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Leselupe.de > Horror und Psycho
Hora
Eingestellt am 06. 08. 2005 16:24


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Isa
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

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Kommentare: 13
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Ein weiterer Tag voller Lieblosigkeit. Schon der Blick in den Spiegel am Morgen hatte sie davon ├╝berzeugt, dass dieser Tag genauso trostlos werden w├╝rde, wie die unz├Ąhligen zuvor.
Auf dem Weg zur Arbeit hatte es die ganze Zeit geregnet und der Himmel war von grauen Wolken ├╝berv├Âlkert gewesen, dass sie kein baldiges Ende f├╝r das unaufh├Ârliche Niederprasseln des Regens erwarten konnte. Der Arbeitstag war eint├Ânig verlaufen. Erst einige Telefonate, dann die ├╝bliche Schreibtischarbeit. Es war nichts Aufregendes mehr und ihre anf├Ąngliche Begeisterung f├╝r ihre Arbeit hatte sich bereits in schlichte monotone Abl├Ąufe umgewandelt. Nach der Mittagspause, welche sie in der d├╝steren Kantine mit einigen Kollegen verbracht hatte, war sie wieder an ihren Schreibtisch zur├╝ckgekehrt. Nach Feierabend hatte sie die Firma fluchtartig verlassen und nun sa├č sie gelangweilt in einem Sessel in ihrer Wohnung und starrte zum Fenster hinaus.
Der Regen war wegen der aufziehenden Dunkelheit kaum noch zu erkennen, doch das kr├Ąftige Trommeln gegen die Fensterscheibe lie├č sie ihn nicht vergessen. Sie stand auf und schaltete das Licht an, setzte sich wieder hin und lauschte wieder dem prasselnden Regen. Die Gedanken schweifen lassen und m├Âglichst nicht an den n├Ąchsten Tag denken. Sie hatte genug von der Eint├Ânigkeit und hoffte verzweifelt auf eine Ver├Ąnderung, brachte jedoch nicht die Kraft dazu auf, diese selbst zu bewirken.
Mit einem Mal zuckte ein greller Blitz am Himmel und die ganze Stadt war mit einem Schlag in Dunkelheit versunken. Ebenso ihre Wohnung. Sie seufzte, ein Stromausfall hatte gerade noch zu ihrem Gl├╝ck gefehlt. Als sie sich aufrichtete, stie├č sie mit ihrem Knie gegen die Kante des Sofatisches. Ein stechender Schmerz jagte von ihrem Knie hinauf in ihren gesamten Oberschenkel und ihr entschl├╝pfte ein leiser Fluch entschl├╝pfte. Sie rieb sich das Knie, testete, ob sie den Schmerz soweit ignorieren konnte und stand dann vorsichtig auf, um sich dann einen Weg in die K├╝che zu tasten.
Dort suchte sie nach Kerzen, durchw├╝hlte ihre Schubladen und tastete jeden Gegenstand ab. Sie m├╝hte sich etliche Minuten ab, ging einige Schubladen sogar mehrmals durch. Eine Kerze war jedoch nicht zu finden, auch kein Feuerzeug oder Streichholz und sie wusste, sie w├╝rde sich einen Weg in den Keller suchen m├╝ssen. Der Gedanke in der Dunkelheit warten zu m├╝ssen, machte ihr Angst. Eine alte Angst, die sich schnell in Panik verwandelte, wenn sie nur eine Sekunde die Kontrolle ├╝ber sich verlor. Sie seufzte und erschrak selbst ein bisschen vor diesem Ger├Ąusch. Dann tastete sie sich langsam vorw├Ąrts, und hoffte im Keller den ersehnten, lichtbringenden Gegenstand zu finden.

