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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ich gehe fort
Eingestellt am 21. 01. 2002 22:32


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Costner
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2001

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Jeden Tag ist es dasselbe. Ich stehe morgens fr├╝h auf und qu├Ąle mich aus einem tiefen bequemen Schlaf, als w├Ąre ich auf Wolken gebettet, die mich an einen Ort hinfort tragen, von dem ich immer getr├Ąumt habe. Still und verschollen, geheimnisvoll und unber├╝hrt, wie die Natur ihresgleichen. Immer ist es das gleiche, denn im Grunde wollen wir etwas besonderes bewegen, manchmal die Welt ein St├╝ckchen besser machen, sich besser f├╝hlen, sich ver├Ąndern, aber im Endeffekt machen wir doch alle das gleiche. Wir schlie├čen uns dem Alltag an, dem alle anderen auf dieser Welt wie Marionetten angeh├Âren. Und auch wenn wir es gar nicht wollen, uns dagegen wehren, versuchen diesem Alltag zu entfliehen, so gelangen wir doch wieder in denselben Strom hinein, aus dem kein entkommen zu sein scheint.
Jeden Tag stehe ich mit demselben Gef├╝hl im Magen auf. Es tut weh und ich m├Âchte alles ├Ąndern, aber wenn man es nicht versucht, ├Ąndert sich gar nichts. Alle fr├Ânen wir nur einem Gef├╝hl: alles ├Ąndern zu wollen.
Aber alle haben wir eine Schei├č Angst vor dem allein sein. Die Angst vor dem Unbekannten, dass, was auf uns zukommen wird. Die dunkle Seite der Zeit, die wir nicht kennen und nicht verstehen. Es ist wie ein seidener Faden, an dem wir alle h├Ąngen, manche aber loslassen und verloren gehen, weil sie nicht die Kraft hatten und den Mut, sich weiter festzuhalten. Am Faden der Zeit, der uns alle an nur ein Ziel bringt.
Und alle haben wir Tr├Ąume, die wir aber nur haben, weil man sich etwas w├╝nscht, sich davor aber f├╝rchtet, diese Tr├Ąume wahr werden zu lassen, denn die Angst vor der Ver├Ąnderung ist zu gro├č.
Auch ich habe Angst. Denn ich habe einen Entschluss gefasst, endlich, nach so langer Zeit. Ich bin heute aufgestanden, um zu gehen. Es ist das letzte Mal, dass ich hier morgens aufstehe, meinen verschlafenen Blick im Spiegel betrachte und mich frage, warum ich eigentlich noch hier bin. Doch heute ist alles anders. Mir ist klar geworden, dass, wenn sich bald nicht etwas ├Ąndert, dass ich mich genauso verwandle wie alle anderen Menschen um mich herum. Und das will ich nicht. Ich will anders sein.
Vor vielen Tagen habe ich alles verloren, was mir einmal wichtig erschien. Doch in diesem unwegsamen Taumel der Gedankenlosigkeit und des Frohsinns, ├╝ber alles hinwegzublicken, was manchmal wichtiger erscheint, habe ich erkannt, dass ich mehr bin, als ich bisher sein konnte. Ich selbst habe nicht gelebt, ich selbst habe mich unterdr├╝ckt, weil ich anders sein wollte. Ich selbst habe mich dessen gef├╝gt, was man von mir erwartet hat. Ich selbst habe immer alles das getan, was andere Leute von mir verlangten. Ich selbst habe nicht erkannt, wie sehr es mir im Innern wehtat, so behandelt zu werden. Wie ein Kerl ohne Selbst├Ąndigkeit, ohne eigenen Willen bin ich hin- und hergewandert, auf der Suche nach einem besseren Moment in meinem Leben, bis ich ihn endlich darin gefunden hatte, als ich erkannte, was ich wirklich will.
Heute stehe ich hier, in meinem Zimmer. Mein Rucksack ist gepackt und ich fertig mit dem, was ich mir vorgenommen habe. Das Gef├╝hl in meinem Bauch wird immer st├Ąrker. Ich werde verlassen, wohin ich hineingeboren wurde. In eine Welt, von der ich mehr erwartet hatte, als sie mir geben konnte. Hass und Respektlosigkeit, Krieg und Verachtung, eine Welt, in der man keine Chance bekommt, wenn man nicht so ist, wie man gewollt haben m├Âchte!
Die Flut an Gef├╝hlen, die durch mich str├Âmt macht es wahr, den Glauben an eine neue Welt, die ich finden m├Âchte. Ich wei├č nicht, wieso, aber ich wei├č, warum. Ich will mich ver├Ąndern, ich will meine Welt ├Ąndern.
Noch ist es dunkel und meine Eltern schlafen eine Weile, bevor sie aufstehen, um dem Wahn dieser Gesellschaft zu folgen, arbeiten zu gehen. Ich folge nun meinem eigenen Wahn. Endlich das zu wollen, wonach ich mich sehne. Zu suchen, was viele wollen, aber nur die finden k├Ânnen, die wirklich den Mut haben, eine Ver├Ąnderung einzugehen. Ich bin endlich bereit.
Ich schleiche mich leise aus dem einstigen Hause meiner Heimat. Jetzt muss ich mir eine neue Heimat suchen, in der ich mich wohl f├╝hle und eines wei├č ich, ich werde so lange suchen, bis ich sie gefunden habe.
Es war ein neues Gef├╝hl der Freiheit, als ich die Luft atmete, die mich antrieb, eine neue Welt f├╝r mich zu erfahren, so wie sie f├╝r alle anderen nicht zu existieren schien. Ich wei├č, dass ich diesen Schritt schaffen kann, wenn ich an meinem Glauben, mich ver├Ąndern zu k├Ânnen, festhalte. Ich wei├č, dass ich sein kann, wer ich wirklich bin.
Als ich im Flugzeug sa├č und die Stille sich um mich herum langsam verlor, als die Triebwerke anfingen, zu heulen, da wurde mir wirklich Bewusst, was ich f├╝r eine Gefahr eingegangen bin, alles zu verlieren, woran ich einmal geglaubt habe. Meine Angst wurde immer schlimmer, es war eine Schei├č Angst, die ich mit ein paar Dosen Bier w├Ąhrend des Fluges versuchte, zu vertreiben. Ich stopfte beide Mahlzeiten hinein, um meinen Magen zu beruhigen und das Gef├╝hl zu erlangen, nicht allein zu sein mit einem leeren Gef├╝hl im Innern. Aber ich war allein, mehr denn je. Als ich aus dem kleinen Fenster sah, sah ich nur die Wolken und die Ferne, die sich vor mir auftat, wie das Unbekannte, das auf mich zusteuerte.
Was w├╝rde mich wohl in meiner neuen Welt erwarten? Ich war gespannt, es dauerte nicht mehr lange und ich w├╝rde dort landen, wo ich glaubte, dass meine Suche begann.

__________________
cu
M.

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Costner
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Fortsetzung folgt:

"Ich bin"

liebe gr├╝sse
marco

__________________
cu
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Costner
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Fortsetzung

Am 7. Februar werde ich die Fortsetzung zu dieser Geschichte ver├Âffentlichen. "Ich bin" wird sie heissen.

Viel Spa├č noch

liebe gr├╝sse

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cu
M.

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