Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
380 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hunger
Eingestellt am 23. 04. 2006 09:14


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Marc Hecht
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2006

Werke: 7
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Marc Hecht eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hunger


Die Dinge wurden kurios. Er sa├č in der K├╝che und hatte Hunger. Und er hatte kein Geld mehr.
„Hunger, man soll es nicht glauben\", murmelte er, und er ├Âffnete noch mal die Schr├Ąnke, sah noch einmal nach - es war jedoch beim besten Willen nichts zu machen. Bis auf eine Konserve mit gesch├Ąlten Tomaten waren die Regale leer. Im K├╝hlschrank lag ein kleiner Rest Butter und ganz hinten stand ein fast leeres Glas Salzgurken. Gesch├Ąlte Tomaten – ohne alles - oder ein St├╝ck Butter - sollte er das vielleicht essen? Nein, dann lieber gar nichts.
Mutlos sa├č er am K├╝chentisch und starrte zu Boden. Was f├╝r eine verfahrene Situation! „Man hungert heute nicht mehr\", sagte er sich noch einmal, flehentlich fast, als lie├čen sich die Regale allein durch diese Feststellung wieder f├╝llen. „Man hungert heute nicht mehr. Jedenfalls nicht in Berlin. Das ist albern!\"
Verzweifelt blickte er umher. Nat├╝rlich, er m├╝sste nicht hungern. Er m├╝sste in eines dieser ├ämter gehen, sich melden – erwerbslos melden - und dann bek├Ąme er Geld. M├╝sste nicht mehr hungern. Und m├╝sste auch nicht hilflos zusehen, wie die vielen Kleinigkeiten des Lebens pl├Âtzlich zu Bedrohungen wurden, jede f├╝r sich gro├č und gef├Ąhrlich: abgelaufene Schuhsohlen! Nichts war schlimmer als abgelaufene Schuhsohlen. Und vor einigen Tagen hatte er versucht, sich die Haare selbst zu schneiden. Sie standen ab, seine Haare, ungepflegt, in allen Richtungen, vorn und hinten zu lang und an den Schl├Ąfen hingen sie schon ├╝ber die Ohren und er bekam sie kaum noch glatt gek├Ąmmt. Er hatte in den Spiegel geblickt, die Schere dann jedoch wieder weggelegt und sich nicht getraut.
Und er war wunderlich geworden: Beim B├Ącker hatte er nach Kuchenresten gefragt. Fr├╝her, als Kind, hatte er Kuchenreste bekommen, kurz vor Feierabend, wenn die B├Ącker die Regale leerten. F├╝r 20 Pfennige, eine gro├če Masse Kuchenreste.
Heute aber gab es keine Kuchenreste mehr. Die Verk├Ąuferin hatte ihn angesehen, verwirrt. Und auch ein paar ├Ąltere Damen, die Kundinnen hinter ihm, ma├čen ihn ab und blickten schlie├člich ver├Ąchtlich an ihm vorbei.
Und jetzt sa├č er hier, in der K├╝che, zusammengesunken. Und wie er es auch drehte und wendete: Er hatte kein Geld mehr. Und er hatte Hunger.
Nein, er wollte nicht zu diesen ├ämtern. Das w├Ąre ja die letzte Bankrott-Erkl├Ąrung, die Allerletzte! Immerhin hatte er seinen Beruf von sich aus gek├╝ndigt. Einen guten Beruf, als Redakteur. Kein Mensch hatte ihn dazu gezwungen. Er hatte seine Arbeit nicht „verloren\", er war nicht „abgewickelt\" worden, – nein, er hatte den Job aufgegeben. An der Garderobe abgegeben, sozusagen. Um richtig zu schreiben. Und alle hatten sich gewundert. Warum denn nur? Besser ginge es doch gar nicht! Und schreiben k├Ânne man doch auch „nebenbei...\"
Mit 20 000 war er an den Start gegangen. Das war immerhin so h├Ąngen geblieben, in den Jahren als Redakteur. Und er hatte sich reich und unverwundbar gef├╝hlt. Aber nun war die Zeit davon gerast, das Geld war weg – er war umhergereist - und er hatte nichts zuwege gebracht. Kaum etwas, jedenfalls, nicht ann├Ąhernd das, was man einem Verlag als Manuskript anbieten k├Ânnte. Skizzen, Pl├Ąne, Gedanken, bestenfalls die grobe Richtschnur f├╝r einen Roman, mehr nicht. Und ein Jahr war jetzt vergangen! W├╝tend starrte er zu Boden.
