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Leselupe.de > Kurzprosa
Hunderttausend Wege
Eingestellt am 01. 12. 2006 16:08


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Somo
Wird mal Schriftsteller
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Hunderttausend Wege, und keiner f├╝hrt dahin, wo ich gerne w├Ąre.
Schon wenn man sie anschaut.
Sie sind asphaltiert und eben und ziehen sich wie eine riesige Bremsspur durch weit unber├╝hrte Landstriche.
Mal rotsandige W├╝sten, mal wilde Ger├Âllfelder, mal h├╝gelige saftige Wiesen.
Und ├╝berall die gleiche schwarze Spur, ohne Farbahnmarkierung, ohne Leitplanke, ohne Stra├čenschilder, ohne Gully.
Dazu das Wetter, hei├č, st├╝rmisch, windig, unbest├Ąndig, diesig, gewittrig, kalt. Unpassend.
Nein, diese Stra├čen f├╝hren nicht dahin, wo ich gerne w├Ąre. Sie f├╝hren alle fr├╝her der sp├Ąter zu dem riesigen Unget├╝m, das seine Spuren ├╝berall dort hinterlie├č wo sein unaufhaltsamer Drang nach Herrschaft und Kontrolle es hingef├╝hrt hatte.
Will ich diesem Weg folgen? Nein, sicher nicht. Was wenn ich es eines Tages einholen w├╝rde? Nicht auszudenken.
Und so stehe ich an dieser Kreuzung, unentschlossen, angewidert, allein.
Ein Zur├╝ck gibt es nicht, denn hinter mir versucht ein Blizzard, wohl vergeblich, die unzerst├Ârbare Spur des Gr├Â├čenwahns auszuradieren, auf der zu meinem Bedauern auch ich gewandelt bin.
Ich w├╝nsche ihm alles Gl├╝ck der Welt und ├╝berlege, ob ich vielleicht warten soll bis er die Kreuzung erreicht.
Er k├Ânnte mich doch eventuell an einen Ort tragen, der ohne Stra├čen auskommt und wo ich noch einmal von vorne beginnen kann. Er kennt sich aus, dies ist sein Reich.
Auf der anderen Seite wird er sicher w├╝tend sein, dass er der Herausforderung nicht gewachsen ist und es eine neue Gewalt in seinem Universum gibt, eine herrschs├╝chtige, kranke, unberechenbare Gewalt.
Die Windst├Ąrke nimmt zu und ich sp├╝re gleich, dass weder Sanftheit noch Mitleid in dem Zerren an meinen Kleidern und Haaren liegt.
Er meint es ernst.
Also los, eine Entscheidung muss her. Rechts, Links, Mitte oder Ene-Mene-Muh?
Ich sp├╝re die K├Ąlte in meinen Nacken kriechen, das emp├Ârte Brausen scheint zumindest die Luft wieder in v├Âlligen Besitz genommen zu haben.
Entscheide dich!
Verzweifelt schlie├če ich die Augen und drehe mich im Kreis, doch ich traue mich nicht anzuhalten.
Da erfasst mich eine B├Âhe; ein starker materieloser Arm umfasst mich mit wirbelndem Griff. F├╝r wenige Sekunden schwebe ich ├╝ber dem Schlachtfeld in weitgehend unumfochtenem Hoheitsgebiet.
Trotz der K├Ąlte ein Gef├╝hl von Geborgenheit.
Aber die Truppen werden an die Hauptfront zur├╝ckbeordert und setzen mich mit einem finalen Sturz au├čer Gefecht; glauben sie vielleicht, doch der Grund, auf dem ich aufschlage ist weder hart noch schwarz.
Ich liege abseits der Spur auf einer Wiese, einer ziemlich feuchten Wiese. Knietief sinkt man hier ein und das Wasser hat schnell Schuh und Strumpf durchn├Ąsst.
Trotzdem stehe ich aufrecht, schaue zur├╝ck auf meinen Retter und betrachte seinen aussichtslosen Kampf. Der K├Ânig wird fallen, soviel ist sicher.
ÔÇ×Adios!ÔÇť
Ein letztes Mal winke ich ihm zu ehe ich mich auf den Weg mache, auf meinen Weg, meinen eigenen.
Und ich l├Ąchle vor mich hin w├Ąhrend der Schlamm unter meinen F├╝├čen schmatzt und ein Blick in die Ferne eine anstrengende Reise verspricht.
Herrlich.

