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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Horst, der Gute
Eingestellt am 29. 12. 2003 22:05


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Kalle
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2002

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Es war spĂ€t geworden. Horst und Werner schlugen sich nach allen Regeln eines wirklich guten Abends die Nacht um die Ohren und hatten jede Menge Spaß dabei. Es war Heiligabend. WĂ€hrend die beiden von Kneipe zu Kneipe schlenderten, glitzerten in den Fenstern der HĂ€user die Lichterketten, ab und an konnte man einen hell erleuchtenden Weihnachtsbaum sehen. Einer brannte lichterloh und die Bewohner der Wohnung (oder zumindest der Anwesenden, man weiß ja nie),bemĂŒhten sich den Brand unter Kontrolle zu bekommen.
Aus manchen Fenstern klangen Weihnachtslieder heraus. Die Nacht begann zu schlafen.
An den Tresen saßen irgendwie merkwĂŒrdige Gestalten, wie jedes Jahr. Die Nacht ging dahin, Werner und Horst waren gegen 06.00 Uhr sternhagelvoll und zogen es vor, Richtung Heimat abzuziehen. Der Taxifahrer sĂ€chselte stark, war ziemlich zugekifft, und er hatte keinerlei Ahnung wo er war und wo er hinfahren sollte. Horst und Werner nahmen die U-Bahn.
Als Horst endlich zu Hause angekommen war, stolperte er beim Aufschließen der HaustĂŒre ĂŒber ein StoffbĂŒndel, dass direkt auf dem Tritt lag. Die Nacht schlief noch, der Himmel war sternenklar und die Luft irgendwie sauber. Keine Ufos ins Sicht.
„Prost“ sagte Horst und hielt seine Hansa Dose Richtung Krylon 37, dem Planeten mit den drei-Titten Weibern. Er stieg ĂŒber das BĂŒndel und ging in die Wohnung.
„Scheiße, was war das?“ grĂŒbelte Horst und entschloss sich noch einmal nachzusehen, unter BerĂŒcksichtigung der 3,2 Promille konnte es auch eine Halluzination erster Klasse sein. Er öffnete noch einmal die große, massive weisse TĂŒr und blickte auf den Tritt.
„BrĂŒhĂ€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€â€œ machte das StoffbĂŒndel. Horst ging kurz in die Wohnung und kotzte erst einmal ordentlich. Als er leicht benommen zurĂŒck zur TĂŒr kam, bewegte sich das BĂŒndel lĂ€rmte wie eine Horde wild gewordener Schafe, die Richtung Weltuntergang gallopierte.
Horst griff nach dem BĂŒndel (ihm war etwas schwindelig, deshalb musste er sich am goldenen TĂŒrgriff festhalten), hob es an und sah hinein. Ein Gesicht eines ca. 2 Wochen alten MĂ€dels sah ihn mit großen Augen an. Erschrocken ĂŒber die Fahne, hörte sie auf zu schreien und stellt sich schlafend.
„Na also, geht doch“ denkt sich Horst und will das Paket zurĂŒck legen.
„Wer das wohl verloren hat?“ grummelte Horst. Im Begriff, das Paket abzulegen, schrie das BĂŒndel wie wild.
„Na gut, dann nehm ich Dich mal mit rein, bei Minus 25 Grad frierst Du ja vielleicht“. Komisch eigentlich, dass das der Schreihals eine wohlige WĂ€rme abstrahlte.
Horst legte das BĂŒndel frei. Es war mit einem goldfarbenen Leibchen und einer goldenen MĂŒtze gekleidet.
„Schick“ denkt sich Horst, nimmt das MĂ€dchen, legt es neben sich ins Bett und begibt sich ins Reich der Hansa-TrĂ€ume.
So gegen 14.00 Uhr blinzelt Horst dem Tag entgegen. Schielte Richtung Uhr und schÀlte sich aus dem Bett, dessen Decke wegen der Transpiration der Nacht gewechselt werden sollte.
„BrĂŒhÀÀÀÀÀÀÀ, BrĂŒhĂ€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€Ă€â€œ schrie die Decke.
„Das darf doch nicht wahr sein“, Horst schob die Decke zurĂŒck und zwei unwirsche Augen sahen ihn eindringlich an.
„Du Hosenscheißer, wenn Du nicht gleich still bist, kommt der KettensĂ€genmann aus dem Keller, ich schwör“. Das wirkte, es wurde ruhiger. Dann bekam Horst ein schlechtes Gewissen (nein, andere hĂ€tten eins, Horst eigentlich nicht) und sah sich den Goldklumpen nĂ€her an. Er stank wie eine Herde Stinktiere, die sich wohl fĂŒhlten. Horst war leicht verwirrt. Er klingelte bei den Korea-Schwestern nebenan. Sie schienen in der Heimat zu sein, sie haben sich schließlich mehrere Tage nicht mehr blicken lassen, und das muß schon einen besonderen Grund haben. Die rote Irin war auch unterwegs.
„Babyklappe“ dachte Horst. Das hat er mal im Fernsehen gesehen, da wirft man die Kinder rein und ist sie los.
„Das ist die Lösung, ich werf Dich in die Babyklappe!“. Penelope (das stand auf Ihrem goldenen Leibchen mit diamantenen Buchstaben geschrieben), schien der Gedanke nicht adĂ€quat zu sein und schrie ohne Pause.
Horst lenkte ein, fuhr zur Tanke um Windeln zu beschaffen (Penelope lĂ€chelnd im Maxi Cosi (ausgeliehen von einem Nachbarn)), zur Notapotheke, um Muttermilchreplika klar zumachen, eine Rennbahn (fĂŒr lange Winterabende, noch mal an der gleichen Tanke), ein paar Decken an einem Kiosk, das merkwĂŒrdigerweise geöffnet hatte.
Zu Hause angekommen, heizte Horst die Wohnung ordentlich auf, damit Penelope nicht friert, macht aus seinem 5000 Euro Sofa eine Wickelstation und legt los. Das volle Programm. Wickeln (Penelope blickt misstrauisch), anziehen, FĂŒttern (der Blick wird entspannter) und dann ein schöner gemeinsamer Fernsehabend mit Dirty Harry. Horst nimmt Penelope in den Arm, die beiden albern noch etwas rum, dann schlĂ€ft Penelope lĂ€chelnd mit einem himmlischen Gesichtsausdruck ein. Horst trinkt noch ein paar Dosen Hansa und begibt sich dann mit dem Findelkind ins Schlafzimmer. Er wechselt die BettwĂ€sche, zieht sich aus (er schlĂ€ft immer nur in Shorts) und legt sich mit Penelope unter die Decke, die sich eng an Horst kuschelte.
„Morgen sehen wir weiter“ sagte Horst und schlief ein.
„Dreck“ denkt sich Horst mitten in der Nacht, in der die Zeit stillzustehen scheint „hab ich vergessen das Licht auszuknipsen“ und war im Begriff aufzustehen.
„Horst, du wundervoller Horst“ sagte eine Stimme die in der Mitte des Lichts entsprang.
„Mann, was willst Du? Ich hab jede Menge mit meinem Findelkind zu tun, soll ich Dich Arschloch etwa auch wickeln?“
„Horst, sieh in das goldene Leibchen“
„verdammt, es ist leer“ denkt Horst und wird misstrauisch. Er blickt drohend Richtung ĂŒber dem Bett schwebendes Licht. Er erkennt schemenhaft eine Engelsfigur, die ihn wohlwollend anlĂ€chelt.
„Wo ist Penelope?“ Horst muss sich schnell eine Taktik ĂŒberlegen.
Das Licht schwebt ĂŒber Horsts Bett und Horst glaubt seinen Augen nicht zu trauen.
„Mensch, mein Schutzengel, Du hast Dich zwei Jahre nicht gemeldet. Ich dachte schon, Du hĂ€ttest mich vergessen.“
„Nein mein allerliebster, wunderbarer Horst“ sie schwebte mittlerweile direkt ĂŒber dem kleinen Horst „Nein, die Betreungsfrist fĂŒr Dich lief aus, und ich musste prĂŒfen, ob Du eine VerlĂ€ngerung von 100 Jahren verdient hast“, der kleine Horst wurde nervös.