Vor kurzem hatte er eine Geschichte gelesen. Eine kleine Geschichte von Kesten, der erz├Ąhlte, wie er einmal Gerhart Hauptmann zum Bahnhof begleitet hatte. Hauptmann war da schon ein alter Mann und der Zug war ├╝berf├╝llt. Trotzdem hatte sich der alte Mann sofort auf seinen Sitz gezw├Ąngt, hatte Papiere und einen Stift aus der Tasche gekramt und sich an seine Arbeit gemacht. Als der Zug ausfuhr, war er schon ganz vertieft und hatte zum Abschied nicht einmal mehr aufgeblickt. Hauptmann hatte gearbeitet, zielstrebig. Gleichg├╝ltig, wie laut und beengt die Umgebung auch sein mochte. Wie es sich geh├Ârte. So geht man mit der Zeit um!
Aber er selbst? Ein ganzes Jahr war verstrichen! Und jetzt sa├č er in seiner K├╝che und hatte Hunger. Hilflos sah er sich um, hing Gedanken nach, Fetzen von Gedanken, floh vor der traurigen Situation, erging sich in Betrachtungen: „Es geht schnell zu Ende\", dachte er zum Beispiel, „...wenn es einmal soweit ist, geht es schnell. Nicht langsam und schleichend – nein, mit Karacho. Ganz pl├Âtzlich fehlt’s an allem....und man kommt nicht mehr zur Ruhe.\" Die Miete war jetzt den zweiten Monat ├╝berf├Ąllig. Jeden Tag konnte der Vermieter vor der T├╝r stehen. Hin und her sprangen seine Gedanken, eilten von Sorge zu Sorge: „...und sie werden mir auch noch den Strom abdrehen! Den Strom, die Heizung – alles was man abdrehen kann, wenn nicht mehr gezahlt wird... und nicht einmal versichert bin ich noch, wenn ich jetzt stolpere und mir ein Bein breche? ...Man darf ja gar nicht daran denken....\" Zum Verzweifeln war das alles, er f├╝hlte sich m├╝de und weidwund. Und er hatte Hunger.
Der Hunger kann ausgeschaltet werden, wenn man nachdenkt – aber irgendwann meldet er sich nat├╝rlich immer zur├╝ck.
Immerhin gab es viel zu bedenken. Jeder Tag war jetzt voller Gefahren, ├╝berall lauerten Miseren, Schwierigkeiten.
Es wurde Fr├╝hling. Die Sonne schien hell in die gro├čen Fenster und tauchte alles in ein glei├čendes, lebensfrohes Licht; die B├Ąume bl├╝hten, es wurde gr├╝n – aber in diesem Jahr konnte er sich kaum erfreuen, am ewigen Wunder; seine Geldsorgen ├╝bert├╝nchten alles, er hatte keinen Blick daf├╝r. Ruhelos war er auf- und abgegangen, aufgew├╝hlt, hilflos. Endlich verlie├č er die Wohnung, entschlossen, und marschierte davon.
