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Leselupe.de > Kurzprosa
Homophob, aber sonst gut erzogen
Eingestellt am 31. 08. 2017 00:39


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Arno Abendschön
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Ich muss zum Bahnhof Friedrichstraße, ich werde die U-Bahn nehmen. Auf der Station unten läuft gerade ein Zug ein, schnell hinein! Aber da streitet ein Trio in der Tür, es sieht bedrohlich aus. Ein ganz Junger zetert, die beiden um die dreißig knurren - wenn sie nur nicht aufeinander einschlagen. Nein, der eine bleibt drinnen, die anderen verlassen die Bahn. Die beiden könnten Männer aus dem Süden oder Südosten sein, Migranten oder deren Söhne oder Touristen, was weiß ich. Jetzt aber in die U-Bahn!

Der Junge beugt sich an mir vorbei auf den Bahnsteig hinaus und schreit den Weggehenden hasserfüllt etwas nach: „Ihr Schwuchteln!“

„Du, hör mal“, sage ich so laut, dass die Umsitzenden es mitbekommen, „ich will das nicht hören. Ich bin selbst schwul und du hast mich auch beleidigt.“

„Sie haben in der Bahn geraucht, da haben wir gestritten“, sagt der Junge. Und dann: „Aber ich weiß, man sagt das nicht.“ Er kann Oberschüler sein, kurz vor dem Abitur, Kind deutscher Eltern, proper angezogen.

Er steigt schon eine Station weiter aus und an mir vorbeigehend entschuldigt er sich: „Tut mir leid.“ – „Ist schon in Ordnung.“ Ich frage mich danach, ob er tatsächlich bereut oder ob ihm nur die Bloßstellung peinlich war. Ehrlich gesagt, in seinem Affekt fand ich ihn überzeugender. Da war er ganz bei sich, nach dem treffendsten Schimpfwort suchend, dem, das am meisten verletzen muss, seinem Gefühl nach. Nachher gab er eher den Musterschüler, der schon weiß, was sich gehört.

Und die Umfragen? Sie glänzen mit ihren Ergebnissen, sprechen für Akzeptanz und Toleranz in hohem Grad. Ich misstraue ihnen. Da werden vermittelte Kenntnisse abgefragt und die erwarteten Antworten prompt geliefert, pflichtschuldig und fast mechanisch. Doch im gleichen Atemzug verschließen sich Herz und Hirn des Befragten – und öffnen sich wieder im Zorn.

Aber Sie werden doch nicht bestreiten, dass … Die Entwicklung der Gesellschaft ist weiter als … Wer’s glaubt.

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