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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Ich bin Adi
Eingestellt am 21. 08. 2008 20:40


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Elfi
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Ich bin Adi

Eigentlich bin ich nicht der Typ, der gern ausgeht, doch ein Ereignis, das nur alle zwei Jahre stattfindet, ist etwas, was ich mir nicht entgehen lasse: Schützenfest in unserem Stadtteil. Dafür verlasse ich PC- Junkie sogar gern meinen Platz am heimischen Schreibtisch…
Wie in den vergangenen Jahren stand das Festzelt auf der Wiese, am Rande der Siedlung, und ich machte mich schon früh am Abend auf dem Weg zum Zelt. Warm war es an diesem Sommerabend, sehr warm, und ich fühlte, wie die ersten Schweißperlen auf meiner Stirn erschienen, aber da ich auch im Schützenverein bin, war ich gezwungen, eine schwarze Hose, ein weißes Hemd und den typisch grünen Hut zu tragen. Je näher ich zur Wiese kam, desto deutlicher hörte ich das Einspielen der Musiker, und schließlich stand das Zelt mit dem offen stehenden Haupteingang vor mir. Nur wenige Personen waren schon im Zelt: die probende Band stand auf der Bühne, einige Mitglieder aus dem Schützenverein saßen auf der Empore, die mit einem weißen Zaun umgeben war, und unterhielten sich, und einige Personen aus der Crew des Festwirtes.
Ich bestellte mir an der Theke eine Flasche Bier und setzte mich unterhalb der Königsempore an eine der acht langen Tischreihen, und sah dem emsigen Treiben dieser Leute, von denen die meisten schon seit etlichen Jahren zur Mannschaft gehören, zu.
Edeltraud, die ältere Kellnerin, platzierte auf den festlich geschmückten Holztischen am Thron die Kerzendekoration, und wechselte nebenbei einige Worte mit meiner Mutter, die ebenfalls aktiv im Schützenverein ist. Mutter kennt Edeltraud schon seit ihrer Kindheit…
Zwischen den langen Tischreihen, die wie die Throntische mit weißem Tischpapier abgedeckt waren, aber keine Kerzendekoration hatten, wuselten zwei weitere Kolleginnen von Edeltraud: eine nachgemachte Blondine mit langem Haar und hübschem Gesicht, die um die dreißig sein konnte, und anscheinend neu war. Sie verteilte Biergläser auf den Tischen, und ich begutachtete sie. Altersmäßig wäre sie ja was für mich, aber ihre Figur… Sie trug ein ziemlich weites, weißes T- Shirt, mit dem sie ihre Rollen am Bauch und der Hüfte verstecken wollte…
Von der gegenüber liegenden Seite des Zeltes kam die zweite Kollegin von Edeltraud näher. Sie lief zwischen den Tischreihen und steckte die auf Din-A-5-Format zusammengefalteten Getränkekarten zwischen die Biergläser, wobei sie näher zu mir kam. Ich erkannte sie erst auf dem zweiten Blick wieder: es war Susi, die mir vor vier Jahren ihren Namen verraten hatte.
Susi kam immer näher heran, während ich mich fragte, ob sie mich grüßen würde, wenn sie an dieser Tischreihe die Getränkekarten zwischen den Gläsern steckte, und ich bemerkte, dass sie einen Karton, in dem vormals zwölf Biergläser waren, vom Boden aufhob. Susi hielt ihn mit der linken Hand, in der sie auch die restlichen Getränkekarten hielt, am Deckel fest, und steuerte meine Tischreihe an. Susi trug eine ärmellose Bluse und eine enge, schwarze Hose, in der ihre Figur richtig zur Geltung kam. Aufregend fraulich; so eine Frau wäre das Maß aller Dinge! (Das hatte ich mir vor vier Jahren auch schon gedacht, aber bei meiner Schüchternheit hatte ich mich leider noch nicht getraut…)
Dann stand Susi vor mir, und während sie beim Einstecken der Getränkekarte einen Guten Abend wünschte, erreichte der Duft ihres Parfums meine Nase: sinnlich, und ich schenkte ihr ein Lächeln, als ich sie mit Hallo grüßte. Ich sah, dass Susi an den Karten nestelte, wobei ihr der Karton aus der Hand glitt. Susi war nervös! Ich hatte es geschafft, so eine Frau nervös werden zu lassen? Ich sah, wie sie den Karton erneut aufhob, die Tischreihe weiter hinunter ging, und die restlichen zwei Karten zwischen die Biergläser dieser letzten Tischreihe zu schieben, ehe sie zur Bretterwand neben der Theke zurück ging, und ich sie nicht mehr sah…
Ehe das Fest begann, kamen noch mehr Leute ins Zelt: Gäste, sowie Mitglieder des Vereins, und auch weitere Personen der Bewirtung. Beinahe wäre ich vom Stuhl gekippt, als ich die zierliche Frau mit den dunklen, langen Haaren hinter der Theke erkannte: es war Nicole! Sie war damals bei mir in der Klasse, und war eine der Mädchen, die von jedem Jungen umschwärmt wurde, auch von mir, obwohl mir damals schon klar war, dass Nicole mich lieber von hinten sah. Ob sich daran was geändert hatte? Ich bezweifelte es, und malte mir deshalb nicht die geringste Chance bei ihr aus. Na ja, ein wenig Hoffnung behielt ich mir noch: vielleicht kam sie ja im Laufe des Abends auf mich zu, und unterhielt sich mit mir…
