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Leselupe.de > Kurzgeschichten
I have a Dream
Eingestellt am 21. 06. 2010 06:24


Autor
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Sir Charles Blackwood
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2010

Werke: 17
Kommentare: 8
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├ťber der Sahara gl├╝ht die Mittagssonne. Jeder Mensch, jedes Tier, quasi jedes Lebewesen, das um diese Zeit nicht unterwegs sein mu├č, sucht den Schatten auf, oder gr├Ąbt sich in den Sand ein, um der m├Ârderischen Hitze zu entfliehen.

Ich bin Mohamed, Sohn des Mohamed und mein Leben umfa├čt 17 Lenze. Ich bin nicht nur der Sohn unseres Stammesf├╝hrers, sondern war auch als einziger unseres Stammes schon einmal in Kairo gewesen. Mit einem dieser st├Ąhlernen V├Âgel: gefangen in seinem Leib, ├Ąngstlich und doch neugierig, geflogen mit den Leuten vom Fernsehen.
Sie hat mir Angst gemacht, die gro├če Stadt. Eine Stadt mit neuen und fremden Dingen, die meinen Kopf verwirrten, Dinge, die ich nicht verstehen konnte. Und so war ich dankbar, als da├č Team der BBC, das eine Reportage ├╝ber die Tuareg machte, mich nach drei Tagen wieder zur├╝ck zu meinen Stamm brachte. Sie sahen, wie ungl├╝cklich ich war, obwohl sie mir nur die Welt des 20. Jahrhunderts, einige Jahre nach dem zweiten gro├čen Krieg in Europa und im Norden der Sahara, zeigen wollten. Fortan war ich ein anderer. Zwar ein Tuareg, doch einer, der auch hinter den Horizont geblickt hat. Ein Sehender, ein Fremder, in einer alten Welt.

Ich habe meinen Tagelmust, meinen Gesichtsschleier, etwas ge├Âffnet, um besser atmen zu k├Ânnen. Er sch├╝tzt mich vor den Geiern der W├╝ste und dem ÔÇ×B├Âsen BlickÔÇť. Ich mu├č meine Gedanken sortieren, dazu brauche ich die Einsamkeit des Alleinseins. Auch wenn ich hier die Schutzlosigkeit vor der Sonnenglut in Kauf nehmen mu├č.

Seit drei Tagen ist der wei├če Doktor aus Europa bei uns. Er ist nicht nur ein wei├čer, sondern auch ein weiser Doktor. Er bestand die Tee-Zeremonie sofort. Sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Ein Gast, der neu bei uns ist, bekommt drei Gl├Ąser Tee gereicht. Das erste schmeckt bitter wie das Leben, das zweite s├╝├č wie die Liebe und das dritte sanft wie der Tod. Hat der Gast alle drei Gl├Ąser getrunken, so steht er unter dem Schutz der Tuareg. Jeder aus unserem Stamm w├╝rde, ohne auch nur eine Sekunde zu z├Âgern, sein Leben f├╝r den Schutz des Doktors opfern.
Obwohl die Sahara nahezu neun Millionen Quadratkilometer gro├č ist, fand er unser Lager ohne F├╝hrer. Er ist nicht nur weise, sondern entweder sehr erfahren oder lebensm├╝de, der Doktor.
Er hat mich verwirrt. Hat erz├Ąhlt von dem fernen Land, aus dem er kommt: diesem Germany. Da gibt es Wasser in H├╝lle und F├╝lle. Und dann gibt es dort auch Winter. Wasser, was dann wei├č und kalt ist. H├Ątte er nicht diese fremdartigen, aber auch faszinierenden, Bilder gehabt, ich h├Ątte es nicht glauben wollen. Welch ein Gegensatz!

