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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Holzhacken
Eingestellt am 04. 11. 2008 17:28


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Anton Zamka
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2008

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Holzhacken




"Wald, Hochwald, HolzfÀllen, das ist es immer gewesen."
(Bernhard)



Wenn du den Keil in den ersten Schnitt, vielleicht mit drei ganz seichten SchlĂ€gen, gerade so tief setzt, dass der Schnitt offen bleibt und die SĂ€ge nicht klemmt, dann den zweiten Schnitt, also den Rest sĂ€gst, hĂ€ngt der Baum nur noch an einem knappen Zentimeter dicken Holzstreifen. Jetzt endlich fĂ€ngst du an, den Keil hineinzutreiben, und du weißt, jeder Zentimeter, den du den Keil in den Schnitt drĂ€ngst, bedeutet einen Meter Kronenbewegung. Dann ist es schon zu spĂ€t. Bis zum Keil setzen kannst du noch aufhören, kannst noch verschwinden, sobald du aber den ersten Schlag auf den Keil gesetzt hast, gibt es kein ZurĂŒck mehr.

Die HÀnde waren verharzt und ich roch nach Tanne. Als ich angeradelt kam, mein Fahrrad an eine der SÀulen lehnte, wurde gerade die Pforte aufgeschlossen. Fein! -, freute ich mich, ich wÀre allein. Aber ich kannte sie, immerfort war ich im Winter hier gewesen, hatte geschaut, abgezeichnet, verglichen. Prof. HÀsels GemÀlde waren mir so vertraut, als hÀtte ich sie gezeichnet.

Gleich nachdem ich wieder einmal als Waldarbeiter gewirkt hatte, ich endlich wieder gesĂ€gt und gekeilt hatte, war ich in die Galerie geradelt. Zwar hatte ich den HĂ€sel schon lĂ€ngst verinnerlicht, ihn vielleicht schon ĂŒberholt, trotzdem schien mir die Idee, gerade hierher zu kommen, zwingend.

Alle Griffe waren automatisch, in perfekter Manier vor sich gegangen. Erst hatte ich den Stamm von allerlei Brombeergerankel befreit, mir das Ziel genau ausgeschaut und eine Kerbe millimetergenau in das Holz geschlagen.
Prof. HĂ€sel hĂ€tte nach seiner SĂŒdamerikareise, so die Presse, die packenden Erlebnisse, „realitĂ€tsnah, ohne jemals in Pathos zu verfallen“, abgebildet. FigĂŒrlich, wie fĂŒr ihn typisch, wenig abstrakt, fast glaubte man auf einigen Bildern den Meister selbst zu erkennen. Auf der Leinwand „Erdbeben in ChiChu“ erklomm der Professor einen Felsbrocken. Mit der einen Hand krallte sich das brillenverzerr-te Gesicht am Stein fest, die Freie zog zwei Kinder hinterher. Rund um den Felsen war das grĂ¶ĂŸte Chaos ausgebrochen: AbgrĂŒnde, riesige FlammenfontĂ€nen und Sterbende allenthalben.
Vor dem „Erdbeben in ChiChu“ sitzend, dachte ich, Erika hĂ€tte mir alles verdorben. Stank ich nach Benzin, sagte sie: „Mmh
 ab ins Bett“. Arbeitsklamotten: „Nie sahst du besser aus!“. Redete ich ĂŒber Farben, fingerte sie mir am Reißverschluss herum.
Mit ihr hatte alles angefangen und aufgehört. Sie wĂŒrde gerne meine Bilder sehen, sagte Erika und war mit brachialer Gewalt in mein Leben eingedrungen. Eine zeitlang, vielleicht als eine Art Schonfrist, sagte sie: „Nein, ich gehe und du musst malen!“. SpĂ€ter, da sie gewissermaßen meine Zuneigung gewonnen hatte, blieb sie stur. Beharrte trotzig auf gemeinsamen Abenden. Schickte ich sie fort, wurde sie augenblicklich traurig. Wo waren ihre Freunde? – sie wĂ€re doch normal, keine KĂŒnstlerin zumindest, sondern BĂ€ckerin. Kaum aber waren wir ein Paar, interessierten sie die Freunde nicht mehr. Sie liebte meine Eigenheiten, meine Malerei, doch begriff nicht, nĂ€hme sie mich weiterhin so ein, wĂŒrde ich alsbald ein normaler Trottel werden.
Die GĂ€nge waren leer und da ich als Besucher bekannt war, vielleicht als HĂ€sels MeisterschĂŒler betrachtet wurde, verwischte ich die klammernde Hand am Fels mit meinem Harz-Schweiß-Gemisch. Das Resultat betrachtend, dachte ich, es wirke jetzt tragischer. Er wĂŒrde sich und die Kinder versuchen zu retten, ja, doch wĂŒrden sie nun gleich alle drei unweigerlich hinten ĂŒber in den Abgrund fallen.

