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Leselupe.de > Kurzprosa
How bizarr!(?)
Eingestellt am 28. 05. 2001 21:18


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Pinky
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Nicht g├Ąnzlich ein normaler Nachmittag war es, an dem es sich zutrug, da├č ich an diesem Tag mich im Caf├ę befand. Nicht ├Âfter als dreimal hatte mir der Kellner den lauwarmen Kaffee auch diesmal ├╝ber die Hosen gegossen, aber daf├╝r hat er mir Zucker statt Salz f├╝r die tr├╝be Br├╝he gereicht. Es war ein etwas lauteres Ger├Ąusch, das meine Aufmerksamkeit erregte, doch lediglich deshalb, weil es sich vom gleichm├Ą├čig eint├Ânigen Brummen des Alltagsverkehrs merklich abhob. Ich richtete meinen Blick auf die gegen├╝berliegende Stra├čenseite, konnte jedoch nur eine junge h├╝bsche Frau beim Auskleiden im Badezimmer entdecken, weshalb ich meinen Blick um mehrere Stockwerke senkte, da ich nicht vermutete, da├č von ihr das Ger├Ąusch stammte. Ich erkannte gleich beim ersten Blick den Tumult, der sich unten auf der Stra├če ansammelte. Ein Konzertfl├╝gel war aus dem achtundf├╝nfzigsten Stock und auf einen vor├╝bergehenden Passanten gefallen. Er sa├č noch immer aufrecht da und ich konnte seinen Kopf zwischen den Tr├╝mmern hervorragen sehen, die Augen sonderbar verdreht wie man es aus Zeichentrickfilmen kannte. Eine ganze Reihe Klaviertasten ragten aus seinem Mund hervor und man f├╝hlte sich fast versucht, eine kleine Melodei darauf zu spielen. Ein anderer Passant gab dieser Versuchung nach, wurde jedoch von einigen ├╝brigen Rumstehenden aus Gr├╝nden der Piet├Ąt weggezogen. Man diskutierte, ob man nicht zumindest die Polizei rufen sollte - die Rettung, so war man sich einig, w├Ąre hier unangebracht gewesen -, doch einer der Passanten wies darauf hin, da├č daf├╝r wohl die allgemein g├╝ltige Blaulichtsteuer f├Ąllig werden w├╝rde und warf im gleichen Atemzug die Frage auf, wer diese denn bezahlen sollte. Nat├╝rlich erkl├Ąrte sich keiner dazu bereit, woraufhin der Aufwerfer auch noch hinzuf├╝gte, er habe au├čerdem keine Autobahnvignette auf seinem Auto. Erst als man ihm klar machte, da├č sie sich hier ja gar nicht auf einer Autobahn befanden und er au├čerdem zu Fu├č hier war, lie├č er sich erweichen und gab nach. Die Blaulichsteuer, so einigte man sich, wollte man mittels einer Kollekte bei den Feuerwehrm├Ąnnern aufbringen, die man im Zuge des ohnehin n├Âtigen Telefonats auch gleich informieren w├╝rde. Damit zeigten sich alle einverstanden und man tat, wie gehei├čen. Ich erwartete interessiert die Ankunft der Polizei und w├Ąhrenddessen kam es zu einem kurzen, lokal sehr begrenztem Schauer, der es fertigbrachte, auf der Zahntastenklaviatur den Flohwalzer zu spielen. Noch erstaunlicher war aber, da├č man ihn auch recht gut vernehmen konnte und ein Passant seine Partnerin zum Tanzen aufforderte. Die Polizei kam schlie├člich in einem t├╝rkisfarbenen 57er Chevy, wodurch auch gleich die Blaulichtsteuer entfiel, weil der Wagen ja ├╝berhaupt kein Blaulicht hatte. Ein dickb├Ąuchiger, wei├čhaariger Polizist ohne Uniform entstieg dem Gef├Ąhrt, der, meines Wissens, nicht nur schon im Ruhestand sondern sogar schon tot war. Aber er kl├Ąrte dieses Mi├čverst├Ąndnis sofort auf, indem er feststellte, er sei eigentlich sein Bruder. Die Leute gaben sich damit zu Frieden und versuchten, dem Beamten den Sachverhalt klarzumachen. Da dieser jedoch keinerlei Interesse daran zeigte, gaben sie es schlie├člich auf und erkundigten sich, wie es denn der werten Gattin ging. Nachdem nach halbst├╝ndiger Diskussion aufgekl├Ąrt war, da├č der gute Mann gar nicht verheiratet war, kam eine junge Mutter mit Kinderwagen vor├╝ber. In Anbetracht der Theorie der vorbeugenden Verbrechensbek├Ąmpfung zog der Ununiformierte seine Dienstwaffe und scho├č zwei, drei Mal in den Kinderwagen. Nachdem er jedoch nicht ganz sicher war, scho├č er noch ein viertes Mal, da auch aus dem Jungen sicherlich einmal ein Drogendealer oder M├Ądchenh├Ąndler geworden w├Ąre. Schon einmal deswegen, weil es kein Junge sondern ein M├Ądchen gewesen war. Nach solcherlei Erkl├Ąrung stieg der aufgekl├Ąrte Polizist unter allgemeinem Jubel zur├╝ck in seinen Wagen und verlie├č, rauschenden Beifall hinter sich zur├╝cklassend, in seinem dachlosen Chevy die Szenerie, nicht ohne erst noch eine alten Mann mit dem K├╝hlergrill niederzusto├čen, um ihm so noch seine gerechte Strafe zukommen zu lassen, denn niemand war vollkommen unschuldig, was ich pers├Ânlich allerdings dann doch etwas zu dick aufgetragen fand. Die ebenso in vorbeugender und nachtragender Verbrechensbek├Ąmpfung aufgekl├Ąrten Passanten befanden dies allerdings nichts so und l├Âsten sich nacheinander auf, bis nur noch der Konzertfl├╝gelgetroffene sitzend und stierend zur├╝ckblieb. Ein halbzahmer Affe mit Zirkusj├Ąckchen und rotem M├╝tzchen humpelte nach einigen Minuten heran und spielte Beethoven auf der Tastatur, bis jemand eine Tuba auf ihn warf. Ich f├╝r meinen Teil trank meinen Kaffee aus und lie├č wie immer zu wenig Geld auf dem Tisch zur├╝ck. Was ich aber am sonderbarsten fand, war, da├č ich in keinem Moment dieser Trag├Âdien hilfreich und heroisch eingeschritten war. Ich sch├╝ttelte etwas fassungslos den Kopf und ging nach Hause, um mich aufzuh├Ąngen.

