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Leselupe.de > Gereimtes
Ich schicke mein Herz auf Reisen
Eingestellt am 20. 11. 2001 17:35


Autor
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Montauk
Hobbydichter
Registriert: Nov 2001

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Ich schicke mein Herz auf Reisen. Es soll die Sch√∂nheit der Welt sehen. Die Bedeutung soll es begreifen. Mein Herz tobt wie ein Krater. Jede Sekunde kann die sprudelnde Lava ausbrechen. Doch auch ein Ausbruch ist voll von Nat√ľrlichkeit. Ich ergreife die Welt mit meinen Armen. Taste sie ab, ber√ľhre sie. Ich horche in Sie hinein. In ihr tobt das Missverst√§ndnis. Alles ist vereint. Grenzenloses Schweigen, Demut, J√§hzorn vereint mit Leidenschaft, Sinnlichkeit und Ekstase. Was ist die Welt f√ľr ein pulsierender Widerspruch. Naturgewalten stehen im Widerspruch zur menschlichen Liebe. Zwei Kr√§fte, so verschieden wie Wasser und Luft existieren von Grund auf. Spannung herrscht. Der Widerspruch muss geb√§ndigt werden. In meinem Herzen, welches mit der Welt verbunden ist.

Spucke all dieses Elend auf die nackte Strasse. Lass tausend Fu√üpaare dar√ľber rennen. Bis es weich getreten ist. Bis es sich in Fl√ľssigkeit verwandelt und in den Abfluss der Gosse rinnt.

Beseitige den inneren Schmerz, der dich bis zur Vergessenheit treibt. Schlage ihn von Dir. Schreie ihn in die Stille verlassener Wälder. Nur die Tiere werden ihn hören. Er wird sie nicht verscheuchen.

Holder Schmerz, weiche meines Gem√ľtes, hinaus mit dir in die Unendlichkeit! Du hast deinen Platz in meinem Herzen verloren, sollst auf ewig umherwandeln. Bis Du vor lauter Verzweiflung an Deiner Einsamkeit erstickst. Weiche, weiche, weiche!!!

Winter, komm und richte deine Geborgenheit in meinem K√∂rper ein. F√ľhle den Schmerz ein letztes Mal und lasse ihn zu Eis erstarren. Winter, gebe mir die Gem√ľtlichkeit zur√ľck.
Vereine mein Wesen mit der Welt. Suche eine Höhle, die Schutz gewährt.

Es gibt keine Hilflosigkeit mehr, alles öffnet die Arme und wartet auf meine Nähe. Nur auf die meinige.

Es regnet in Str√∂men und die Sonne erleuchtet mit ihrem Schein den Asphalt. Der kalte Asphalt beginnt zu gl√ľhen. Sonne und Regen k√§mpfen f√ľr den Widerspruch. Kein Leben ohne Widerspruch. Es gibt keine reine Einigkeit.

Die Ungerechtigkeit fragt nicht nach ihrem Erscheinen. Genauso wenig wie die Sonne fragt, ob sie scheinen darf. Oder der Säugling fragt, ob er leben muss.
N√§he und K√§lte reichen einander den kleinen Finger und versuchen stets, sich die Hand zu reichen. Gute Tage verhindern die Vereinigung. Schlechte Tage f√ľhren dazu, das die H√§nde sich halten und der Himmel schreit. Zuviel Energien treffen aufeinander.

Kann ich jemals wieder beruhigt aufatmen nach all dem Schmerz, der sich in mein Inneres schleicht, wie das Meer, das versucht den Sand zu √ľberw√§ltigen?
Finde ich Ruhe?
Werde ich meine F√ľ√üe wieder auf den Boden setzen k√∂nnen und gleichzeitig auch sp√ľren, das ich gehe?
Muss ich leiden, um zu leben?
Weinen, um zu lachen?
Verzweifeln, um Deutlichkeit zu erlangen?
Kann es etwas schöneres geben, als das Leben?
Gibt es etwas Schrecklicheres zugleich?
Wie nah liegen Liebe und Aufgabe beieinander? Muss ich lieben, um aufzugeben? Aufgeben, um zu lieben?

Die Zeit rinnt davon, ohne mir zu erzählen, warum sie es so eilig hat. Sie haut einfach ab, und ich werde stets mitgerissen, wie von einem gewaltigem Wind. Wenn ich mich irgendwo festhalte, bleibe ich stehen. Alles zieht an mir vorbei. Hat keine Zeit, um zu sagen: Komm mit. Wenn nicht ich selbst mich losreiße und mich der gewaltigen Macht aussetze werde ich verstummen. Verstummen bedeutet den Tod. Ich muss mich zur Rebellion zwingen. Muss mich innerlich blutig schlagen, um alles, was meine Seele zerquetscht hinauszufeuern. Alles muss raus! Alles muss raus! Ausnahmen gelten schon lange nicht mehr.

Sprechen sie jetzt sofort. Auf der Stelle. Oder Schweigen sie ewig. Wenn sie einmal schweigen, gibt es nichts, was sie halten kann. Der Schrei versinkt im Gelächter der Massen. Die Massen der Nichtsnutze und Hirnzermarterer.

Wenn die Welt sich um mich dreht, warum fällt sie manchmal aus ihrer Ankerung? Drehe ich sie zu schnell? Kommt sie nicht so schnell mit mir?
Sie war doch schon immer da. Hat meine Hand gehalten, damals in der schwarzen, bedrohlichen Nacht. Hat mich weitergef√ľhrt. An viele Pl√§tze der Liebe und des Hasses. An Pl√§tze der Gleichg√ľltigkeit und der Geborgenheit. Orte voller Lust, Sehnsucht und Empfindung. Nur durch Sie konnte ich meine Augen das erste Mal √∂ffnen und das Licht einsaugen. Ich lege mich in die hohle Hand der Welt und schenke ihr mein Vertrauen f√ľr den Rest meines Lebens. Ich h√ľlle mich ein mit ihrer W√§rme und gl√ľhe so intensiv mit ihr, dass das B√∂se sich nicht an mich herantraut. Es schnappt nur zu, wenn ich mich zu weit aus der gew√∂lbten Hand beuge. Solange ich mich der Welt hingebe, bin ich unantastbar.



__________________
SK

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