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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hochzeit wegen EDNA abgeblasen
Eingestellt am 23. 08. 2001 23:36


Autor
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Naciye
???
Registriert: Jul 2001

Werke: 33
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Er kam tats├Ąchlich! Er stand einfach vor meiner T├╝r. Die Adresse hatte er aus dem Telefonbuch.
Ja... und ich hatte keine Ahnung was ich machen sollte. Die Bude war ein Schlachtfeld, mit den ├╝blichen Wochen alten Jogurtbechern in den die rechts drehenden Kulturen Polon├Ąse tanzten. Peinlich war mir auch das mit Postkarten beklebte Katzeklo, da├č vollgemacht direkt neben der Haust├╝r thronte.
Die Brad Pitt Poster sind mir erst sp├Ąter eingefallen, als wir schon gemeinsam auf meinem Bett sa├čen.

Er stand da jetzt vor meiner T├╝r, ein St├╝ck Holz trennte uns voneinander. Eigentlich standen wir uns schon gegen├╝ber. Er drau├čen, ich drinnen. Ich hockte mich hin damit er nicht sehen konnte, das ich mich schon hinter der T├╝r postiert hatte. Er war total standhaft. Es vergingen bestimmt zehn Minuten in denen ich nicht wu├čte ob ich ihn ├╝berhaupt rein lassen wollte. Rein lassen in mein Leben und meine dreckige Bude. Hockend befand ich mich also, neben dem Katzenklo. Ganz sch├Ân mickrig von Dir, dachte ich. Dann, ich w├Ąre fast ins Klo gefallen, kam ein Zettel unter der Haust├╝r hervor.

Ich wei├č das Du hinter der T├╝r bist!
Jack

Hatte ich da noch eine Wahl? Nein!, ich ri├č die T├╝r auf und schaute direkt auf seinen freien Oberk├Ârper. Ich mu├čte kichern, eines von diesen bl├Âden Kichern, das nur Frauen zustande bringen, denen etwas peinlich ist. Eigentlich war die Situation mir nicht peinlich, sondern eher unbeschreiblich. Wir hatten ein paar male telefoniert und uns hundert Emails geschrieben. Wir hatten eine Beziehung aufgebaut, die durch das Medium bestimmt war.

Was w├Ąre jetzt, wenn wir uns total bl├Âde finden? Ich zog ihn herein und bat ihm ein Leitungswasser und ein frisches T-Shirt an. Alternativ k├Ânnten wir auch zur Tanke fahren um was alkoholisches zu besorgen schlug ich dann vor.

N├Â, sagte Jack, Leitungswasser w├Ąre Prima. F├╝r das was er mir jetzt offenbaren wolle, m├╝sse er n├╝chtern sein und einen freien Oberk├Ârper haben, weil er sonst ins schwitzen k├Ąme.

Das fing ja gut an. Was das denn w├Ąre fragte ich ihn.

Dann sagte er es. Die magischen zwei Worte.
Heirate mich

Wir sind dann auf mein Dr├Ąngen hin doch zur Tankstelle gefahren. Um Dich ein bi├čchen kennenzulernen, habe ich gesagt. Jack hatte keinen F├╝hrerschein, oder kein Auto. Jedenfalls fuhren wir mit meinem. Die Fahrt war nicht lange, aber ich habe mich in genau den f├╝nf Minuten entschlossen ja zu sagen.

Nichts an Jack, war genau mein Fall. Er hatte nicht das schleimige Grinsen eine Hollywood Adonis, noch muskul├Âse Arme, die mich ├╝ber die T├╝rschwelle tragen w├╝rden. Ich war nicht einmal sicher, ob er daf├╝r ├╝berhaupt genug Kraft besa├č. Er war eher schm├Ąchtig und mindestens drei Zentimeter kleiner als ich. Er roch etwas nach Marihuana, machte aber nicht den Eindruck eines typischen Kiffers.

