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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Hundert Jahre ohne Sex (gelöscht)
Eingestellt am 01. 02. 2010 18:08


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EviEngel
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Wipfel
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versprochen - ich lese es mir morgen durch und werde kommentieren...

grüße von wipfel

quote:
Am Anfang war es total Klasse, der Hammer. Wir haben uns auf einem Live-Konzert kennen gelernt und es hat sofort gefunkt. Noch auf dem Konzert fingen wir an heftigst zu knutschen, der Mann hatte mindestens 15 Hände und spielte damit auf meinem Körper Geige, Klavier und Saxophon. Ich fühlte mich, wie drei Musikinstrumente gleichzeitig und gab auch sehr musikalische Geräusche von mir, wie ein Cello etwa.
Bei ihm zu hause landeten wir umgehend in der Horizontalen, und er zeigte mir, wie Sterne entstehen und verglühen, wir liebten uns die ganze Nacht hindurch, schliefen, aßen und tranken im Bett und liebten uns, liebten uns, liebten uns. Wir blieben während des gesamten Wochenendes nackig, aßen und tranken zwischen den Kissen und liebten uns praktisch ununterbrochen.
Auf der Arbeit meldete ich mich krank und wir blieben die ganze nächste Woche in den Federn.
Ich zog zu ihm, unser wichtigstes Möbel war und blieb das Bett. Dort verstanden wir uns ohne Worte, hatten den gleichen Antrieb, immer und immer wieder.
Ich war total glücklich, meiner Überzeugung nach war sie das, die eine Liebe, der man nur ein einziges Mal im Leben begegnet.
Mein Leben war ein einziges rosarotes Wölkchen. Es trübte meine himmlischen Gefühle nur wenig, dass ich meinen Job verlor, ganz egal, ich war auch so glücklich.
Dann war die Bundesligapause vorüber und mein Schatzi dauernd auf dem Fußballplatz und in der Stammkneipe. Für mich gabs da nichts zu tun, ich war Mitbringsel und wurde irgendwo abgestellt. Es gab zwei Mittelpunkte in seinem Leben: Fußball und mit seinen Kumpels saufen, ich war nicht weiter wichtig.
Zu Anfang schlief er mit mir, auch wenn er betrunken war. Das ließ mehr und mehr nach und er schlief noch ein-zweimal pro Woche mit mir, war immer öfter betrunken und wurde dabei unangenehm.
Ich ging aus, wenn er in dieser Stimmung nach Hause kam oder sich in sie hinein trank.
Ich verirrte mich an einem dieser Abende in die Piano-Bar des Eichendorff-Hotels, eine sehr noble Bar mit Piano-Spieler und jeder Menge Cocktails auf der Karte.
Ich trank ein Wasser und vertiefte mich in meine scheußliche Situation, da stellte der Bar-Keeper einen Cocktail vor mich und zeigte mit seinen Augen auf einen eleganten Mann, so Anfang dreißig. Als der meinem Blick begegnete, hob er seinen Cocktail, ich prostete ihm zu, er trank und setzte sich zu mir an die Bar. Es knisterte zwischen uns, er flirtete ganz ungeniert mit mir, nach einer halben Stunde nahm er meine Hand und ein paar Minuten später führte er mich auf sein Zimmer.
Was mein Bundesliga – Fan dazu sagen würde? Keine Ahnung! Selbst schuld, oder? Außerdem wusste er es ja nicht.
Im Zimmer kam er gleich zur Sache und ich ging mit, und wie, weil, das letzte Mal war schon lange her.
Und der konnte küssen, ohja!
Er wollte mich durch den Stoff zwischen den Beinen streicheln, das kam für mich etwas überraschend und ich war es so auch nicht gewohnt und zuckte zurück.
Er missverstand meine Reaktion und meinte ganz trocken:
„Achso, ja, wieviel kostets denn?“
Ich dachte: 'Wie, was? Was kostet?' Bis bei mir der Groschen fiel, dass er fürs Poppen bezahlen wollte, sagte er schon:
„Dreihundert?“, zückte sein Portemonnaie und legte drei Hunderter auf den Nachttisch. Ich schaute ratlos, da legte er noch einen Hunderter drauf.
Mir war es noch nie in den Sinn gekommen, für Sex Geld zu nehmen.
Der Kerl war nett, ich wollte gerne mit ihm schlafen und das Geld konnte ich gut gebrauchen, warum also nicht?
'Vierhundert!', dachte ich kritisch, 'Da muss ich aber jetzt gut sein! Es ist für Geld, also, Jennylein, keine Hemmung, der Mann muss zufrieden sein, sonst nimmt er das Geld wieder mit.'
Die Einstellung hatte was.
Er nahm die Aufforderung, mit mir zu der leisen Musik zu tanzen an und machte ein paar Schritte mit mir, ich schaute ihm dabei ins Gesicht, wollte sehen, was er sich von mir wünschte. Er war ganz relaxed und ließ mich machen und wartete, was da kommt.
Die Aufforderung zu handeln lag bei mir.
Ein Mann ist ein Mann, oder? Und ein Mann ist ein Fingertier, er muss immer alles anfassen, was er schön findet. Beim Tanzen schaute ich ihm weiter in die Augen und drehte mich so, dass seine Hand auf meinem Busen lag.
Er hatte seinen Spaß und wir lächelten uns an, uns immer noch zur Musik wiegend.
„Und, schon scharf?“, fragte er ganz ruhig und lächelnd und streichelte meinen Busen.
Statt einer Antwort steckte ich mir langsam und sinnlich seinen Finger in den Mund und lutschte daran und saugte.
Ich kam mir ein bisschen komisch vor, so ohne Hemmungen einem fremden Mann meine Lust zu zeigen, zu sagen: ich will deinen Dödel lutschen und so. Für sein Geld konnte er das aber verlangen, stellte ich mir vor.
Er half mir, aus den Sachen zu steigen, bis ich splitternackig vor ihm stand, trat einen Schritt zurück und begutachtete, was er sich da für 400 Euro eingehandelt hatte. Er schien mit dem Ergebnis zufrieden zu sein, zupfte zwei kleine Sektfläschchen aus der Mini-Bar und wir tranken, ganz entspannt, er im grauen Anzug, ich splitternackig, trug nur meine Schuhe.
Ob mir das gefiel? Stell dir vor, du bist in diesem eleganten Hotelzimmer mit diesem eleganten Mann zusammen und du bist splitternackig und hast Geld dafür bekommen, dass du mit ihm schläfst, wie würde dir das gefallen?
Ich war heiß, heiß wie, äh, wie Dornröschen nach hundert Jahren ohne Sex.
Er betrachtete interessiert meine anatomischen Einzelheiten und schien sich daran zu erfreuen. Sein Blick auf mein Mäuschen verursachte ein spürbares Kribbeln, ich tänzelte zur Musik zu ihm rüber und wir begannen wieder mit der Knutscherei, die auf dem Bett und in einem explosiven Orgasmus mündete.
Der Kunde fragte mich nach meiner Handy-Nummer, fand ich als Kompliment, er schien zufrieden gewesen zu sein.
Am nächsten Abend hing ich wieder in der Bar herum, nach einer Viertelstunde gabelte mich mein nächster Kunde auf, wir landeten auf seinem Zimmer, den Kurs kannte ich ja nun.
Der hier war ganz anders drauf, als der von gestern. Er kommandierte mich rum, ich musste seinen Dödel im Mund steif machen, dann knallte er mich von hinten, zog mir dabei feste an den Haaren und schickte mich wieder weg. Das war jetzt nicht so lustig für mich, ich war gepoppt worden, aber nicht richtig. Das Geld war natürlich ok, aber ich hatte nichts davon gehabt, kam mir nur blöd vor.
Ich ging durch die Halle wieder in die Bar zurück. Du kommst auf diesem Weg an der Portiersloge vorbei, hinter dessen Tresen arbeiteten immer einige Leute. Ich spürte beim Vorbeigehen, dass mich jemand von dort beobachtete. Ich gabelte einen zweiten Kunden auf und der besorgte es mir richtig, so dass ich zufrieden nach Hause gehen konnte.
Wieder kam ich beim Portier vorbei, diesmal rief mich ein älterer, uniformierter Typ mit Bauch und Halbglatze an.
„Frau, äh …?“
Ich brauchte kein schlechtes Gewissen zu haben, ging nur mich etwas an, was ich hier machte, trotzdem wappnete ich mich, als wenn ich gegen ein Verbot verstoßen hätte.
Der Portier wetzte um seinen Tresen herum und raunte diskret:
„Haben Sie einen Moment Zeit für mich?“
Er bugsierte mich in ein kleines Büro hinter dem Tresen und schloss die Tür.
„Ich sah sie gestern mit einem unserer Gäste auf sein Zimmer gehen und heute mit zwei anderen Gästen. Was tun Sie hier?“
Ich bekam einen roten Kopf, obwohl ich nicht wollte. Es ging ihn nichts an, oder?
Ich wusste nicht was ich sagen sollte.
„Wenn Sie ihre Dienste in meinem Hotel anbieten, dann will ich darüber Bescheid wissen.“
Meine, äh, Dienste? Anbieten? Er hielt mich für eine, äh … Ich bin doch keine, äh …
Er sah meine Verwirrung und hielt sie für vorsichtige Zurückhaltung zu Beginn einer Verhandlung.
„Schaungens, dös ist man Hotöl!“, er zeigte mit allen zehn Fingern auf seine Brust, „Und hier läuft nix ohne meine Genehmigung, verstengans dös?“
Ich steckte in meinem Überlegungen und meiner Überraschung fest und konnte ihn weiterhin nur anschauen.
Sein starker österreichischer Akzent ließ seine Worte harmloser klingen, als sie gemeint waren, ich kann es leider nicht so schreiben, wie es sich anhörte, deswegen schreib ichs in Hochdeutsch, aber sein Dialekt war schon sehr dominant.
„Wenn Sie hier arbeiten wollen, dann läuft das nur über mich!“
Er studierte mein Gesicht und schien plötzlich den Grund für meine Zurückhaltung erfasst zu haben:
„Sie sind noch sehr jung, Sie machen das noch nicht lange?!“
Öh, äh, ... ich war verwirrt und stumm.
„Aber volljährig sind Sie?“
Ich nickte heftig.
„Sind Sie vorbestraft? Nicht? Ich glaube Ihnen, Sie haben ein ehrliches Gesicht.“
„Gut, wie heißen Sie denn? Haben Sie ihren Personalausweis dabei?“
„Man nennt mich Jenny!“, brachte ich die ersten Worte heraus in der Befürchtung, dass er mich mit meinem Taufnamen ansprechen könnte. Er kontrollierte das Geburtsdatum und verlor kein Wort über meinen richtigen Namen.
„Gut, Jenny, wollens denn weiter hier arbeiten?“, der Dialekt war echt süß.
Arbeiten! Er meinte 'Poppen' als Arbeit.
Wollte ich?
Ich wollte zumindest die Möglichkeit haben, zwingen könnte er mich nicht.
„Gut!“, meinte er und forschte noch intensiver in meinem Gesicht.
„Wieviel verlangen Sie? Wieviel nehmens wofür?“
Ob ich es jetzt hier mit ihm treiben müsste, ob er das verlangte? Mein zukünftiger Job bekam plötzlich eine hässliche Seite. Meine drei Kunden hatte ich mir selbst ausgesucht, jetzt stand ich plötzlich in der Pflicht.
Ich sagte ihm, was ich bisher verlangt hatte, da lächelte er verlegen.
„Gott, Kindchen! Bei Ihrem Aussehen und Ihrem zarten Alter!“, er schüttelte sein graues Haupt.
„Wir machens so: Ich geb Ihnen einen Tip, Sie gehen aufs Zimmer, dort wartet ein Kunde, der bereit ist Tausend zu bezahlen. Dort machens, was der Kunde will, ich bekomm für jeden Tip Zweihundert. OK?“
Ich brauchte nicht lange zu überlegen, Achthundert? Da brauchte ich nur 2 Tips und hatte viel mehr als sonst im Monat.
Cool.
Auf dem Weg nach Hause rief er mich schon an und gab mir in seinem komischen Dialekt den ersten Termin durch: morgen früh um elf. Ich solle danach etwas Zeit mitbringen, er hätte noch etwas zu besprechen.
Ob er mich da nehmen wollte? Er kam mir sehr väterlich vor, aber das sollen ja die Schlimmsten sein.
Selbst wenn der alte Sack von mir verlangte, ich solls ihm besorgen, hinter seinem Portierstresen, das werd ich auch überleben! Pah!
Ich tauchte pünktlich im Hotel auf, hatte meine roten Sachen an, rote Jeans und ein dünner Pulli, den hatte ich deswegen an, weil der am weitesten ausgeschnitten war. Ich weiß nicht, ob man in dem Gewerbe überhaupt Unterwäsche trägt, trägt man einen BH? Aber ohne Höschen in der Jeans, das stellte ich mir schrecklich vor.
Der Portier, ich nenn ihn hier mal Kowalek, stand hinter dem Tresen und schob mir auf einem Zettel die Zimmernummer zu.
Es wartete ein Dicker auf mich. Achje, war der dick.
Ein Mann ist ein Mann, und auch Dicke haben einen Dödel. Ich ersparte mir, sein Gewicht zu probieren und ritt ihn auf seinen Knien. Er war gar nicht so übel, im Gegenteil, ein netter Kerl.
Unten erwartete der Herr Kowalek mich schon, er hatte seine Uniform gegen einen ähnlich geschnittenen Zivilanzug getauscht und führte mich raus auf die Einkaufsstraße.
„Du musst was an deinem Äußeren tun, Madel, wennst im Erste-Klasse Hotel arbeiten willst, musst du erste Klasse aussehen. Dein Geld hast dabei?“
Ich verstand den Wink und gab ihm seine Zweihundert.
„Jetzt kaufen wir dir was Schönes!“
Er ließ mich Sachen anprobieren, wegen denen ich bei meinen Eltern ausgezogen war. Sie wollten mich zwingen, vornehme Sachen zu tragen, Kostüm und Bluse und so und jetzt brauchte ich genau das als Berufskleidung!
Naja, er suchte mir auch Unterwäsche aus, da hatten wir einen ähnlichen Geschmack. Ich gab alles Geld, das ich von meinen Einnahmen noch hatte und die Achthundert von vorhin für Arbeitskleidung aus.
Kowalek sah meine betrübte Miene beim Bezahlen. Er lachte, schlug mir fest auf die Schulter und meinte:
„Eine gute Investition in die Zukunft, Madel, wirst sehen!“
'Sengan!', sagte er.
Ins Hotel zurückgekehrt tranken wir einen Kaffee, dann rückte er mit zwei weiteren Terminen heraus, jetzt, im Abstand von einer Stunde.
Ich war sehr überrascht.
„Madel, solang du anständig bleibst und gut arbeitest, kannst auf mich rechnen, das versprech ich dir!“
An dem Abend kam ich freudestrahlend und glücklich und zufrieden nach Hause, dort saß Besoffski auf dem Sofa und suchte Streit. Er verdächtigte mich, ich hätte einen anderen. Das lehnte ich empört ab und musste gleichzeitig lachen, weil, ich hatte ja nicht nur einen anderen.
Das Lachen verging mir, als er mir seine Faust ins Gesicht schlug.
Genau aufs Auge.
Der Arsch.
Ich hieb ihm mein Knie zwischen die Beine und landete dabei einen Volltreffer.
So ein Saftsack!
Der wird ihm noch lange weh tun, hoffte ich.
Mein Gesicht pochte und mein Kopf dröhnte von dem blöden Kerl. Ich rannte zum Spiegel, die eine Seite meines Gesichtes war gerötet und es sah aus, als wenn sie anschwellen würde. Ich kühlte sie, rannte mit dem nassen Waschlappen auf der Wange ins Schlafzimmer und packte meine Sachen in seine große Sporttasche.
So ein Arsch!
Meine neuen Sachen steckten noch in den Originaltüten, die schnappte ich mir dazu und rauschte davon.
So ein Penner.
Herrn Kowalek erwischte ich kurz bevor er in Feierabend ging. Er wies mir eine Angestellten-Kammer im Dachgeschoss zu, dort ließ ich meine Sachen, und ging mit mir essen.
„Kühlen, kühlen, kühlen! Madel, was du für Leute kennst!“
Die Kammer konnte ich erst einmal behalten, die Spuren des Faustschlags waren überschminkbar, so, dass ich am nächsten Tag arbeiten konnte. Ich bekam zwei Tage später eine etwas schönere Kammer, die sogar einen richtigen Schrank hatte und wohnte direkt bei der Arbeit.

