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Leselupe.de > Humor und Satire
Hugh - Powwow
Eingestellt am 30. 07. 2005 03:38


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Marius Speermann
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Registriert: Jul 2005

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Ein kleiner Bub aus Wien kommt herum in der Welt und beschreibt, was ihm dabei so auffĂ€llt. Gemeinsam mit seiner kleinen Freundin Natasha, die aus Russland stammt und scheinbar alles weiss, versucht er die Situationen und WidersprĂŒchlichkeiten zu verstehen. Dabei bleibt zuerst Mal der Ernst auf der Strecke...

Am Muttertag habe ich in Amerika meine Mama zu den Indianern gebracht. Ja, zu echten Indianern, die mit den Federn am Kopf und die urcool auf den Pferden reiten. Also, um genau zu sein, reiten die Indianer seitlich auf den Pferden hĂ€ngend und nicht wie normale Menschen am RĂŒcken sitzend. Mein Papa sagt, die machen das, damit sie nicht auf den Radarphotos erkannt werden, wenn sie zu schnell reiten und geblitzt wurden. Ich glaube ihm aber nicht, denn das sagt er nur, weil er auf dem Weg zu den Indianern zu schnell gefahren ist und die Polizei ihm einen Strafzettel verpasst hat.

Im WaldgelĂ€nde um die Schule fĂŒr furchtbar gescheite und reiche Kinder in Stanford in Kalifornien treffen sich die Indianer einmal im Jahr rechtzeitig zum Muttertag, damit sie unter den BĂ€umen schlafen können. Überall stehen die Wigwams und laufen die Indianer herum oder sie sitzen stumm vor dem Wigwam und schauen streng. Im Gesicht sind sie angemalt mit Kriegsbemalung. Meine Freundin, die Natasha, sagt, dass das keine Kriegsbemalung sondern Feiertagsbemalung ist, aber ich glaube ihr nicht. Die Natasha will es mir bloss heimzahlen, weil ich ihren Barbielippenstift unabsichtlich zerbrochen habe, als ich meinem Hasen Charley eine indianische Kriegsbemalung aufzeichnen wollte.

Die Indianer nennen ihr Treffen Powwow, was aber vermutlich daher kommt, weil sie beim Kauen den Mund vor lauter getrocknetem Bisonfleisch nicht aufkriegen und eigentlich ganz was anderes sagen wollten. Sie raufen sich auch immer mit dem Cowboys und hĂŒpfen mit MordsgebrĂŒll um die am Totem angebundenen Cowboys herum und schreien dabei "UhuhuhuhuAhahahahUhuhuhuhu".

Die Indianer versammeln sich den ganzen Tag in ihren Zelten um einen Platz und schauen sich gegenseitig beim Tanzen zu. Die Indianer sind wie wirkliche Indianer gekleidet und haben ganz bunte Stoffe und sind braungebrannt. Manche Indianerbuben tragen am RĂŒcken Schilder und Speere, und manche schwingen sogar Tomahawks. Die MĂ€dchen sind auch bunt gekleidet, auch die alten Indianererinnen, und manche haben Schilfmatten am RĂŒcken. Aber wozu das gut sein soll, weiss keiner, nicht einmal die Natasha.

Die meisten Indianer haben Federn am Kopf. Die ganz wichtigen Indianer, die HĂ€uptlinge nĂ€mlich, haben viele Federn. Wenn diese vom Adler sind, ist es umso besser. Daran erkennt man die HĂ€uptlinge auch. Bei uns ist das nicht so. Die mit den grössten GamsbĂ€rten am Hut sind nicht immer die wichtigsten, aber die mit den grössten Zigarren im Mund. Wie auch immer, die Indianer haben nun mal eine merkwĂŒrdige Kultur.

