei√üflecken auf seinem Polo-Hemd mit dem Luxusmarkenlabel auf der Brust, das ihr vielleicht imponieren w√ľrde, sich verkleinern w√ľrden, doch der Schwei√ü flie√üt ihm vom Warten in der Hitze weiter - sogar √ľber das Gesicht, hinterl√§sst seine Spuren und l√§sst sich auch durch seinen Willen nicht aufhalten. F√ľnf Minuten noch, bis er sie anrufen will und er √ľberlegt sich, auf welcher Seite des Parks sie sich verabredet hatten und was er machen w√ľrde, wenn sie nicht k√§me, ob er in den k√ľhlen Wald gehen solle oder nach Hause in seine leere Wohnung, dann w√§hlt er ihre Nummer und nach z√∂gerndem Klingeln geht sie ans Telefon. ‚ÄěIch werde gleich da sein‚Äú, klingt es aus ihrer ruhigen Singstimme. ‚ÄěSch√∂n, ich freue mich‚Äú, sagt er. ‚ÄěWo finde ich dich ?‚Äú Sie antwortet: ‚ÄěAm Eingang zum Park, Richtung Stadt.‚Äú
Das ist auf der anderen Seite des Parks und er muss ihn einmal komplett durchqueren. ‚ÄěGut, ich komme dorthin und bin auch gleich da‚Äú, l√§chelt er ins Telefon.
Zwischen den Sonnensuchenden, die im Gras liegen und den wenigen Spazierg√§ngern, eilt er durch den Park und achtet nicht mehr auf die Wirkung der Hitze. Seine Erwartungen sinken, sein Denken wird langsamer. Er w√§re nicht entt√§uscht gewesen, wenn sie noch abgesagt h√§tte. Andererseits bleibt er ganz ruhig, gerade weil die Voraussetzungen so ungew√∂hnlich und der Tag so hei√ü ist. ‚ÄěDer hei√üeste Tag des Jahres‚Äú, hatte er im Radio geh√∂rt.
Sie steht dann mitten in der Sonne vor einem Caf√©, das in der Hitze flirrt - ganz ruhig, w√§hrend er mit eilendem Schritt herankommt, tr√§gt ein Sommerkleid und blickt ihm entgegen. Anfangs sieht er es nicht, aber je n√§her er kommt, desto klarer wird es und er erkennt ihr L√§cheln, das aus dem Inneren kommt, anders als er es jemals gesehen hat, ein losgel√∂stes L√§cheln, das er nicht einordnen kann. Aus ihren dunklen, fast schwarzen Augen schaut sie ihn an und ihre Haare gl√§nzen braun in der Sonne. Sie ist schlank und zartgliedrig gerade im harmonischen Ma√üe, scheint ganz bei sich selbst zu sein und er vermag ihr nur fl√ľchtig die Hand zu geben. Falls sie hinter ihrem L√§cheln ebenso nerv√∂s ist wie er, so bemerkte er es doch nicht. ‚ÄěWir k√∂nnen spazieren gehen‚Äú, schl√§gt sie vor.
Sie gehen dann denselben Weg, den er durch den Park heruntergekommen ist, wieder hinauf. Ihre Stimme und ihr Blick beruhigen ihn. Sie beginnen √ľber Literatur und Musik zu sprechen, weil sie bereits am Telefon √ľber Kunst gesprochen hatten und ihr Gespr√§ch gew√∂hnt sich aneinander. Er z√§hlt die russischen Autoren auf, die er kennt und freut sich an seinen Kenntnissen. Sie hat von allen geh√∂rt und alle gelesen und wundert sich nicht als er von der Dunkelheit der Schilderungen erz√§hlt und von dem eigent√ľmlichen Glanz, der von manchen S√§tzen und Wendungen ausgeht.
Sie gehen nebeneinander und manchmal neigen sie ihre K√∂pfe, um sich anschauen zu k√∂nnen, manchmal ber√ľhren sich auch ihre K√∂rper leicht. Sie tauschen Worte, erz√§hlen sich von ihrem Leben und ihren Lebensumst√§nden. Als sie von Bach erz√§hlt und von der Ruhe, die von der Musik ausgeht, glaubt er die Stille dieser Musik zu h√∂ren und sie plaudern √ľber die Brillanz und den Farbenreichtum von Horowitz, wenn er Chopin spielt. Das L√§cheln beginnt immer von neuem, wenn sie sich ansehen und doch fragt er sich, ob sie blo√ü die Augen sieht oder nicht doch auch die Schwei√üflecken seines Polohemds. L√§ngst hat er Hitze und Schwei√ü vergessen und sieht nur noch sie. So hatte er sich das nicht gedacht. Erwartet hatte er eine Frau, mit der er einige Stunden verbringen und die er dann wieder vergessen konnte, nicht eine Frau, deren L√§cheln und Gespr√§ch ihn gefangen h√§lt. Um den Spaziergang nicht beenden zu m√ľssen, umrunden sie den Park gleich zweimal.
