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Leselupe.de > Anonymus
Hörspiel
Eingestellt am 09. 03. 2012 19:32


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Man hört Schritte auf Holzboden. Abstellen eines Gegenstandes. Ausschlagen von Wäschestücken. Klammerschnipsen

Für einander - nicht nebeneinander - sind Eheleute bestimmt. Haben sie Kinder, kommen sie dafür auf. Die Großeltern werden dann auch gefordert, obwohl sie vorher schon die ihrigen Kinder umsorgt haben. Manche haben das ja ganz gern, ein bisschen Verantwortung und aufs alte Teil auch noch etwas Beschäftigung. Es gibt andere wie mich, denen das gar nicht liegt. Solche sind dann die Einsamen und Ängstlichen.
Manchmal stelle ich mir Gespräche zwischen Eheleuten vor, zum Beispiel einem Metzgermann und seiner Metzgerfrau. Oder auch einem Jägersmann und seiner Jägersfrau. Aber dieses Gespräch belauschte ich vor ein paar Tagen, als ich auf dem Speicher die Wäsche zum Trocknen aufgehängt habe. Die Wohnung der Eheleute liegt direkt unter dem dünnen Holzboden:

Er sagte:

„Gib mir eine Tasse Blut, dann geht es mir besser als vorhin, als ich versucht habe deinem Spiegelbild in den Hals zu beißen. Meine Fresse ist davon noch ganz aufgerissen, ich kann sie gar nicht halten und mein Eigenblut ist komplett ausgelaufen, deshalb giere ich jetzt nach deinem. Also, mach sie voll, die Tasse und zittere nicht so, wenn du sie rüber gibst, sonst läuft noch die Hälfte über und das macht so scheußliche Flecken auf meiner Schlafanzughose.“

Sie:

„Angsthase.“

Er:
„Ach der. Das arme Tier war vollkommen in rote Farbe eingetaucht worden. Wer so was macht, hat einfach keine Vorstellung davon, wie sich das anfühlt. Dass es diese Dinge gibt, steht außer Zweifel. Es redet nur keiner gerne darüber. Warum auch?“

Sie:
„Ängste sind weit verbreitet und wenn es jemand ganz hart getroffen hat, wendet man sich lieber weniger schweren Dingen zu. Viele glauben, das sei ansteckend.“

Er:
„Man kann ihn wahrscheinlich auch essen, wenn er nicht in rote Farbe getaucht wurde. Ja und wieso denn nicht auch mit roter Farbe? Das Fell ist dann jedenfalls ab und die Farbe wäre dann auch weg. Man muss das alles aber nicht ganz so komplex ansehen, es ist auf dieser Welt einfach so, dass man Hirsche, Wildschweine und Hasen frisst.“

Sie:
„Ich mache das nicht gerne. Ein Einwand gegen das Essen von Angsthasen wären die Hormone, die der arme Kerl vor seinem Ableben in sein Blut ausgeschüttet hat. Das könnte ansteckend auf den Esser wirken und ich glaube, dass will niemand gerne, Angst essen.“

Ein Poltern, ein dumpfer Schlag.

Daraufhin Stille unter mir. Ich gehe auf Zehen zu der angelehnten Lattentür. Schritte entfernen sich treppab. Merkwürdige Leute, und wisst ihr was? Ich glaube, sie redeten von mir.

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