Sie hatten bisher mit einer Begleitagentur zusammengearbeitet, 'Sie' das war die Portiersloge, an die sich die Kunden mit ihren Wünschen wandten. Vom Hotelmanagement hatte man freie Hand, so lange alles reibungslos verlief. Mit der Agentur war man in der letzten Zeit nicht so glücklich, weil sie nur noch Ausländerinnen schickten und die waren manchen Gästen nicht sympathisch. Er, Kowalek, hatte sich immer schon gewünscht, eine Servicedame fest zu haben und in mir hoffte er, eine gefunden zu haben.
„Und, wo Sie auch noch so sympathisch san!“, meinte er augenzwinkernd. Irgendwann müsste ich da wohl ran, das schwante mir.
Nach ein paar Tagen hatten wir soweit Routine darin, dass wir uns auf uns verlassen konnten. Es war ein schönes Gefühl, dazu zu gehören, der Job machte mir Spaß, alles war gut.
Ich kam runter von einem Termin, hatte dieses strenge blaue Kostüm an, in dem ich aussah wie eine Knöllchen-Hostess, und fand die Loge in heller Aufregung. Vor dem Tresen regte sich eine rotgesichtige Frau im Pelzmantel lautstark auf, draußen hielt ein Polizeiauto und zwei Uniformierte kamen gelaufen.
Es drehte sich um einen Diebstahl, wie ich mit halbem Ohr mitbekam, es waren einige Vorkommnisse gemeldet worden, unter anderem waren etliche teure Uhren aus Gästezimmern verschwunden und man verdächtigte einen Etagenkellner, Ahmet, der so ein wenig verschlagen aussah. Man hatte keine Beweise, aber auf seiner Etage waren die Sachen verschwunden und er sah eben so aus und er war noch nicht lange im Hotel.
Ich hatte heute Vormittag einen Kunden, der stand auf Fesselspielchen. Ich find sowas blöd und hab ihm gesagt, dass ich das nicht für Tausend mache, da müsste schon mehr bei rumkommen. Er hatte Geld aus seinem Aktenkoffer genommen und ich konnte Uhren sehen, etliche, ganz unordentlich auf einem Haufen.
Ich winkte Kowalek an die Seite, er meinte:
„Nicht jetzt, Kindchen, nicht jetzt!“
„Es ist wichtig!“, bedeutete ich ihm und flüsterte ihm meine Beobachtung in sein haariges Ohr.
„Das ist interessant!“, er kontrollierte umgehend sein Buch.
„Der hat noch nicht ausgecheckt!“
„Herr Kriminaler!“, rief er einen der zivilen Polizisten zu sich, die mittlerweile eingetroffen waren und raunte ihm meine Beobachtung zu, inklusive Zimmernummer, und gab ihm einen Hauptschlüssel mit.
Sie fanden die Uhren bei dem Mann und viele andere der gestohlenen Gegenstände. Er wohnte in München und in seiner Wohnung wurde noch etliches Diebesgut gefunden, es war ein echt großer Fisch, der da ins Netz gegangen war.
Die Polizisten wollten von Kowalek wissen, von wem er den Tip bekommen hatte.
„Ich hab dicht gehalten, wäre nicht gut gewesen, wenn man dich da hinein gezogen hätte!“
Mal duzte er mich, mal siezte er mich. Mir war es recht, wenn er mich duzte und habs ihm auch schon ein paarmal gesagt, aber seine Wiener Seele hätte mich lieber 'Frau Kommerzialrat' oder 'Frau Gräfin' genannt, als einfach 'Jenny'.
Es gab eine Belohnung von drei der betroffenen Versicherungen, von der gingen wir fürstlich essen.