Schließlich kam der Einmarsch des Königspaares, und die Mitglieder des Schützenvereins bildeten ein Spalier, an dem das Königspaar mit seinem Gefolge vorbei schritt. Nachdem der gesamte Hofstaat auf der Empore platz genommen hatte, setzten sich auch alle anderen Gäste an den Tischreihen. Meine Mutter und die anderen Vereinsmitglieder aus unserer Straße saßen an der zweitletzten Tischreihe, und wie schon vor zwei und vor vier Jahren kellnerte Susi auf dieser Seite des Zeltes, obwohl die Tischreihen auf der anderen Seite des Zeltes länger waren. Wollte sie auf unserer Seite kellnern, oder musste sie? Die Frage ließ sich nicht klären. Susi hatte zwei Kästen Bier und eine Kiste mit kleinen Flaschen an Cola, Fanta und Wasser auf einem Rollwagen, und zog ihn bis an unsere Tischreihe heran, an dessen unterem Ende ich saß, und sie fragte nach Getränkewünschen. Frau Müller, die mir schräg gegenüber saß, bestellte als erster. Ein Wasser wollte sie, und Susi drehte sich zum Rollwagen um, hob eine Wasserflasche aus dem Kasten heraus, ehe sie aus ihrer hinteren Hosentasche einen Flaschenöffner, der an einer Kette befestigt war, zog, und hebelte den Kronkorken von der Flasche, bevor sie die vor Frau Müller auf den Tisch stellte. „Bitte. Das macht Eins dreißig!“, sagte Susi zu ihr, und Frau Müller, die noch die Getränkekarte in den Händen hielt, blickte erstaunt drein. „Eins dreißig“, wiederholte sie fragend, ehe sie Susi auf den in der Karte angegebenen Preis hinwies.
„Habe ich vorhin auch schon gesehen“, bemerke ich, und Susi nimmt die Karte an sich, ehe sie ein „Ach du scheiße, das ist ein Druckfehler“ ausspricht. Nachdem sie von Frau Müller dennoch die verlangten eins dreißig kassiert hatte, ging sie mitsamt ihres Rollwagens und der von unserem Tisch entführten Karte in flotter Gangart zur Weinausgabe, die hinter der Bretterwand neben der Theke lag, zurück. Kurz darauf kam sie ohne den Rollwagen wieder hervor, ging alle Tischreihen entlang, und sammelte die Getränkekarten ein. Sie verschwand wieder hinter der Bretterwand und zog mit dem Rollwagen an unsere Tisch zurück, um Getränke zu verkaufen.
Als Frau Finke, die drei Plätze neben Frau Müller saß, Susi ansprechen wollte, kam sie nicht auf ihren Namen. „Sie heißt Susi“, sagte ich zu Frau Finke, und Susi, die gerade dabei war, eine Bierflasche zu öffnen, sah mich an. „Woher weißt du das?“, fragte sie mich.
„Ich weiß es eben!“, antwortete ich ihr nur, aber ärgerte ich insgeheim doch darüber, dass Susi mich vergessen hatte.
Dennoch sah ich Susi hinterher, wenn sie durch die Tischreihen lief und Getränke verkaufte, oder die Aschenbecher leerte. Susi hatte das echt drauf, aber wahrscheinlich gehörte auch sie zu der Sorte Frauen, die wie Nicole mich lieber von hinten sahen, oder nur bemitleidenswerte Blicke für mich übrig hatten…
Von Susi kassierte ich aber keine solchen Blicke; nicht an diesem, und auch nicht am nächsten Abend…
Susi lächelte mich erneut an, als sie wieder auf unserer Seite die Getränke verkaufte, und sie wurde nervös, als ich sie zu fortgeschrittener Stunde ansprach, nachdem sie eine große, rote Gläserkiste, die auf der letzten Tischreihe stand, auf ihren Rollwagen setzte : „Du Susi, die Leute von dem Tisch kommen noch wieder!“
Ich sah, dass Susi schluckte, ehe sie meinte, sich bei mir rechtfertigen zu müssen…
Sah Susi das als Vorwurf? Keine zwanzig Minuten später war Susi mit ihrem Rollwagen wieder an der Tischreihe gekommen, als der Wachzug, die Leute, die an der Nebentischreihe gesessen hatte, als Musketiere verkleidet, dem Königspaar ihre Aufwartung machten. Susis Augen glänzten richtig, als sie die prächtigen Kostüme betrachtete.
„Siehste? Hatte ich dir doch gesagt, dass die Leute gleich wieder kommen!“, begann die Unterhaltung. Ganz salopp stand sie neben der Tischreihe und kniete mit einem Bein auf dem freien Stuhl neben mir, wobei ich wieder den Duft ihres Parfums in die Nase bekam, und für die Dauer der Unterhaltung vergaß ich sogar meine Mauer…
Susi unterhielt sich gute zehn Minuten mit mir, und es war ihr egal, dass ich Adi bin. Es war schön, etwas über sie zu erfahren! Sie hat mir gesagt, dass es für sie der letzte Abend in der Saison der Schützenfeste ist, und dass sie in eineinhalb Stunden Feierabend hätte, ehe sie die einstündige Rückfahrt antreten würde…
Vielleicht wird Susi bis in zwei Jahren wieder vergessen haben, dass sie mir gesagt hat, in welcher Stadt sie lebt, aber sie hat wenigstens mit mir geredet, im Gegensatz zu Nicole. Sie hätte doch fragen können: „Hallo Sven, wie geht es dir?“ Wahrscheinlich stört Nicole sich daran, dass ich adipös bin…

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