Wie ich Erika eines Morgens half die Brötchen auszufahren, hatte ich den Prof. HĂ€sel das erste Mal gesehen. Die halbe Nacht hatte ich fieberhaft am „polnischen Sommer“ gearbeitet. Endlich war mir der Durchbruch in der Haargestaltung gelungen. Dem Betrachter den RĂŒcken zugekehrt, stand Erika am Zugfenster und betrachtete versunken den Sonnenuntergang. Ihre rotbraunen Haare gingen eine farbsymbiotische Beziehung zum Licht ein. Durch allerlei Strukturen und Übermalung sah ihr Haar, je nachdem ob es von der Morgen- oder Abendsonne angestrahlt wurde, verschieden aus. Mit der Morgensonne wirkte ihr Haar mehr braun und am Kopf anliegend, im Abendlicht beinahe rot und gekrĂ€uselt. Das Motiv entstand auf der schrecklichen Urlaubsreise, gleich zu Beginn. Die Reise wurde derart schlimm, dass ich mich, kaum zuhause angekommen, wochenlang vor Erika verstecken musste. In der Zeit des Versteckens malte ich das Zugfenster, einen chromblitzenden, sehr detaillierten Aschenbecher, neben den Erika spĂ€ter postiert werden sollte, und die Grundlandschaft im Hinter-grund. ZunĂ€chst pflanzte ich kleinere StrĂ€ucher um ein Sumpfloch. Am Rande wollte ich eine stattliche Zitterpappel setzen. Ich hatte schon die moosbedeckten WurzelauslĂ€ufer und einen Großteil des Stammes gemalt, war in Gedanken schon in die Krone geklettert, da fiel mir Erika ein und malte einen abgebrochenen Baumstumpf.
Nach der erfolgreichen Haargestaltungsnacht, in der ich im Fieberwahn mittels Eiweiß und Bienen-wachs die verschiedenen Haarschichten modellierte, hatte Erika verschlafen. Dieses Murmelschwein verschlief stĂ€ndig, ĂŒberhörte mit regelmĂ€ĂŸiger Genauigkeit den Wecker, so dass ich mich nach der intensiven Malerei aufraffen musste, um ihre, eh schon zu spĂ€ten, BrötchentĂŒten auf den GepĂ€cktrĂ€ger zu spannen und durch die halbe Stadt, schlimmer noch, an ihrer Seite durch die halbe Stadt zu kutschieren. Der Eile wegen sausten wir durch den Stadtwald. Da radelten wir am Morgen durch Fichtenschonungen, deren Ă€ltere StĂ€mme nur gedĂ€mpftes Licht auf den Grund ließen. Nebelschwaden zogen umher, alles war kalt und feucht
, kurz: Es war ungemĂŒtlich!

