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Leselupe.de > Humor und Satire
Horrido
Eingestellt am 24. 04. 2001 13:47


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JCC
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Die Bejagung des Joggers


Ver├Âffentlicht ohne freundliche Genehmigung des Magazins Wild & Grunz.

Die ersten warmen Tage dieses Jahres zogen viele unserer Waidgenossen wieder in die W├Ąlder und Parks, um die einzigartige Erfahrung der Jagd auf das wohl gr├Â├čte zweibeinige Schwitzwild in unseren gem├Ą├čigten Breiten zu genie├čen - den Jogger.

Seinen dem passionierten J├Ąger nicht unbekannten genetischen Verwandten, dem Rotzblag und der Gemeinen Grauhaarigen Stehnsemalbitteauf Ichmu├čsitzen, in seiner Lebensweise bemerkenswert un├Ąhnlich, erinnert er in seiner Ruhelosigkeit eher an die Wanderratte oder die W├╝ste Rennschnepfe.

Bis heute hat der Gesetzgeber keine Schonzeiten f├╝r Jogger festgelegt, noch hat er das Vergn├╝gen an der Jagd durch Vorschriften ├╝ber Munition und Waffen zu tr├╝ben gesucht. ├ťblich sind sowohl Kugel als auch Schrot, wobei ersteres, wenn richtig gezielt, vor allem von den Freunden handgemachter Lampenschirme und Skalparrangements an der Haust├╝r bef├╝rwortet wird. Schrot hat seine Vorteile im Bereich der Wildbretverwertung - wer schon einmal Galleninhalt und verdauten K├Ârnerfra├č aus der durch eine starke Kugel zerrissenen Bauchh├Âhle eines aufgebrochenen Joggers entfernen mu├čte, wei├č, wovon ich rede.

Vergleicht man die relative Plumpheit der Bewegungen des Joggers, die in keinster Weise im Verh├Ąltnis zu seinen angestrengten Bem├╝hungen steht, mit der Behendigkeit alternativer jagdbarer Arten wie Rollstuhlfahrern oder Dackeln, stellt man fest, da├č die leichte Beute, die dieses Wild verspricht, gerade f├╝r den jagdlichen Nachwuchs eine ermutigende Erfahrung darstellen kann, wenn ein erfahrener Waidmann den Jungj├Ągern mit Rat und Tat zur Seite steht.

Ein vorbildliches Beispiel f├╝r solchen Einsatz stellt Herr G. dar, Ehrenmitglied des Hegerings Unterschlei├čheim, der uns von seinem letzten abendlichen Ansitz auf Jogger im Unterschlei├čheimer Stadtwald berichtete:

ÔÇ×[...] Die Klassenkameraden meines Sohnes waren begeistert, als ich die gesamte dritte Klasse zu einer Exkursion einlud. Die Energie, mit der die Kleinen meine B├╝chsen aneinander ausprobierten, h├Ątte so manchen altgedienten Waidmann vor Neid erblassen lassen.

Als schlie├člich ein wenig Ruhe eingekehrt war, weil die Klasse sich von achtundzwanzig auf drei Leute dezimiert hatte, blies ich zum Aufbruch in den Stadtpark.

Wir hockten uns hinter einer Parkbank auf die Lauer, die wir sorgf├Ąltig mit Aldit├╝ten und einem Obdachlosen tarnten, der sich freiwillig gemeldet hatte, nachdem eins der Kinder ihm ein Auge ausgeschossen hatte. Hinterher verabreichte ich jenem einen Gnadenschu├č und sch├Ąrfte den Kindern ein, da├č diese Handlung angesichts eines verletzten Mitwesens im Sinne der Waidgerechtigkeit f├╝r jeden J├Ąger Ehre und Pflicht sei. [...]

Im Laufe des Abends erlegten wir f├╝nf Eichh├Ârnchen, einen Sch├Ąferhund und ein ├Ąlteres Ehepaar. Letzterem entnahm ich die Brieftaschen und schickte eins der Kinder zu ihnen nach Hause, um das Haus anzuz├╝nden und die T├╝ren zu bewachen; Junge ohne Eltern zur├╝ckzulassen ist zweifellos unverantwortlich.

Als die Sonne anfing zu sinken, begannen die Kinder, unruhig zu werden, weil sich die versprochenen Jogger noch nicht eingestellt hatten. Nach einer weiteren Wartezeit lief dann tats├Ąchlich vor unserer Nase ein Weibchen vorbei - eins der Kinder scho├č, verfehlte aber vor Aufregung die Brust und zerfetzte ihm lediglich die Schulter. Ich versuchte daraufhin ebenfalls, es zu erlegen, aber es hatte sich bereits in sein Auto gefl├╝chtet.

Nun stand ich vor einem Dilemma, einerseits wollte ich potentiellen Nachwuchs f├╝r unser Waidhandwerk nicht bei ihrer ersten Begegnung mit den Freuden der Natur so herbe entt├Ąuschen, andererseits schienen die Jogger heute scheu zu sein, was sehr ungew├Âhnlich f├╝r so einen heiteren Fr├╝hlingsabend war.

