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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hoffnung
Eingestellt am 28. 08. 2003 03:07


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SamaraTJay
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Aug 2003

Werke: 3
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Hoffnung

Die Digitalanzeige auf meinem Wecker zeigt 4.53 Uhr. Draußen beginnt es bereits zu dĂ€mmern. Die Vögel haben schon ihre Stimmen erhoben, um den jungen Morgen zu begrĂŒĂŸen.
Im Zimmer ist es erdrĂŒckend warm, trotz der geöffneten Fenster. Schon allein wegen der Hitze ist es fast unmöglich, erholsamen Schlaf zu finden. Es gibt aber noch etwas Anderes, das mich daran hindert, wieder einzuschlafen. Es ist dieses stĂ€ndige Auf und Ab meines Bauches, die Knuffe und Tritte. Es ist dieses Leben in meinem Bauch. Mein Baby, es wird wieder ein Junge werden, jedenfalls hatte die Ärztin ein paar verdĂ€chtig aussehende BĂ€llchen auf dem Ultraschall erkannt, als das Kleine ganz ungeniert die Beine gespreizt hatte. Mein drittes Kind, mein dritter Junge, das erste Kind fĂŒr seinen Vater.
Sein Vater. Wie hatte er gestrahlt, als die Ärztin ihm sagte, dass er einen Sohn bekommen wĂŒrde. Wie stolz war er gewesen.
Wir fĂŒhren keine Beziehung mehr, aber wir haben beide unsere Probleme, damit umzugehen. Dieses stĂ€ndige Auf und Ab der GefĂŒhle, die Intrigen seiner Mutter haben uns immer wieder entzweit und doch nie ganz getrennt. Es gibt ja dieses Band, das GrĂ¶ĂŸte, was zwei Menschen miteinander teilen können. Ein neues Leben!

Ein Auto fĂ€hrt auf den Hof. Es ist sein Auto, welches ich unter hunderten erkannt hĂ€tte. Mein Herz klopft zum Zerspringen. Jedes Mal, wenn ich sein Auto höre, wĂŒnsche ich mir insgeheim, dass er zu mir kommt. So wie frĂŒher, als alles noch unbeschwert war zwischen uns.
Ich lege meine HĂ€nde auf den gerundeten Leib und mein Herz ist schwer. Ich liebe dieses Kind, wenn es auch ein Unfall war, und ich liebe seinen Vater.
Ich höre, wie jemand den SchlĂŒssel, der von außen in meiner HaustĂŒr steckt, herumdreht. Er kommt! Ich höre, wie er hereinkommt, die SchlĂŒssel und sein Handy auf den KĂŒchentisch legt., dann nĂ€hern sich seine Schritte dem Schlafzimmer. In der MorgendĂ€mmerung kann ich ihn sehr gut erkennen, wie er im TĂŒrrahmen steht und mich stumm ansieht. Auch ich sage kein Wort. Worte waren es, die alles zwischen uns zerstört haben, aber die stumme VerstĂ€ndigung funktioniert immer noch sehr gut.
Er kommt nĂ€her und setzt sich auf mein Bett. Die HĂ€nde hat er in seinem Schoß gefaltet und sein Blick ist auf seine FĂŒĂŸe gerichtet. Ich sehe die Anspannung in seinem Gesicht und ich weiß, dass sein Herz genau so wild hĂ€mmert, wie meins.
„Es tut mir leid!“ flĂŒstert er fast tonlos.
„Ich weiß!“ antworte ich.
Ich weiß, was er meint, obwohl er es nicht ausspricht. Es tut ihm leid, dass er nicht die Kraft hat, fĂŒr mich und seinen Sohn einzustehen und seiner Mutter die Stirn zu bieten. Es tut ihm leid, dass er nicht in der Lage ist, seinen GefĂŒhlen nachzugeben und mit mir eine Beziehung zu fĂŒhren. Er hat Angst, vor der Liebe, der NĂ€he. Er ist so geprĂ€gt. Schuld hat SIE, seine Mutter, aber ich weiß, dass ich nichts dagegen tun kann, außer ihm Zeit zu geben, in der Hoffnung, dass er sich endlich abnabelt.
Ich setze mich auf und lege meine Hand auf seinen Arm. Er schaut mich an und ich weiß, dass ich mich nicht tĂ€usche, er liebt mich, und es zerreißt ihn innerlich. Er steht auf und beginnt, sich zu entkleiden, dann schlĂŒpft er wortlos unter meine Decke und zieht mich dicht an seinen Körper. ZĂ€rtlich streichelt er meinen Bauch, obwohl ich mit dem RĂŒcken zu ihm liege, weiß ich, dass er lĂ€chelt. Das Kind, es hat sich bewegt. Er knabbert an meinem Hals und seine HĂ€nde wandern zu meinen BrĂŒsten. Sie sind in den letzten Wochen immer grĂ¶ĂŸer geworden und sie sind prall, wie zwei Ballons, die bis zum Bersten mit Luft gefĂŒllt sind.
„Wow!“ ist alles, was ihm dazu einfĂ€llt.
„Die verschwinden wieder.“ sage ich, „SpĂ€testens, wenn ich abstille.“
Ich drehe mich zu ihm um, schaue ihm in die Augen. Er hat wunderschöne Augen, rehbraun mit goldenen PĂŒnktchen. Ich ziehe seinen Kopf zu mir herunter. Der Kuss ist sanft, fast nur ein Hauch, und ich merke, wie er zittert. Er hat Angst, mir und dem Baby mit seiner Leidenschaft weh zu tun. Das letzte Mal, das wir miteinander geschlafen haben, war im vierten Monat, jetzt bin ich im siebten Monat und der Bauch ist so groß, wie ein riesiger KĂŒrbis.
„Ich bin nicht zerbrechlich, du darfst dich nur nicht auf den Bauch legen.“ beruhige ich ihn.
Ich drehe ihm wieder den RĂŒcken zu und schmiege mich einladend an ihn. Eine weitere Einladung braucht er nicht. Mit einem leisen Stöhnen dringt er in mich ein. Wir lieben uns langsam, mit viel Hingabe und leisen geflĂŒsterten Worten der Liebe. Eine TrĂ€ne kullert aus meinem Auge, als ich den Gipfel erreiche und wenig spĂ€ter spĂŒre ich seinen warmen Samen, tief in mir. Er löst sich nicht von mir, wie er es sonst zu tun pflegt. Er sucht nicht den Abstand, sondern ergibt sich zum ersten Mal seinen GefĂŒhlen und hĂ€lt mich fest im Arm. Ich kann seinen Herzschlag spĂŒren und es wundert mich nicht, dass er mit meinem ĂŒbereinstimmt.
Zum ersten Mal sind wir wirklich vereint, und etwas keimt in meinem Herzen.
Hoffnung!