Wir sprachen nicht viel. Wir rochen einander, schauten uns immer wieder erstaunt an. Dann fuhren wir nach D├Ąnemark, mit dem eingekauften Rotwein und uns. Wir fuhren die ganze Nacht. Irgendwann lag seine Hand dann auf meinem Knie. Nicht aufdringlich, sondern s├╝├č. Wir hatten die Grenze von Anschauen und Riechen passiert und waren nun beim f├╝hlen. Jacks H├Ąnde waren klein mit langen fast schon knochigen Fingern. Aber sie f├╝hlten sich gut an.

Vorsicht! Rief Jack noch, aber da war es schon zu sp├Ąt.
Mit einem lauten Knall, prallte etwas gegen mein Auto. Am ganzen Leib zitternd, kamen wir endlich zum stehen. Jack sah mich eine Weile eindringlich an, als wenn er sagen wollte. Fahr weiter. Er sagte es nicht und uns blieb keine andere Wahl, als auszusteigen und nach zu sehen, was wir angefahren hatten. An Jack seinem Gesichtsausdruck konnte ich schon sehen, das es kein Reh gewesen war.

Wir liefen also zu der Stelle., konnten aber nichts entdecken. Hol eine Taschenlampe, sagte Jack . Ich rannte zur├╝ck zum Auto und kramte wie eine wilde im Kofferraum. Endlich hatte ich sie. Als ich zur├╝ck ging, sah ich das Jack in den abgrenzenden Graben gesprungen war, und anscheinend etwas gefunden hatte. Mit der Taschenlampe sprang ich ihm hinterher und wollte nicht glauben was ich dort sah.

Sie ist tot hatte Jack gesagt. Er war ├╝ber einen Leblosen Frauenk├Ârper gebeugt. Es war ein M├Ądchen, vielleicht so alt wie ich. Man konnte sehen, das es sich um eine Obdachlose oder ├Ąhnliches gehandelt haben mu├čte. Sie war ganz schmutzig, hatte sch├Ąbige Sachen an. Jetzt war sie zu dem auch noch Blut verschmiert. Ein ekeliger Anblick.. Die Idee mit den Personalien kam von mir. Ich hatte Jack gesagt er solle mal schauen, ob sie einen Personalausweis dabei hatte.

Jack sagte lange Zeit nichts und ich wollte fast schon selber in der schmutzigen Jackentasche dieses M├Ądchens kramen, als er mit tr├Ąnenerstickter Stimme fl├╝sterte,

Es ist Edna..

Wer Edna war und welche Rolle Sie in Jacks Leben gespielt hatte, bekam ich erst viel sp├Ąter raus. Was ich wu├čte war, da├č wegen ihr unsere Hochzeit geplatzt ist. Das nehme ich Ihr zwar nicht ├╝bel, aber sie h├Ątte sich ruhig einen anderen Tag aussuchen k├Ânnen, um in den d├╝stren Gefilden, nahe der D├Ąnischen Grenze, herrum zu lungern.

Jack hatte noch Jahre sp├Ąter b├Âse Alptr├Ąume und erz├Ąhlte mir mal, da├č er dann tr├Ąume, ich w├╝rde ├╝berfahren werden.

In solchen N├Ąchten nahm ich ihn ganz dool in den Arm, wiegte ihn wieder in den Schlaf und fl├╝sterte. Es ist nur Edna, beruhigt Dich.







In freier Anlehnung an "Fishing with Jack" seine SCHREIBAUFGABE:


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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

Werke: 41
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Profil
Road-Movie

Mir gef├Ąllt der Text gut. Mit wenigen pr├Ągnanten Strichen werden hier deutliche Umrisse von Personen gezeichnet. Das ganze erinnert mich stark an filmischen Stoff, ich finde es k├Ânnte der Anfang eines Road-Movies sein.
Danke f├╝r den Beitrag!
__________________
fz

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