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Leselupe.de > Kurzprosa
Ich scheisse auf den Frühling
Eingestellt am 03. 04. 2002 10:31


Autor
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Botschafter
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2001

Werke: 26
Kommentare: 27
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Ich scheisse auf den Frühling. Hat mir nichts gebracht, ausser Schermz, Tränen und Einsamkeit. Wieso verlassen mich die Frauen nie im Winter? Dann bin ich sowieso mies drauf. Aber nein, im Frühling muss es sein, wenn meine Lebensgeister aus dem Süden zurückkehren und meine Gefühle wieder erwachen. Ausgerechnet dann, wenn es mich am härtesten trifft. Klar kann ich nichts dagegen unternehmen, dass meine Geliebte mit andern Männern vögeln will oder dass sie denkt, sie fühle sich eingeengt in meiner Nähe. Aber wieso kann sie sich nicht im November von einem Fremden ficken lassen? Wieso fühlt sie sich nicht eingeengt, wenn wir den ganzen Winter in der Stube hocken und an ihrer Steuererklärung basteln?
Liebe, Frühling, wenn ich es nur schon höre, das Gejohle der Menschheit, die glaubt, die Bäume würden nach dem bekackten vergangenen Jahr jetzt wegen ein paar Sonnenstrahlen in den Himmel wachsen. Einigen gelingt vielleicht was, das gebe ich zu. Der Kerl, der meine Frau gebumst hat, hat auf jeden Fall einen guten Stich gemacht; Svenja ist grosse Klasse im Bett…Aber der ganze Rest, der meine Ex hoffentlich nicht bestiegen hat, glaubt doch auf dem Liebes-Highway ins Glück zu fahren auch wenn unter den Rädern nur die selbe ausgekarrte Provinzstrasse ihren vielleicht frisch parfümierten Dreckstaub von sich gibt, auf die ende vergangenen Jahres alle ihre letzte Notdurft vor dem Winterschlaf getätigt hatten.
Los, träumt schon, träumt von eurer neuen Liebe, auch wenn sie die bestehende eines Andern ist. Lasst uns doch alle von Svenja träumen, was kann es schaden. Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Oder vielleicht sollten wir von Deiner Frau, Deinem Mann träumen, wer weiss, vielleicht träume ich schon mein ganzes Leben von Deinem Partner…Los, Schicksal, mach dich an die Arbeit und sieh zu, dass ich meine grosse Liebe in nächster Zeit treffen kann…
Ist doch alles bedeutungslos. Wie der Frühling kommt und geht, werden auch Sommer und Herbst kommen und gehen. Verzeih mir, wenn ich Dir zu nahe getreten sein sollte, ich bin nur jemand, dem der Frühling das Leben nahm.

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margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
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kopf hoch

was dir passiert ist, passiert jeden tag
männlein wie weiblein in allen ländern und
zu allen jahreszeiten. du bist also in guter
gesellschaft, auch wenn es dir jetzt in deinem
verständlichen liebesschmerz nicht einleuchten will.
du wirst deinen samen schon wieder irgendwo unter-
bringen. da bin ich mir sicher.
ich gebe zu, daß wir frauen es beim partnerwechsel
allgemein etwas leichter haben. allerdings hat dieser
umstand nicht nur seine positiven seiten.

an deinem frustablaß gefiel mir ganz besonders die
portion selbstironie. die wird dir weiterhelfen.

also, kopf hoch! (und dich sprachlich ausdrücken
kannst du auch ganz gut ...)

margot

__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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Frieda
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2002

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Hallo Botschafter,

der Frühling kann nichts dafür, es sind die Menschen. Die Sonne scheint, die Vögel singen, die Blumen blühen, vollkommen unabhängig davon, ob Du froh oder traurig oder wütend oder verletzt oder sonst was bist.
Immerhin hast Du den ganzen Mist einmal ausgespuckt, flatscht, da habt ihr euren Frühling! Das ist doch eine gesunde Reaktion. Du hast vollkommen recht: Die Jahreszeiten kommen und gehen, nichts ist von Bestand. Und genau so ist es leider auch mit dem Glück. Jeder bekommt das wohl irgendwann einmal mehr oder weniger hart zu spüren. Aber selbst wenn Du es jetzt nicht glauben kannst, sogar der Schmerz unterliegt diesem Gesetz.
Es ist tatsächlich so: Eines Tages hast Du Deinen Schmerz überwunden, und der Frühling ist immer noch schön.

Liebe Grüße
von Frieda

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margot
???
Registriert: Mar 2002

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solange wir leben, ist frühling

lieber frieda, der frühling schafft es
immer wieder, in mein gedächtnis und mein
erleben einzudringen - wenn auch in veränderter
natur. der frühling kommt immer wieder.
um so älter und erfahrener wir werden, müssen
wir den frühling letzlich in uns selbst suchen
gehen.
und da ist er! glaube mir, auf welchem weg du
zu ihm findest - scheiß egal.

margot
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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Botschafter
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2001

Werke: 26
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Hallo Frieda, Hallo Margot

Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich gewisse Texte als "autobiografisch" angenommen werden.
Ich schreibe oft Texte wie den oben, manchmal verarbeite ich darin Dinge, die mir passiert sind, manchmal sind es frei erfundene Sachverhalte.

Dieser Text hier ist ziemlich autobiografisch, wenn auch nicht bis ins letzte Detail (zum Glück).

Wenn man selbst eher Herbst als Frühling in sich fühlt, sieht man viele Dinge wohl mit anderen Augen.
Man sieht, dass auch Zustände, die viele Jahre andauerten innerhalb weniger Tage, Stunden, Sekunden vergangen und verloren sein können. Dass somit auch der Schmerz nicht ewig anhalten kann ist nur bedingt tröstlich.

Selbstironie. Ist das die logische Folge daraus, dass nichts von Dauer sein kann im Leben oder ist es der schmale Grat zwischen Hoffnung und Verzweiflung?

@ Frieda: Den Frühling in sich selber suchen ist eine gute Sache. Nur, was machst du, wenn du weisst, wo in dir der Frühling ist, dir aber die Sonne dazu abhanden gekommen ist?

Womit wir wieder bei der alles bewegenden Frage wären: was war zuerst: der Frühling oder die Sonne? (oder ähnlich)

Vielen Dank für Eure Aufmunterung

Botschafter

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margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
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alles klar

frieda, am besten gefällt mir dein
untertitel von voltaire, und dabei sollten
wir es bewenden lassen.

wir hören bestimmt voneinander.

margot
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schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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