Irgendwann holt sie aus ihrer Tasche eine selbstgebrannte CD mit Klaviermusik von Bach und sagt ihm, dass sie ihm die CD von diesem Pianisten, der sich in die Musik versenkt hat, der nur f√ľr die Perfektion seines Ausdrucksverm√∂gens gelebt und daran gestorben ist, als Geschenk mitgebracht habe. Er denkt sich, dass man so lieben m√ľsste wie Glenn Gould Musik gelebt hat.
Er fragt sich, was sie sich dabei gedacht hat und blickt in ihre tiefen Augen. Er betrachtet ihren K√∂rper und stellt sich vor, wie sich ihre Haut anf√ľhlen w√ľrde und bemerkt die Eleganz ihres bedruckten Sommerkleids und sieht ihre aufrechte stolze Haltung, die nur ihr unentwegtes L√§cheln d√§mpft. Im selben Moment, als er ihr sagt, dass er die Aufnahme als CD zu Hause habe, bereut er das Geschenk abgelehnt zu haben.
‚ÄěGehen wir einen Kaffee trinken ?‚Äú, fragt er sie und hofft dabei etwas Abk√ľhlung zu finden und sich diese Frau, die bisher neben ihm gegangen ist, n√§her anschauen zu k√∂nnen. Pia hatte sie sich genannt, aber sie erkl√§rt ihm, dass sie einen anderen Namen habe und nennt ihm diesen wirklicheren Namen. Als er sie anschaut w√§hrend sie den richtigen Namen ausspricht, verl√§sst ihn die Konzentration. Er h√∂rt ihre Worte nicht und w√ľrde sie erneut nach dem Namen fragen m√ľssen.
‚ÄěDa oben bei den Tennispl√§tzen ist ein Caf√©‚Äú, sagt sie und sie m√ľssen den Park ein weiteres Mal durchqueren. Sie gehen langsam. Er bemerkt, dass er nicht die Fragen zu Liebeserfahrungen und bisherigem Leben w√§hlt, ja dass er √ľberhaupt keine Fragen stellt, die er sich zuvor zurecht gelegt hat, dass sie beide √ľber Sinneserfahrung sprechen und √ľber das, was sie im Innern besch√§ftigt. Er betrachtet das satte Gr√ľn des Grases im Park und sagt sich, dass es begossen werden musste, wom√∂glich am Abend oder in der Nacht, sonst w√§re es l√§ngst verdorrt und verbrannt. Er will ihre Hand nehmen, wagt es aber nicht und denkt wieder daran, welch warmer K√∂rper sich unter den Kleid verbirgt, was hinter ihrem L√§cheln steckt und glaubt Tiefe, Sehnsucht, Trauer und Gl√ľck, Melancholie und Lebenslust zu erkennen ‚Äď das, was er sich als sch√∂ne Seele, als russische Seele denkt.
Das Caf√© im Tennisclub ist leer, obwohl drau√üen Tennisb√§lle √ľber das Netz geschlagen werden. Sie setzen sich und warten eine Weile, bis sie bemerkt werden und Kaffee bestellen k√∂nnen, deshalb versucht er auf der Toilette die Spuren der Hitze mit Papier zu beseitigen. Der Kaffee aber regt Kreislauf den Wasserhaushalt wieder an, er sp√ľrt keine Erfrischung und er wundert sich, dass sie auch auf diesen Zustand nur mit ihrem Strahlen reagiert. ‚ÄěEs ist nat√ľrlich, dass M√§nner schwitzen‚Äú, sagt sie ihm und scheint seine Gedanken erkennen zu k√∂nnen. ‚ÄěIch selbst schwitze nur wenig.‚Äú
Ihre Worte erleichtern ihn. Sie spricht jetzt von ihren Tr√§umen und der N√§he, die sie sich w√ľnscht. ‚ÄěIch bin ein Kind der Welt und mein Kissen ist die Welt.‚Äú Sie kann die Worte in der Sprache, die ihr fremd ist, nicht so formen, wie sie es m√∂chte. Dennoch wundert er sich, wie sie es schafft Worte zu S√§tzen zu formen, die in ihn eindringen. Sein Wunsch sie zu ber√ľhren wird gr√∂√üer, f√ľr einen Moment wenigstens, jetzt, da sie nicht mehr in Bewegung sind, jetzt, da er sie n√§her anschauen kann. Die Leichtigkeit ist da und er glaubt, dass sie beide so f√ľhlen. Er wei√ü nicht, was es ist, dass es so einfach macht, mit ihr zusammen zu sein, Worte zu wechseln, die Gegenwart von ihrem Duft und Dasein erf√ľllen zu lassen, seine Seele mit ihr zu verschlingen und zu wissen, dass keine M√ľhe n√∂tig ist.