*
Ger├╝ste, Kr├Ąne und Baustellen pr├Ągten damals die Stadt. Am Potsdamer Platz ragten l├Ąngst schon stolz die Wolkenkratzer in den Himmel, das neue Kanzleramt war gebaut, der Reichstag renoviert, der Lehrter Bahnhof begann neue Dimensionen anzunehmen - alles erstrahlte in neuem Licht; aber im Kleinen wurde noch ├╝berall gebaut und erneuert. Ganze Stra├čenz├╝ge waren damals einger├╝stet, im Ostteil der Stadt, Handwerker waren am Werk, emsig, an diesem hellen Maitag atmete die Stadt anpackenden Elan, Aufschwung und Neubeginn, Hoffnung und Zuversicht – er aber marschierte durch diese Stadt, taumelnd fast, und sp├╝rte, wie er immer tiefer sank, wie er seine Kraft, seine Zuversicht immer mehr verlor. Niedergeschlagen marschierte er Unter den Linden entlang, ├╝ber die Engels-Br├╝cke, sah die wei├čen Ausflugsdampfer auf der Spree, voller Menschen an Deck, die gespannt, in Ausflugsstimmung umhersahen, fotografierten, fr├Âhlich waren.
Vom Zeughaus marschierte er bis runter zum Brandenburger Tor. Er kam an einem Bratwurst-Stand vorbei und der Grillgeruch der W├╝rste stieg ihm in die Nase. Er schritt schneller voran, verbissen, und endlich fand er, wonach er suchte: Ein Mann spielte Saxophon, direkt am Pariser Platz. Der Mann trug einen grauen Mantel, und sein Instrument war arg l├Ądiert, an vielen Stellen war der Lack ab vom Saxophon. Vor sich hatte der Mann den Instrumentenkasten gelegt, aber nur wenige kleine M├╝nzen verloren sich darin. Variationen waren es, immer wieder die gleichen T├Âne, Tonleitern rauf und runter, ohne Anfang und Ende, es klang gef├Ąllig, insgesamt jedoch blieb es viel zu beliebig, um wirklich die Menschen zum Aufhorchen und Bleiben zu bekommen.
Er stand vor dem Mann, h├Ârte eine Weile zu, ging ein St├╝ck weit weg, sah aus der Entfernung zu... die Touristen fotografierten und staunten, vor der Quadriga und dem Brandenburger Tor, und beachteten den Saxophonspieler dabei kaum.
Er hatte sich zurecht gelegt, dass auch er vielleicht Saxophon spielen k├Ânnte, auf der Stra├če. Er spielte ganz leidlich; allerdings hatte er seit einer Ewigkeit keine Praxis mehr darin. Aber dennoch – einen Versuch war es jetzt wert.
Zuvor jedoch wollte er sich die Sache ansehen, bevor er selbst loslegte. Und was er sah, machte ihm kaum Mut. Hier, auf dem Pariser Platz, war es ganz unm├Âglich. Hier wurde man zu wenig beachtet. Was ist schon ein abgerissener Saxophonspieler gegen das Brandenburger Tor? Er beschloss, wenn ├╝berhaupt, weiter oben zu spielen, an der Ecke zur Friedrichstra├če.
Und wenn ihn jemand erkannte? Nicht auszudenken! „Ich m├╝sste einen Hut aufsetzen\", hatte er ├╝berlegt, „und eine Sonnenbrille.\"
Nach einiger Zeit wusste er zumindest, wie man es am besten anstellte. Den gr├Â├čten Erfolg hatten die Musikanten, die ein tragbares CD- oder Cassettenger├Ąt bei sich hatten, die g├Ąngige Musik durch ihre Anlagen spielten und dazu improvisierten. Man hatte einen doppelten Effekt dadurch - und die Blicke der Passanten richteten sich viel schneller auf Einen.
Aber woher sollte er so ein Ger├Ąt nehmen? Kaufen kam zur Zeit ja nicht in Frage. Er verwarf die Idee mit dem Saxophon. M├╝de ging er wieder nach Hause.
*
„Hunger, man soll es nicht glauben. Romantisch war das ja geradezu, trivial. Albern! Hamsun hatte Hunger, aber das war vor mehr als 100 Jahren... und in Norwegen.\" Er ging durch die Wohnung, ruhelos, hatte den Punkt erreicht, an dem das Elend ├╝berm├Ąchtig wird. An dem es vorbei war, mit der Ruhe. Selbst auf die Arbeit konnte er sich nicht mehr konzentrieren. Den vierten Tag hatte er nicht gegessen, den zweiten Tag nicht mehr geschrieben, keine einzige Zeile. Es war pl├Âtzlich gar nicht mehr daran zu denken. Die Gedanken kreisten nur noch um eine Frage: Was tun?