Schon zu Schulzeiten hackte ich nebenher Holz. Der örtliche PizzabĂ€cker besaß einen Steinofen und zudem einen unersĂ€ttlichen Appetit auf Eichenholz. Die Wochenenden verbrachte ich im Forst, hackte bis mir TrĂ€nen kamen. Mit der Axt hatte ich vielleicht nicht die Welt betreten, wĂŒrde sie aber mit der Axt verlassen. Die erste Axt lag bei uns im Schuppen und war stumpf; als Kind dachte ich aber, sie wĂ€re scharf.
Vater, der allein in der Stadt wohnte, schickte einen Brief, er hole mich am ersten Tag der großen Ferien ab. Angeln wollten wir fahren, an einen Bergsee fĂŒr zwei Wochen. So stand ich als Bub schon am Mittag ganz aufgeregt mit dem Köfferchen auf der Hofeinfahrt. Bald saß ich, bald lag ich. Mutter rief zum Essen. SpĂ€ter zum Kuchen.
Na, ich inspizierte die nĂ€here Umgebung. Ärgerte die Ameisen, guckte den Kaulquappen im Graben zu. Entdeckte die Traubenkirsche. Die Traubenkirsche war der erste Baum meines Lebens. Reißt man ein StĂŒck Rinde ab und zerreibt es zwischen den Fingern, riecht es derart bitter, wie nichts. Abends rief Mutter: „Komm rein, Papa bleibt weg!“ Ich weiß nicht mehr wann, vielleicht Tage, vielleicht Monate spĂ€ter hackte ich die Traubenkirsche um. Ganz stĂŒmperhaft schlug ich mal da, mal dorthin, bis der Stamm rundherum angefressen unter Zuhilfenahme aller kindlichen KrĂ€fte einknickte.

Prof. HĂ€sel hatte ich das erste Mal im Stadtwald gesehen, als ich mit der Erika die Brötchen ausfuhr. Es war eine kurze, magische Szene und ich dachte, dass der HĂ€sel und ich dadurch verbunden wĂ€ren. Ich hatte im dĂŒsteren Fichtenwald gehalten, um mir eine Zigarette zu drehen. Irrsinnig schlecht gelaunt war ich gewesen, Erika schwitze aus jeder Pore und ich begann ihr ganzes Brötchensein an sich in Frage zu stellen.
Zwischen den Fichten waren wir gestanden, Nebel umfloss unsere Beine und Erika, die Nimmersatte, kaute auf einem Brötchen herum, da kam von hinten eine Art Lichtgestalt, nĂ€mlich Prof. HĂ€sel auf dem Rad daher. Ich kannte ihn aus der Presse. Die magere Gestalt, das zerfurchte Gesicht. Neugierig schaute er uns, schaute er mich an. Ich denke, es lag ein leichtes Grinsen, ein minimales Sympathiebe-kunden auf seinen Lippen, das mir schließlich den Tag rettete, vor allem aber darin bestĂ€rkte, mich endlich an HĂ€sels Kunstakademie zu bewerben.

Immer schon lag eine KĂŒnstlerseele in mir. Meine Jugendfreunde, die ebenfalls alle Waldarbeiter wurden, waren gröber und hatten fĂŒr meine Malerei nichts ĂŒbrig. Sie waren solche, die eine MotorsĂ€ge im Kofferraum herumfuhren. Eines Nachts verweigerte ihnen irgendein Klauselwirt die nĂ€chste Runde, er war einfach mĂŒde und wollte dichtmachen, da gingen sie wĂŒtend hinaus. Kamen aber gleich wieder und sĂ€gten seinen Kirschtresen in der Mitte durch. Solcher Art waren meine Jugendfreunde. Ich hatte mich an ihren Grobheiten nie beteiligt. Eher war ich allein mit der Axt unterwegs, das Hacken war immer auch eine kĂŒnstlerische Sache. Manchmal, als ich schon in der Stadt wohnte, saß ich im Park und begutachtete die Baumstruktur. Mein Ă€sthetisches Auge vermag allzu schnell den schlechten Wuchs, den Baum an der falschen Stelle ausmachen. Ich hĂ€tte Landschaftsarchitekt werden können, wurde es aber nicht, weil ich dachte, ich wĂ€re es schon. So kam ich in dunklen Morgenstun-den wieder und hackte das Missratene um. Das punktgenaue HolzfĂ€llen brachte in den Parkanlagen auch mehr Spaß. ParkbĂ€nke waren eine Weile die bevorzugten Ziele. Ich mochte SpaziergĂ€nger nicht, vor allem aber krachten die BĂ€nke so schön.