„Du hast die PrĂŒfung fast bestanden“ sie blickte Horst abwesend in die Augen. „Wenn Du mich so glĂŒcklich machst, wie in der Kneipe vor zwei Jahren, ist die VerlĂ€ngerung dein (die Gelegenheit muß man nutzen denkt sich Penelope, wenn sie schon mal die Möglichkeit hat, von Horst glĂŒcklich gemacht zu werden. Ist zwar nicht ganz legal, doch „was solls“ sagt sie sich).
„Das war eine gute Nummer damals“ denkt Horst. „Warum nicht, erstens ist Weihnachten und zweitens soll man Engel gut behandeln (und sie sieht verdammt gut aus)“.
Horst gab sein bestes bis Silvester. Dachte er, doch im Verkehr mit Engeln bleibt die Zeit stehen. Als Horst aufwacht ist der Engel entschwunden. „schade, alles nur getrĂ€umt, Engel trifft man eben nur einmal im Leben“.
Als Horst sich aus dem Bett schÀlt, sieht er ein goldenes Negligé am Boden liegen und ein kleines goldfarbenes Babyleibchen.

Manchmal sieht Horst in die KinderwÀgen, um zu sehen, ob vielleicht Penelope in der NÀhe ist.

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Kalle, der, den sie "die Flamme" nennen

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knychen
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hÀtt' ich nicht erwartet

hallo kalle,
lange zeit hab ich deine geschichten mit mißtrauen betrachtet, war halt nicht der stil, der mich vom hocker reißt. aber diesmal isses 'ne richtig schöne geschichte, zum ende hin fĂŒr meinen gescmack etwas verdreht, verschwurbelt, wie auch immer...
jesundet neuet. knychen
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kny

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