Kowalek schickte mich zu einem Kunden, der sah echt super aus: richtig groß und breit, bisschen älter schon, 40 oder so. Er empfing mich im Kimono, blonde kurze Haare, wenige auf der Brust und total durchtrainiert, und stellte sich als 'Kamabir' vor.
'Kamabir' heißt Henker auf arabisch. Ich weiß das, Mamas Freund, als ich im Kindergartenalter war, war Monteur in Dubai wo wir 5 Jahre mit ihm lebten. Dass ich arabisch kann, ist klar, brauch ich nicht mit anzugeben, aber es hieß nun mal Henker. Ich hab das für Unwissenheit bei ihm gehalten, wie hätte er auch sonst auf den Namen kommen sollen.
Ich trieb immer schon Sport und freute mich, wenn ich jemanden sah, der auch acht gab auf seinen Körper. Der hier war, boach, nicht einfach muskulös, irgendwie kampfsportmäßig sah der aus, ganz harte Muskeln, zäh und drahtig. Der hatte eine Ausdauer sag ich dir! Und eine Kraft!
Er scheuchte mich mit viel Wucht und Geschick durchs Bett, ich kam voll auf meine Kosten, obwohl es nicht meine Spezialität ist, zu kommen, während meine Knie meine Ohrläppchen berühren.
Es ging wirklich gut ab. Und er konnte nach kurzer Zeit nochmal und wollte mich in zwei Stunden wiedersehen, er hätte was vor mit mir, aber erst brauchte er Zeit für sich. Poh! Ein Potenz-Protz. Aber sollte mir recht sein, gerne!
Nach der Äktschen brauchte auch ich Zeit für mich und legte mich aufs Ohr.
Der Typ hatte komisches Gepäck, das fiel mir auf. Wer hat schon zwei Aktenkoffer dabei? Einer aus Aluminium, mit einem aufwendig aussehenden Sicherheitsverschluss und zwei Zahlenschlössern.
Ich mein, ist mir egal, was die Leute mit sich rumschleppen, geht mich nix an, aber, wenn ich es richtig mitbekommen habe, dann hat er diesen Alukoffer in der Deckenverkleidung versteckt, bevor wir uns auf den Weg machten.
Gut, egal, seine Sache.
Er ging mit mir in die Stadt, shoppen. Ob mir das Recht war? Er suchte die Sachen aus, ich probierte sie an, wenn sie ihm gefielen, fragte er mich und ich nahm an oder lehnte ab. Natürlich gefiel mir das, nicht nur, weil er bezahlte. Der suchte vielleicht Sachen aus! Ich sach ja immer: je öller, je döller!
Ich musste in einem der kurzen Röcke und einem der knappen Tops weitermachen, die er mir ausgesucht hatte. Ab da fingerte er immer an mir rum. Er bezahlte mich die ganze Zeit, warum also sollte er nicht? Es hatte den Effekt, dass ich total wuschig wurde, aber echt total! Und immer ran, er immer an mir rum, ganz nah bei mir, Küsschen, ständig Gefummel und Nähe. Boach, ich wurd echt verrückt.
Für Geld mache ich alles, so lange es nicht weh tut und nicht schlimm kriminell ist, also weiter im Text. Er hat Dessous ausgesucht und ich musste sie vorführen.
„Kannst du das rote nochmal...?“
„Nee, lieber noch mal das weiße!“
„Haben Sie das in schwarz?“
Wenn ich nicht so wuschig gewesen wäre, dann wärs mir peinlich gewesen, aber so wars lustig.
Wir dann was gegessen und immer weiter: Fummelfummel, knuddel knuddel, bis ich kaum noch was mitkriegte.
Naja, dann kam ich auf die Idee, zurück zu fummeln.
Macht man ja als Mädchen nicht, aber so? Wenn du so hilflos gemacht wirst?
Ich also ran. Er zeigte überraschend schnell Reaktion, hatte ich meinen Spaß dran. Wir machten uns so heiß, dass uns die Umgebung egal wurde, da hat er dann ein Taxi gerufen und wir zum Hotel, abreagieren.
Jedoch, bevor wir auf dem Zimmer ankamen, klingelte sein Telefon, war wichtig. Er stand fast stramm, war anscheinend ein langersehnter Anruf, wir mussten sofort los. Erst im Taxi merkte er, dass er mich immer noch dabei hatte und mich eigentlich gar nicht gebrauchen konnte. Er nahm mich trotzdem mit, ich musste ihm versprechen, die Klappe zu halten und ihn nicht zu blamieren.
Zwei Scheichs und ein Dolmetscher erwarteten uns.
Ich war hier Begleitung, musste lächeln und ihm zugetan sein, aber sollte nicht sprechen.
Ein einfacher Job und brachte genau so viel ein, wie poppen.
Die Scheichs wirkten auf mich wie Sorgenträger in Anzügen, Leute, die Magengeschwüre hatten, weil sie sich so viele Sorgen machten.
Sie besprachen etwas, die Scheichs redeten arabisch zum Dolmetscher, der Dolmetscher auf englisch zu Kamabir. Ich war mit Lächeln beschäftigt und damit, mit der Untertasse in der Hand den Tee nicht zu verkleckern und hörte nur mit halbem Ohr zu. Und ich war immer noch schweinemäßig wuschig und nicht wirklich in der Lage, Schlussfolgerungen der ausgereiften Art hinzulegen. Aber ich hab mehr gehört und behalten, als mir gut bekommen ist, aber erst einmal merkte ich nichts.
Es drehte sich um Entsorgung, allem Anschein nach um irgendwas Gefährliches, Unangenehmes, etwas, was man aus der Distanz erledigt, ich hatte keine blasse Ahnung, um was es ging und interessierte mich auch nicht wirklich. Es war von 300 Metern die Rede oder waren es dreihundert Kilometer? Ich weiß es nicht, ich weiß aber, dass wir danach ins Hotel sind und er mich auf dem Sofa feste durchgewalkt hat, um seine und meine Wuschigkeit abzubauen.
Du kriegst mit der Zeit Übung und Kondition in solchen Dingen, ich war, selbst nach einem so harten Arbeitstag, gut in der Lage, etwas zu unternehmen.
Kowalek ging mit mir zu Abend essen, immer noch von dem Geld aus der Belohnung, versuchte er jedenfalls, mir weiszumachen. Mir hat er den Betrag nicht genannt, aber ich stellte mir vor, dass der schon längst aufgebraucht war, soo viel gibt’s ja an Belohnung nicht.
Gut, wir saßen in unserem Stamm-Steak-House und quatschten vergnügt vor uns hin, zerrissen uns die Mäuler über unsere Kunden und lachten uns über deren Schrullen schlapp.
Er, Kowalek, interessierte sich nur heimlich für meine Bettabenteuer. Immer wenn ich was davon erzählte, dann tat er so, als wenn es unter seiner Würde wäre, aber er hörte doch mit gespitzen Ohren zu. Ich erzählte ihm von dem stahlhart durchtrainierten Körper des Kunden, und er wusste sofort, um wen es sich drehte.
„Dessen Koffer sah ganz leicht aus, als er ihn trug, aber der Page war damit überfordert, er kriegte ihn kaum hoch. Ist mir gleich aufgefallen!“

