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Leselupe.de > Gereimtes
Höchstes Lob
Eingestellt am 30. 11. 2005 12:24


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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Höchstes Lob

Graf Willibald ein Lorbeerblatt
aus seinem Kranz gebrochen hat;
er bot es mir, der Rührung Träne
hing fest an seiner Wimpernmähne.

Er sprach: Du schreibst zwar ohne Musen,
hast trotzdem mir bewegt den Busen.
Dein Dichterwort: „Du, Welt, bist Schein
und ich darin so ganz allein“,

hat mir die Seele aufgewühlt.
Jahrhundertlang blieb unterkühlt
mein Herz und auch das meiner Ahnen,
doch lauscht es pochend deinem Mahnen.

Er reichte mir das Lorbeerblatt,
das wirklich gut gerochen hat;
entzückt tat ich es in die Suppe,
die Scheinwelt war mir plötzlich schnuppe.









__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Sonnenkreis
Festzeitungsschreiber
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Liebe Vera-Lena;

Dein Gedicht habe ich mir kopiert und wieder und
wieder gelesen. Nun; ich weiß nicht ob ich dabei
unkonzentriert war oder ob es wirklich ein wenig
schwierig ist, da wirklich dahinter zu kommen.

Das Schwierige daran, das meine ich -nicht- ent-
wertend; im Gegenteil, ich selber werde eigentlich
erst richtig wach, wenn mich etwas fordert.

Als ich Dein Gedicht dann für mich gelöst habe,
das stellte sich ein Schmunzeln ein: Aha, dachte
ich mir, ist vielleicht eine ganz köstliche Beigabe
dieses Lorberblatt.

Und diese Suppe, es scheint mir als ob die ma-
gische Kräfte entfaltet: Wenn man sie ißt, wird
das Spüren nicht nur etwas realer; es wächst so-
gar über das Ich hinaus....

Toll!

Dir einen schönen zweiten Advent und

von Herzen

Alles Liebe)
Sonnenkreis

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Lieber Sonnenkreis,
als ich den Text schrieb, da dachte ich eigentlich, ich wüsste, was ich da geschrieben habe, aber jetzt , da ich es wieder lese, kommt es mir so neu vor, als wäre es gar nicht von mir. Schon komisch!
Ich muss mir jetzt meinen eigenen Text interpretieren.
Ich versuche es einmal:

Da ist also ein Dichter, der immerhin einen gewissen Ruf genießt, wenn er von einem adeligen Herren, (der Text scheint in früheren Jahrhunderten zu spielen,) ein Ruhmesblättchen erhält. Der Geber scheint selbst ein berühmter Mann zu sein und schenkt dem Dichter also sozusagen etwas von seinen eigenen Ehrungen.

Der Dichter hat einen Text geschrieben: "Du, Welt bist Schein und ich darin so ganz allein". Das scheint mir doch eine sehr negative Wahrnehmung zu sein. Wenn er hinter dem Schein wenigstens sich selbst entdecken würde, aber nein, er lässt eine Klage über seine Einsamkeit folgen.
Was hat den Grafen Willibald dazu gebracht, von diesen Worten derartig berührt zu sein? Also das wird hier nicht enthüllt.

Der Dichter nimmt die Ehrung entgegen, aber nicht als Ehrung, sondern ihm bedeutet das Lorbeerblatt eben das, was es ist, nämlich ein Gewürz und so gibt er es ohne viel Federlesen in die Suppe.
Und siehe, die Suppe war gut und deshalb war die Welt auf einmal auch gut, denn mit einer warmen Suppe im Magen, kann man sich einfach nicht mehr so furchtbar schlecht fühlen und die Ehrung, die er sich nun in aller Einfachheit einverleibt hatte, nahm ihm dann auch für Augenblicke das Gefühl der Einsamkeit hinweg. Er kam sich nicht mehr so nutzlos vor und er hatte mit seinem Schmerz das Herz eines vielleicht auch einsamen und verhärteten Menschen berühren können.

Also so furchtbar humorvoll ist das nicht. Ich würde sagen, das ist eher ein skurriler Text, und deshalb ist er in diesem Forum vielleicht doch richtig untergebracht.

Wenn ich mir jetzt noch einmal Deine Antwort durchlese, dann haben wir , glaube ich, den Text auf die gleiche Weise "verstanden". Schade, dass man ihn nicht einfach so auf Anhieb genießen kann, denn das hatte ich beim Schreiben doch gedacht.

Ich danke Dir herzlich für Deine Antwort, die mich dazu gebracht hat, mir die Sache noch einmal genauer anzusehen.

Dir noch einen schönen Abend!

Ganz liebe Grüße von Vera-Lena

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rmdp
gesperrt
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brillant...eine 9 von

deinem ralfi
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Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates)

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Lieber Ralf,

danke für das Lorbeereblatt!!!

Liebe Grüße von Vera-Lena
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Udogi-Sela

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Höchstes Lob

Also, Vera-Lena, ich habe dein Gedicht auf Anhieb genossen, eben weil es etwas sofort erkennbar skurriles hat und das Thema auf der Hand liegt:

Dieser Graf kann nur eine imaginäre Figur sein, jahrhundertealt, (weil sein Herz „jahrhundertlang war unterkühlt“) Es handelt sich sozusagen um den alten Weisen im Dichter, der schon mindestens einen Sieg (welchen auch immer, jedenfalls besitzt er einen Lorbeerkranz) davongetragen hat und etwas überlegen und spöttisch auf den Dichter herabblickt, weil der noch lange nicht so toll ist, wie der lorbeerbekränzte Graf (Er sagt herablassend: „Du schreibst zwar ohne Musen, hast trotzdem...)
Und weil der Dichter eben jetzt EINMAL in Jahrhunderten(!) (Hinweis auf die „Ahnen“) das Herz des Grafen gerührt hat, überreicht der Graf EIN Lorbeerblättchen (anstatt den ganzen Kranz) an den Dichter. Das ist Spott und Hohn! Der Dichter aber erkennt das und antwortet mit gleicher Münze: Ich werde mir das Blättchen nicht in einem Goldrahmen an die Wand hängen, sondern in der Suppe verarbeiten, wo es seinen guten Zweck erfüllt und so kurz seiner Werterfüllung dient, wie es eben auch dem kurzen Lob des Grafen an den Dichter entspricht.

Zum Zweiten handelt es sich ja auch um ein imaginäres Lorbeerblatt aus einer Scheinwelt, das allerdings in einer imaginären Suppe landet, obwohl dem Dichter „die Scheinwelt plötzlich schnuppe war“. Der Dichter kocht sich weiter „seine Süppchen“ und geht mit Lob so um, wie es ihm am besten dient...

Das Gedicht spielt sich auf zwei Ebenen ab. Da ist einmal die Scheinwelt, in der der Graf lebt und zum anderen die, in der der Dichter seine imaginären Süppchen kocht. (Und eine dritte liegt im Kopf des Lesers.)

Auch der Titel „Höchstes Lob“ ist reinste Ironie.

Ich finde das Gedicht toll. Höchstes Lob.
Keine Ironie.

Herzlichst
Udo

__________________
Dieses ganze Schreiben ist nichts als die Fahne des Robinson auf dem höchsten Punkt der Insel. (Kafka)

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