Wie kann es sein, da├č wir hier f├╝r Wasser Kriege f├╝hren und Blut vergie├čen und dort Menschen in den Fluten des lebenspendenden Elixiers ertrinken.
W├Ąre es nicht m├Âglich, da├č wir hier auch Wasser haben k├Ânnen?
Doch dazu ist der Doktor ja da, wie er sagt. Ihm folgen noch viele Doktores und Ingenieure, die bei uns tiefe L├Âcher in die Sahara bohren wollen, um Brunnen zu schaffen. Er ist nur vorgefahren: ist f├╝r das Labor, wie er es nennt, zust├Ąndig. Und er hat auch etwas mit Bakterien und Seuchen zu tun. Uns allen wirrte es im Kopf herum, verstanden die fremden Ausdr├╝cke nicht.
Werden wir, ja werde ich es noch erleben, da├č Wasser aus dem trockenen W├╝stenboden kommt?
Wir Tuareg sind Nomaden und morgen oder in einer Woche schon weit weg von hier. Seit Jahrhunderten zieht es uns unstetig, zwischen Algerien und Marokko, durch die W├╝ste der Sahara hin und her. Unm├Âglich, l├Ąngere Zeit an einer Stelle zu leben. Zu sehr hat sich unsere Kultur darauf abgestimmt. Unf├Ąhig, se├čhaft zu werden.

Ich habe einen Traum. Ich m├Âchte einmal den Schnee anfassen. M├Âchte einmal in meinem Leben den Schnee in H├Ąnden halten k├Ânnen, mich in ihm w├Ąlzen. Die K├Ąlte sp├╝ren, die er ausstrahlt. Ich ziehe mich aus und springe hinein in das kalte, erfrischende Wasser, in den grellen, weichen Schnee.
Ich schlie├če die Augen, sehe in Gedanken die Oase in wei├čen Schneeflocken versinken, sehe den kleinen, fast vertrockneten See, sich wie durch ein Wunder mit Wasser f├╝llen, sehe den Brunnen auf dem Markt gefrieren. Ich sehe die Eiskristalle, die sich wie eine Haut auf dem Wasser bilden. Immer heller wird es um mich - immer friedlicher und stiller.

Als man Mohamed am Abend auf der D├╝ne fand, war er tot. Weshalb er sich ausgezogen hatte, um den dadurch drohenden Hitzetod wissend, konnte keiner sagen. Er mu├č, den wohl Verstand verloren habend, nackend im hei├čen Sand herumgetollt sein. Weshalb sein Gesicht allerdings so friedlich, ja richtig gl├╝cklich aussah, war allen noch unverst├ĄndlicherÔÇŽ

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ÔÇ×I have a DreamÔÇťÔÇŽ m├Âge der Traum von Mohammed, dem stolzen Tuareg, eines Tages Wirklichkeit werden. M├Âge jeder Mensch auf dieser Erde immer Wasser in ausreichender Qualit├Ąt und Menge haben.
(Sir Charles Blackwood)



__________________
Solange man den Krieg als etwas B├Âses ansieht, wird er seine Anziehungskraft behalten. Erst wenn man ihn als Niedertracht erkennt, wird er seine Popularit├Ąt verlieren. (Oscar Wilde)

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo erstmal und herzlich willkommen im Forum.

Zur Geschichte:
Fand ich grunds├Ątzlich nicht schlecht, m├╝sste aber m.M.n. glaubw├╝rdiger hinterlegt werden.
Einerseits kommt der Prot. (erwartungsgem├Ą├č als Touareg) sehr einfach denkend r├╝ber, und andererseits verf├╝gt er ├╝ber exaktes Wissen (wie gro├č zum Beispiel die Sahara ist). Dieser Widerspruch macht ihn (leider f├╝r mich) unglaubw├╝rdig.

Auch kann ich nicht nachvollziehen, warum der Prot. nur durch den Traum von einem (unbekanntem) Wei├č, von Schneeflocken etc. letztendlich zum Selbstm├Ârder wird. Einen sooo tiefen Traum oder eine solche schwerwiegende Trance mag wom├Âglich grundlegend bei einem Touristen passen, der sich vielleicht verirrt hat usw., aber doch nicht bei einem Touareg, der h├Ąrtestes Leben in der W├╝ste gewohnt ist. Da schrillen alle Alarmglocken im K├Ârper, bevor der stirbt.

An sich ist dein Text handlungsarm, obwohl es viele M├Âglichkeiten des Ausbauens g├Ąbe. Eine w├Ąre u.U., was dem Touareg zugesto├čen sein k├Ânnte, bevor er derma├čen geschw├Ącht in einen Komatraum vom besseren Leben f├Ąllt, aus dem er nie wieder erwacht. (nur so eine Idee)

LG

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