Weil bei den Indianern junge und alte kunterbunt durcheinander waren, haben die HĂ€uptlinge Ordnung gemacht und es durften nur die jungen, und dann die alten Indianer auf einmal tanzen. Damit sich die alten Indianer nicht schĂ€men, nicht mehr mit den jungen mittanzen zu dĂŒrfen, werden sie "Silberhaare" oder "Goldenes Alter" genannt. Bei uns daheim wird man "Hofrat" oder "Amtsrat" genannt, damit man sich nicht schĂ€men muss, sagt mein Papa.
Die Indianer lassen sich immer was einfallen mit den Namen, die nennen ihre Kinder "Schlauer Luchs" oder "Der-mit-dem-Silberblick". Ich werde mir auch einen Indianernamen ausdenken, vielleicht "Der-gerne-Schnitzel-mit-weit-aufgerissenem-Mund-verputzt". Papa hat gesagt, der Name ist zu lang und er wird mich einfach "Frissling" nennen.

Ein paar dicke Indianer haben dann auf einer Trommel getrommelt und gesungen. Verstanden hat sie keiner, denn der Text war indianisch und ausserdem waren sie so laut mit ihrer Trommel, dass die Natasha gleich weggelaufen ist. Ich werde mir auch so eine Trommel kaufen und immer herumschlagen, damit die Natasha gleich weglÀuft, wenn sie mir zu lÀstig wird.

Wie die dicken Indianer zu trommeln angefangen haben, kamen die Tanzindianer auf den Platz und stampften herum und schĂŒttelten den Kopf und stiessen ihre Kriegsschreie aus. Dabei haben die Federn gewackelt, die Speere geblitzt und der Staub ist aufgewirbelt wie nur was. Kein Wunder, dass die Indianer so eine braune Haut haben.

Ein Tanz heisst «Grass». Dabei tun die Indianer das Gras in der Steppe niedertreten, damit keiner bei den anderen TĂ€nzen stolpert und sich einen Pfeil zerbricht oder in Bisonfladen fĂ€llt. Es gibt auch den «Schlangentanz», den «Anschleichtanz», den «FlaschenkĂŒrbistanz» und andere lustige Namen. Wie gesagt, die Indianer lassen sich immer was einfallen mit den Namen. Bei uns die VolkstĂ€nze heissen immer nur ganz langweilig «MĂ€del wasch dich», «Untersteirer Landler» oder «Spinnradl».

WĂ€hrend die Indianer getanzt haben, habe ich auch fleissig «Uhuhuhuh» geschrien, und die Indianer haben freundlich gewunken. Mein Papa hat gesagt, wenn ich nicht sofort damit aufhöre, wird er mich skalpieren und an ein Totem binden oder am Lagerfeuer rösten, oder alles zusammen. Meine Mama hat ihn böse angeschaut und gesagt, dass am Muttertag ihrem Sprössling nichts angetan wird. Wenn ich nur wĂŒsst', wer oder was dieser "Sprössling" ist. Vielleicht ein Indianerstamm?

Die Indianer stammen nÀmlich von verschiedenen StÀmmen ab. Das ist so wie bei uns die Wiener aus Wien stammen, die Tiroler aus den Bergen und die KÀrntner aus Slowenien. Aber bei den Letzteren weiss man nicht so genau, die können auch vom Lindwurm stammen. Jedenfalls gibt es da die Komanchen, die Apachen, die Wallachen und die Pollachen und das sind alle, sagt die Natasha. Ich glaube, sie hat nicht recht, denn ich kenne noch die Tschechoslowachen. Aber das sage ich ihr nicht, ich will ja nicht angeben.

Einmal dazwischen hat ein OberhĂ€uptling dann gesagt "Und jetzt feiern wir die Mamas am Mamatag und tanzen fĂŒr sie". Da sind die Indianer alle aufgesprungen und haben alle Mamas aus den Sesseln gezerrt und auf den Platz gefĂŒhrt und haben sich und sie durchgeschĂŒttelt. Einige Indianeromas haben dabei mit den Stöcken getanzt und sind herumgewackelt. Puh, das war ein GedrĂ€nge und ein LĂ€rm. Bei uns ist das geordneter, da dĂŒrfen die MĂ€dchen bei den Schuhplattlern nicht mithĂŒpfen. Wo kĂ€men wir auch da hin?

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Und hier eine Illustration zum Text:
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