Es gibt immer mal wieder Kunden, die mit einem Mädchen allein nicht auskommen, sie verlangen nach einem zweiten oder sogar einem dritten. Kowalek engagierte dann jeweils ein passendes Mädchen von dem Escort-Service, bestand aber immer darauf, dass ich auf jeden Fall beteiligt würde. So ist er eben, der Kowalek, nett und fürsorglich.
Ich hatte mich mit einem der Mädchen, Künstlername Nadine, angefreundet. Ist klar, du kannst dir nicht unsympathisch sein, wenn du mit dem Mädchen vor den Augen des Kunden Sex haben sollst, geht nicht. Ich hatte einige Mädchen abgelehnt, mit denen es eben nicht lief, aber mit Nadine kam ich gut klar.
Nun, als ich Nadine ein wenig näher kennen lernte, kam mir die Idee, dem Kowalek mal einen auszugeben und fragte Nadine, ob sie mir den Gefallen tun würde, gegen Bezahlung natürlich.
„Klar!“, erklärte sie sich sofort einverstanden, „Aber bezahlen brauchst nix, dann hab ich eben was gut bei dir.“
Auch lieb, die Nadine. Warum sie so selbstlos war, erfuhr ich später.
Na, sie brauchte fünf Anläufe, bis sie den Kowalek so weit hatte, aber dann war es auch um ihn geschehen: er lief mit glänzenden Augen durch 'sein' Hotel, war allerbester Laune, zwinkerte mir übermütig zu, wenn ich zu einem Kunden unterwegs war und hatte offensichtlich Spaß am Leben.
Nadine erwähnte nur nach dem ersten Mal, dass sie einen gut bei mir hätte.
Alles hätte wirklich super laufen können, naja, bis uns der Kowalek auf die Schliche kam. Er fand heraus, dass es ein Gefallen war, um den ich Nadine gebeten hatte und nicht die total selbstlose Liebe.
Der war vielleicht sauer! Ich weiß immer noch nicht, wie er es rausgekriegt hat, Nadine behauptete auf jeden Fall, sie hätte nix gesagt. Naja, mittlerweile war er wieder gut mit mir und mit Nadine hatte er sich wohl auch ausgesprochen, jedenfalls begegneten sie sich nach einiger Zeit wieder freundlich.

