Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
250 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Horrorfilme
Eingestellt am 01. 10. 2005 18:02


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2005

Werke: 51
Kommentare: 464
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Marius Speermann eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Meine Freundin Natasha sieht leidenschaftlich gerne Spielfilme. Und zwar vor allem die neuesten aus Hollywood. Wie es sich fĂŒr eine Vertreterin des schönen Geschlechts gehört, liebt sie besonders Komödien, Liebesfilme und blutige Actionfilme, in denen sich die Leichen nur so tummeln, die Nebendarsteller dahingemeuchelt werden und attraktive Helden coole SprĂŒche zwischen einer Explosion, Schießerei oder der nĂ€chsten Sexszene auf den Lippen haben.

Manchmal allerdings, so ungefÀhr um Halloween, aber nicht spÀter als Ostern, beginnt sie der Teufel zu reiten, wachsen ihr die Fingerkrallen und sie bekommt diesen diabolischen Blick.
Ohne weitere Vorwarnung plĂŒndert sie die Regale des Videoverleihs und schleppt einen Stapel Horrorfilme nach Hause. „Wir mĂŒssen uns diese Filme unbedingt ansehen!“, versichert sie mir dabei mit irrem Blick. Weder helfen vernĂŒnftige Argumente, noch Hinweise auf ihr zartes NervenkostĂŒm oder vorsichtige Andeutungen ĂŒber die zweifelhafte QualitĂ€t des Filmes, Natasha bleibt standhaft.

Dabei ist vorherzusehen, was geschehen wird. Natasha durchleidet höllische Qualen beim Betrachten von Horrorfilmen. Sie sieht von ihnen zumeist nur die Ausschnitte, die aus unvermeidbaren GrĂŒnden zur Überleitung zwischen den einzelnen Horrorsequenzen reingeschnitten wurden. Den restlichen Film ĂŒber hĂ€lt sie entweder die Hand vor den geschlossenen Augen, oder sie lugt nur vorsichtig zwischen den Fingern hindurch auf den Bildschirm.

Es genĂŒgt das leiseste Quietschen der TĂŒrangel, die geringste musikalische Verdichtung von kreischenden Geigen oder der Anblick von öligem, schwarzem Haar auf dem Haupt einer entstellten Figur, um bei ihr unweigerliche folgende Reaktionsabfolge auszulösen:
Erste Minute, ein Schatten taucht hinter dem nichtsahnendem Opfer auf, die Musik wechselt von Banjo- und Reggaemusik zu einem Violinsolo: Natasha rutscht tiefer in die Sofakissen.
Dritte Minute, dekorativer Einsatz eines Totenkopfes oder anderer halbverwester Gebeine, die Geigen ertönen im leichten Stakkato: Natasha bedeckt das Gesicht mit ihren Haaren.
Siebte Minute, eine TĂŒr krĂ€chzt, wurmĂ€hnliche Monster schnellen auf Schleimspuren hinter dem Vorhang hervor, die immer schriller sĂ€genden Geigen werden von dumpfen TrommelschlĂ€gen und Zirpen begleitet: Natasha verdeckt wimmernd die Augen mit ihren HĂ€nden.
Siebte Minute, fĂŒnfte Sekunde: Natasha kreischt markerschĂŒtternd auf, sie schnellt wie ein Blitz aus ihrem Sitz. Was bin ich fĂŒr ein Schuft. Habe ich sie doch gerade mit einer Feder im Nacken gekitzelt.

Das fuchsteufelswilde Funkeln in ihren Augen verrĂ€t, daß ich heute nicht mehr mit ihrer WertschĂ€tzung fĂŒr meine Person rechnen kann. Wenn Blicke pulverisieren könnten, wĂ€re ich als AschehĂ€ufchen nur mehr eine nette Herausforderung fĂŒr ihren Staubsauger. Aber zu Halloween parkt sie den draußen vor dem Haustor.

Mich als abgebrĂŒhten Doktor der technischen Wissenschaften erschrecken Horrorfilme natĂŒrlich nicht. Ich habe im Laufe meines Lebens genug an Schrecken und Entsetzen auf dem Finanzamt oder in den Warteschlangen des Todes vor den Schaltern der staatlichen Behörden gesehen. Wissend lĂ€chelnd saß ich denn vor dem Fernseher und betrachtete amĂŒsiert das Wechselspiel in Natashas verschrecktem Gesicht.

Ich mußte kurz eingeschlafen sein, denn als ich die Augen aufschlug, flackerte das Licht im dunklen Wohnzimmer, Natasha war nicht an meiner Seite, und eine heisere Stimme zischelte unverstĂ€ndliche Worte. „...Verluste ... Opfer bringen ... Halsabschneider ...“. Die GĂ€nsehaut rieselte mir den Nacken hinunter und meine Finger krallten sich verkrampft in das Sofa. Eine dĂ€monische Fratze tanzte vor meinem Gesicht und grinste mich gierig an. Vor Entsetzen schrie ich auf „Nein!!!“

Im selben Moment blitzte von hinten ein Feuerschein, Rauch verpuffte. Ich sah Natasha ihren Zauberstab schwingen und die heisere Stimme erlosch. Natasha legte die Fernbedienung beiseite, wischte sich die LachtrĂ€nen aus den Augen und sagte zu mir: „Laß uns zu Bett gehen. Mir reicht, wenn ich einmal tĂ€glich den Finanzminister in den Nachrichten sehe.“

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
also

diesem werk konnte ich nicht so recht folgen. wo kommt der finanzminister plötzlich her?
fragend guckt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo,
ich habe es so verstanden, dass der finanzminister
derjenige ist, vor dem "er" angst hat.
und die beschreibungen

quote:
„...Verluste ... Opfer bringen ... Halsabschneider ...“. Die GĂ€nsehaut rieselte mir den Nacken hinunter und meine Finger krallten sich verkrampft in das Sofa. Eine dĂ€monische Fratze tanzte vor meinem Gesicht und grinste mich gierig an.

wĂŒrden ja auch ganz gut passen.

ich finde es lustig, bis auf den schluss. da macht
es ein klitzekleines bisschen den eindruck, als
wÀre dir nichts besseres mehr eingefallen.
die schilderunge des gemeinsamen fernsehens, ĂŒberhaupt
die charakterisierung von natascha, fand ich sehr
kurzweilig.
wie gesagt, die pointe am ende kommt nicht ganz so
gut.
viele grĂŒĂŸe,
denschie

Bearbeiten/Löschen    


Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2005

Werke: 51
Kommentare: 464
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Marius Speermann eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Exakt. "Er" fĂŒrchtet sich vor gar nix - angeblich.
Aber mit dem Schluß bin ich auch noch nicht ganz zufrieden. Ich muß das noch glattpolieren, dann ist der Dreh mit dem Finanzminister vielleicht auch besser verstĂ€ndlich.

Marius

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!