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Leselupe.de > Gereimtes
Hymenaios
Eingestellt am 05. 08. 2003 12:50


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weghenkel
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

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Hymenaios

1

Es fließt die Zeit, ein Strom, dem Dunkel zu,
Das nirgends wohnt und keine Namen kennt,
Es treibt, die Wasser ahnend, ein Kanu
Über den Abgrund, das ihr Leben nennt.

Manchmal nur tönt die königsblaue Luft,
Und glÀsern legt ein Lied sich auf das Boot
Und trÀgt es sanfter. Eines Ackers Duft
Weht her vom Ufer, und ein Morgenrot.

Augenblick Dauer wehrt den Fluß der Zeit,
Und Krokus, Blume des Exils, blĂŒht auf,
Ihr nehmt die Ufer euch, das Land ist weit,
Ihr zwingt die Wasser, steuert ihren Lauf.

Nur, wenn das Lied vergeht, zurĂŒck euch lĂ€ĂŸt
Im Kahn: dann haltet aneinander fest.

2

Es blĂŒhn die GĂ€rten in euch, wenn sie blĂŒhn.
April, die Zeit der Hoffnung, Zeit der Saat,
Die Erde aufbricht, Licht gebiert und GrĂŒn,
Ihr tragt sie in euch, heut, und kein Verrat

Findet ein Lager dort, und auch nicht Schmerz,
Wo sich begegnen Aug und Spiegelbild
Im Ineinander, in der Tiefe Herz,
Das wie ein Vogel schlÀgt, so warm und wild.

Im Labyrinth der Augen tanzt der Stein,
Und Stundenschlag verhallt lautlos im Quarz.
Der Kiesel ist GefÀhrte euch, und Wein
Ist der Herzrinde Blut, ein sĂŒĂŸes Harz.

Vielleicht bleibt, Bernstein, das von euerm Gut,
Wenn in das Dunkel forttreibt euch die Flut.
__________________
weghenkel

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wondering
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schön

Hallo,

ein bißchen Heym ein bißchen Brecht und viel Eigenes wird hier zu einem schönen Text. Exakt im Maß und wunderbare Bilder.
Allein was mich stört, ist der hÀufige Gebrauch von "und"...
Zeilen 6 und 7 (hier fand ich selbst keine Lösung)
Zeile 10, warum nicht einfach Der Krokus...
in 2 Zeile 6 will sich "...,und auch nicht der Schmerz" mir gar nicht erschließen, "und nicht den Schmerz" hĂ€tte ich verstanden...

die Vorstellung, am Ende in Bernstein konserviert, fort zu bestehen, ist toll.
Viele Punkte und GrĂŒĂŸe
wondering
__________________
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie woanders zu suchen.

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weghenkel
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

