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Leselupe.de > Humor und Satire
Holzwurmliebe
Eingestellt am 23. 09. 2002 23:40


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gnoebel
AutorenanwÀrter
Registriert: Sep 2002

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Es war einmal ein kleiner Holzwurm namens Paul. Paul lebte zusammen mit dem Eichhörnchen Norbert in einer Art Wohngemeinschaft in einer Buche. Diese wiederum stand in einem WÀldchen in der NÀhe von Bielefeld.
Norbert wohnte in der Dachgeschoßwohnung, also in der Krone des Baumes, denn von dort hatte er die beste Aussicht auf die Umgebung. Paul fand das ganz praktisch, denn er selber hatte Höhenangst und darum lebte er weiter unten in einer Höhle im Baumstamm. Die hatte er damals persönlich angelegt. FrĂŒher hatte er auf einem Schiff gewohnt und dort die Masten angefressen, aber irgendwann fĂŒhlte er einfach, daß er alt werde und langsam seßhaft werden könnte.

Eines Tages dann, es war ein sonniger Dienstag morgen, der Tau glitzerte noch auf der Wiese, das Sonnenlicht brach sich romantisch in den Tropfen und malte kleine Regenbögen auf die Grashalme, ein Laubfrosch quakte den Mond an, merkte, daß der Mond an diesem Morgen gar nicht am Himmel zu sehen war, sprang ein wenig beschĂ€mt in einen Teich, Ă€rgerte einige Wasserflöhe, fĂŒhlte sich ein wenig besser, setzte sich auf ein Seerosenblatt und verfiel in einen sanften Mittagsschlaf, wobei er die frĂŒhe Stunde mit Absicht ignorierte.
An diesem Morgen also schlug Norbert Alarm. Er hatte einen Holzwurm gesehen, der langsam und gemĂ€chlich ĂŒber die nahegelegene Wiese trottete. Er sagte seinem Freund Bescheid und als der diesen offensichtlich weiblichen Wurm sah, war er sofort Feuer und Flamme. Schnell wie der Blitz rannte er in seinen Bau, kĂ€mmte sich die Haare, putzte die ZĂ€hne, zog sich eine frische Unterhose an, bemerkte, daß er all diese Sachen als Holzwurm gar nicht hatte, legte sie deswegen wieder in die Schublade zurĂŒck, verließ seine Höhle und nagte in die Baumrinde ein großes Herz.

Es war sehr schönes Herz, mit zwei Höckern oben und einer Spitze unten. Es hatte alles, was ein richtiges Herz ausmachte, dachte Paul und aus der Perspektive eines Holzwurmes war das auch durchaus richtig. Jedoch beachtete der andere Holzwurm dieses Meisterwerk moderner Holzwurm-Liebes-Lyrik nicht, sondern schlenderte stattdessen einfach an dem Baum vorbei. Paul sprang vom Baum, landete in einem Hundehaufen, putzte sich notdĂŒrftig mittels eines Löwenzahnblattes, pflĂŒckte einen Strauß Blumen (in Wirklichkeit hob er einfach ein paar herumliegende Löwenzahnschirmchen vom Boden auf und band sie zusammen), und folgte seiner Angebeteten.

„Hallo, ich bin der Paul...“ sagte er, als er ihr endlich, ein wenig außer Atem zwar, aber so glĂŒcklich, wie selten zuvor in seinem Leben, gegenĂŒberstand, und ihr in die strahlend blauen Augen blickte.
„Ich bin die Uschi.“ antwortete Uschi ein wenig pikiert angesichts des dreckigen Paul, dessen KatzenwĂ€sche vorhin nicht allzuviel gebracht hatte.
„Ich... Ich habe dir... Blumen gepflĂŒckt...“
„Oh, das ist aber nett von dir, danke... Paul...“ Sie wurde rot und versuchte, Pauls Blicken auszuweichen. UnschlĂŒssig und ein wenig schĂŒchtern spielte sie mit den Löwenzahnschirmchen in ihren HĂ€nden, nicht sicher, wie sie reagieren sollte, denn eigentlich war er ja ganz niedlich.
„Weißt du, ich habe dich vorhin auf der Wiese gesehen und...“ begann Paul.
„Ja...?“
„Und da habe ich...“
„Raus damit.“
„Ich... ich... es ist zu kitschig, du wĂŒrdest lachen.“
„Ich lache grundsĂ€tzlich nicht ĂŒber HolzwĂŒrmer.“
„Puh, da bin ich aber froh, weil ich bin einer.“
„Ja, ich auch.“ Das ermutigte Paul, denn zumindest seine Kenntnisse in der Wurmanatomie hatten nicht nachgelassen, im Gegensatz zu seiner normalen Selbstsicherheit.
„Na gut, also ich habe dir was gebastelt.“ sagte er ein wenig nervös.
„Ein Schaukelpferd? Das wollte ich schon immer haben!“
„Bitte? Nein... nein, das weniger... dreh dich einfach mal um.“ Sie tat es und fiel in Ohnmacht.