Mitten in der Nacht wurde ich wach und saß aufrecht im Bett: Kamabir heißt Scharfschütze! Und sie benutzten: 'Schießen', das Wort hatte ich mit 'entsorgen' übersetzt. Sie wollten jemanden erschossen haben und Kamabir war der Auftragskiller! So machten auch 300 Meter einen Sinn, denn die Kanzlerin sprach heute auf dem Großen Festplatz, direkt hier in der Nähe.
Ohjeohje! Ein Attentat und ich war die einzige, die es verhindern konnte.
Ich rief sofort den Kowalek an, der meldete sich total verpennt:
„Jenny, wenns nicht das Hotel ist, was brennt, dann brauch ich eine sehr gute Erklärung von Ihnen!“
Jetzt waren wir plötzlich wieder beim 'Sie', na, dem hatte ich aber die Petersilie verhagelt, Morgenmuffel der!
Hörte ich da nicht Nadine im Hintergrund? Schau mal einer an!
Ich sprudelte ganz aufgeregt die ganze Geschichte hervor, bis ich merkte, dass der Kowalek einfach eingehängt hatte.
Unverschämtheit!
Was würde passieren, wenn ich jetzt zur Polizei ginge?
Wenn ichs mir recht überlegte, dann hätte ich wahrscheinlich die besten Aussichten, den Rest der Nacht in einer Ausnüchterungszelle zu verbringen.
Was tun?
Der Kunde hatte sich meine Telefonnummer gemerkt, in dem er sie in sein Handy eingegeben und zur Kontrolle kurz durchklingeln lassen hatte, so hatte ich seine Nummer auch bei mir unter 'Anrufe in Abwesenheit'.
Ich rief ihn an. Er war ebenfalls total verpennt und ich hätte am liebsten sofort wieder eingehängt, aber er hätte es auf seinem Display sehen können.
„Ich bin ganz schauderhaft geil!“, log ich, „Darf ich zu dir kommen?“
Er lachte, gottseidank!
„Ein Hürchen, dass wirklich geil ist? Gibt’s denn sowas? Oder brauchst du Geld?“
Brauchte ich Geld? Kowalek hat mal gesagt: 'umsonst kann jeder', deswegen sagte ich:
„Ja, auch, aber in der Hauptsache ...“
„Okay, dann komm!“
Wir lagen umgehend im Bett, von dort aus konnte er niemanden erschießen, das war Fakt.
Morgens war ich ziemlich gerädert, denn Kamabir hatte sich so richtig ausgetobt. Ich musste das geile Mäuschen erst spielen, die Tatsachen holten mich allerdings rasch ein, denn der Mann konnte was im Bett, ich glaube, ich erwähnte es schon.
Ich muss mich hier als Fan outen, denn was der Mann mit einer Frau anstellen konnte und tatsächlich an Fantasien in die Tat umsetzte, war jenseits dessen, was ich bisher erlebt hatte. Akrobatische Lust, athletischer Sex, sportlich ausgelebtes Verlangen, herausforderndes Vergnügen, nimm was du willst, er hatte es drauf. Ich schnurrte wie ein Kätzchen und fühlte mich, als sei ich irgendwo unter die Räder gekommen, unter einen Zug zum Beispiel. Mann, was war ich fertig.
Der Typ warf mich um Sieben aus dem Bett, machte irgendwelche Turnübungen am offenen Fenster und ging dann frühstücken. Ich natürlich mit, denn ich wollte den Attentäter nicht ohne Aufsicht lassen. Ich versuchte, das Frühstück möglichst lange rauszuschieben, weil der Kowalek erst um 9:00 Uhr Dienstbeginn hatte. Ich kriegte den Kerl nicht ans Telefon, weil er mich einfach wegdrückte. Mein Terrorist wollte nicht warten sondern schärfte wahrscheinlich bereits seine Panzerfaust um sein schändliches Werk zu vollenden. Eine Sünde war, dass ich einen solchen Könner, einen Modellathleten, wie ihn sich jede Frau wünscht, einen Künstler vor dem Herrn, überführen und dafür Sorge tragen musste, dass er ins Gefängnis kam.
Was für eine Vergeudung.
Ich hängte mich an ihn wie eine Klette und schnurrte dabei wie ein Kätzchen.
Wir fuhren schwimmen. Eine Hälfte des Schwimmbeckens war für eine Seniorengruppe abgeteilt, auf der anderen Hälfte spulte mein Auftragskiller seine Bahnen ab. Ich bin nicht ohne und stellte mich der sportlichen Herausforderung, was ein älterer Mann zu leisten im Stande war, das konnte ich schon lange.
Ich war danach ziemlich KO, wann war ich das letzte Mal schwimmen? Wir schlenderten ein paar Meter über die Fußgängerzone, schlürften einen Cappuccino und die ganze Zeit kriegte ich den Kowalek nicht ans Telefon und als ich ihn dann endlich hatte, brach mein Serienmörder auf, ich konnte nicht mit ihm sprechen, sondern bat ihn mich in ein paar Minuten zurück zu rufen, ich könnt jetzt nicht. Ich versuchte, den Kowalek per SMS aufzuklären, aber irgendwie schien er mich nicht zu verstehen. Bis ich darauf kam, dass er die üblichen Kürzel nicht kannte. Den ganzen Kram in Schreibschrift abzufassen, dauerte unendlich lange und die ganze Zeit war ja der Killer in meiner unmittelbaren Nähe.
Wir fuhren in die Sauna! Zu der frühen Stunde war kaum Betrieb dort, wir waren sogar die einzigen Gäste in der weitläufigen Sauna-Anlage. Mein Schwerverbrecher bewies mir, dass es eine falsche Annahme ist, wenn man behauptet, dass man in der Sauna keine Liebe machen kann.
Endlich, endlich rief der Kowalek zurück. Was ich ihm denn da die ganze Zeit für Nachrichten schickte, er würde kein Wort verstehen und hätte auch keine Zeit für sowas und ich solle gefälligst antanzen, ich hätte in einer halben Stunde einen Termin und dafür müsste er mir noch Instruktionen geben.
Zack, eingehängt.
„Dein Vater?“, fragte der Henker.
„Sowas Ähnliches!“, wich ich aus. Was jetzt? Wenn ich nicht pünktlich zum Termin käme, dann wäre meine Zukunft gefährdet, er hatte mich oft genug gewarnt, die Termine ernst zu nehmen, machte ich ja auch. Aber ich konnte doch diesen Meuchelmörder nicht ohne Aufsicht lassen!
Ich rief Nadine an, ob sie den Termin im Hotel für mich wahrnehmen könnte, damit war sie, gegen Bares von mir, einverstanden. Der Kowalek war fuchsteufelswild, als ich ihn über den Tausch mit Nadine unterrichtete und verlangte eine Erklärung von mir. Die konnte ich ihm aber nicht geben, der Vollstrecker hörte mit. Ich vertröstete ihn auf später und würgte ihn ab.
Meingott, was für ein komplizierter Kram.
„Wozu machst du das? Wieso nimmst du den Termin nicht selbst wahr?“ fragte der Totmacher verständnislos.
„Rate mal!“, schnurrte ich ihm ins Ohr.
Er lachte nur und setzte sich mit mir anderthalb Stunden in die Stadtbücherei und las die Zeitungen, die dort auslagen.
Plötzlich war er weg, eben saß er noch da, dann war er weg. Ich kann ausschließen, dass ich eingeschlafen bin, ganz bestimmt nicht, das wüsste ich ja, jedenfalls hatte ich sofort Panik und rannte los.
Ich musste zu dem Festplatz, an dem die Kanzlerin heute reden wollte.
'Lieber Gott, lass nix passieren!'
Ich galoppierte raus, auf den Bürgersteig und hielt gleichzeitig nach dem Todesschützen und einem Taxi Ausschau, knickte um und brach mir dabei einen Absatz ab.
„Oh, verf …!“, ich rannte auf die Straße und winkte einem Taxi, anzuhalten. Es fuhr weiter, als wenn nix wär und ich musste zwischen die parkenden Autos hechten, sonst hätte mich dieser … dieser … einfach über den Haufen gefahren. Was es für Leute gibt!
Endlich brachte mich ein Taxi zum Festplatz. Dort standen bereits etliche Menschen und überall Polizei.
Was jetzt?
Ich rannte mit dem Schuh in der Hand zum nächsten Polizisten.
„Hören Sie! Hier ist ein Terrorist, der die Kanzlerin erschießen möchte. Ich muss unbedingt, äh, mit, äh, dem Sicherheitschef sprechen!“
„Sicher!“, sagte der Polizist und musterte mein Kleid und meinen Aufzug. Stimmt schon, wer morgens in einem roten Abendkleid mit einem abgebrochenen Schuh in der Hand auf dem Festplatz auftaucht, ist nicht besonders glaubwürdig, aber, es war ernst und ich konnte auf die Befindlichkeit eines kleinen Beamten keine Rücksicht nehmen.
„Na?“, versuchte ich ihn aufzumuntern, „Wirds bald?“
„Darf ich bitte Ihren Personalausweis sehen?“, ein Sturkopf, ein beschränkter!
„Hallo? Haben Sie verstanden? Ein Terrorist will die Kanzlerin ...“
„Sie machen sich strafbar, wenn sie keine gültigen Ausweispapiere ...“
„Sie verdammter!“ ich versuchte, ihn mit meiner Handtasche zu schlagen, „Ich reiß mir hier ein Bein aus ...“, er hielt meine Tasche fest und lachte blöd. Ich stampfte wütend mit dem Fuss auf und dabei brach auch noch der andere Absatz ab.
Starke Arme umfingen mich von hinten:
„Jennylein, was machst du denn?“ Kamabir, der Massenmörder!
„Hier, das ist er!“, rief ich dem Polizisten zu.
„Sie hat zu wenig geschlafen und ist etwas überspannt!“, erklärte der Auftrags-Terrorist dem Polizisten und was passierte?
Was passierte?
Der Polizist grinste blöd und zwinkerte dem Staatsfeind Nummer eins zu!
Ich konnte kaum an mich halten vor Wut, Kamabir nahm mich in den Arm und schleppte mich von dem Polizisten weg.
„Was machst du denn?“, fragte mich der politische Attentäter, „Seit der Bibliothek renne ich hinter dir her, hast du schlecht geträumt?“
Jetzt machte er auch noch einen auf harmlos, der ..., der Anarchist der verbrecherische!
Er verfrachtete mich in ein Taxi und hielt mir die Hände fest, damit ich ihn nicht weiter schlagen konnte.
„Du musst aber einen heftigen Albtraum gehabt haben, mein lieber Scholli!“, meinte er, als ich so tat, als gäbe ich auf und ließ mich los.
„Albtraum? Der geht erst richtig los!“, schlug ich wieder auf ihn ein. Er hielt mir meine Hände auf dem Rücken fest.
„Lass es, Schatz, hör auf damit, du wirst dir weh tun!“, drohte er mir.
„Achja! Jetzt ist es mit der Freundlichkeit vorbei? Jetzt zeigt der Wolf sein wahres Gesicht!“
Er schaute verständnislos, ein guter Schauspieler, das muss man ihm lassen.
So langsam musste ich mich geschlagen geben, denn er war sehr stark und hatte auch noch das Glück und die anderen Männer auf seiner Seite.
Jennylein kann nicht allein gegen 3 Milliarden Männer ankämpfen, sondern nur hoffen, dass die Wachen um die Kanzlerin mehr Erfolg haben würden als ich.
„Na, jetzt kannst du dein Attentat ungestört durchführen, mich hast du ja sicher!“
Es rauchte in meinem Schädel.
Ich kam ein paar Sekunden zum Nachdenken, da dämmerte es mir, dass ich auch in Gefahr war, denn, was sollte er mit mir machen? Die Zeit musste ihn drängen.
Ohjeohje!
Messer? Wollte er mir hier im Taxi ein Messer zwischen die Rippen stecken?
Ohjeohjeohje!
Ich rückte panisch von ihm ab.
„Attentat?“, er tat erstaunt und als wenn er von nix Ahnung hätte.
„Tja, Kamabir! Ich kann arabisch! Hättste nicht gedacht, stimmts?“
„Kamabir? Kamabir?“
„Heißt Henker, Scharfschütze, weiß ich, ich weiß alles!“
„Ach, Alles? Sie nennen mich 'Kamal Bir', sie haben mir diesen Kriegsnamen gegeben, als ich meine erste brennende Ölquelle gelöscht hatte. Keine Ahnung, was das heißt, aber seitdem nennen sie mich so und ich mich manchmal auch.
Ich soll eine Ölquelle löschen, wird sehr kompliziert, aber ich glaub, ich weiß schon, wie ichs mache.
Ich hab nen Mordshunger, du auch?“

