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Leselupe.de > Ungereimtes
Ich küsste dich
Eingestellt am 17. 03. 2008 21:22


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Eve
Routinierter Autor
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Ich küsste dich


Der Himmel stand still,
als ich dich küsste.

Wer braucht schon Zeit,
wenn Lippen einander erkennen?

In meinem Ohr Worte der anderen,
die mich wieder leben sehen wollten.

Nun tanzt mein Herz, doch niemand
teilt das Lachen mit mir.

Auch nicht mit dir –
verschlossen haben sie die Türen vor uns

zwei Frauen.
Der Himmel stand still
als ich dich küsste.


Version vom 17. 03. 2008 21:22

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Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Eve,

Dein Gedicht führt den Leser in einer Retro-Perspektive in die Thematik ein.
Das lyr.Ich beschreibt eine glückliche Zweisamkeit, die durch das Inne-Halten des Himmels unterstrichen wird.
Auch die Adjkektive "weich" und "warm" unterstützen den transportierten Inhalt. Dem Leser verleibst du aber durch den gewählten Tempus ein ungutes Gefühl ein. Die Vergänglichkeit blitzt hier auf.
Der Wendepunkt ist erreicht, da das lyr.Ich noch die Stimmen derer hört, die es nach der nun vermuteten Trennung mit dem lyr.Du trösten wollen.
Endgültigkeit wird in den anschließenden Strophen erreicht.
Das Lachen des lyr.Ich wird von niemandem geteilt, nicht einmal mehr vom lyr.Du. Die nun entstandene Distanz zwischen den beiden Prothagonisten wird räumlich durch eine verschlossene Tür ausgedrückt.
Dann habe ich ein Problem im Verständnis der letzten Strophe, zumindest des Anfangs. Hier schreibst du von "zwei Frauen". Man kann ein Enjembement vermuten von der vorletzten hin zur letzten Strophe. So hieße der Satz: Auch nicht mit dir, verschlossen haben sie die Türen vor uns zwei Frauen.
Dies würde aber das Thema des Gedicht verändern, weil es sich nun um zwei Frauen handelt, die die Hauptfiguren in diesem Stück spielen. Das "uns" impliziert nämlich, dass es sich hierbei um das lyr.Ich und das lyr.Du handelt.
Schön finde ich, dass sich die Bedeutung der umklammernden Metapher, die auch als stilistisches Mittel zum Ausdruck des Schmerzes und der Trauer betrachtet werden kann, im Lauf des Gedichts mit der Wandlung im Inhalt verändert. So drückte sie vorher noch einen magischen Augenblick aus, der das lyr.Ich verzauberte und wirkt am Ende eher verbittert, es gibt keine Bewegung, die Welt steht still, alles ist starr und eingerenkt.

Zur Ausführung des Gedichts:

An deiner Stelle würde ich die zweite Strophe komplett überarbeiten. Das ist mir zu abgegriffen, oft gehört und mittlerweile blass und ausdruckslos. Selbst wenn dies gerade gewollt war, so fände ich einen starken Kontrast effektvoller.
In Strophe vier könntest du das "noch" streichen, ist unnötiger Ballast.
Strophe sechs sollte sich zu Beginn am Satzbau in Strophe fünf orientieren.
So müsste "Auch nicht mit dir" gestrichen, und mit "Auch du nicht" ersetzt werden.
Ich frage mich, wer das "sie" ist, das die Türen versperrt. Geschieht das Scheitern dieser zwischenmenschlichen Beziehung aufgrund äußerlicher Zwänge?

Ich hoffe, du kannst etwas mit meinem Kommentar anfangen und bin gespannt auf deine Antwort.

Liebe Grüße,
Hakan

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Eve
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Hallo Hakan,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ja, es geht um zwei Frauen! Das Gefühl, dass der Himmel innehält, rührt daher, dass diese Situation völlig neu ist – und vielleicht gerade deshalb so unerwartet heftig, schön, besonders …

Dass schon Vergänglichkeit impliziert war, war mir nicht bewusst, es sollte viel eher den Anfang von etwas Neuem zeigen (Kennenlernen, der Kuss) – das dann abrupt von wohlmeinenden Leuten (Freunden? Familie? = "sie") unterbrochen wird, die dem LyrIch zwar vorher alle sagten, dass sie es wieder lachen sehen wollten (leider habe ich hier für "lachen" noch keinen Ersatz gefunden, es kommt dreimal hintereinander vor?) – aber scheinbar nur auf die Art, die ihnen genehm ist.

Das LyrIch muss erkennen, dass es durch diesen "Kuss" oder diesen Weg auf einmal vor verschlossenen Türen steht … zwar mit einem LyrDu an der Seite ;-)

Prima finde ich, dass die Anfangszeilen, die ich bewusst am Ende wiederhole, genauso bei dir ankommen!

