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Leselupe.de > Kurzprosa
I
Eingestellt am 06. 09. 2018 20:15


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Bernd
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quote:
Interessant ist es zu vermerken, dass es in der Menge der komplexen Zahlen keine Ordnungsrelation
kleiner als „<“ oder grĂ¶ĂŸer als „>“ gibt (im Gegensatz z.B. zu den reellen Zahlen). Von zwei unterschiedlichen
komplexen Zahlen lĂ€sst sich nicht sagen, welche die grĂ¶ĂŸere bzw. die kleinere Zahl ist,
weil der Menge ein lineares, eindimensionales Ordnungsprinzip fehlt. (Wikipedia)
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„RĂ€um endlich auf!“, sagte meine Mutter und warf die TĂŒr hinter mir zu. ringsumher fand ich ein völliges Durcheinander, geradezu ein Wirrwarr von Zahlen, die sich Richtung Ausgang drĂ€ngelten. Alle standen dicht an dicht und ich dachte: „Wie soll ich das nur schaffen“. Ich versuchte, mich im GedrĂ€ngel zurechtzufinden, aber kaum fand ich etwas Platz, genauer, kaum schien ich etwas Platz zu finden, drĂ€ngelte sich ein Nachbar zwischen mich und mein Zimmer. Ich vergaß, wĂ€hrend ich angestrengt darĂŒber nachsann, wo ich mich eigentlich befand, genauer, wo ich mich befĂ€nde, wenn es ein Wo geben wĂŒrde. Aber jedes Wo war winzig klein, viel kleiner noch, als die ElementarlĂ€nge, mit der ich mich auskannte, seit ich mit meinen Freunden ein Feld damit abgesteckt hatte.
Ich sagte, als ich endlich einen in meiner NĂ€he zu Gesicht bekam, der nicht mit allen anderen verschmolz: „Wollen wir spielen?“ Da war er schon fort und ich entschloss mich, das Spiel Blindekuh zu nennen. Der andere war so nah, dass viele ihn mit mir verschmolzen sahen, alle, die mich umgaben, versuchten, sich zwischen mich und meinen neuen Freund zu drĂ€ngen. Wir hingen aneinander und waren doch voneinander entfernt, jeder von uns hatte eine Unzahl von Nachbarn, die sich zwischen uns drĂ€ngeln wollten. Doch sie kannten mich schlecht. Ich fasste meinen Freund bei den HĂ€nden und so tanzten wir zwischen all den Zahlen umher.
In der geringsten Entfernung glichen wir uns wie ein Ei dem anderen. Und doch waren wir verschieden, wie man nur sein kann.
Wir durchsuchten nicht nur die Ebenen, die uns umgaben, nein, wir krochen durch all die unendlichen Weiten, das Seepferdchental, die Spiralen der Arme, all die seltsamen Figuren, die wir durch einfachste Transformationen erreichten. Wir waren dann im Hotel, die Zimmer lagen völlig durcheinander, ich fand den Ort einfach nicht, den ich aufrÀumen sollte.
Dann kam ich ein eine Menge, die war viel mĂ€chtiger als die, in der ich geboren wurde, wenn man von Geburt sprechen kann, denn ich war immer schon innen und außen und bei der Geburt war ich mir ĂŒberhaupt nicht bewusst, wie mir geschah.
Ich versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen, doch war das schwierig, denn mein Gehirn war völlig leer und kein Gedanke fand Platz, mit dem ich weitere Gedanken begrĂŒnden konnte, die ich denken, ĂŒber die ich denken wollte.
AllmĂ€hlich wurde mir bewusst, dass es mir schwerfallen wĂŒrde, Ordnung zu schaffen, denn meine Umgebung erwies sich als Chaotisch, und ohne das Chaos, so erschien es mir, wĂŒrde ich nicht existieren, ich wĂ€re wie in Tropfen Öl in einer Plastflasche im KĂŒhlschrank hinter der Butter.

Wieder durchlief ich einen Transformationszyklus und fand Julia, die Schöne, die sich immer Ă€nderte und doch gleich blieb, aber sie schien mich abzuweisen, als ich auf einem der Seepferdchen herbeireiten wollte, dabei war das Seepferdchen eine Illussion, eine optische TĂ€uschung, das man nur sah, wenn man sich in die dritte Dimension begab, etwas, wovor ich mich fĂŒrchtete.
Ich hatte mein ganzes Leben in der Ebene gewohnt, die waberte und dehnte und streckte sich.
Schließlich erreichte ich, dass sich alles in einer Kugel zusammenrollte, die ich zerschnitt und zusammensetzte, so erreichte ich, dass zwei neue Kugeln entstanden, beide so groß wie die erste.
Dann suchte ich meine Mutter, um ihr das Ergebnis zu zeigen, sie hatte sich aber in einer der Falten der Ebene verirrt und ich konnte sie nicht mehr erblicken.



__________________
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FrankK
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Hallo Bernd
Du reißt alte Wunden auf!

Komplexe Zahlen - imaginÀrer Zahlenstrahl.

Maschengleichungen - Knotenregel - Gemischte Netzwerke - Scheinstrom / Blindstrom - Kapazitive / induktive Last.

Und immer dran denken - im Mathebuch ist es "klein i", fĂŒr uns Elektriker ist es "klein j"!

Und in der Abschlussklausur die freche Aufgabe:
Berechnen sie den Strom in Knoten 3 unter BerĂŒcksichtigung der beiden Stromquellen A und B sowie den Spannungsquellen 1, 2 und 3.
BegrĂŒnden sie die VerĂ€nderungen, wenn die Verbindung von Spannungsquelle 2 nach Knoten 1 abreißt.

Wer nach Maschengleichungen den Strom ausgerechnet hat, bekam Punktabzug, wer die Maschengleichung fĂŒr den zweiten Fall aufstellte, erhielt sogar Null Punkte, weil er die GesetzmĂ€ĂŸigkeiten nicht begriffen hatte.
Maschengesetz: Die Summe aller Ströme in einem Knoten ist 0.


Dein "Seepferdchen" und die "Spiralarme" erinnern mich an ApfelmĂ€nnchen bzw. Fraktale oder Mandelbrot, Bildauschnitte in der VergrĂ¶ĂŸerung sehen sich Ă€hnlich, in der mathematishen Beschreibung aber grundverschieden.


Schöner Text, sinnverwirrend und einfĂŒhlsam zugleich.

quote:
Wieder durchlief ich einen Transformationszyklus und fand Julia, die Schöne
Ich kann nur vermuten - mein BauchgefĂŒhl hat geklingelt - hier liegt ein Querverweis versteckt, den ich nicht entschlĂŒsseln kann.

Oder liege ich völlig daneben?

GrĂŒĂŸend
Frank

__________________
Leben und leben lassen.

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Bernd
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Nein, es steckt tatsÀchlich etwas dahinter. Es ist die Julia-Menge, Àhnlich dem ApfelmÀnnchen.


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