Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5535
Themen:   94739
Momentan online:
289 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hölle der Stadt
Eingestellt am 13. 11. 2017 01:42


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
JcPosch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2016

Werke: 10
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um JcPosch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Mit schleichendem Schritt und herbei geschworener Schwierigkeit dabei, zieht es mich eine lange Straße herunter und während ich versuche geradeaus zu sehen, um möglichen Hindernissen ausweichen zu können, richtet es den Blick immer wieder in die Höhe. Dunkelheit schwebt über diesem Körper wie ein dicker Schleier; Motoren heulen auf; der Asphalt schreit. Es mag leise im Schwall des Umfeldes untergehen, doch wenn man ganz genau zuhört, erkennt man sein Aufschreien – mit jedem Auto, das über ihn fährt. Gepeinigt von einer nie endenden Tortur. Ein tief trauriger Zustand, dessen er sich nicht entziehen kann. Die Hölle auf Erden. Die Hölle der Stadt.
Während der Blick sich wieder senkt und die nun drohende Kollision vernimmt, schafft es der Körper sich doch ein Stück zur Seite zu lehnen und nicht etwa über den Hydranten zu fallen, sondern daran vorbeizugehen. Dann schlürft er jedoch die Straße entlang – ohne Ziel, einfach weiter. Ohne dass je irgendjemand seinen Dasein passieren würde, ohne dass jemand auf ihn aufmerksam wird. Dieser Körper ist alleine, er ist genauso einsam, wie alle anderen Körper dieser Stadt. Aber wenn alle auf die gleiche Weise einsam sind, sind sie dann nicht auch –
Es erweist sich als nicht besonders einfach, heraus zu lokalisieren, woher die feinen, melodischen Klänge anbahnender Melancholie herkommen, doch ich spüre sie, als wären sie der Duft eines Geruchs, der in der Kindheit mal präsent war, seitdem jedoch nie wieder vernommen wurde. Doch anders als bei dem Duft, glaube ich nicht daran, etwas derartiges je durch einen Sinn zu spüren bekommen zu haben. Es ist neu, doch anders – als wäre es vertraut. Es spielt keine Rolle, ob die Augen offen oder geschlossen sind, denn auf diesen Sinn scheint sich dieser Körper ohnehin nicht mehr verlassen zu können, weshalb ich einfach dem immer näher tretenden Klang folge und nur hoffen kann, dass er während dieser Suche nicht abbricht, bevor er nur nah genug ist, um ihn aufzuspüren .
Eine immer klarer werdende Folge von Tönen bewegt den Körper also, dem Ziel immer näher tretend, bis die Augen doch etwas dazu beitragen und den Ursprung – ein viel zu nichtiger Begriff, um dessen gerecht zu werden – sichten und mir den Befehl geben, sich irgendwo in der Umgebung niederzulassen. Welch exakten Standpunkt sich der Körper aussucht, spielt im Grunde keine Rolle. Viel wichtiger ist dieser Klang, ein Meisterwerk der Akustik, der sich im Kopf festsetzt und ihn in Wallungen bringt. Alles zum Beben bringt und all das hier in eine triefende Blase der Befriedigung hüllt. Bis sich der dicke Schleier der Dunkelheit vom Himmel löst. Und die nun strahlende Landschaft des Betons trotzdem wieder farblos erscheint, als der Klang vernichtend erlischt.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung