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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ich liebe Dich
Eingestellt am 10. 11. 2003 15:00


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None Back
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

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Ich liebe dich. Drei einfache Worte, die eine Menge bedeuteten. Ihr Blick fing den Dreck auf dem Boden auf, während sie vor ihm stand.
Die Straße um sie herum war völlig dunkel, nur schwach von Laternen beleuchtet. Es war bitterkalt und seine abweisende Haltung verpasste ihr einen Schlag ins Gesicht.
Was willst du? Sie wusste es selbst nicht.
Weisse Flocken fielen vom Himmel, lie√üen die Umgebung um sie herum verschwinden; doch das alles war ihr egal, denn f√ľr sie z√§hlte ohnehin nur er.
Er verlagerte sein Gewicht auf ein Bein, streifte sich die ledernen Handschuhe √ľber, w√§hrend seine dunklen Augen ungeduldig auf ihr lagen, genervt.
Sie hatte ihren Schal vergessen, doch selbst das machte ihr nichts. W√§rme.. sie sp√ľrte W√§rme, wenn sie ihm nur in die Augen blickte.
In deren Dunkelheit, in der sie sich so geborgen f√ľhlte.
"Ich.. ich.." Ein Stottern, das ihre Lippen verließ und nur gleich einem Hauche an seine Ohren drang.
Sie schlang die Arme um sich, als w√ľrde aller Mut sie verlassen, als sie seine unger√ľhrte Miene bemerkte.
"Ich liebe dich." Drei einfache Worte, doch sie schienen so schwer auf ihrer Zunge zu lasten, diese zu l√§hmen. Und w√§hrend diesem kurzen Augenblick wandte sie ihren Blick fort und √ľber die Stra√üe hinweg, einem Schneefl√∂ckchen folgend, das auf die Erde herunter segelte, um dort von dreckigen Abs√§tzen zertrampelt zu werden.
Die Luft schien sich ihr zu verwehren, ihre Lungen nicht richtig zu f√ľllen, als sie einen weiteren Atemzug nahm - ihr Herz setzte aus, in Erwartung auf seine Antwort.
Doch.. stand sie nicht ohnehin in seinen Augen?

Er hob seine Brauen, blickte sie weiterhin unger√ľhrt an.
"Nein." Seine Stimme war fest, hartnäckig, während sein Blick sich in ihre Augen zu fressen drohte.
Er war nicht so stark, wie er es wollte.
Ein Glimmen trat in seinen Blick, das an Z√§rtlichkeit erinnerte - nur f√ľr wenige Momente, f√ľr sie nicht bemerkbar.

Sie w√ľrde verstehen.

Doch sie verstand rein gar nichts.
Sie sp√ľrte, wie Tr√§nen ihren Blick verschleierten, sein h√ľbsches Gesicht vor ihrem inneren Auge verschwimmen und zu einer h√§sslichen Grimasse werden lie√üen.
Abrupt wandte sie sich ab, in einer völligen Kurzschlussreaktion, um dem mittlerweile matschigen Weg zu folgen, ihre Schritte dabei immer schneller setzend, um ins Rennen zu verfallen.
Die Kälte auf ihren Wangen wurde abgelöst von der Wärme ihrer Tränen, die sich ihren eigenen Weg auf ihrem Gesicht suchten.
Ein Schluchzen entkam ihrer Kehle, schwer, laut. Sie lie√ü ihren Schmerz raus, denn ein Gef√ľhl der Leere hatte sich in ihrem Innern eingestellt, ihre Einsamkeit vergr√∂√üert.
Sie wurde von dieser fast erschlagen, gleich einer schweren Last; sie sehnte sich so nach ihm.
Trauer, Enttäuschung, Wut.
Sie war schuld; er wollte sie nicht.

Sie sah die rote Ampel nicht. Sie sah nicht das heranbrausende Auto, auch nicht die Scheinwerfer, die auf sie gerichtet waren.
Sie f√ľhlte nur den Schmerz, der ihr pl√∂tzlich den v√∂lligen Atem nahm.
Ein Gef√ľhl der Leichtigkeit, als das Auto sie erfasste und sie kurz durch die Luft gewirbelt wurde, um dann hart auf dem Boden aufzuschlagen.
Ein letztes Mal entwich die Luft ihren Lungen, ein letztes Mal schlug ihr Herz.
Und sie starb in ihrem Schmerz.

Davon hatte er nichts mehr mitbekommen, denn als sie ging, ging auch er.
Er versuchte seine Gef√ľhle f√ľr sie zu l√∂schen, ihr Gesicht zu verdr√§ngen, das sich immer wieder vor sein Auge schlich.
Ihr Lächeln...

Er las es erst einen Tag später in den Zeitungen.
Dort stand ihr Name.
Er vergrub sein Gesicht in den Händen und seine Tränen kamen, schienen unaufhörlich, während sein Innerstes wie zerrissen schien.
Seine Mutter kam, legte ihre Hand auf seinen Kopf, strich ihm sanft durch die Haare.
"Du wirst dar√ľber hinwegkommen." Die sanfte, warme Stimme.. wie er sie schon immer gekannt hatte - und die er nun anfing zu hassen.
Denn es war ihre Schuld; w√ľtend schickte er sie fort, die T√ľr hinter sich zuknallend.

Als die Zeitung wieder in seinen H√§nden lag strich er √ľber den Namen, der dort abgedruckt war, den Namen der Toten.

Ich liebe dich.
__________________
"F√ľr jedes menschliche Problem gibt es immer eine einfache L√∂sung: klar, einleuchtend und falsch."
- Henry Louis Mencken -

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