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Leselupe.de > Science Fiction
IRONSIDE I Teil 4
Eingestellt am 21. 11. 2001 17:21


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Rei
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4, Ausbildung

Hölle.

Das war alles, was Lucy zu den vergangen Monaten sagen konnte: Hölle.

Dass sie erfahren hatte, dass sie nur deshalb auf der Welt waren, um diese Ausbildung zu schaffen, damit sie irgendeine Funktion in irgendeiner Einheit ĂŒbernehmen sollten, machte Lucy schwer zu schaffen. War sie nur geboren worden, weil irgendjemand die Gene ihrer Mutter weiterverwenden wollte? Und wenn sie nun keine Lust auf ganze Soldatsein hier hatte? Aber das war es ja gerade: Es machte ihr Spaß. Auch wenn sie andauernd mit Kanthal zusammenrasselte, weil sie etwas verbockt hatte, machte es ihr Spaß. Das Schießen, das Tarnen, das Verstecken, alles. Und wenn sie gerade wieder auf einer Übung waren, da vergaß sie sogar dieses elende Zuchtprogramm und war ganz ein Soldat, der ĂŒberleben wollte. Es war hart, sie mussten sich alle höllisch anstrengen, und Lucy passte auch noch auf Reika auf und half ihr, wann immer sie konnte.
Kanthal sah das, aber er sagte nichts. Das war es nĂ€mlich, auf was es ankam: Nicht darauf, jeden Tag einen anderen Parcour zu bewĂ€ltigen, nicht darauf, mit der Waffe gut umzugehen, sondern auf den Teamgedanken. Und das rechnete er Lucy hoch an, auch wenn sie bei anderen Dingen so große Scheiße baute, dass sie einmal beinahe ihren ganzen Trupp verloren hĂ€tten, wenn es keine Übung gewesen wĂ€re. Ja, Lucy war nicht schlecht, aber manchmal schien sie so abwesend, als ob sie gar nicht in dieser Welt wĂ€re und immer einen gewaltigen Schubser braucht, um wieder in die RealitĂ€t zu gelangen. Aber es wurde schon besser. Am Anfang hatte sie gar nichts gekonnt. Sicherlich, sie war mit Spaß und Motivation an die Sache herangegangen, aber dann hatte sie einen Aussetzer gehabt und der Trupp wurde gefĂ€hrdet. Aber jetzt hatte sie sich soweit unter Kontrolle, dass sie sogar die Verantwortung fĂŒr die kleine Reika ĂŒbernahm. Kanthal nickte Lucy zu, als sie an ihm vorbeijoggte, mit ihrem und Reikas GepĂ€ck auf dem RĂŒcken und Reika gut zuredend, dass sie es schaffen könne.

Die Gemeinschaft, in der Lucy sich nun befand, war aus einer Gruppe Menschen entstanden, die von der Erde stammten. Damals, Mitte des zwanzigsten Jahrhundert hatte man ein Raumschiff gebaut, zu dem man dann aber leider nach 150 Jahren den Kontakt verloren hatte. Es sollte zur AufklĂ€rung dienen, ob außerirdisches Leben existierte und – falls Gefahr fĂŒr die Menschheit auch nur im Geringsten bestand – Vernichtung dieses Lebens. Der Name dieses Raumschiffes war „IRONSIDE“. Die „IRONSIDE“ existierte heute noch, und war ein begehrter Arbeitsplatz; man hatte viel Gutes vom Captain gehört. Nachdem der Kontakt zur Erde abgebrochen war, hatte die Besatzung Pakte mit anderen Lebensformen geschlossen und sich immer weiter entwickelt. Die „IRONSIDE“ war technisch aufgemotzt worden, immer neue VerbĂŒndete fanden sich in den Weiten des Alls, ebenso wie Feinde und Kriege. Aber die „IRONSIDE“ schaffte eine Gemeinschaft, die fest zusammenhielt und nur mit den besten nachbesetzt wurde. Um das zu gewĂ€hrleisten, wurde ein Zuchtprogramm entwickelt. Man kreuzte Menschen mit anderen Lebensformen und entwickelte so langsam einen Menschen, der zwar so aussah, aber in seinen Genen schon eine bestimmte Aufgabe vorgegeben hatte. Und dadurch auch gewisse Vorteile besaß. Aber bei einigen mussten diese Gene noch geweckt werden, deshalb gab man bei Reika auch nicht die Hoffnung auf. Sie war jede Woche bei einem Arzt, der in ihrer DNS nach dem Soldaten-Gen ihres Vaters suchte. Er hatte bisher nur einen kleinen Teil davon aktivieren können, aber Reika hatte das schon ziemlich weiter gebracht. Lucy hatte da mehr GlĂŒck, ihre Gene hatten sich entfaltet, als sie bei dem Piloten im Cockpit gesessen hatte und war höllisch erschreckt, als sie bei sich selbst nach einiger Zeit VerĂ€nderungen wahrgenommen hatte: Silberscheiben ĂŒber den Augen statt Augenlidern (die hatte sie aber trotzdem behalten, auch wenn sie zu nichts mehr nutze waren), Krallen, die sie aus dem ersten Gelenk ihrer Finger ausfahren konnte und eine Schnelligkeit und PrĂ€zision, die sie nie fĂŒr möglich gehalten hatte. Sie hatte auch ein vollkommen anderes Denken: Überleben, vernichten, kĂ€mpfen.

