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Leselupe.de > Kurzgeschichten
I'm not proud of my gay son
Eingestellt am 17. 03. 2015 10:37


Autor
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Arno Abendsch├Ân
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Wieder Fr├╝hjahr und der Vater schon ein halbes Jahr tot. Manfred plante jetzt eine Kunstreise mit Max durch Franken. Der Freund schien sich neuerdings f├╝r sakrale Kunst zu interessieren - oder interessierte sich tats├Ąchlich daf├╝r. Im Juni hatte Max zehn Tage frei, er wollte mit der Ente von seiner kleinen Stadt bei Frankfurt her├╝berkommen. Als Standquartier fassten sie Ha├čfurt ins Auge. Von da wollten sie Ebrach, Maria Limbach, den Bamberger Dom ansteuern, und vielleicht auch Maria Bildhausen. F├╝r Ha├čfurt selbst nahmen sie sich die Ritterkapelle vor und das fr├╝here Kloster in den Wiesen, das jetzt eine Dom├Ąne war. Steuern, das hei├čt fahren w├╝rde Max. Manfred besa├č nicht einmal einen F├╝hrerschein. Von ihm wurden sachkundige Kommentare erwartet, soweit sie sich mit Maxens Sicht der Welt vereinbaren lie├čen.

Zwei Monate vor dieser Reise besuchte Manfred die Mutter und erw├Ąhnte den Ha├čfurter Plan. Er k├Ânne vielleicht zwischendurch f├╝r einen halben Tag zu ihr kommen. Nun h├Ątte sie sagen k├Ânnen: Bring den Max doch mit, oder sie h├Ątte insoweit schweigen k├Ânnen. Es w├Ąre ihm beides recht gewesen. Max war nur m├Ą├čig interessiert ÔÇô sie hatten schon kurz dar├╝ber gesprochen -, immerhin war es vielleicht die letzte Gelegenheit f├╝r ihn, Manfreds Elternhaus noch kennenzulernen; das Grundst├╝ck stand bereits zum Verkauf.

├ťber das Thema aller Themen hatte er zu Hause nie gesprochen. Es war keines f├╝r seine Mutter. Der Puritanismus funktionierte bei ihr auch ohne religi├Âse Basis. Ihre Liebesromane standen dazu nicht im Widerspruch. Was sie gern las, waren sentimentale Werke ├╝ber Gesch├Âpfe ohne Unterleib. Sein eigener erotischer Lebenslauf hatte sich f├╝r sie wie hinter einem dichten Vorhang abgespielt, nur zuletzt war er vielleicht ein wenig durchscheinend geworden. ├ťbrigens gab es im Fall von Max nichts zu entschleiern, weder Sexus noch Eros, nur Logos und die Gewohnheit. Aber er konnte doch nicht dementieren, was f├╝r sie gar nicht diskutabel war, und f├╝hlte sich wie Christian aus Buddenbrooks, und die Mama wurde f├╝r einen Augenblick zur Konsulin: Assez, Christian, dieses interessiert uns durchaus nicht. Sie wusste, dass er schon h├Ąufiger Reisen mit Max unternommen hatte.

Erstaunlich, wie geistesgegenw├Ąrtig seine Mutter noch war: ÔÇ×NeinÔÇť, sagte sie sofort, ÔÇ×dann komme ich lieber f├╝r einen Tag zu dir nach Ha├čfurt, wenn du dort wieder allein bist.ÔÇť - Er sagte ihr, nach Maxens Abreise werde er selbst nach Th├╝ringen fahren und von dort zur├╝ck nach Hamburg.

Weiter wurde ├╝ber den Reiseplan nicht mehr gesprochen. ├ťbersetzt hie├č die m├╝tterliche Botschaft: Bring ihn mir blo├č nicht hierher. Lieber fahre ich nach Ha├čfurt, das mich, wie du wohl wei├čt, gar nicht interessiert. Aber auch dort w├╝nsche ich ihn nicht zu sehen. ÔÇô Und diese Reaktion schon beim harmlosen, abwesenden Max. Wie erst bei einem realen Liebhaber, der ihr leibhaftig pr├Ąsentiert w├╝rde?