Sie schauen den Tennisspielern zu, die ihre Kraft in der Hitze ersch√∂pfen und der Strom an Worten und Gedanken, an die sie sich sp√§ter gar nicht genau erinnern k√∂nnen, h√§lt an. Schnell ist der Kaffee ausgetrunken und sie bewegen sich wieder z√∂gernd in Richtung des Parks, gehen an seinem Auto vorbei, das nun vollst√§ndig in der Sonne steht, ohne es zu beachten, vorbei an den P√§rchen, die sich in der Sonne ausgebreitet haben. Er erkennt noch, dass der junge Mann, den er vor seiner Begegnung mit Pia, die gar nicht Pia hei√üt, immer noch mit derselben K√∂rperhaltung vor der jungen Frau sitzt, die ihn auf dem Bauch liegend anschaut. Nur andere sind dazu gekommen und sitzen und spielen und reden im satten Gr√ľn des Grases.
Er √ľberlegt sich, welchen Verhaltenskodex er einhalten muss, was erlaubt ist bei einem ersten Treffen und schwitzt wieder deutlicher sichtbar. Z√∂gernd kommen sie wieder an den Platz, an dem er sie zum ersten Mal gesehen hat und ob er es ist oder sie, einer von beiden, schl√§gt vor, noch irgendwo eine Kleinigkeit zu essen und so entfernen sie sich vom Park, gehen Richtung Stadt, die Stra√üe herab, dorthin, wo es Gesch√§fte und Restaurants gibt.
Schnell finden sie ein italienisches Restaurant, das weder einfache Pizzeria noch gehobene Kochkunst ist. Sie setzen sich an einen der Tische, die auf dem Gehsteig aufgestellt sind und w√§hlen ihren Platz nebeneinander mit dem R√ľcken zu der Glasfront des Restaurants. Er erinnert sich an Begegnungen mit Menschen, mit Frauen, die ihm gegen√ľber sa√üen und allein oder vor allem aus der Platzwahl eine Haltung der Konfrontation und Ausforschung entstanden war: Frage und Antwort und man musste die jeweils richtige Haltung und richtige Antwort bereit halten.
Sie lehnt sich zur√ľck, tief in den Stuhl, ein Bein √ľber das andere, gl√§nzt mit ihrer Haltung, die stolz und ungek√ľnstelt ist und die ihn verwirrt und ihm doch zu zeigen scheint wie sehr sie die Begegnung genie√üt. Er wundert sich und fragt sich, was ihr an diesem schwitzenden Mann, dessen Bauch sichtbar ist und der die Jugend der Jahre verloren hat, gef√§llt, schmeichelt sich selbst mit seinem Charme und seiner Bildung und sagt sich, dass sie sich ja l√§ngst mit ein paar fl√ľchtigen Worten h√§tte verabschieden k√∂nnen. Auch sie ist nicht mehr jung, aber das sieht er nicht - er sieht die Sch√∂nheit ihres Blicks, ihrer Worte und das Versprechen ihres K√∂rpers.
W√§hrend sie sich Geschichten erz√§hlen und dabei lachen, beginnt er seine Schwei√üflecken zu vergessen, spricht von italienischem und franz√∂sischem Wein und l√§sst sie von den Nudeln probieren, die mit Tr√ľffeln verfeinert sind und erz√§hlt ihr von den Piazzas im S√ľden, auf denen Menschen flanieren und von den Schweinen, die in den piemontesischen W√§ldern nach Tr√ľffeln suchen. Vor seinen Augen entsteht mit ihren Worten die Silhouette Sankt Petersburgs mit den Br√ľcken und den Schl√∂ssern und den alten H√§usern aus einer vergangenen Zeit und sie lachen √ľber Peter den Gro√üen, der Kultur und √ľberhaupt alles nach Russland gebracht hat, f√ľr das es sich zu leben lohnt.
Sie tragen ihre Sehnsucht mit sich und zeigen sie einander und schnell bildet sich wieder dieses Vakuum, das sie in einer H√ľlle festh√§lt und kaum bemerken sie es, wenn sie nach einem weiteren Glas Wein oder Kaffee gefragt werden oder andere G√§ste kommen und gehen. Selbst die Zeit scheint stillt zu stehen und sich zu f√ľrchten, die beiden zu unterbrechen, so viel Beginn ist und so viel Ewigkeit verspricht der Beginn.
Die Nacht wird anbrechen und die Sonne wird untergehen und sie werden ihren letzten Kaffee sowie den Grappa zum Abschluss getrunken haben. Es wird k√ľhler geworden sein und die Schwei√üflecken werden v√∂llig getrocknet sein und sie werden sich einen Einfall w√ľnschen, um den Abend zu verl√§ngern. Sie werden die Stra√üe, die sie heruntergegangen sind, wieder hochgehen und werden sich fragen, warum sie sich nicht jetzt schon an der Hand nehmen, umarmen und verschlingen und doch reicht es ihnen an diesem gl√ľhenden Tag, dass sie nahe beieinander gehen und sich ihre K√∂rper manchmal wie zuf√§llig ber√ľhren.


