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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ich liebe sie...
Eingestellt am 19. 11. 2002 14:51


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Hannes Nygaard
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Sep 2002

Werke: 7
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Weit ÔÇô ganz weit ÔÇô von ganz, ganz weit her dringt dieses monotone Piep Piep an mein Ohr und unterbricht j├Ąh die wunderbare Reise durch das Traumland, in dessen Scho├č mich Morpheus geschickt hat.

Der Wecker! Jeden Morgen das gleiche!

Ich sp├╝re, wie ihr Arm neben mir unter der warmen Bettdecke auftaucht, nach dem Wecker tastet und diesem durchdringenden Ger├Ąusch ein abruptes Ende bereitet.
Vorsichtig hebe ich ein Augenlid, blinzle zu ihr hin├╝ber und sehe genussvoll, wie sie sich r├Ąkelt, zu mir hin├╝berblickt, mir vorsichtig ├╝ber den Kopf streichelt, leise etwas murmelt und dann, ohne Licht zu machen, das Bett verl├Ąsst.

Wohlig strecke ich noch einmal alle Viere von mir. Wie sch├Ân, dass mich keine Pflicht zu so fr├╝her Stunde von der warmen Matratze treibt. Ich rolle mich noch etwas fester zusammen und versuche wieder einzuschlafen.

Mehr im Unterbewusstsein h├Âre ich sie im Bad rumoren, zwischendurch ist sie in unserer kleinen K├╝che aktiv. Sie bereitet mir das Fr├╝hst├╝ck, bevor sie das Haus verl├Ąsst und an ihren Arbeitsplatz eilt, um das Geld f├╝r unserer beider Lebensunterhalt zu verdienen.
Auch wenn ich es ihr nur sehr selten vermittle, ist mir sehr wohl bewusst, wie gut ich es mit ihr getroffen habe.

Leider ist es so, dass ich von ihr abh├Ąngig bin. In jeder Hinsicht versorgt sie mich. Sie verdient das Geld, sie k├╝mmert sich um den Haushalt, sie bereitet das Essen. Sie ist wirklich mein Ein und Alles.
Ach, ich habe sie wirklich ins Herz geschlossen. Ich liebe sie. Und ich lasse mich unumwunden von ihr verw├Âhnen. F├╝r all das Gute, dass sie mir zukommen l├Ąsst, schenke ich ihr meine aufrichtige und ehrliche Zuneigung.

Die Sonne hat bereits einen Teil ihrer t├Ąglichen Wegstrecke zur├╝ck gelegt und sendet wohltuende Strahlen auf meinen Bauch, als ich mich entschlie├če, das warme Bett zu verlassen. Nach einer kurzen Morgentoilette genie├če ich das Fr├╝hst├╝ck, das sie mir wie immer liebevoll zubereitet hat.

Der kurze Blick auf die Titelseite der Morgenzeitung befriedigt mich nur unzureichend. Fernsehen und Rundfunk sind ebenfalls nicht die Medien, die mir Freude bereiten, wenn sie nicht dabei ist. So beschlie├če ich anbetracht des guten Wetters den Tag im Garten zu verbringen.

Es ist ein sch├Ânes Leben, den Zeitlauf von meinem Lieblingsplatz auf der Terrasse zu verfolgen. Nat├╝rlich denke ich zwischendurch auch einmal an sie, die Strapazen ihres Arbeitsalltages, den ├ärger, den sie manchmal mit heim bringt und von dem sie mir w├Ąhrend unseres gemeinsamen Abendessens berichtet. Gerne w├╝rde ich ihr ja mit klugen Ratschl├Ągen zur Seite stehen, nur verstehe ich von der verantwortungsvollen Aufgabe in ihrem Arbeitsumfeld zu wenig, um ihr mit meiner Auffassung eine wirkliche Hilfe sein zu k├Ânnen. Hinzu kommt, dass mein fr├╝heres Bet├Ątigungsfeld sich doch erheblich von ihrem unterscheidet, so dass mein Erfahrungsspektrum ihr in keiner Weise n├╝tzlich sein d├╝rfte.

Ich will es ja nicht leugnen, dass es mir gut gef├Ąllt, nicht jeden Tag in die Zw├Ąnge einer geordneten Erwerbst├Ątigkeit eingebunden zu sein. Viele meiner Geschlechtsgenossen m├╝ssen ihren Lebensunterhalt unter harten Bedingungen erarbeiten. Da geht es mir doch wesentlich besser. Sie sorgt f├╝r uns. Mir mangelt es an nichts.

Trotz aller Begeisterung f├╝r das s├╝├če Nichtstun erfasst mich irgendwann die Langeweile. Fr├╝her bin ich ja gelegentlich in der Stadt unterwegs gewesen, bin neugierig durch die Fu├čg├Ąngerzone gestreift, habe mir die Menschen angesehen, an der gro├čen weiten Welt geschnuppert.

Heute beschr├Ąnke ich mich darauf, durch den Gartenzaun mit Nachbarn kurze Gedanken auszutauschen, manchmal ÔÇô zugegeben ÔÇô auch einmal mit einer der netten Damen aus der Umgebung zu flirten. Mehr nicht! Ich w├╝rde ihr nie untreu werden! Bei allem, was sie f├╝r mich empfindet.
Nein! Sie ist wirklich ein gro├čartiger Mensch! Ihre F├╝rsorge, Ihre Zuneigung! Ich h├Ątte keine bessere finden k├Ânnen.

Gerne w├╝rde ich wieder einmal f├╝r das Abendessen sorgen. Doch ich glaube, in diesem Punkt noch nie ihren Geschmack getroffen zu haben. Aber ein paar Bl├╝mchen h├Ątte sie verdient. Sie nimmt diese immer mit gemischten Gef├╝hlen entgegen. Manchmal vermute ich, dass sie sich nicht so richtig ├╝ber ein paar bunte Fr├╝hlingsboten von mir freuen kann. Insgeheim kann sie aber ihre R├╝hrung doch nicht verbergen.

Fast mit Z├Ąrtlichkeit bemerke ich die Sonne, die sich langsam in Richtung der gro├čen B├Ąume schiebt, die am Horizont die gem├╝tliche Siedlung begrenzen, in der wir leben. Dann ist nicht mehr lange hin, bis zu heim kommt.

Der Gedanke an einen gem├╝tlichen Abend mit ihr erf├╝llt mich mit Wonne. Wir werden gemeinsam zu Abend essen, ein paar notwendige Verrichtungen im Haushalt ausf├╝hren und uns dann auf dem Sofa zusammenkuscheln.
Sie wird z├Ąrtlich zu mir sein.

Ach, w├Ąre doch nur bald Feierabend.

Wie sehr freue ich mich darauf, sie mit wedelndem Schwanz an der Haust├╝r begr├╝├čen zu k├Ânnen...

__________________
Hannes Nygaard

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Meeresblick
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Aug 2002

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Bravo!

Nur mit den Adjektiven w├Ąre ich sparsamer
__________________
Gl├╝ck ist in uns

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Arno1808
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Hallo Hannes,

sch├Ân an der Nase herumgef├╝hrt! ;-))

Erst dachte ich:
Was der Typ f├╝r sie empfindet, ist doch keine Liebe. Das ist Dankbarkeit, weil er sich einen faulen Lenz machen kann, w├Ąhrend sie den Lebensunterhalt verdient und ihn dann auch noch umsorgt.

Dann das Schwanzwedeln - sch├Ân!

Einziger Punkt, der mich etwas st├Ârt:

Der kurze Blick auf die Titelseite der Morgenzeitung befriedigt mich nur unzureichend

ER wirft einen Blick auf die Titelseite??

Gru├č

Arno




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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
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Eine wirklich gut geschriebene Story. Anfangs habe ich ├Ąhnlich gedacht wie Arno, wu├čte aber beim 9. Absatz, da├č es sich nur um ein Haustier handeln kann. Da lie├č die Spannung zwangsl├Ąufig etwas nach. Schwer, den Leser bis zum Ende irrezuf├╝hren, wenn man auf unlogische Details verzichten m├Âchte.

Zwei Beispiele von mir dazu:

Er hat ihr bereits einmal ein Abendessen zubereitet, aber nicht ihren Geschmack getroffen.
Er verrichtet gemeinsam mit ihr die Hausarbeit.

Der Hundeblick auf die Titelseite der Morgenzeitung erscheint mir nicht unlogisch. Er "liest" die Schlagzeile ja nicht, sondern "streift" sie nur mit seinem Blick. So habe ich es verstanden.

LG
Majissa



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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Auf den Hund gekommen

Hallo Hannes,
ich als Hundehalter kann deine Geschichte gut nachvollziehen. Was geht es unseren Hunden doch gut. Besser als manchem Menschen.
Interessant w├Ąre es wirklich einmal zu erfahren, was in so einem Hundekopf vor sich geht. Ich bin fest ├╝berzeugt, dass mein Hund denken kann, zwar nicht unbedingt so wie wir, aber in Zusammenh├Ąngen. Warum erinnert sich Hund wo er vor drei Tagen den Knochen gebunkert hat? (In meinen Schuhen). Warum frisst er keine Kaustangen, sondern legt sie im Winkel in allen R├Ąumen aus. Was bedeutet das? ├ťbrigens gibt es von mir auch eine Geschichte von und mit Hund: HUndeliebe. Nat├╝rlich ├╝bertreibe ich m├Ąchtig, doch ein klein bischen ist die Geschichte auch wahr.
Lass uns Freude an unseren Tieren haben sie tun gut.
SaS

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Hannes Nygaard
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Sep 2002

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Eine andere Brille...

Hallo Meeresblick,

danke f├╝r deinen Hinweis bez├╝gl. der Adjektive. Die eigene Brille verweht einem den Blick f├╝r diese Dinge. Ich werde beim n├Ąchsten "Geschichtenbasteln" deine Empfehlungen im Hinterkopf bewahren.

Ein fr├Âhlicher Gru├č
Hannes
__________________
Hannes Nygaard

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