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Und Krokusse

Liebe A.H.,
ich glaube, die hast in etwa die Schwachstellen dieses Doppelsonetts aufgespĂŒrt. Aber sie sind nicht so einfach auszumĂ€rzen (bzw. auszumerzen).
Vorher noch zum Hintergrund:
Das war wirklich ein Gelegenheitsgedicht im eigentlichen Sinne des Wortes - wenn auch die Gelegenheit schon etwas lĂ€nger zurĂŒckliegt: die Hochzeit eines Cousins von mir. Gepostet habe ich es sozusagen als werkimmanenten Kommentar zu in letzter Zeit hĂ€ufig vorkommenden Texten, in denen sexuelle Augenblickserlebnisse thematisiert wurden, der Blick auf eine möglichst lebenslang wĂ€hrende Liebe aber eben außerhalb der poetischen Reichweite lag. Wenn sie nicht, wie zuletzt in Ramona Linkes Text NUR DREI ZEILEN, doch etwas banal mit Blumen in der Hand daherkam.
Die UNDs wirken tatsĂ€chlich nicht sehr elegant. Aber es kommt ihnen eine inhaltliche Funktion zu, die entfiele, striche und ersetzte ich sie (was an einigen Stellen rhythmisch durchaus machbar wĂ€re, ohne den Endecasillabo/Blankvers beeintrĂ€chtigen zu mĂŒssen): sie signaliseren nĂ€mlich, daß sich eins aus dem anderen ergibt.
Auch wenn ich DER Krokus schriebe, wĂ€re damit eine inhaltliche Verschiebung verbunden. Mir geht es um den Gattungsbegriff, der hier sozusagen im Sinne einer kleinen Gottheit personifiziert ist (der Gedanke, der Krokus sei die Blume des Exils, ist ĂŒbrigens ein Celanscher). Ich könnte ja z.B. auch schlecht sagen: DIE Astrid, Kind der Poesie, erwacht. Da mĂŒĂŸte es schon UND heißen, oder? :-)
Dennoch, ich werde diesen Text noch einmal genau unter die Lupe nehmen und schauen, was sich noch verbessern ließe.
Hab also herzlichen Dank fĂŒr deine Anmerkungen.
P.S. Die Verszeile 5 des zweiten Sonetts löst sich paraphrasiert folgendermaßen auf:
Weder Verrat (Vers 4) noch Schmerz (Vers 5) werden dort ein Lager finden bzw. sich einnisten können, wo die beiden JungvermĂ€hlten ehrlich und aufrichtig miteinander umgehn, auch in kĂŒnftigen Zeiten (so daß sie sich immer gegenseitig in die Augen schaun können und gleichzeitig sich selbst im Spiegel nicht verleugnen mĂŒssen). Aber das ist natĂŒrlich in letzter Konsequenz ein frommer Wunsch. - Dennoch scheint dieses Paar tatsĂ€chlich in gewisser Hinsicht die Ausnahme zu sein: nĂ€mlich insgesamt glĂŒcklich. (Womöglich hat dieses Doppelsonett sie, ihnen ins Stammbuch der Ehe geschrieben, sogar ab und zu im Bewußtsein gestanden.)
Nun will ich es aber gut sein lassen.
Nochmals herzlich:
__________________
weghenkel

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lapismont
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M O D E R A T I O N

Hallo weghenkel,

bitte keine abwertenden Kommentare ĂŒber Texte anderer Autoren abgeben. Auch nicht zu Vergleichszwecken.
In diesem Thread bist Du der Autor, nicht der Kritiker.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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weghenkel
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Ach ja, die Elfen

Lieber Lapismont, werde fĂŒrderhin deine Forderung befolgen.
Auch wenn ich der Meinung bin, ich hĂ€tte mich doch recht verhalten geĂ€ußert (um thematische Linien zu verdeutlichen). Und da ich in Ramonas Thread auch direkt und offen eine m.E. nicht gerade diffamierende Kritik gepostet hatte (also hier nicht sozusagen hintenherum und verdeckt agiere), dachte ich schon, daß Querverweise denkbar sind.
Aber du hast mich belehrt. Ich liebe meinerseits auch gelehrige SchĂŒler. Und werde damit Vorbild sein und so etwas nie, nie wieder tun. Großes Pionierehrenwort: Nur noch Kritiken im betreffenden Thread selbst.
Gruß:
__________________
weghenkel

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vanHoughten
Guest
Registriert: Not Yet

Ein sehr schönes melodiöses Gedicht. Es schwingt.
Wenn auch, zumindest fĂŒr mich, so richtig verstĂ€ndig erst nachdem ich wußte wie es entstanden ist. Bei einer Hochzeit, bzw zu einem Hochzeitstag. Der die HOCH-ZEIT jedes Jahr aufs Neue erneuert.
Ich hab die Betonung beim lesen fĂŒr mich etwas verĂ€ndert, und schon hat gepasst, was mir vorher erst mal nur gefallen hat.
Ich muß lapismont allerdings Recht geben, abwertende Kommentare, damit meine ich NICHT Kritik, stehen einem "Fast-Bestseller-Autor" nicht gut zu Gesicht.

Denn erst der, besitzt wahre GrĂ¶ĂŸe, der auch das Kleine neben sich (an)erkennt und respektiert

"Es stört mich nicht" sagt der Weise "solange ich darĂŒber hinwegschauen kann"

das war jetzt ein echter vanHoughten
wenn's nich schon mal vorher irgend jemand gesagt hat.
...ah, hat er bestimmt dieser Irgendjemand ..

...ich glaub ich bin besoffen, ich fange an zu viel zu sophieren

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vivien
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo,

darf ich auch nur sagen, ja es gefÀllt mir,
auch wenn ich keine Argumente bringe?
Sorry.
Weghenkel, dein Gedicht ist sehr schön,
es gefÀllt mir sehr gut,
es ist ein Hochgenuß,
danke, vlg viv.

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