„Ihre Begeisterung fĂŒr die Malerei spĂŒrt man!“, sagte der Professor neben Prof. HĂ€sel. „Aber wir wĂŒrden gerne wissen, wo sie hinwollen. Auf welchem Stand Sie gegenwĂ€rtig sind, wer Sie beeinflusst hat. Lesen Sie Philosophie? Aber vor allem interessiert uns: Wohin wollen sie mit Ihrer Malerei?“
„Ich male fĂŒr mich. Ich bin mehr der praktische Typ. Philosophie“, dachte ich, habe ich nie gelesen, „ist mir zu trocken. Ich glaube, ich habe meine eigene Philosophie. Wenn ich draußen sitze und die Natur betrachte. Malen kommt bei mir von innen, ich bin mir nicht sicher, ob ich mich ĂŒberhaupt beeinflussen lassen will. Durch BĂŒcher und so.“
„Wir glauben“, sagte der Nicht-HĂ€sel-Professor, „fĂŒr Ihr Alter sind Sie nicht tief genug eingedrungen. Auch theoretisch. Hier bewerben sich NeunzehnjĂ€hrige, die wissen schon soviel, haben ganz genaue Vorstellungen. Bei Ihnen macht es den Eindruck eines GefĂŒhls. Sie wollen. Aber warum Sie wollen, glauben wir, wissen Sie selbst nicht.“ Mir fiel darauf nichts ein. Vielleicht stimmt es, vielleicht nicht, ich verlor langsam die Nerven: „Das ist also eine Ablehnung?“
„Ja, gegenwĂ€rtig sehen wir Sie nicht an der Akademie. Lernen Sie, besuchen Sie einen Zeichenkurs an der Volkhochschule. Lesen Sie vielleicht Philosophisches zur Kunst. Sie können sich selbstverstĂ€nd-lich spĂ€ter noch einmal bewerben. Das steht Ihnen frei.“
Den HĂ€selblick nahm ich mit hinaus. Seinen Blick, der sagte, es tut mir leid, oder aber, du bist nicht gut genug. Das wusste ich nicht. Aber ich wusste, dass ich mehr als alle anderen KĂŒnstler wĂ€re. Die, die nur reden und abstrakte Dinge malen. Die werden genommen. Die malen abstrakt, weil sie sonst nichts wĂŒssten, außer Karos.

Den „polnischen Sommer“ lies ich in der Akademie liegen. Sein Fehlen fiel mir erst auf dem RĂŒckweg auf. Es fuhr sich so leicht. ZurĂŒckkehren traute ich mich aber nicht. Vielleicht wĂŒrde ich am Abend noch einen Anruf bekommen, Prof. HĂ€sel wĂ€re das vergessene Bild aufgefallen. Dass die untergehen-de Sonne Erikas Haar rötlich aufschimmern ließ, diesen Effekt hatte er ja naturgemĂ€ĂŸ, am Nachmittag, gar nicht sehen können, jetzt, da er ihn sieht, wĂŒrde er meine Ablehnung bereuen, vielleicht eine Notsitzung einberufen und am Abend erleichtert anrufen. Sich gar entschuldigen, nicht zu sehr, er ist Professor, dennoch wĂŒrde er endlich die Tiefe unserer Verwandtschaft spĂŒren. Wenn ich erst an der Akademie wĂ€re, wĂŒrde ich gewiss bald nicht mehr nur SchĂŒler sein, ich wĂŒrde mich auch um die Gartengestaltung kĂŒmmern. Prof. HĂ€sel wĂŒrde ich eine Gartenlaube bauen, mit einem verschlungenen Weg aus Tannen. Die großen Eichen ĂŒber HĂ€ngebrĂŒcken miteinander verbinden, so dass der Professor und ich abends ĂŒber die HĂ€ngebrĂŒcken spazieren wĂŒrden und in einem der BaumhĂ€user Tee trinken könnten. Eine luftige Plattform wĂŒrde ich als Atelier bauen. Mit zwei Sesseln zur Autobahn gerichtet, da nachts die Autoschlangen so hĂŒbsch leuchten. Zum Todestag von Prof. HĂ€sel wĂŒrde ich ein HĂŒgelgrab schaufeln und große Felsbrocken darauf stellen.
Abends um zehn hatte nur einmal das Telefon gelĂ€utet, die Erika wĂŒnschte mir eine gute Nacht. Da sah ich alle BĂ€ume mikadoartig auf die Akademie fallen. Das Fahrrad von Prof. HĂ€sel begrub sich unter einer MarmorsĂ€ule und ich sĂ€gte die AlleebĂ€ume an den Zufahrtsstraßen nieder.