Irgendwie erreichte sie den Keller. Im ganzen Haus herrschte Totenstille und machte die Finsternis noch schwerer zu ertragen. Von den anderen Bewohnern des Hauses hatte sie nichts geh├Ârt, selbst als sie bei ihrer Nachbarin mit der Faust gegen die T├╝r geh├Ąmmert hatte. Aber wahrscheinlich war diese gar nicht daheim, denn ihre Nachbarin arbeitete, soweit ihr bekannt war, in einem Restaurant. Bei den anderen hatte sie es gar nicht erst versucht, denn sie hatte kein gutes Verh├Ąltnis zu ihnen. Sie liebte die Ruhe ├╝ber alles und war froh, wenn sie nach ihrer Arbeit einfach ihre Seele baumeln lassen konnte, ihre Nachbarn jedoch waren, trotz der h├Âflichen Bitten ihrerseits ruhiger zu sein, immer sehr laut, was schon zu etlichen Streitereien gef├╝hrt hatte und man sich mittlerweile nicht einmal mehr gr├╝├čte, wenn man sich im Treppenhaus begegnete.
Sie fand die Kellert├╝r und ├Âffnete sie. Sie schloss die T├╝r nie ab, da sie nichts Wertvolles in ihrem Kellerraum lagerte und wenn sich dennoch jemand an ihrem Schrott vergriff, war ihr das nur recht. Ihre Hand tastete nach dem Lichtschalter, vielleicht war der Strom mittlerweile verf├╝gbar und ihre Suche im Finstern v├Âllig umsonst. Doch das Klicken des Lichtschalters brachte nicht die ersehnte Helligkeit und sie machte sich daran Kerzen zu suchen.
Sie wusste genau in welcher Kiste sie danach kramen musste und diese stand zu ihrem Gl├╝ck an erster Stelle. Das Rascheln der Strohengel und das Klimpern der Christbaumkugeln beruhigte sie ein St├╝ckchen und sie war ihren Eltern f├╝r einen Augenblick dankbar, denn auf Grund der langen Tradition in ihrer Familie hielt sie echte Kerzen am Christbaum immer noch f├╝r ein wichtiges St├╝ck der weihnachtlichen Tradition. Und da war sie auch schon, die schmale Packung der Christbaumkerzen. Erleichtert dr├╝ckte sie sie sich an die Brust und sog den s├╝├člichen Duft der Kerzen ein. Dann stand sie auf, schloss die Kellert├╝r hinter sich und begann mit dem Aufstieg in ihre Wohnung. Sie hatte weder Streichh├Âlzer noch ein Feuerzeug gefunden, doch sobald sie in ihrer Wohnung war, konnte sie die Kerzen an ihrem Gasherd anz├╝nden und ihre angespannten Nerven durch das Kerzenlicht beruhigen.
Als sie den ersten Stock ├╝berwunden hatte, h├Ârte sie Schritte hinter sich. Sie deckten sich fast mit den ihren, aber sie war sich sicher, dass jemand hinter ihr herging. Sie blieb stehen und auch die Schritte verstummten. Vielleicht hatte sie sich geirrt, doch begann Panik in ihr hochzusteigen, welche sie sogleich zu unterdr├╝cken versuchte. Es waren nur noch zwei Stockwerke bis zu ihrer Wohnung, dann w├Ąre sie in Sicherheit. Nun hatte sie es schon so weit geschafft, da durfte sie jetzt nicht nachlassen. Sie atmete kr├Ąftig ein und aus und setzte ihren Weg fort, darauf bedacht, so leise wie m├Âglich zu gehen, um zu h├Âren, ob sie sich ihren Verfolger nur eingebildet hatte.
Sie hatte den zweiten Stock beinahe erreicht, als sie wieder Schritte vernahm. Diesmal waren sie deutlicher zu h├Âren und ihr lief es kalt den R├╝cken hinunter, denn sie sp├╝rte jemanden hinter sich, selbst wenn sie in der Dunkelheit nichts sehen konnte. Der Drang sich umzudrehen wurde immer st├Ąrker, doch die Vernunft in ihr schrie auf. Sie durfte sich jetzt nicht umdrehen, denn sonst hatte sie den Kampf gegen die Panik verloren. Kurz nahm sie ihre Hand vom Treppengel├Ąnder und wischte sich den Schwei├č an ihrer Hose ab. Dann setzte sie die zitternde Hand wieder auf das Gel├Ąnder und machte einen erneuten Versucht, ihre Wohnung zu erreichen.
Endlich der zweite Stock. Nur noch ein Stockwerk und sie w├Ąre in ihrer Wohnung. Die Schritte waren nun ihre st├Ąndigen Begleiter, doch sie versuchte sie zu ignorieren und hoffte, dass sie dadurch so pl├Âtzlich verschwinden w├╝rden, wie sie aufgetaucht waren. Mit einem Mal sp├╝rte sie eine Bewegung hinter sich und wusste, das etwas nach ihr griff. Ihre Nackenhaare richteten sich auf und sie drehte sich um. Sie sah nichts, au├čer der erschreckend dichten Dunkelheit. Wie konnte etwas Finsteres noch dunkler erscheinen, als es ohnehin schon war?