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jon
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9 Punkte f├╝r diesen Text, der wunderbar spiegelt, wie hirnrissig es in der Welt manchmal /oft / meistens zugeht. Leider wird's durch Aufh├Ąngen (sich und/oder andere) nicht besser. Ich f├╝rchte sogar, selbst wenn man bis auf zwei Menschen alle aufh├Ąngt, wird der eine noch Dinge tun, die der andere hirnrissig findet. Und das ist der Punkt, wo ich
A) das Schreiben sch├Ątze ÔÇô wer in meinen Geschichten so hirnrissig agiert, kriegt (im Gegensatz zur Realit├Ąt) irgendwann seine Strafe.
B) zum bekennenden Egozentriker werde ÔÇô es ist gar nicht m├Âglich, ÔÇ×die WeltÔÇť vor der Hirnrissigkeit zu sch├╝tzen/retten: Also versuch ich wenigstens, mich davor zu sch├╝tzen (ich will mich n├Ąmlich nicht aufh├Ąngen) und ignoriere solche Sachen, wenn auch oft genug kopfsch├╝ttelnd. Andererseits wei├č ich zu sch├Ątzen, wenn ein anderer meine (aus seiner Sicht) Hirnrissigkeiten nicht st├Ąndig besserzureden versucht.

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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dal├Ąsst (Klaus Klages)

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flammarion
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re

ich habe den eindruck, mich in einem sehr gut und fl├╝ssig beschriebenen albtraum zu befinden. h├Ąng dich nicht auf, das sieht so bammlig aus und man streckt allen leuten die zunge raus! man liest sich. lg
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Old Icke

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