__________________
amor vincit omnia

Version vom 07. 03. 2015 00:29

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petrasmiles
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2005

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Hallo Isegrims,

eigentlich eine sch√∂ne Geschichte um einen Anfang - wenn da nicht so viel Klischee w√§re, das trotz der Selbstzweifel des Protagonisten 'verschwiegen' wird. Vielleicht liegt das an der Feenhaftigkeit der Protagonistin ... sie erscheint nur als Glanz in seinem Auge. Die Frau als 'Objekt der Begierde', die noch nicht einmal schwitzen 'darf', und leider tragen auch die wohl stattfindenden Dialoge nicht dazu bei, dass sie mehr Profil bekommt, weil Du sie nicht schreibst. F√ľr mich f√ľhlt es sich wie eine Sehnsuchtsschablone reifer M√§nner an und darum sind die beiden nicht auf Augenh√∂he, und das ist nicht spannend.
Das Besondere an Deiner Geschichte ist das Einfangen dieses Davongetragenwerdens vom Wohlf√ľhlen miteinander, das nicht aufh√∂ren soll, die Scheu, konkret zu werden, weil jedes falsche Wort zerst√∂rerisch sein k√∂nnte.

Insgesamt erscheint mir die Geschichte zu lang - zuviel Stimmungsbilder, die nicht weiter tragen wie der Rasen oder das Pärchen, aber sie ist schön geschrieben.

Ich frage mich, ob auch Augen tief sein können, oder doch nur der Blick?

Liebe Gr√ľ√üe
Petra
__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f√ľr Gutwerter!

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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

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Hallo Isegrims,

mir gef√§llt diese Geschichte gut, in der Du das langsame Herantasten an eine neue Bekanntschaft und die damit verbundene Unsicherheit einf√ľhlsam beschreibst. Ich bin nicht der Meinung, dass sie zu lang ist ‚Äď schlie√ülich ist es eine Erz√§hlung, und ich finde, da kann man schon mal etwas ausschweifender schreiben.

Allerdings erschweren zwei Dinge den Lesefluss und das Lesevergn√ľgen: Der Text enth√§lt sehr viele Kommafehler, so dass man manche S√§tze mehrfach lesen muss, um sie zu verstehen. Und er enth√§lt zu wenige Abs√§tze, die dem Leser eine kurze Pause g√∂nnen w√ľrden. Vielleicht kannst Du das noch verbessern. Ich glaube, damit w√ľrde der Text unbedingt gewinnen. Bei der Gelegenheit solltest Du auch den einen oder anderen Rechtschreibfehler noch ausbessern.

Gruß Ciconia

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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

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Ich lese in der Geschichte das Gleiche wie @petra, @Isegrims: Wir erfahren zwar sehr viel √ľber √§u√üere Umst√§nde (mit der Betonung auf Umst√§nde), aber so gut wie nichts √ľber die beiden Protagonisten. Am Ende des St√ľckerls sind wir ebenso erm√ľdet von der Hitze und dem Herumgelaufe wie die beiden und wissen nicht so recht, was der Zweck der √úbung war.