-

Zwei Jungs hatten mich geordert. Ich find sowas spannend, wird man mir nachsehen, ich mein, zwei Jungs wollten es mit mir, also, geben sogar noch Geld aus, viel Geld, um mit mir ..., boach, war ich wuschig.
Ich zu den Kunden, Kowalek hatte schon son Grinsen drauf, als ich bei ihm vorbeimarschierte, der kennt mich ja.
Egal, oder?
Jedenfalls, die beiden würden mich hernehmen, da würd kein Auge trocken bleiben, das war klar beim ersten Blick auf die Kunden: sie waren jung, sportlich, dynamisch. Mir lief schon das Wasser im Mund zusammen und nicht nur dort, wenn du weißt, was ich meine, ich freute mich auf die beiden.
Erst musste ich strippen, hab ich gern gemacht, weil, ich bin eben stolz auf meinen .. Momentchen, ich schreib das hier nicht auf, damit ihr euch dran aufgeilt… , also nee, ja?
Ich hab ihnen dann ebenfalls beim Ausziehen geholfen, sie fummelten bei mir und ich bei ihnen und ich dachte, ich hätts nicht richtig gesehen, weil, der eine fasste den anderen am Dödel. Ich weitergemacht, beide waren nackig und von der Anatomie her startbereit, aber, sie kümmerten sich um sich, nicht um mich.
Was sollte das denn?
Hast du schonmal gesehen, wie sich zwei Männer küssen? Sieht komisch aus, find ich!
Was soll ich sagen, die haben sich gegenseitig am Dödel gespielt, auch, als ich bei dem einen auf den Knien saß und seinen Pinn im Visier hatte, sie nahmen keine Notiz von mir. Nix!
Na, ich mich in den Sessel gesetzt und zugesehen.
Die beiden wurden immer lebhafter, je mehr sie sich gegenseitig befummelten.
Nu fand ich zwei Jungs, die sich gegenseitig hoch bringen nicht soo interessant, dass ich dabei unbedingt zugucken musste, deswegen ging ich ins Bad. Ich hatte mein Geld, ich hatte alle Vereinbarungen eingehalten, also machte ich mich frisch, schminken, raus aus dem Bad und da waren die beiden Jungs heftig bei der Sache. Tja, find ich jetzt nicht so spannend, deswegen fragte ich leise, ich wollte ja nicht stören, ob ich noch gebraucht würde?
Keine Antwort ist auch eine, ich in meine Kammer und, obwohl es noch keine Neun war, ab ins Bett. Ich hatte einen anstrengenden Tag und eine schlaflose Nacht hinter mir, also ab in die Heia und Augenpflege machen.
Ich mein, ich kann das, so lange schlafen, mein ich.
Morgens um Sieben gingen die Äuglein kurz auf, weil auf dem Flur Getrappel zu hören war, und sofort wieder zu.
Kurze Zeit später klopfte es an meine Tür. Ich hatte hier noch nie Besuch, ging immer alles telefonisch. Ich saß aufgescheucht im Bett, das Herz pochte aufgeregt und an der Tür klopfte es noch einmal.
Es rief jemand meinen offiziellen Namen, ich antwortete, zog mir rasch etwas über und öffnete.
Vor mir stand einer, der kein Gast aus dem Hotel sein konnte, weil, die Sachen, die der trug hatten vor langer, langer Zeit bei C&A auf der Stange gehangen, so sahen sie jedenfalls aus.
„Sind Sie Frau …?“, er nannte meinen vollen Namen.
„Kriminalpolizei. Darf ich reinkommen?“
„Wiwieso, was ist passiert?“
Es stand noch jemand hinter ihm, ne kleine ältere Frau. Sie zeigten mir ihre Ausweise und schauten sich in meinem Zimmerchen um.
„Ist das Ihr Wohnsitz?“, ich hatte keine Ahnung, was sie wollten, sie klärten mich aber schnell auf. Es war ein Mord passiert und sie mussten alle Angestellten befragen.
„Ein Mord?“
„Was tun Sie hier im Haus?“, fragte die Frau aus dem Hintergrund.
Das hatte ich mit Kowalek abgesprochen, er nannte mich Freizeitmanagerin, ich gab den beiden meine Berufsbeschreibung, die Frau schaute ein wenig schäl, aber sie ließen es dabei, schrieben sich meine Telefonnummer auf und nahmen meine Fingerabdrücke.
„Wer ist denn ermordet worden? Mein Gott, jemand ermordet!“
Es war einer der beiden Schwulis! Der, der Gast bei uns war, ich konnts garnicht glauben! Der war tot!
„Der ist tot?“
„Kannten Sie den?“
„Na, sicher, ich hatte gestern abend noch einen Termin bei ihm und seinem, äh, Freund. Wann ist das denn passiert?“
„Welcher Freund?“
Ich kannte nur den Vornamen und sagte ihn auch, es war kein Gast aus dem Hotel gewesen.
„Und weiter? Wie hieß er weiter?“
Wusste ich nicht, konnte ich nicht sagen.
„Ouh, Schreck lass nach!“, ich mein, ermordet! Ob der andere das war? Mit Sicherheit, oder? Hatte ich irgendwelche Anhaltspunkte? Mir fiel nichts ein, ich gab eine möglichst genaue Beschreibung, vor allem die Frisur mit den Strähnchen.
Sie fanden, natürlich, überall meine Fingerabdrücke am Tatort, gottseidank hatte ich gesagt, dass ich dort war, nur, warum sie meine Abdrücke innerhalb der Dusche fanden, das konnten sie sich so nicht erklären. Die Frau schaute nochmal so seltsam, als ich zugab, dort geduscht zu haben, ohne weiter darauf einzugehen, warum.
Ich musste unter Leute und so ging ich in die Stadt, in zivil, ohne Schminke, in Jeans und Turnschuhen und Freizeitjacke, Haare zum Pferdeschwanz gebunden, ganz anders als im Dienst.
Nagut, hab ein paar Sachen gekauft und begann schon, mich besser zu fühlen, da sah ich ihn! Ich wollte es erst selbst nicht glauben, aber das war er, der zweite Schwuli, der Täter. Ich sah ihn von hinten seitlich, aber die Jeans kannte ich unter Tausenden wieder, ganz ausgefallenes Designer-Modell, saß schlecht, aber sah teuer aus.
Ich schlich mich hinter ihn und immer hinter ihm her, die dunklen Haare mit den leuchtenden Strähnchen konnte ich nicht verfehlen. Er ging ganz offen, schaute rechts und links, als wenn nichts wär. Diese Abgebrühtheit musst du erst mal haben.
Ich immer hinterher, unauffällig, versteht sich.
Er verschwand in einer Szene-Kneipe, laute Rockmusik, drei Etagen. Ich bekam schon Panik, weil ich dachte, ich hätte ihn verloren, aber nix, er saß seelenruhig am Tresen und trank einen Kaffee.
Ich stand am Flipper rum und warf immer wieder einen Blick auf den, äh, ich nenn ihn mal vorsichtshalber Mörder.
Nebenan am Flipper tobten sich ein paar Jungs aus. Was der Aufzug so ausmachte! Ich musste richtig lange gucken, bis der Süßeste von denen mich wahrnahm! Wäre mir im Kleid und geschminkt nie passiert.
Für mein Outfit und meinen Auftritt hatte ich eine gute Lehrerin, eigentlich zwei: Nadine und ihre Mutter. Nadine war schon fast 10 Jahre im Geschäft, ihre Mutter mehr als dreißig. Durch sie lernte ich, mich immer damenhaft zu benehmen und zu kleiden. Aufreizendes Outfit sei nötig, wenn ich auf den Straßenstrich ginge oder in einem Puff arbeitete, aber nicht, wenn ich Privatkunden auf deren Wunsch aufsuchte.
In einem Puff arbeiten, eh, auf die Idee käme ich nie!
Und sie meinte, ich wär zu mager für ein tiefes Dekolleté. Muss man sich mal reintun: ich und zu mager!
Als sie es mir erklärte, leuchtete es mir ein, man konnte mein Brustbein sehen, das fand sie nicht sexy, sexy war, wenn man den Brustansatz sehen konnte und uU den Rand der Unterwäsche, nicht mehr.
Und immer Rock oder Kleid, immer damenhaft, immer hohe Hacken. Wenn ichs perfekt machen wollte, sollte ich etwas tun, um meine Haltung zu straffen, Buch auf den Kopf, solche Sachen. Und nie zu viel Schminke, aber immer ein wenig, Augen und Lippen waren Pflicht, meinte sie.
Und ich sollte nicht Mädchen sein oder Frau, sondern Hure, eben Profi. Sie öffnete für mich die Männerseele, soweit sie für uns wichtig war. Mit Lob sollte ich lenken und Zuhören wär total wesentlich, damit würde ich mir eine Menge Frust ersparen und Stammkunden einhandeln, die ich auch in 40 Jahren noch haben könnte. Naja, ich ging davon aus, dass sie wusste, wovon sie sprach, aber ich konnte mir nicht vorstellen, mit Sechzig noch im Hotel rumzugeistern.
Unde kein Parfum.
„Wieso kein Parfum?“
„Na, stell dich nicht so dumm! Eine Ehefrau riecht doch sowas!“
Plötzlich war er weg. Eben saß er doch noch da! Ich sah ihn durch eine Seitentür verschwinden, so eben noch, aus den Augenwinkeln, er wollte sich verdünnisieren.
Ich hetzte hinter ihm her, raste ungebremst durch die Tür, durch die er verschwunden war und landete mitten im Herrenklo, er stand rechts an der Wand und pieselte.
„Damenklo ist eins weiter!“, meinte er über die Schulter.
Ich glotzte ihn an, wie das achte Weltwunder: so sieht also ein echter Mörder aus!
„Kennen wir uns?“, fragte er beim Händewaschen.
Er hatte mir vor ein paar Stunden beim Ausziehen zugeschaut und jetzt erkannte er mich nicht, Männer sind ja so oberflächlich!
„Die Polizei sucht dich!“, was Besseres fiel mir nicht ein.
„Bist du nicht die Kleine von gestern Abend?“, es dämmerte ihm so langsam. Und mir schwante auch etwas: War ich in Gefahr? Endete mein kleines, vielversprechendes Leben hier auf dem Herrenklo? Bei der lauten Rockmusik würde mich keine Menschenseele hören. Ich sah mich schon in einer Blutlache auf dem kalten Boden liegen.
„Was hast du gesagt?“, er stand starr mit den nassen Händen und gaffte.
„Die Polizei sucht dich!“
„Joh, das ist eine der schlechten Angewohnheiten der Jungs, passiert öfter! Sie suchen mich dauernd, sind fast schon Kumpels von mir.“
Ein Gewohnheitsverbrecher!
„Was treibt dich hierher?“, er nahm mich mit zurück an den Tresen, ganz harmlos.
„Dein Freund ist tot!“, eröffnete ich ihm und blickte ihm scharf ins Gesicht, einen Mörder würde ich sofort enttarnen, da leg ich meine Hand für ins Feuer.
„Mein wer ist tot?“