Vor ihnen stand Norbert. „Du hast mir ein stinkendes Eichhörnchen gebastelt?“ fauchte Uschi Paul an, als sie wieder zu sich kam.
„Was? Ach du meinst Norbert! Nein, den nicht, hinter ihm...“ er drehte den Kopf in Richtung ihrer alten Buche und sah... nichts. Na gut, er sah nicht wirklich nichts. Eigentlich war der Baum komplett vorhanden, die BlĂ€tter, die Äste, die Rinde, alles war da, nur irgendwie in der falschen Reihenfolge.
„Was ist mit unserem Baum passiert?“ fragte er Norbert, der, wie er jetzt erst feststellte, ziemlich verĂ€rgert dreinblickte.
„Dein blödes Herz hat dem Baum den Rest gegeben. Der war so morsch und ist dann zusammengebrochen! Wir sind quasi Obdachlos.“
„Oh verdammt! Meine Unterhosen.“
„Du hast Unterhosen? Du bist ein Holzwurm.“
„Ja, komisch nicht.“ antwortete Paul lakonisch.
„Und was machen wir jetzt?“
„Wir?“ Paul war ein wenig ĂŒberrascht, diese Frag ausgerechnet aus Uschis Mund zu hören.
„Ja, jetzt wo wir beide ein Liebespaar sind, mĂŒssen wir doch irgendwo wohnen. Schon wegen der Kinder.“
„Kinder?“
„Ja ich will ganz viele und einen kleinen Garten mit einem Zaun und Blumen und im Badezimmer möchte ich ein DuftbĂ€umchen damit es da immer nach Zitrone duftet und das Eichhörnchen kann dann auf unsere Kinder aufpassen wenn wir zusammen die Teppiche aussuchen natĂŒrlich muß es sich vorher waschen und dann will ich noch...“ sagte sie, aber dann merkte sie, daß Norbert und Paul zwischenzeitlich die Flucht ergriffen hatten und schlich langsam von dannen.

...

Seitdem sind viele Tage vergangen, viele HĂ€hne haben den Morgen begrĂŒĂŸt, viele Wölfe und ein Frosch haben den Mond angebellt und noch mehr Eintagsfliegengenerationen verließen unsere Erde. An jenem Tag also fanden Norbert und Paul endlich ein neues Zuhause. Seitdem leben sie glĂŒcklich und zufrieden in einer Dachskommune unter der Erde.
Uschi hingegen fand doch noch ihren Traumprinzen. Es war ein Floh, der auf einem Pferd lebte. Und immer, wenn sie einen Baum umstĂŒrzen hörte, dachte sie an den kleinen, dreckigen Holzwurm, und dann zerdrĂŒckte sie manchmal eine winzige TrĂ€ne in ihrem Auge.
__________________
Dieser Beitrag war unsinnig und ich entschuldige mich dafĂŒr.

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hexlein
Wird mal Schriftsteller
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Holzwurm Paul

Ich liebe diese Geschichte!
Liebe GrĂŒsse hexlein.
__________________
Roswitha Sban

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gnoebel
AutorenanwÀrter
Registriert: Sep 2002

Werke: 4
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Ja, ich auch *g*

... danke
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Stoffel
gesperrt
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Jun 2002

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ja, nette Geschichte.:-)

Stoffel

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gnoebel
AutorenanwÀrter
Registriert: Sep 2002

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Das freut mich sehr
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