Danke für den Hinweis mit der zweiten Strophe – im Grunde will ich hier auch noch mal ran, weil es mir auch nicht so ganz rund vorkam, ich aber bisher keine brauchbaren Änderungen finden konnte. Von der Aussage her möchte ich den Text gern so lassen …

Mit dem "noch" in Strophe vier: damit wollte ich sagen, dass gerade diese Leute kürzlich noch sagten, was sie sich für das LyrIch wünschten … es jetzt aber schon nicht mehr gilt … aber vielleicht ist das Wörtchen doch verzichtbar, ohne die Aussage zu mindern.

Zu Strophe sechs: auch mit dem LyrDu lacht niemand, ich hatte das absichtlich in Zusammenhang mit dem vorigen (dass mit dem LyrIch niemand lacht) gesetzt, um hervorzuheben, dass beide auf einmal außen vor sind … ausgeschlossen, vor verschlossenen Türen …

Mal sehen, ob ich den Text vielleicht noch mehr zusammenziehen kann … ich gehe mal in mich ;-)

Was meinst du zu dieser Aussage, die vielleicht doch zu versteckt ist?

Viele Grüße,
Eve

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Hakan Tezkan
Guest
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Hallo Eve,

insofern dein Gedicht eine lesbische Beziehung thematisiert, habe ich den Inhalt deines Gedichtes noch immer getroffen.
Eine andere Interpretation lässt dein Kommentar mir momentan nicht, denn warum sonst sollten Eltern und Freunde etwas gegen eine Beziehung zwischen zwei Frauen haben, wenn es sich dabei nicht um eine Liebesbeziehung handelt. Zumal der Vers"...als ich dich küsste" gerade dies transportiert, da der Akt des Küssens ein von Zärtlichkeit geprägter ist.

Allein dadurch, dass du zu Beginn das Präteritum benutzt, beschleicht den Leser das Gefühl, dass das Glück nicht anhalten wird.

Auch das Bild der Tür erschließt sich mir jetzt besser. Beide Frauen stehen also gemeinsam vor verschlossenen Türen, zwar gemeinsam, aber doch eingeengt und eingeschränkt in ihren Möglichkeiten. Der gesellschaftliche Druck auf einer solchen unkonventionellen Beziehung lastet schwer auf dem lyr.Ich.

Ich würde vielleicht, um den Leser direkter in die richtige Richtung zu stubsen, ein wenig mehr herausheben, dass es sich um eine Beziehung zwischen zwei Frauen handelt. Also schon früher die Grundsituation klar stellen.

Ist schon klar, dass die Aussage in Strophe zwei gleich bleiben soll, aber es anders zu um bzw. zu beschreiben wäre, denke ich, vorteilhaft.
Das Wort "noch" ist nicht vonnöten, da dieser Widerspruch, dem sich diese Menschen hingeben, in der folgenden Strophe bereits herausgezeichnet wird. Denn würden sie es wirklich wollen, so würden sie auch das Lachen mit dem lyr.Ich teilen.
Anstatt "Mein Herz lacht" könntest du eventuell "Mein Herz kichert" schreiben, auch wenn ich damit nicht sehr glücklich bin.

Da sich der Inhalt ein klein wenig verrückt hat für mich, ist Strophe sechs nun auch von der Logik her verständlich.

Vielleicht konnte ich dir ja jetzt weiterhelfen.

Liebe Grüße,
Hakan

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Eve
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Hallo Hakan,

deine Ahnung ist schon richtig – aber ich wollte dieses Thema absichtlich nur andeuten, und gerade auch am Ende erst, um vielleicht eine gewisse Überraschung zu erzielen.

Vielleicht ahnt das LyrIch ja schon, dass es ein Ausflug ist ;-) wenn du Vergänglichkeit herausliest.

Die geschlossenen Türen stehen für das teilweise bornierte Denken solcher, die immer so frei tun. Der gesellschaftliche Druck ist spürbar … ob es etwas ist, das schon in diesem Moment der unerwarteten Erkenntnis lastet, weiß ich nicht, es ist zumindest in den Strophen nicht angelegt.

Strophe 2 + 3 hab ich jetzt komplett ersetzt/gestrichen ... vielleicht wird es so runder? Auch von dem "noch" habe ich mich getrennt, schweren Herzens allerdings! ;-)

Die neue Freude im LyrIch habe ich jetzt mit "leben" umschrieben, so dass "lachen" nur noch einmal vorkommt … vielleicht passt es so auch ganz gut …

Es ist sozusagen ein textliches Experiment ;-)

Liebe Grüße,
Eve

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