„Dein Freund, von gestern Abend!“
„Quatsch! Mit dem hab ich heute Nachmittag noch einen Termin. Dem hab ichs so besorgt, der kommt von mir nicht mehr los, das kannste mir glauben!“
„Wie bitte?“
„Er meint, er wär bi, dabei ist er schwul wie ein Laubfrosch! Der hat doch an dich keinen Blick verschwendet, als er meinen Dödel zu sehen bekam. Nee, der ist eindeutig ne Schwuchtel!“
„Wie bitte?“
„Na, ist das so schwer zu kapieren? Er ist ein Kunde von mir! Ich hab den gleichen Job wie du!“
„Übrigens, Superkörper!“, fügte er noch ein Kompliment hinzu.
Mann, da war ich platt! Ein Stricher!
'Durch Lob lenken!', er befolgte den gleichen Grundsatz.
„Dann haste heute Nachmittag frei!“
„Du meinst, weil er tot ist?“
„Joup!“
„Ist genug jetzt, der Gag ist ausgereizt!“
„Er ist wirklich tot und ich habe der Polizei deine Beschreibung gegeben.“
„Komm, hör auf, glaub ich dir nicht!“
Er ging mit ins Hotel, die Polizisten waren noch da, sie nahmen uns beide mit.
Ich dachte, ich krieg ne Belohnung und kann wieder mit Kowalek Essen gehen, aber nix, sie verdächtigten den Stricher, ich nenn ihn mal Mattes, und mich, wir hätten gemeinsam den Kunden abgemurkst.
Als wenn ich sowas .. also nee!
Mattes bestätigte, dass ich früh abgezischt wär, damit war ich aus dem Schneider.
Was mich echt erschüttert hat, war, dass die mich verdächtigten, mich!
Na, der Kowalek lockte mich in sein Büro und ich musste ihm haarklein alles erzählen.
Er sah meine Enttäuschung, aber tröstete mich nicht, sondern gab mir nen Klaps auf den Po:
„Nu mach dich mal fein, du hast gleich einen Termin.“
Er hielt mich den ganzen Tag auf Trab, gab mir sogar zwei Termine ausserhalb, sodass ich abends kaum noch das Essen runterbrachte und KO ins Bett fiel. Am nächsten Tag wartete Mattes im Foyer auf mich, wir tranken einen Kaffee zusammen. Die Polizei hatte ihn freigelassen, weil er belegen konnte, das er, .. nee, ich sags anders: die sagten, er hätte ein Alibi. Er hatte ne ältere Dame beglückt und die war voll des Lobes und wollte den Polizeipräsidenten sprechen, um ihren Liebling frei zu bekommen.
Mattes erzählte ganz vergnügt und unbeeindruckt von seinem Erlebnis. Er wartete auf mich, während ich einen Termin wahrnahm, dann ging er mit mir in die Stadt.
„Ich hab was dagegen, wenn jemand meine Kunden umbringt!“, meinte er. Von den Polizisten hatte er erfahren, dass sie den Kunden aufgeschlitzt hatten, seinen Penis abgetrennt und in seinen Mund gesteckt hatten und überall Blut war, auch an den Wänden.
Mir wurde schlecht, als er mir das schilderte und ich es mir vorstellte.
Bäh!
„Wann bist du denn da weg? Bis wann warst du bei deinem Kunden?“
„Haben die mich auch gefragt, aber ich seh ja nicht auf die Uhr, wenn ich weggeh, sondern bevor ich hingeh, deswegen konnte ich denen das auch nicht sagen, aber die Marita hat gesagt, ich wäre kurz vor neun bei ihr gewesen und sie hätte bis morgens früh um Acht Körperkontakt zu ihr gehabt!“
Mattes grinste.
„Genauso hat sie es gesagt: von abends neun bis morgens um acht hatten wir Köperkontakt.
Die hat mich vielleicht ausgelutscht, sag ich dir! Ich hab gedacht, es kommt nie mehr was, aber am Mittag gings schon wieder!“
„Mittags? Mittags haben wir uns doch gesehen!“
„Genau, da kam ich von Madeleine, die hat ne Boutique und findet es spannend, es mit mir hinten im Laden zu treiben, während vorne Kunden auf sie warten. Bekloppte Olle!“
Wir saßen schon wieder am Tresen in dem Rock-Café.
„Wer könnte denn den Schwuli abgemurkst haben?“
„Du hast vielleicht eine Ausdrucksweise!“, meinte er empört, „Der hieß Christian und war homosexuell. Seine Frau dachte, ein Vater von 3 Kindern könnte nicht homosexuell sein, war er aber doch!“
„Woher weißt du von der Frau?“
„Was meinst du, wer mich beauftragt hat, den zu verführen?“
„Sag nicht die Frau!“
„Und ob!“, er nickte wichtig.
„Wissen die Bullen davon?“
„Ob die Polizei etwas weiß? Keine Ahnung, ich habs ihnen nicht gesagt!“
„Die müssen das wissen!“, ich war heiß auf die Belohnung und rief die Kommissarin an.
„Ja, es gibt eine Belohnung, der Vater des Opfers hat 10.000 für die Ergreifung des Täters ausgesetzt. Wieso?“
Ich erzählte von dem Auftrag, den die Witwe dem Mattes gegeben hatte, wir mussten wieder ins Präsidium. Dort nahmen sie alles zu Protokoll, auch dass Mattes seiner Auftraggeberin telefonisch Bericht erstattet hatte.
Damit war die Witwe geliefert, sie hatte ihren Mann selbst gemetzelt.
Mir wurde ganz schwummerig, bah, was es für Leute gibt.
Die Polizistin versprach, sich um die Belohnung zu kümmern, ich bat sie, meine Hälfte dem Kowalek zu geben, als Überraschung. Mal schauen, was er damit machte.
Matthes fragte so nebenbei, ob wir mal zusammenarbeiten wollten.
'Arbeiten' heißt ja bei uns 'poppen', ich war gespannt, wie er mich rumkriegen wollte, für Geld würd ichs mit ihm machen, ohne nicht, nee, wahrscheinlich nicht.
Ich fand ihn mit der Zeit immer süßer, er lud mich zum Mittag ein, der Kowalek hatte nichts für mich und so landeten wir in seiner Bude. Ich kann dir sagen, der wohnte vielleicht nobel! 'Loft' nennt man sowas, hat er mir erklärt, der hatte extrem viel Platz und schien ihm zu gehören.
Ich würds wahrscheinlich doch auch ohne Geld mit ihm machen! Er hatte zu knutschen angefangen und seine Hände schon überall und mein Widerstand war dabei, abzubröckeln, da klingelte mein Telefon, die Kommissarin.
„Wo sind Sie?“, fragte sie mich, als wenn sie der Kowalek wär, „Ist Mattes bei Ihnen?“
Da wollte ich aber erst einmal wissen, warum sie das wissen wollte. Mattes stand auf und holte Getränkenachschub.
„Die Witwe war es nicht. Ist er bei Ihnen? Wo sind sie?“
Die Witwe war es nicht? Nicht die Witwe? Wer denn dann?
Das Handy quakte an meinem Ohr, ich hörte nicht zu.
Wenn die Witwe es nicht war, wer war nochmal der andere Verdächtige? Mattes, oder lieg ich da falsch?
Also, nochmal: die Frau war es nicht, was war nochmal Mattes Motiv? Ganz klar: Schwulenhass! Wie der über seinen 'Freund' hergezogen war, obwohl er ihm vorgestern noch ...
„Wer war das?“, fragte der Mattes ganz harmlos, aber doch bestimmt.
„Ach, nix, vom Hotel, wollte wissen, wann ich dort sein kann.“
„Und?“, er fragte komisch, irgendwie komisch.
„Ach, keine Lust!“, ich ordnete meine Kleidung, schnappte meine Tasche und machte mich auf.
„Gehst du?“
„Ja, ich muss!“
„Komm, bleib noch, ich lass vom Italiener etwas kommen. Oder magst du lieber asiatisch?“
„Nee, italienisch wär schon prima, aber ich muss.“
„Ach, komm, ist doch nur ein Termin!“
„Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps!“, sagte der Kowalek auch immer.
Mattes gab auf, kuschelte sich an mich und nahm mir das Versprechen ab, gleich wieder zu kommen. Ich sah da eher schwarz für ihn, denn wenn ichs richtig fühlte, dann war die Kommissarin hierher auf den Weg.
Ich kriegte irgendwie die Panik, als ich ihm den Rücken zuwandte und rausging zum Flur, zu meiner Jacke, zur Tür zum Treppenhaus. Plötzlich war er hinter mir her.
„Warte!“
Ich zog die Tür schneller hinter mir zu, als er sie erreichen konnte und wetzte die Treppe hinunter, die Tür knallte gegen die Wand, das konnte ich hören und dann seine Schritte hinter mir.
Ich kam mir vor wie im Film, der Bösewicht rannte hinter der Frau her. Nur hier kreischte die Frau nicht blöd rum, sondern gab Fersengeld, als gäbe es kein Morgen.
Er kam näher, meine Jacke und meine Tasche hinderten mich, ich ließ sie fallen, obwohl beide sehr teuer waren.
Sein Gepolter kam näher, aber nicht so schnell, dass er mich einholen würde. Es war furchtbar,dass ein Mörder in so einem Affenzahn hinter mir herrannte. Ich hatte den Eindruck, als wenn der Abstand zu ihm wachsen würde, behielt natürlich mein Tempo bei, bis, ja bis mir auf einmal die Kommissarin unten auf dem letzten Treppenabsatz entgegenkam.
„Gottseidank, da sind sie!“, ich war in Sicherheit, der Mörder kam hinter mir hergepoltert.
„Was rennst du denn wie angestochen?“, seine Kaltblütigkeit hatte ich ja gestern schon bewundert!
„Du hast meine Jacke, hier ist deine. Warum schmeißt du deine Tasche weg? Ist was?“
„Das wird dir die Kommissarin erklären!“, da war ich mir sehr sicher.
„Ja, gerne! Haben Sie Ihre Auftraggeberin jemals gesehen?“
„Ja, sicher, sie wollte sicher gehen, dass ich nicht schwul bin.“ Jetzt tat er so, als wenn er die Frau auch gepoppt hätte. Was für ein Angeber!
„Wieso?“, fragte die Kommissarin ganz artig nach.
„Na, dann hätte ihr Mann sich rausreden können, dass er von einem Schwulen verführt worden wäre. Um diese Situation ganz hieb- und stichfest zu machen, haben wir ja sie noch dazugeholt!“, erf deutete auf mich.
Noch dazugeholt! Ich war also nur ein kleines Schmankerl obendrauf, so eine Art Pickel. Er war natürlich die Hauptperson!
Pah!
Sie zeigte ihm ein Foto.
„Nee, das war se nicht, nein, ganz bestimmt nicht!“
„Die denn?“
Bei dem neuen Foto grinste der Oberpopper freudig:
„Joh, das war se! Die hatte vielleicht Dampf auf dem Kessel, mein lieber Mann!“
„Die Schwester!“, wandte sich die Kommissarin an die beiden Streifenpolizisten hinter sich, „Los!“
Die dampften ab und ließen mich mit der blöden Situation hier alleine.
„Wie, die Schwester?“
„Komm wieder rauf, ich bestell italienisch und erklärs dir!“