Und um den Hunger.
Um den Durst nicht, Wasser gab es ja.
Aber er h├Ątte sich gern mal wieder richtig besoffen. Um alles f├╝r einen Abend zu vergessen. Und er h├Ątte gern geraucht. Gesoffen und geraucht, wie fr├╝her, in den guten Tagen. Damals hatte er f├╝r eine Havanna-Zigarre so viel Geld ausgegeben, wie heute f├╝r eine ganze Woche Proviant. W├╝tend k├Ânnte man werden, rasend vor Wut, alles war so furchtbar falsch gelaufen, man war einem sch├Ânen Traum hinterher gerannt. Schriftsteller - Gr├Â├čenwahn! Ein paar Nummern zu gro├č. Und jetzt waren sie da, der Hunger und das Elend.
Er lie├č sich schwer auf einen Stuhl fallen, sein Blick fiel auf die Armbanduhr. Nat├╝rlich – die Uhr! Es schoss ihm durch den Kopf. Der Geistesblitz, das war’s! Schnell stand er auf, ging durch die Wohnung, kramte in Schubladen – und kehrte schlie├člich zur├╝ck in die K├╝che, legte seine Sch├Ątze auf den Tisch. Die Uhr – von Gucci - der goldene F├╝llfederhalter - die goldenen Manschettenkn├Âpfe. Was k├Ânnte er daf├╝r bekommen? Er starrte auf die Sachen, ├╝berlegte, stand mit einem Ruck auf, steckte alles in die Tasche und verlie├č wiederum die Wohnung. Zum zweiten Mal an diesem Tage. Ihm war flau im Magen. Alles war unwirklich.
*
Er hatte kein Geld mehr f├╝r die Bahnfahrt – trotzdem fuhr er bis ans andere Ende der Stadt. Schwarz. Niemand sollte ihn sehen, treffen, zuf├Ąllig. Mulmig war ihm auf der Fahrt, aber schlie├člich ging es gut.
Am Theodor-Heuss-Platz stieg er erst wieder aus. Zweimal umkreiste er dann das Leihhaus, direkt am belebten Platz lag der Eingang und es flanierten immer viele Menschen daran vorbei. Schlie├člich nahm er jedoch seinen Mut zusammen, steuerte auf den Eingang zu, ├Âffnete die T├╝r und verschwand schnell.
Das Leihhaus lag im ersten Stock. Er stieg die Stufen hinauf. Im Geiste sah er verzweifelte Menschen vor sich, gleich, in wenigen Sekunden. Vor ihm in einer langen Schlange. Verzweifelte Menschen, die Ihr Gold, ihren Schmuck, ihre Habseligkeiten verpf├Ąnden m├╝ssen – und am Schalter sitzt ein alter b├Âser und geiziger Mann, mit einer Lupe am Auge, mit Habichtsblick - und be├Ąugt das Gold, den Schmuck - oft in den sch├Ânsten Stunden des Lebens bekommen, bei Hochzeiten, Verlobungen, behaftet mit den wunderbarsten Erinnerungen – be├Ąugt es unerbittlich und kr├Ąchzt dann einen Preis heraus, der nicht ann├Ąhernd mit den Vorstellungen der Verzweifelten ├╝bereinstimmt. Eine Szene wie bei Balzac, bei Zola, bei Dickens. Dantes Inferno. Fegefeuer. So etwas schwante ihm, als er – zum ersten Male in seinem Leben - eintrat, ins Leihhaus.