Und nun hatte die Panik gesiegt. Sie drehte sich um, und war sich sicher, dass sie nun von vielen d├╝steren Gestalten umgeben war, die nur darauf warteten, sie mit sich zu rei├čen. Ihre rechte Hand umklammerte die Packung der Christbaumkerzen und sie st├╝rzte die Treppe hinauf. Sie musste nur die Wohnung erreichen, dort war sie sicher. Die Wohnung war ein gesch├╝tzter Ort, ebenso gesch├╝tzt, wie ihr Bett, wenn sie sich voller Angst vor der Dunkelheit unter die Bettdecke fl├╝chtete.
Sie h├Ârte ein Keuchen hinter sich und ihr K├Ârper vollbrachte Hochleistungen, indem sie mehrere Stufen auf einmal nahm und trotz der Dunkelheit nicht stolperte. Dann hatte sie endlich die Wohnung erreicht. Die T├╝r war offen, so wie sie sie zur├╝ckgelassen hatte. Im Dunkeln konnte sie sich unm├Âglich mit dem Schl├╝ssel abm├╝hen. Der rettende Sprung ├╝ber die Schwelle und sie warf die T├╝r hinter sich zu und schwor, dass sie etwas gegen ihre T├╝re prallen h├Ârte. Dann machte sie sich auf den Weg in ihre K├╝che. Ihr Herz raste und ihre Kleidung war durchgeschwitzt. Die Panik jedoch lie├č nach und die Vernunft gewann wieder die Oberhand. Es gab nichts, wovor sie sich f├╝rchten musste. Die Dunkelheit war gleich vorbei und sie konnte im schummrigen Licht der Kerzen entspannen.
Der Gasherd war ein zuverl├Ąssiger Zeitgenosse und schon einige Minuten sp├Ąter sa├č sie in ihrem Sessel, vor sich neun brennende Kerzen, welche sie mit Wachs auf der gl├Ąsernen Platte des Sofatisches. Sobald es wieder Strom gab, w├╝rde sie sich um die Wachsflecken k├╝mmern, doch nun musste sie sich erst einmal entspannen.
Sie schloss die Augen, jedoch nicht ganz, um den goldenen Schimmer der Kerzen nicht aus den Augen zu verlieren. Das Licht brachte Sicherheit und Ruhe, wie schon das letzte Mal, als es schon beinahe zu sp├Ąt f├╝r sie gewesen w├Ąre und die Dunkelheit sie verschlungen h├Ątte. Sie war damals sieben Jahre alt gewesen und hatte mit ihrem Bruder auf dem Dachboden ihres Elternhauses gespielt. Damals hatte sie vor nichts Angst gehabt, nicht einmal vor der Dunkelheit. Aber an diesem Nachmittag hatte ihr Bruder sie in dem gro├čen Wandschrank auf dem Speicher eingesperrt. Es war nur ein Spiel gewesen, doch dort hatte sie die Angst kennen gelernt. Etwas hatte in der Dunkelheit gewartet und sie beinahe in den Wahnsinn getrieben, sie mit b├Âsen Zungen gelockt und mit den klebrigen H├Ąnden der Finsternis zu sich ziehen wollen. Damals hatte sie geschrieen wie am Spie├č, so dass ihr Bruder den Schrank voller Panik ge├Âffnet und sie wimmernd in das helle Erdgeschoss des Hauses getragen hatte. Seitdem konnte sie die Dunkelheit nicht mehr ertragen und je ├Ąlter sie wurde, desto schlimmer wurden die Erinnerungen an jenen Nachmittag. Und ihr K├Ârper schien sich zu erinnern, denn oft bekam sie Anf├Ąlle, bei welchen sie sich unkontrolliert sch├╝ttelte und aus Leibeskr├Ąften schrie. Diese kamen immer dann, wenn sie sich in einer unsicheren Situation befand oder auch in der Dunkelheit, selbst wenn diese nur wenige Minuten dauerte.
Die Flammen der Kerzen flackerten und schlagartig erloschen alle. Noch ehe sie die M├Âglichkeit hatte zu reagieren, durchflutete sie Panik und sie wusste, dass es die Finsternis in ihre Wohnung geschafft hatte. Sie sprang auf und stie├č erneut mit ihrem Knie gegen die Kante des Tisches, diesmal schmerzte es so heftig, dass es ihr die Tr├Ąnen in die Augen trieb und sie schluchzend zusammenbrach. Zitternd schaffte sie es sich aufzurichten und sie tastete nach einer Kerze. Nur eine einzige gen├╝gte, um der Dunkelheit und ihren Bewohnern zu entkommen. So schnell sie konnte, humpelte sie in die K├╝che, doch blieb sie in der T├╝r wie erstarrt stehen. Vor ihr verdichtete sich die Dunkelheit und sie st├╝rzte schluchzend auf die Knie.
ÔÇ×Warum l├Ąsst du mich nicht in Ruhe?ÔÇť, wimmerte sie und kr├╝mmte sich zusammen, als die ersten Schlingen sie ber├╝hrten. Sie waren kalt und wo wie sie ber├╝hrten, verlor sie jedes Gef├╝hl. Immer dichter wurde die Dunkelheit um sie herum und die Luft zum Atmen wurde immer knapper. Diesmal w├╝rde kein Bruder die T├╝r ├Âffnen und sie ins Licht tragen. Die Dunkelheit drang in jede ihrer Poren ein, verschloss sie und bald war sie ein Teil der Schw├Ąrze. Sie k├Ąmpfte nicht mehr. Es gab nichts mehr, um was sie k├Ąmpfen konnte. Das letzte Licht in ihr erlosch und die Dunkelheit ├╝bermannte sie.