Endlich sahen wir einen weiteren Jogger kommen. Eins der Kinder legte an, doch um unsere kleine Expedition vor einem weiteren Fehlschlag zu bewahren, bedeutete ich ihm leise, sich noch ein wenig zur├╝ckzuhalten. Als der Jogger dicht vor uns an der Bank vorbeilief, sprang ich mit einem Satz hinter selbiger hervor und ├╝berw├Ąltigte ihn, indem ich ihn in den Schwitzkasten nahm. Von seiner sinnlosen k├Ârperlichen Aktivit├Ąt schon vorher geschw├Ącht, zappelte er nur kurze Zeit und schien dann zu resignieren.

Ich wies die Kinder an, hinter der Bank hervorzukommen, sich hinter mich zu stellen und auf den Jogger anzulegen. Dann l├Âste ich meinen Griff und packte den Jogger an den Haaren. Auf mein Kommando schossen ihn beide Kinder gleichzeitig in den Kopf. Blut, Haare und Gehirnmasse spritzten auf einen Herrn, der gerade vorbeispazierte und sich daraufhin als Polizist zu erkennen gab. Er belehrte uns, da├č Exekutionen auf ├Âffentlichen Gr├╝nfl├Ąchen stets mit Plastikplanen abgeschirmt sein m├╝├čten, um die Kleidung der Spazierg├Ąnger zu schonen und die Verkehrssicherheit zu gew├Ąhrleisten, da just eine Woche zuvor erst wieder ein Radfahrer, der ein St├╝ck Zunge ins Auge bekommen hatte, blindlings ├╝ber ein kleines Zwillingsp├Ąrchen gefahren war, was vor allem deren Mutter sehr erboste, weil sie ihrem Nachwuchs erst kurz zuvor ein Eis gekauft hatte, das nach dem Unfall nat├╝rlich eine ├Ąhnliche Konsistenz wie ihre Zwillinge angenommen hatte.

Als der Polizist in die aufgeregt gl├Ąnzenden Augen meiner kleinen Begleiter schaute und meine hoffnungsvollen Bitten h├Ârte, sah er aber gro├čz├╝gig davon ab, ein Bu├čgeld f├╝r die Ordnungswidrigkeit zu erheben, und nahm stattdessen nur die Armbanduhr und zwei unbesch├Ądigte Goldz├Ąhne des Joggers an sich.

So erm├Âglichte ich es den Kindern schlie├člich, diesen Ansitz mit einem Erfolgserlebnis zu beenden.

Als der dritte Schulkamerad sich wieder zu uns gesellte und stolz den Kopf eines ca. 25 Jahre alten Individuums vorzeigte, das sich aus der Kellert├╝r hatte fl├╝chten wollen, brach unter den beiden anderen ein Streit aus, wem nun der erlegte Jogger geh├Âren sollte.

Ich entschied, da├č das Wildbret mein sein sollte, da ohnehin nur die ├Ąltere Generation, zu der meine Angetraute geh├Ârt, noch das Wissen um das angemessene Abh├Ąngen und die richtige Zubereitung eines selbstgeschossenen Joggers hat, und die Kinder daf├╝r die Reste des Kopfes erhalten sollten.

Leider konnten die beiden sich nicht einigen, wie diese Troph├Ąe nun zu teilen w├Ąre.

Das unterlegene Kind warf ich zusammen mit dem Obdachlosen auf eine nahegelegene Lichtung, wo es als Lockfutter f├╝r Karnickel dienen mochte. [...]ÔÇť

Hoffen wir, da├č in Zukunft noch mehr unserer Kameraden ein derartiges Engagement f├╝r die Jugend an den Tag legen werden.

Hoffen wir auch, da├č das von Herrn G. beobachtete pl├Âtzliche Ausbleiben der Jogger kein Ausdruck einer gro├čfl├Ąchigeren Entwicklung ist. Sicher sind wir uns alle im Klaren dar├╝ber, da├č eine Rasse, die mit ihren Energien derart ineffektiv verf├Ąhrt zweifellos ein Irrweg der Evolution ist, die sich im Genpool nicht lange wird ├╝ber Wasser halten k├Ânnen, aber bis zu ihrem unausweichlichen Ende m├Âchten wir die Freude dieser unmittelbaren Naturerfahrung und die M├Âglichkeit der gemeinsamen Freizeitgestaltung mit unserem Nachwuchs nicht missen.

Lesen Sie deshalb in der n├Ąchsten Ausgabe von Wild & Grunz nicht ├╝ber:

Sozial-Nistk├Ąsten f├╝r Jogger, geplante Schonzeiten f├╝r tragende Weibchen und den Prototyp f├╝r Klon-Jogger ÔÇ×AdidollyÔÇť -

Waidmannsheil!
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Wenn Du mehr willst, guck mal auf meine Homepage.
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ist echt bei├čende satire. f├╝r mich zarte pflanze aber zu blutr├╝nstig. lg
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Und man kann Dich nicht umgew├Âhnen?
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d├╝rfte sehr lange dauern, mich umzugew├Âhnen. ich hab nichts gegen bei├čende satire und sehe auch ihre notwendigkeit ein und verstehe auch, da├č es vielleicht an bi├č verliert, wenn weniger blut drin vorkommt - manch einer braucht es ja genau so hart, wie du es geschrieben hast, aber ich bleibe lieber, wie ich bin. ich habe ├╝brigens nichts negatives ├╝ber deine geschichte gesagt. ich bin eben ich und du bist du und wir sind beide froh dar├╝ber, wie ich hoffe. ganz lieb gr├╝├čt (das is ├╝brigens eine symphatiebekundung)
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JCC
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Liebe Gr├╝├če zur├╝ck.
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