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Leselupe.de > Kurzprosa
Ich bin unentschlossen
Eingestellt am 07. 06. 2010 11:53


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Michael Schmidt
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Registriert: Jan 2002

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Ich bin unentschlossen.
Und das ist gar nicht so einfach.
Es ist eine Zeit des Umbruchs. Mein Jahr der VerÀnderung.
Ich bin Vierzig!
Man stelle sich das mal vor. Es ist noch nicht lange her, da habe ich den FĂŒhrerschein gemacht. Mich mĂŒhselig dem Ernst des Lebens gestellt. Habe aufgehört zu wachsen.
GefĂŒhlt ist das gestern gewesen. GeschĂ€tzt bin ich vielleicht Mitte Zwanzig. NatĂŒrlich selbstgeschĂ€tzt.
Vierzig!
Das ist das Alter, in dem Profifußballer spĂ€testens zurĂŒcktreten sollten. Die Ausnahmen haben es versaut: Klaus „Tanne“ Fichtel war nur noch schlecht, aber der war schon 43. Lothar MatthĂ€us konnte auch nicht aufhören und blamierte sich entsprechend. Besser ist es bei ihm nicht geworden. Die schöne Begleiterin bleibt immer gleich alt. Doch Loddar, die Illusion tĂ€uscht. Bei dir selbst tickt die Uhr.
Die Erkenntnis trifft mich. Auch meine Uhr tickt.
Die gefĂŒhlte „Mitte Zwanzig“ kann ich knicken. Der verheilte BĂ€nderriss schmerzt noch nach einem Jahr. Das durchzechte Wochenende beschrĂ€nkt sich auf einen Tag und die Erholungsphase dauert bis zur nĂ€chsten Woche. Die Sehkraft rettet eine Brille. Nur der GĂŒrtel wird immer enger.
Alle Andeutungen scheinen es zu bewahrheiten: Der Gipfel ist ĂŒberschritten, es geht bergab. Langsam, aber stetig.
Dabei ist doch gerade mal das erste Drittel geschafft. Wohin soll das fĂŒhren?
Es trifft mich wie ein Schlag!
Ich muss mich Àndern.
Die Ruhephasen werden lĂ€nger. Also muss ich mir die Auszeit gönnen. Mich schonen. Mich zurĂŒcklehnen. Eine Langsamkeit nimmt Einzug. Kein Leben auf der Überholspur. Sonst ist der Crash vorhersehbar.
Wie ĂŒberall im Leben fĂ€llt dies schwer.
Die Wirtschaft will auch immer wachsen, selbst wenn sie eine hohe Reife erlangt hat. Weib, Wein und Gesang reizen auch jenseits der Vierzig. Auch der Beruf fordert nicht weniger, nur weil ich Ă€lter bin. Und dem sollen noch dreißig Jahre Dauerstress folgen?
Alle Ausreden helfen nichts. Die RealitĂ€t ist wie sie ist. Und SchönfĂ€rberei und Ignoranz fĂŒhren nur schneller in den Abgrund.
Es muss gehaushaltet werden. Ewige Jugend ist Illusion. Es wird Zeit, erwachsen zu werden. Im Kopf!

Ich bin entschlossen.
Ich bin erfahren. Vermeide Stress, da er nicht gut tut. Durchzechte NĂ€chte werden reduziert. Die ErnĂ€hrung ist wichtig und ausgewogen ab sofort. Auch Bewegung und frische Luft gehören zum Leben und werden jetzt zur SelbstverstĂ€ndlichkeit. Die Kippen kommen auf den MĂŒll. Und die LeibesfĂŒlle bleibt begrenzt. Ein sanfter Trainingsplan strafft und lĂ€sst die Pfunde gemĂ€chlich Purzeln. Das zweite Drittel vermeidet Rosskuren. GemĂŒtlichkeit ist Trumpf. Die innere Mitte Programm. Doch Askese wird vermieden.
Stattdessen die Höhepunkte ganz bewusst gesetzt. Das Festival im Sommer. Die Party zum Geburtstag. Der Karriereweg in kleinen Schritten geplant. Und der Festschmaus auf einmal die Woche fokussiert.
Vierzig!
Die HĂŒrde ist genommen.
Ich bin entschlossen.


__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

Version vom 07. 06. 2010 11:53
Version vom 08. 06. 2010 09:17

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lapismont
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Moin Micha,

spannendes SelbstgesprĂ€ch. Eine Momentaufnahme ĂŒber eine Selbstfindung und gleichwohl eine kleine Biographie. Möge Dein Protagonist seine SchwĂ€chen korrekt bloßgelegt und funktionierende Lösungen gewĂ€hlt haben.

Ich frag mich zum Beispiel immer, ob meine Eltern sich mit 40 auch so viel jĂŒnger fĂŒhlten, wie ich heute. Ob es also ein sozialer Trend ist. Vielleicht sind aber auch nur die Jahre kĂŒrzer als frĂŒher.

Dein Text spricht das alles irgendwie an.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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