__________________
She trusts him well, but not completely

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Franka
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Hallo Somo,

wie du siehst, wurde dein Text erst/oder bereits 12x gelesen/oder angeklickt. Ich tat es nun wiederholt. Noch immer wird mir nicht klar, was er mir sagen will/soll.
Auch handwerklich hapert es nach meiner Meinung.
Ich versuche einmal eine Interpretation:
Das ÔÇťIchÔÇŁ will weg, sucht ein neues Ziel, will nicht mehr die ausgetretenen Wege gehen, will seine Wege, sein Leben selber bestimmen. Dann geschieht etwas mit ihm, ein Sturm wird zum Retter, er erh├Ąlt die M├Âglichkeit seinen Weg zu erfinden.
Wenn ich damit richtig liege, tr├Ągt dieser Text zu viel Ballast. So zum Beispiel die Beschreibung, den Zustand der Wege. Auch das Wetter ist dann unwichtig. Wobei ansonsten eine Entscheidung f├╝r eine M├Âglichkeit nicht schlecht w├Ąre
Nicht herauslesen kann ich die ├ťbersetzung f├╝r das Ungeheuer und f├╝r den Retter.
Der Text bleibt mir verschlossen. Er macht keine Lust auf mehr. Schade.

LG Franka

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Somo
Wird mal Schriftsteller
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hallo franka,

deine vorsichtige interpretation trifft den kern der sache schon ganz gut.
nur wird zus├Ątzlich noch die beziehung mensch-natur thematisiert.
der mensch ist dabei das "Unget├╝m" und ich f├Ąnde es etwas zu einfach dazu eine ├╝bersetzung zu liefern.
die beschreibung der stra├če soll lediglich zeigen, dass keine zus├Ątzliche zeit in ihren bau investiert wurde, nur m├Âglichst schnell fertig werden, m├Âglichst schnell den stempel aufdr├╝cken; und das egal in welcher landschaft, egal bei welchem wetter.
wobei die wetterbeschreibung sich auch auf die unentschlossenheit bzw zwiegespaltenheit des lyr. ichs bezieht, das auch eine verkorkste beziehung zur natur hat und im grunde die monotonie der stra├če auch auf das wetter ├╝bertragen den weg erleichtern w├╝rde.
das dazu...
achja und die ├╝bersetzung f├╝r den retter hast du dir doch selbst schon gegeben.

alles im allem schade, dass der text nicht so verstanden wird, wie ich mir das gedacht hatte..und die zweierbewertung, falls nicht von dir franka, k├Ânnte sich ja auch mal melden.
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Franka
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Hallo Somo,

in der Lyrik lasse ich es mir gefallen, wenn ein Werk erst von mir "ge├Âffnet" werden muss. Bei Prosawerke m├Âchte ich nicht auf eine Gebrauchsanleitung f├╝r den Text angewiesen sein. Vielleicht solltest du dein Werk noch einmal gr├╝ndlich ├╝berarbeiten. Auch k├Ânnte die sprachliche Umsetzung noch reichlich Politur vertragen.
Mal als Beispiel/Vorschlag:
Hunderttausend Wege. Asphaltiert. Dicke, schwarze Bremsspuren durch rotsandige W├╝sten, wilde Steppen und saftige Wiesen. Wege ohne Markierung, ohne Leitplanke, ohne Stra├čenschilder. Wege ohne Anfang und Ende. Wege, die mein Ziel nicht kennen.

LG Franka

PS. Die "2" ist nat├╝rlich nicht von mir, da du sonst daneben meinen Namen lesen k├Ânntest.

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HFleiss
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Hunderttausend Wege

Somo, du hast etwas probiert, was man sonst eigentlich nur in der Lyrik versucht: einen wirklichen Zustand in eine Metapher umzuschreiben. Doch was ist das Ungeheuer, woher kommt es, warum empfindet das Ich es als Bedrohung, wenn es ihm hilft, am Ende doch einen Weg zu finden? Ich verstehe sehr gut dein Unbehagen, ausgetretene Wege gehen zu m├╝ssen, deine Lust, auszubrechen und den dir gem├Ą├čen Weg zu finden. Aber alles bleibt doch mehr oder weniger im unklaren, es ist kein M├Ąrchen, es ist keine wirkliche Metapher, und schon gar nicht ist es eine aktive Auseinandersetzung mit einem unbefriedigenden Zustand, es ist leider, pardon, das ├╝bliche, das man schon so und anders bis zum Einduseln kennt.

Gru├č
Hanna

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