__________________
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flammarion
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also,

diese geschichte ist zum heulen schön. das gibt punkte und n platz in meiner sammlung.
ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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SamaraTJay
One-Hit-Wonder-Autor
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Hoffnung

Vielen Dank, fĂŒr deine netten Worte.
Diese Geschichte war eine Arbeit fĂŒr mein Studium in Sachen Belleristik. Ich freue mich, wenn sie dir gefallen hat.
Liebe grĂŒĂŸe, Stefanie (SamaraTJay)
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Lillia
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Registriert: Apr 2001

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mhm, schoen

Stimmt, sie ist wirklich wunderschoen. Ueber einige Kleinigkeiten bin ich gestolpert:


"...und schmiege mich einladend an ihn. Eine weitere Einladung braucht er nicht." - Die zweite "Einladung" wuerde ich ersetzen oder streichen, sonst steht 'einladen' gleich zweimal hintereinander da.

Auch hier "Wir lieben uns langsam, mit viel Hingabe und leisen geflĂŒsterten Worten der Liebe."
doppelst du, und das gleich doppelt
einmal die Liebe, die hier gleich zweimal vorkommt (Deine Geschichte hat es gar nicht noetig, dass es "Worte der Liebe" sind, Du schaffst es, die Liebe allein in die Beschreibung zu packen)
und gefluesterte Worte sind immer leise.

Auch zum Schluss benutzt du zweimal "Zum ersten Mal" - mir kam in den Sinn, dass er es vielleicht wieder wie frueher tut oder staerker als sonst oder etwas aehnliches, aber das ist wohl nicht wirklich, was Du sagen wolltest..

Eine stille, kraftvolle Geschichte, wirklich schoen!

Gruss
-lilli-

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SamaraTJay
One-Hit-Wonder-Autor
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Hallo Lilli!

Erst mal vielen Dank,fĂŒr deine Meinung. Ich freu mich natĂŒrlich immer, wenn ich ein positives feedback erhalte, nehme aber auch gern jede Kritik an, sofern sie so nett und objektiv geĂ€ußert wird, wie deine.
Ich werde mir den Text bei Gelegenheit noch mal vornehmen und ĂŒber deine VorschlĂ€ge nachdenken.
Liebe GrĂŒĂŸe, Stefanie (SamaraTJay)
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flammarion
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hallo,

Ich möchte dich auf ein paar kleine Fehlerchen aufmerksam machen, die ich in deiner schönen Geschichte als störend empfand:
Es ist sein Auto, welches ich unter Hunderten erkannt . . . die Zahl wird groß geschrieben.
Nach der wörtlichen Rede wird nach der neuen deutschen Rechtschreibung ein Komma gesetzt, wenn der Satz nach der wörtlichen Rede weitergeht.
ZĂ€rtlich streichelt er meinen Bauch – ein Punkt wĂŒrde hier mehr Wirkung erzielen.
. . . und ich merke, wie er zittert – bei dieser Formulierung bezieht sich das Zittern mehr auf den Kuss als auf den Mann. Vielleicht besser zwei SĂ€tze daraus machen.
Das letzte Mal, als wir miteinander schliefen – als wĂ€re an der Stelle besser.
In der Hoffnung, geholfen zu haben, grĂŒĂŸt ganz lieb

__________________
Old Icke

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