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DocSchneider
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Schn├Ârkellose Darstellung einer "verstehenden" Mutter. Genauso ist es, genauso ist sie.
Der n├╝chterne Stil l├Ąsst den Schmerz des Sohnes noch mehr durchscheinen.

In meinen Augen gelungen!

LG DS
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals erm├╝dendem Lesen. (Virgina Woolf)

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Arno Abendsch├Ân
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Danke, Doc, f├╝r die gute Meinung. Einen Eindruck von "Schmerz" zu vermitteln, war allerdings nicht des Autors Intention. Es ging um eine seltsame Art, wie nahe Verwandte ├╝ber ein Tabuthema kommunizieren.

Vielleicht klingt der Titel schmerzlich? Er ist nur die ironische Negation eines Slogans, den anders geartete M├╝tter auf ihrem T-Shirt aufgedruckt bei Demonstrationen spazieren trugen. Man kann so ein Leibchen heute sogar im Internet kaufen, z.B. f├╝r Euro 26,95. Happiger Preis, finde ich.

Freundlichen Gru├č
Arno Abendsch├Ân

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rothsten
???
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Hallo Arno,

im Gro├čen und Ganzen ist mir Dein Text zu sehr Beschreibung. Es klingt wie eine n├╝chterne Sachverhaltszusammenfassung mit einigen, schlauen Schlussfolgerungen.

Mach aus Manfred doch mal wirklich einen Schwulen, lass die Mutter sich vor Abscheu doch ihre Kleingeistigkeit aus dem Leib kotzen, als sie die beiden inflagranti erwischt, au├čerdem bekomme sie bald einen Enkel, ein Adoptiv-Baby aus Schwarzafrika ...

Und, und, und. Wenn Spie├čb├╝rgertum st├Ąrker scheint als Mutterliebe - da ist doch soviel Knallgas drinne, Mensch!

quote:
Aber er konnte doch nicht dementieren, was f├╝r sie gar nicht diskutabel war, und f├╝hlte sich wie Christian aus Buddenbrooks

Aha, sehr lebhaft. Ich kann seine Qualen f├╝hlen, als w├Ąren es die eigenen. *Ironie off*

Die Idee taugt, das ist der Stoff, aus dem gro├če Geschichten gemacht sind - gemacht sein k├Ânnten. Wenn Du mich fragst: Aufriffeln, ran an den Webstuhl und neu machen. Du schaffst das! Viel Erfolg! ;-)

lg

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aligaga
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Die stille Grausamkeit, die im gezielten Nichthingucken liegt, kann tausendmal lauter und schrecklicher sein als jedes aufgedonnerte Melodram. Die Verst├Ąndnislosigkeit, besser: Lieblosigkeit einer Mutter ihrem Sohn gegen├╝ber l├Ąsst sich kaum noch subtiler ausdr├╝cken, als du es hier tust, @Arno.

Schade, dass du den Lesern nicht zutraust, selbst zu erkennen, dass sich hier jemand sch├Ąmt. Tipp: ├ändere den Titel. Mach doch aus dem da etwa ein "Walking in Ha├čfurt" - das f├Ąnde ich dem Schmerz, der in diesem St├╝ckchen ruht, angemessener als den ├╝berschriftlichen Nasenst├╝ber. Den braucht's doch gar nicht.

Gru├č

aligaga

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Arno Abendsch├Ân
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F├╝r die weiteren Meinungs├Ąu├čerungen bedanke ich mich artig.

rothsten, du m├Âchtest mir eine Erz├Ąhlweise und -struktur nahelegen, die mir nicht gem├Ą├č ist und die ich auch als Leser fremder Texte nicht allzu sehr sch├Ątze. Nur so viel noch: Die hier nur aufscheinende Mutter-Sohn-Problematik wurde von mir bereits in gr├Â├čerem Rahmen abgehandelt und an anderem Ort publiziert. (Eigenreklame ist nat├╝rlich tabu.)

An aligaga: Mag schon sein, dass Titel und Textgestaltung nicht sehr gut zusammenpassen. Aber "Walking in Ha├čfurt" finde ich als Alternative auch nicht wirklich ├╝berzeugend. Au├čerdem glaube ich, eine Titel├Ąnderung w├╝rde hier bei der LL gar nicht so einfach zu machen sein.

Freundliche Gr├╝├če
Arno Abendsch├Ân

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