Aber es war m├Ąuschenstill und leer. Nur ein kurzer Flur f├╝hrte in den Schalterraum, mit leisen Schritten betrat er ihn, ├╝ber einen Teppich, der jedes Ger├Ąusch verschluckte. Durch dickes Glas sah er auf zwei Pl├Ątze, zwei Schalterpl├Ątze, wie in einer Bank. Beide Pl├Ątze waren leer. Au├čer ihm war niemand im Raum. Verwundert sah er sich um. An den W├Ąnden waren Vitrinen ausgestellt, mit Uhren, F├╝llfederhaltern, Schmuck. Er blickte auf die Vitrinen, nahm sich inst├Ąndig vor, dass seine Sch├Ątze dort nicht landen werden, dass er sie rechtzeitig wieder ausl├Âsen werde. Unsicher sah er sich weiter um. Was nun? Schlie├člich erblickte er eine Klingel an der Glaswand. Er klingelte also, aber die Klingel blieb lautlos. Trotzdem schlurfte jetzt, aus einer hinteren unsichtbaren Ecke des Raumes, jemand zum Schalter. Ein Mann kam hervor, mittelalt, sehr freundlich. Dick, mit rosigem Gesicht. Betont jovial. Sofort bem├╝ht, seiner Kundschaft die Scham zu nehmen, vor seinem Schalter, durch besonders zuvorkommende Freundlichkeit, in seinem Blick lag – unausgesprochen, aber chronisch: ‘Wir sind doch alle Mal irgendwann in Schwierigkeiten. Daf├╝r muss man sich doch nicht sch├Ąmen.’
Der Mann besah sich die Dinge schlie├člich, nacheinander, pr├╝fend – und fragte dann: „Na, und nun mal rundheraus...was brauchen Sie denn so?\"
Er starrte den Mann an. Die Frage ├╝berraschte ihn, was sollte er sagen? Was er brauchte? 10 000 Euro, um alle Schulden zu zahlen und noch ein Jahr zu schreiben. Das brauchte er. Ben├Âtigte er. Auch im Leihhaus sollte man sprachlich korrekt bleiben. Aber was seine Sachen hier wert waren – davon hatte er nun keine Ahnung. Deshalb entschloss er sich zur Offensive: „Was k├Ânnten Sie denn geben?\"
Der Mann fingerte wieder herum, nahm alles noch einmal in die Hand. Zu den Manschettenkn├Âpfen sagte er Manschkn├Âs. Und f├╝r den F├╝llfederhalter, f├╝r die Uhr und die Manschkn├Âs k├Ânnte er insgesamt also 1200 geben. Ob das in Ordnung w├Ąre?
1200! Das war viel mehr, als er erwartet hatte! 1200! Das war gro├čartig! Auszul├Âsen in drei Monaten, sogar verl├Ąngern war m├Âglich. Ein Hauch von Morgenr├Âte tauchte pl├Âtzlich auf, wenigstens konnte er wieder essen, trinken, rauchen, f├╝r einige Wochen. Und ein bisschen Miete zahlen. Wie ein normaler Mensch. Zum Friseur gehen, zum Schuster. Klopapier kaufen. Vorr├Ąte. Und wieder ein paar Wochen schreiben. ... Ein Geschenk war das! Und dies nur f├╝r einen F├╝llfederhalter! Wozu war der schon gut? Ein Bleistift tat’s ja schlie├člich auch. Und Uhren gab’s an jeder Ecke, wer brauchte heute noch eine Uhr? Und Manschkn├Âs erst! Etwas ├ťberfl├╝ssigeres als Manschkn├Âs gab’s ja gar nicht. Nichts davon tat wirklich weh.
Und f├╝r die Zukunft muss man es dann eben sportlich nehmen. Es eben schaffen, die Dinge hier rechtzeitig wieder auszul├Âsen. Immer sch├Ân flei├čig sein! Weiter schreiben! Nicht aufgeben. Dann wird es schon alles...jetzt ist erst mal ein paar Wochen Ruhe.
Dies alles schoss ihm durch den Kopf, in einer Sekunde, und der Mann hinter dem Schalter wartete immer noch auf eine Antwort.
Er sagte deshalb, lapidar, unbeteiligt: „1200? Ok! Aber kleinere Scheine, wenn’s geht.\"
Und er nahm die 1200, gelassen, in kleinen Scheinen, verlie├č lautlos das menschenleere Leihhaus und trat wieder auf die Stra├če.
Die Sonne schien, alles wurde gr├╝n - und er f├╝hlte sich pl├Âtzlich wie ein K├Ânig.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!