Ich habs nur ganz langsam verstanden, weil, ich musste essen und seine Annäherungsversuche abwehren, zuhören und saß doch nach einiger Zeit einigermassen blank auf seinem Sofa und hatte überall seine fettigen Finger an mir.
Also, die Schwester hatte ihn schon lange im Verdacht, hat sie ihn auch öfter mit konfrontiert, hat sie Mattes erzählt, als sie so tat, als wenn sie Christians Frau wär.
Blickt noch jemand durch?
Jedenfalls, um ihren Verdacht zur Gewissheit werden zu lassen, hatte sie Mattes angeheuert, ihren lang angesammelten Hormonstau von ihm abarbeiten lassen, sich die Gewissheit verschafft und dann ihren leiblichen Schwager massakriert, abgestochen, aufgeschlitzt, gedemütigt, alle gemacht.
Ich wachte am nächsten Morgen in einem fremden Bett auf, brauch wohl nicht zu sagen, in wessen Bett.
Tja, ich warte noch darauf, dass der Kowalek den Eingang der Belohnung vermeldet. Gestern kam er mit einem neuen Auto angefahren, ob das etwas zu bedeuten hat?

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Wipfel
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tja also: ich gestehe, ganz durchgelesen habe ich sie nicht - ist nicht so mein Thema. Dennoch: mir gefällt, wie du den schlapsigen Stil durchziehst. Der klingt glaubhaft und der Dame angemessen. Zudem wandelt sich die Storry rafiniert zu einem Krimi.

Sauber gearbeitet! Grüße von wipfel

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@ Ofterdingen,

sorry, ich habe gedacht, bei 'Ofterdingen' sei es ähnlich wie mit dem 'Wolpertinger', da lag ich daneben, sorry.

@ Wipfel,

du hast meinen gesamten Beitrag zitiert, war das in deiner Absicht?

Danke euch beiden für die positive Resonanz. Ich habs nochmal überarbeitet.

Viel Spaß

Gruß Evi

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Dominik Klama
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Ist doch eigentlich ganz erfrischend. Fickgeschichte geht anders.

Erster Teil eines heiteren Romans in Episoden um die Hotelprostituierte Jenny. Dieses hübsche Mädchen geht ihrer Arbeit mit so viel Spaß und Hingabe nach wie sonst kaum einer. Scheint aber von der Obsession besessen, ihre Kunden immer wieder für Attentäter oder Mörder, sich selbst für die Kanzlerretterin oder das nächst ausersehene Opfer zu halten. Da wir uns in einer Kriminalkomödie befinden, geht alles gut aus.

Die LL-Mitglieder hielten sich mit Reaktionen sehr zurück und die bisher einzige Note ist mit 2 eindeutig zu schlecht angesetzt.

> „Für Geld mache ich alles, solange es nicht weh tut und nicht schlimm kriminell ist, also weiter im Text.“

Muss man ja nicht unbedingt mögen, diese Lebenseinstellung, hat aber schon was für sich.

> „Mir lief das Wasser im Mund zusammen und nicht nur dort, wenn du weißt, was ich meine, ich freute mich auf die beiden.“

> „Machst du als Mädchen sonst nicht, ist ja klar, da denkst du nur manchmal, das jetzt, das würd’ste gerne machen, aber traust dich nicht oder machst es deswegen nicht, weil er dann schlecht von dir denkt.“

Genau, wir schreiben das 21. Jahrhundert und haben „Sex and the City“ gesehen. Junge Frauen gehen an das sexuelle Ding jetzt heran wie an ein Spiel oder wie an Eisessen. Junge Männer müssen sich schon mal gefallen lassen, wie Spielzeuge auf Tauglichkeit gemustert und kategorisiert zu werden.

Ha, so wahnsinnig neu ist das alles aber gar nicht. Da lese die Autorin nur mal nach bei Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“ oder Vicki Baums „Menschen im Hotel“: Abgebrühte, illusionslose Frauen, die sich in Hotels Geld per Sex verdienen, gab’s damals schon.

Warum ich das Werk dann halt so sehr bedeutend auch nicht finde, ist, weil EviEngel sich viel lieber in von vornherein als Komödie zu durchschauende Krimiverwicklungen ergeht, statt, was Keun und Baum durchaus hatten, ein wenig ernsthaftere Ideen zu entwickeln, wie es auf der Welt zugehen könnte, wenn die Frauen das Sexuelle etwas kaltschnäuziger und hedonistischer betrieben, als es gemeinhin Sitte zu sein scheint.

> „Sie machen sich strafbar, wenn sie keine gültigen Ausweispapiere...“

Das sagen komischerweise viele Leute, dass es in Deutschland eine gesetzliche Pflicht gebe, Personalpapiere ständig bei sich zu führen. Die gibt es aber nicht. Ich bin oft von der Polizei überprüft worden und habe obigen Satz noch nie zu hören gekriegt. Es besteht nur die Verpflichtung, seine Identität im Bedarfsfall feststellen zu lassen. Was in der Regel so vor sich geht: Sie fragen einen nach Name, Vorname, Adresse, Geburtsort und Geburtsdatum. Das schreiben sie sich in ein kleines Büchlein. Dann sitzt der eine bei geschlossener Tür, damit man nicht mithören kann, im Auto und gibt die Daten über Funk durch für die Datenbankabfrage, während der andere misstrauisch nicht von deiner Seite weicht. Dann wünschen sie dir einen guten Tag, das ist alles.


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14.11.2015 Forum Lupanum Threads Höhe Zeit Aufklärung Verteidiger: Es ist genug.

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EviEngel
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@ Dominik Klama: Ernsthaftigkeit

Es mag sein, dass es mir an Handwerkskunst fehlt, dafür entschuldige ich mich. Denn: die Ernsthaftigkeit meiner kleinen Geschichte liegt tiefer, viel tiefer. Es dreht sich um die Umsetzung der Heisenbergschen Unschärferelation. Mein Grundgedanke, den ich offensichtlich nicht klar herausgearbeitet habe, lautet: Wie kann etwas, was im Mikrokosmos unscharf, nicht zu definieren, unklar im Aufenthaltsort oder in der Geschwindigkeit ist, in unserer Welt klar und berechenbar sein? Das kann nur eine Illusion sein, der wir uns hingeben. Vielmehr ist nichts klar, nichts entwickelt sich in der Art, wie man es erwartet. Die Theorie Heisenbergs heißt in unserer Welt 'Murphys Gesetz', die Entsprechung dazu lautet hier am Niederrhein: 'Ein Abfluss im Boden liegt immer an der höchsten Stelle'.
Diese bedeutenden Erkenntnisse zusammengefasst heißt für Jenny, dass es immer Verwicklungen gibt, die in sich ebenfalls verwickelt sind, ähnlich der Stringtheorie. Der werde ich mich in der nächsten Geschichte widmen.

;-)

Gruß Evi

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