STAR1, der Planet, auf dem sie sich nun befand, war ein Ausbildungsplanet. Es gab MilitĂ€r-, Wissenschaft- und Politikausbildung, wobei diese Bereiche streng getrennt waren. War man in einem Ausbildungskomplex, konnte man die Ausbildung nicht Ă€ndern, es sei denn, man wurde zu Anfang herausgesiebt wie die sechs SchĂŒler, von denen sie nichts mehr gehört hatten. Die MilitĂ€rausbildung, wie Lucy sie genoß, öffnete breite Einsatzmöglichkeiten fĂŒr spĂ€ter: Boden- und Luftwehr, aktive oder passive KriegsfĂŒhrung (also Soldat oder Stabsmitglied), Beratung in militĂ€rischen Fragen... Es gab sovieles, aber Lucy hatte sich schon ein Ziel gesetzt: Die Flieger!

STAR1 war ein unwirtlicher Planet und fĂŒr die Menschen nur durch diese Glasröhren, in denen eine erdĂ€hnliche AtmosphĂ€re erzeugt wurde, bewohnbar. Die Glasröhren und Kuppeln wurde tĂ€glich gewartet und inspiziert. Ein kleiner Riß und das ganze Röhrensystem wĂ€re geschĂ€digt. Lucy war sich der dauernden Bedrohung bewusst, aber je lĂ€nger sie auf STAR1 war, desto weniger dachte sie daran, dass dieses nur millimeterdicke Glas sie vor der tödlichen AtmosphĂ€re STAR1 schĂŒtzte. Sie stand oft am Ende eines Tages in einer dieser Röhren, berĂŒhrte das kalte Glas und schaute nach draußen in diese unwirkliche Welt, die jetzt ihr zuhause war. Sie vermisste Farben und GerĂŒche. Und ihr Blick hing sehnsĂŒchtig am Himmel, aber da waren keine Sterne, nur das Blinken der Satelliten, die um STAR1 kreisten.
„Was machst du denn?“ fragte plötzlich jemand hinter ihr.
Erschrocken drehte Lucy sich um und sah sich Kanthal gegenĂŒber. Sie sah ihn kurz an und bemerkte zum ersten Mal, dass er keine Silberscheiben hatte, die seine Augenlieder ersetzten. Er hatte keine einzige sichtbare VerĂ€nderung an sich.
Vielleicht liegt das daran, dachte Lucy, dass er nicht zum Zuchtprogramm gehört. Lucy drehte sich wieder herum und schaute wieder nach draußen. „Ich vermisse mein Zuhause.“ Sagte sie langsam und berĂŒhrte wieder das Glas. „Weißt Du, ich vermisse einfach das Leben. Hier gibt es gar nichts, keinen Wind, keine Vögel, keine Sonne, keine Hitze, keine KĂ€lte. Hier ist es dunkel und nur die Lichter hier in den Röhren bringen Licht. Jeder Tag ist gleich lang, gleich hell, gleich warm.“ Sie seufzte und ihre Hand rutschte vom Glas ab.
„Hmm. Ich bin auf STAR2 geboren worden.“ Sagte Kanthal. „Du weißt ja, da wohnen die Gen-Lieferanten. STAR2 ist auch nicht anders wie STAR1, ich kenne nichts anderes. Wind oder so, das sagt mir nichts.“
Lucy sah ihn kurz von der Seite an und bemerkte zum ersten Mal einen traurigen Blick in seinen Augen. „Du kennst das alles nicht?“
Kanthal schĂŒttelte den Kopf. „STAR1 und STAR2 sind meine Heimat, da gibt es so was nicht. Also kann ich es auch nicht vermissen.“
Lucy sah ihn wieder an, und er schaute ihr direkt in die Augen. Sie sahen sich einfach nur an, er ,ein normaler Mensch, und sie, eine Mutation. Sie wurde sich zum ersten Mal bewusst, dass sie nicht mehr menschlich war. Sie war jetzt etwas anderes, eine Mutation, etwas, dass das Zuchtprogramm ihr aufgezwungen hatte. Und er, er war so wie sie frĂŒher. Und er kannte keinen Wind, keinen Ozean, keine GerĂŒche von frisch gemĂ€htem Gras und Luft nach einem ordentlichen Gewitter. Aber er war ein Mensch!
Lucys Augen fĂŒllten sich mit TrĂ€nen. Sie sah ihn noch einmal kurz an, dann machte sie auf dem Absatz kehrt und rannte zum GebĂ€ude „2A“, ihrem Zuhause.
„Lucy!“ rief Kanthal ihr nach, aber sie wollte nur weg. So besorgt seine Stimme auch geklungen haben mag: Sie war kein Mensch, sie war nicht mehr wie er.
Verdammtes Zuchtprogramm!

