Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92238
Momentan online:
530 Gäste und 21 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ich darf mich nur darauf konzentrieren
Eingestellt am 06. 10. 2011 15:45


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
SuperHeldin
Hobbydichter
Registriert: Jan 2011

Werke: 1
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um SuperHeldin eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das Heft klappte ich schnell zu, zog im Aufstehen meine Jacke an und warf es der Lehrerin auf den Tisch, ohne ihren verdutzten Blick noch zu bemerken. Ich hatte mir meinen Text nicht mehr durchgelesen, obwohl wir noch eine viertel Stunde Zeit hatten und meine Mitsch├╝ler noch flei├čig am Schreiben waren. Ich war mit meinen Gedanken am Ende. Englisch war nie mein Fach gewesen, da w├╝rde mein eigenes Korrigieren auch nichts mehr helfen. Ich eilte die Stufen hinunter, als hinter mir eine T├╝r zuklappte. Erschrocken drehte ich mich um und blickte in ein fremdes Gesicht, welches meinen pl├Âtzlich schnellen Herzschlag verlangsamte.
Wo schrieb er denn nochmal? War es im Geb├Ąude nebenan? Mein Bauch f├╝hlte sich an, als h├Ątte ich einen Schwarm Insekten geschluckt, w├Ąhrend meine Kehle sich zuschn├╝rte. Ich hatte ihn heute noch gar nicht gesehen.
Englisch. Warum muss man eigentlich Sprachen k├Ânnen? Ich war mir sicher, dass ich nach meinem Abitur in einem halben Jahr nie wieder Englisch brauchen werde. Ich hatte hohe Ziele, ich wollte Medizin studieren. Operieren und Menschenleben retten.
Eine rote Jacke! Mein Herzschlag pulsierte in den Ohren, als ich auf den Schulhof trat. Blonde Haare! War er das? Oder doch nicht? Unbewusst lief ich schneller, doch erkannte pl├Âtzlich an seinem Gang, dass er es nicht war. Er w├╝rde dort auch nicht lang gehen. Ich hatte ihn heute noch nicht gesehen, das fra├č wie ein Ungeziefer an mir, mir wurde richtig schlecht davon. Nur einmal sein Gesicht sehen.
Muss ich heute viel lernen? Wie immer, ja nat├╝rlich. Wir sind in der anstrengenden Klausurenzeit, man hat kaum noch Zeit f├╝r einen freien Kopf. ├ťberall wird einem gesagt, dass man nun langsam anfangen sollte zu lernen. Es war nur Stress. Keine ruhige Minute.
Ich trat in die Kantine. Da stand er. Er schaute scheu r├╝ber und blickte schnell wieder weg, ich glaube, dass er l├Ąchelte. Mir wurde schwindelig, sodass ich auch kurz wegschauen musste. Die R├Âte in meinem Gesicht verbarg ich mit meinen Haaren, w├Ąhrend ich die ├ťbelkeit in meinem Bauch unterdr├╝ckte. Ich trat zu meinen Freunden, umarmte eine Freundin, die ich in dem Stress lange nicht mehr gesehen hatte und spa├čte mit ihr. Das hab ich vermisst. Er wurde ganz stumm und blickte umher. War es ihm unangenehm, dass ich hier war? War er mit seinen Gedanken wieder bei seiner Facharbeit? Er tat mir so leid. Am liebsten h├Ątte ich ihn in den Arm genommen und nie wieder losgelassen. Er sah so m├╝de und ersch├Âpft aus und er hatte mir n├Ąchtelang von dem Stress erz├Ąhlt, der ihn nicht schlafen l├Ąsst. Wie gerne w├Ąre ich bei ihm und w├╝rde ihm helfen, doch er schlie├čt sich ein. Ich kannte keinen so gut wie ihn, sein Gesicht war ein offenes Buch, ich wusste was er dachte und was er meinte, selbst wenn kein anderer ihn verstand. Wir waren immer f├╝reinander da gewesen und hatten keine Geheimnisse voreinander.
ÔÇ×Du? Ich muss den Kopf frei bekommen. Du kannst mir nicht immer durch den Kopf gehen. Ich muss lernen und meine Facharbeit beenden. Ich darf mich nur darauf konzentrieren. Wir bleiben aber Freunde. Nur meine Gedanken schweifen immer ab, wenn wir weiter miteinander reden.ÔÇť
Dies waren die Worte, die er vor Tagen zu mir gesagt hatte. Dies waren die Worte die in meinem Kopf nachhallten, wann immer ich ihn sah. Er schaute mich wieder an. Ja, ich verstand ihn, doch dies ├Ąnderte nichts an dem Zerren und Kribbeln in meinem Bauch, wenn ich ihn sah. Oder an dem Verlust des Sprechens, wenn er mir direkt in die Augen schaute. Wir waren beste Freunde gewesen, doch das ist alles nicht mehr so einfach. Es war kompliziert. Es war unm├Âglich.
Dachte er genauso wie ich? War es auch f├╝r ihn mehr geworden als Freundschaft? Ich wei├č es nicht. Ich wusste nur, dass ich lernen musste. Ich wollte Medizin studieren.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!