Im Stadtwald war es finster am Morgen. Nebelschwaden kletterten an den Beinen empor und ich schwitzte beim Hacken nass. Den Fallkerb hackte ich millimetergenau Richtung Weggabelung. Der Fallkerb ist die ganze Sache beim HolzfĂ€llen, ist der Fallkerb misslungen, möchte ich immer am liebsten abhauen oder einen anderen Baum nehmen. Der Fallkerb bestimmt die Fallrichtung. Er gelang mir ausgezeichnet und ich drehte mir eine Zigarette. Als ich einen Specht hörte, sĂ€gte ich den ersten FĂ€llschnitt. Schlug den Keil nur ganz leicht ein und sĂ€gte vorsichtig weiter, ich ahnte, fĂŒnf ordentliche SchlĂ€ge auf den Keil und der Baum kommt ins Wanken. Niemand war zu sehen und ich ĂŒberprĂŒfte noch einmal den Fallkerb, ging auf die Weggabelung. Von der Gabelung hatte man eine gute Sicht, ich drehte mir eine Zigarette und gerade als ich Feuer suchte, sah ich ihn schon um die Ecke radeln. Ich renne zurĂŒck und finde die Axt nicht. Da liegt sie, du Idiot! – vorsichtig spĂ€he ich noch mal hinterm Baum hervor und sehe den HĂ€sel ganz genĂŒgsam nĂ€her kommen. Mit der stumpfen Axtseite schlag ich auf den Keil. Jeder Schlag bringt den Baum ein StĂŒck mehr in Schieflage. Zuerst zittert die Krone, dann langsam öffnet sich der Schnitt von hinten. Knirschend beginnt der Stamm zu kippen, ich gebe dem Keil noch einen letzten Hammer und trete zurĂŒck. In Zeitlupe fĂ€llt der Baum auf die Gabelung. Er ist so mĂ€chtig, dass er im Fallen noch eine schwĂ€chere, aber haushohe Birke mitreißt.

Beim Anblick vom „Erdbeben in ChiChu“, dachte ich, Prof. HĂ€sel hĂ€tte sein entsetztes Gesicht gut getroffen. Den entstellten Brillenblick nach oben, ja, so hatte ich ihn auch gesehen. Eine draußen vorbeifahrende Sirene beschleunigte meinen Puls. Doch die Ruhe der Galerie kehrte zurĂŒck. Auf „ChiChu“ konnte ich mich nicht mehr konzentrieren. Meine Gedanken fanden sich auf einer Autobahn wieder. Beidseitig wuchsen Kiefern, alle windschief und mit vorgebender Wurfrichtung auf den Asphalt. Ich sĂ€gte erst die Kiefern hinter mir um, dann vor mir. So war die ganze Autobahn versperrt und ich musste immer weiter sĂ€gen, da die Feuerwehr, hintendran die Polizei, versuchte, sich zu mir durchzusĂ€gen. Als ich auf beiden Seiten genĂŒgend SchutzwĂ€lle hatte, ging ich einfach querfeldein, ab und zu legte ich einen Baum um, um die Verfolger aufzuhalten. Ich dachte, ein Leben braucht immer einen theoretischen Fluchtpunkt. Kanada.

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bluefin
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liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin.

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