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Leselupe.de > Feste Formen
Ich gebe Laut (Sonett)
Eingestellt am 21. 07. 2011 21:27


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Walther
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Ich gebe Laut vom gro├čen Wunderwort,
Wo doch am Stra├čenrand der Schnitter wartet.
Der Bux ist schon zu Wildgestr├╝pp entartet.
Der Rote Milan tr├Ągt den Hasen fort.

Mein Atem streicht die leere Stundentafel,
Der letzte Hoffnungstraum kommt aufs Schafott.
Vom Blasorchester bleibt noch das Fagott.
Die gro├če Absicht war nichts als Geschwafel.

Du zeigst mir wenigstens ein kleines L├Ącheln,
Das diesen ├ťbergang mit Glanz versieht.
Da will ein leiser Hauch mich zart umf├Ącheln,

Will k├╝hlen, was alsbald ins Licht entflieht.
Ich wollte jetzt die rechte Saite schlagen,
Die eine Antwort hat auf alle Fragen.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 21. 07. 2011 21:27
Version vom 23. 07. 2011 07:42

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2247
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Das Gedicht steht f├╝r den Tod, denke ich. Genauer f├╝r den Todesprozess. Es ist ein Schnitter, der hei├čt Tod. Er wartet schon.

"Hasenmord" ist wohl dem Reim geschuldet. Der Milan wird vermenschlicht. F├╝r die Natur ist es kein Mord, denn es steht kein Vorsatz, kein Verbrechen dahinter, sondern Hunger, Natur. Aber es ist ein poetisches Bild, das den Tod veranschaulicht und seine Irrationalit├Ąt, die zugleich die letzte Rationalit├Ąt darstellt.

In meiner Version st├╝nde lapidar: Der Rote Milan tr├Ągt den Hasen fort.

Die Stundentafel ist leer - die Lebenskerze abgebrannt - eine traditionelle Betrachtung. Es gibt nichts, was man tun kann oder tun muss. Man hat v├Âllige Freiheit innerhalb extrem enger Grenzen.
Das Konzert ist fast am Ende, der letzte Ton ist nah, vom Fagott, welches eine wehm├╝tige Klangf├Ąrbung erzeugt.
Es ist jemand da, der tr├Âstet. Fern ist eine Verbindung.
Es wird allm├Ąhlich alles abgeschaltet, bis nichts mehr bleibt. Oder? Dieses Oder zieht sich durch.
Und einer der letzten Gedanken: Mache ich es richtig? Ist es der richtige Ton? Oder erzeuge ich noch eine Dissonanz, nachdem das Fagott verklungen ist?
Das Orchester hat ausgespielt. Jetzt bin ich dran, der Gaukler mit seiner Laute, der S├Ąnger mit seiner Gitarre, der sie nur noch in Gedanken bewegt, wie Woody Guthrie in seinen letzten Stunden, schon fast bewegungsunf├Ąhig, Bob Dylan war bereits da, Gaukler bei Gaukler, Prophet bei Prophet.

__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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HerbertH
???
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Hallo Walther,

ich kannte bisher nur die Aussprache Mi'laan, aber es gibt 'Milan, sogar als Hauptvariante, vgl. Hier klicken

Die Variante von Bernd zu der Milan-Zeile gef├Ąllt mir ├╝brigens sehr gut.

lG

Herbert
__________________
┬ę herberth - all rights reserved

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Lb Bernd,

vielen lieben Dank f├╝r Deine ausf├╝hrliche Widmung dieses Texts. In der Tat ist die Vanitas Ebene eine der Themen, die das Sonett behandelt. Es gibt jedoch noch eine zweite, die dem Text im Laufe seiner Komposition zugewachsen ist. Du hast sie mit der Begrifflichkeit der Laute (= Lyra) angedeutet. Es geht also um mehr als den einen Tod.

Nun sollten Gedichte dieser Art keine Antworten liefern. Sie sollen, wie ich meine, auch nicht weinerlich sein. Vielmehr sollen sie Spuren legen, Stra├čenpfosten einschlagen, Denkrichtungen andeuten. Meine Lyrik soll das tun, daher ist sie so lapidar. Denn nichts ist schlimmer, als sich um Erkenntnis zu betr├╝gen.

Daher habe ich Deinen Vorschlag f├╝r die Neuformulierung von S1V4 auch ├╝bernommen. Sie verst├Ąrkt das n├╝chtern Beschreibende, schafft mehr Distanz zwischen Autor und Protagonist.

Das Du ist das, ohne das kein gutes Leben m├Âglich ist. Dessen sollten wir uns, bei allem momento mori, uns immer bewu├čt sein, und zwar bevor es von uns gegangen ist, das Du.

Danke und lieber Gru├č W.

Lb. Herbert,

wie immer danke f├╝r Deine klugen Hinweise. Und nat├╝rlich Deine Wertung. Wie Du siehst, bin dem Hinweis von Bernd und Dir gefolgt.

Ich dachte schon, dieser Text ginge unter wie so viele meiner j├╝ngsten Versuche. Sch├Ân da├č ich mich t├Ąuschen durfte!

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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