Das Licht ging wieder an. Erhellte die Stadt und auch ihre Wohnung. Es klopfte an der T├╝r. Die Nachbarin war wieder zur├╝ckgekommen und wollte sich erkundigen, ob alles in Ordnung war. Als die T├╝r sich wie von selbst ├Âffnete, trat die Nachbarin herein und sah sich um. Die Nachbarin war nicht oft in ihrer Wohnung gewesen. Diese hatte ihre Zur├╝ckgezogenheit nicht verstanden, aber respektiert. Die Nachbarin fand sie gleich und ihr Schrei alarmierte alle anderen Hausbewohner. Sie lag in der F├Âtushaltung auf dem Boden und hielt die Kerze so fest umklammert, dass sie in zwei Teile zerbrochen war. Der Notarzt stellte Tod durch Ersticken fest.

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Charlene
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Hallo Isa!

Ich fand "Hora" gut. Sch├Ân stimmungsvoll geschrieben... Ich kann dir sagen, wenn man deine Geschichte das erste Mal nachts liest, wenn's drau├čen zappenduster ist und im ganzen Haus seeeehr ruhig, hat sie eine nicht gerade beruhigende Wirkung (jedenfalls war's bei mir so *g*). Allerdings gab's ein paar Dinge, die mich beim Lesen ein bisschen gest├Ârt habe - gr├Â├čtenteils einfach nur Wiederholungen.
Da ist wohl ein Wort zu viel:

quote:
...und ihr entschl├╝pfte ein leiser Fluch entschl├╝pfte.
Ein wieder w├╝rde ich streichen:
quote:
Sie stand auf und schaltete das Licht an, setzte sich wieder hin und lauschte wieder dem prasselnden Regen.
Den Satz finde ich etwas zu lang.
quote:
Sie liebte die Ruhe ├╝ber alles und war froh, wenn sie nach ihrer Arbeit einfach ihre Seele baumeln lassen konnte, ihre Nachbarn jedoch waren, trotz der h├Âflichen Bitten ihrerseits ruhiger zu sein, immer sehr laut, was schon zu etlichen Streitereien gef├╝hrt hatte und man sich mittlerweile nicht einmal mehr gr├╝├čte, wenn man sich im Treppenhaus begegnete.
Wie w├Ąre es z.B. so:
Sie liebte die Ruhe ├╝ber alles und war froh, wenn sie nach der Arbeit einfach ihre Seele baumeln lassen konnte. Allerdings waren ihre Nachbarn - trotz der h├Âflichen Bitten ihrerseits - immmer sehr laut, was schon zu etlichen Streitereien gef├╝hrt hatte. Mitterlweile war es schon so weit, dass man sich nicht einmal mehr gr├╝├čte, wenn man sich im Treppenhaus begegnete. Nat├╝rlich nur ein Vorschlag...

Warum hat sie eigentlich keine Taschenlampe in der Wohnung? Also wenn ich in der Situation w├Ąre, ich glaube ich w├╝rde ja eher in meiner Wohnung bleiben, als ganz alleine in den dunklen Keller zu gehen...

Tsch├╝s,
~Charlene~
__________________
"You live to make trouble, don't you?"
"Life is nothing without a little chaos to make it interesting."

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