Der erste Satz, so heißt's bei Geschichten immer, sei besonders wichtig. Deiner geht so:

quote:
Der heißeste Tag des Jahres und er ist verabredet.
Das ist schon mal kein vollst√§ndiger Satz - dem ersten Satzgegenstand fehlt die Aussage. Hinzu kommt, dass zwei verschiedene Sachverhalte miteinander verkn√ľpft werden, ohne dass der Leser den Zusammenhang begriffe. Warum hei√üt es nicht (neutral): "Er hat sich am hei√üesten Tag des Jahres verabredet." Oder (wertend): "Er hat sich trotz der extremen Hitze f√ľr heute verabredet." Oder so √§hnlich.

Das h√§tte den Vorteil, dass der Leser sofort in der richtigen Spur ist und wei√ü, dass etwas kommen wird, wo Hitze eher st√∂rt als n√ľtzt.

Weiter heißt es:
quote:
Erstickende Luft und langsames, zaghaftes Denken.
Wieder kein Satz, wieder f√ľr den Leser direkt nicht nachvollziehbare Verkn√ľpfungen. "Erstickend" und pleonastisches "langsam/zaghaft" schl√∂ssen sich eher aus, als dass sie zusammenf√§nden. Warum nicht: "Stickluft und tr√§ges Erinnern" und dann ein Semikolon? Das machte mehr Sinn und f√ľhrte den Leser weiter, statt ihn dar√ľber sinnen zu lassen, wie Luft wohl auss√§he, wenn sie erstickt.

Und weiter:
quote:
Er hat sie nie gesehen und nur kurz mit ihr telefoniert
Schon wieder dieses zusammenhanglose "und". Warum nicht "Er hat sie nie gesehen, sondern nur kurz mit ihr telefoniert" und dann ein Doppelpunkt? Dann nicht weiter mit
quote:
... und hat eine hohe weiche Stimme mit Akzent gehört, die Worte unsicher und mit einem slawischen Knarren aussprach und doch mochte er Klang und Farbe sofort
sondern vielleicht so: "Eine hohe (weiche) Stimme mit Akzent, die Worte unsicher und mit einem slawischen Knarren aussprechend, und doch mochte er Klang und Farbe sofort." Das "weich" und das "knarrend" schließen sich eher aus.

Und so weiter und so fort. Das von Petra entdeckte "Wohlf√ľhlen miteinander" entdecke ich nicht, sondern sehe und h√∂re einen Protagonisten, der leidet und der es nicht schafft, die S√ľ√üe dorthin zu verfrachten, wo sie hingeh√∂rt: In eine schattige Umarmung. Wenn dieses Unverm√∂gen und die damit verbundenen, abgehobenen Gespr√§chsthemen √ľber Literatur und Barockmusik, die zu der Hitze ebenso schwer passen wollen wie hei√üer Kaffee, tr√ľffel√∂lige Teigwaren und schwerer Rotwein, das Hauptthema der Geschichte sein sollen, dann m√ľsste √ľber diese Verklemmungen wenigstens ein Wort verloren werden. Leider kommt da aber au√üer ein paar oberfl√§chlichen Schwei√üflecken gar nichts.

Petra hat recht - du reihst Klischee an Klischee, bleibst dabei aber fast nur an der Oberfl√§che. Die beiden Protagonisten schleppen sich einen ganzen Tag lang um den Neroberg herum, aber wir erfahren nicht, was die S√ľ√üe wirklich von dem schwitzenden Polohemdtr√§ger denkt oder m√∂chte, und umgekehrt. Im Grunde genommen hast du uns ein Verzeichnis gepostet, das Inhalte aufz√§hlt. Welcher Art diese wirklich sind oder sein k√∂nnten, erfahren wir nicht. Es fehlt jedwede Spannung.

Daf√ľr ist die Geschichte denn doch zu lang(atmig) geraten. Wenn bei einem Blind Date nicht mehr passiert als das, wir hier erfahren, dann m√ľsste es wohl als missgl√ľckt angesehen werden.

Tipp: N√§her ran an die Protagonisten und nicht blo√ü √ľber Bach dozieren, sondern ihn zum Klingen bringen!

Gruß

aligaga



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