Und sie erfuhr auch viel ĂŒber ihre Mutter: Sie war wie Lucy mit 15 nach STAR1 geholt worden. Sie war auch Teil des Zuchtprogramms gewesen. Und ihre Gene hatten sich so gut entwickelt, dass man sie als Gen-Lieferant fĂŒr das Zuchtprogramm ausgewĂ€hlt hatte, denn ihre Gene wollte man nicht verlieren. Sie siedelte von STAR1 auf STAR2 um. Sie war dann auf die Erde gebracht worden und hatte ihren Vater kennengelernt. Beziehungsweise, sie sollte ihn kennenlernen, denn seine Gene wĂ€ren von Natur aus nicht dominant gewesen, so dass eine Kreuzung hervorragend klappen wĂŒrde, ohne die Gene zu gefĂ€hrden. FĂŒr den Einsatz auf der Erde war ihre Mutter operiert worden, damit sie wieder ein menschliches Gesicht hatte und nicht gleich ins nĂ€chste Gruselkabinett oder Ă€hnlichem verfrachtet werden wĂŒrde. Und dann wurde Lucy geboren und ihre Mutter kehrte nach STAR2 zurĂŒck. Sie wurde immer wieder auf die Erde geschickt, um Nachwuchs fĂŒr die Gemeinschaft zur Welt zu bringen, aber sie war vor ein paar Jahren an einer Komplikation gestorben, die man nicht voraussehen konnte. Lucy war sehr stolz auf ihre Mutter, auch wenn sie sie nie kennen gelernt hatte. Angeblich soll sie nach ihrer Geburt gestorben sein, aber sie war nur in die Gemeinschaft zurĂŒckgekehrt. Lucy ĂŒberlegte kurz, ob sie vielleicht auch fĂŒr dieses Zuchtprogramm vorgesehen wurde, denn immerhin hatte sie ja die Gene ihrer Mutter. Aber sie wollte das gar nicht, Kinder bekommen. Sie wollte einfach nur Soldat sein! Und zwar ein verdammt guter.


C Rei 07072001

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Michael Schmidt
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Am Anfang schreibst du, vor 150 Jahren ging der Kontakt zur Erde verloren, am Ende besucht man sie regelmĂ€ĂŸig...
Ein Widerspruch?

Diese Planeten, wo das Leben in Glasröhrchen stattfindet...
Wie schĂŒtzt man sich vor der Zerstörung dieser "LebensrĂ€ume"?

Ja, jetzt ist mir die Liebe Lucy so an das Herz gewachsen, da wĂŒĂŸte ich schon gern, wie es ihr bei der Umstellung ergangen ist. Diese Leere zwischen Teil3 und 4 ist dĂŒnn, das könntest du schon ausfĂŒhren, ihre Gedanken, Nöte, usw.

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Rei
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danke!

hallo michael,

danke fĂŒr deinen kommentar. ich dachte ja schon, das wĂŒrd keiner lesen, weils schon solange in der leselupe steht.

inzwischen habe ich noch weitere teile geschrieben, aber nicht mehr hier in der leselupe veröffentlicht, sondern auf meiner homepage. wenn du vielleicht vorbeischauen möchtest: Hier klicken und fĂŒr kritik bin ich immer offen. also, wenn dir noch weiter was auffĂ€llt, sags mir bitte.

gruß, rei

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