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Leselupe.de > Kurzprosa
Ich sitz´ auf meinem Nussbaumstuhl
Eingestellt am 04. 08. 2003 09:06


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Axen
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

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Ich sitze hinter meinem Tisch auf einem Stuhl, der klarlackiert auf hellem Nussbaumholz keinen Trost bietet. Starre diese graue Gardine an, die ich niemals aufgehängt hätte. Nur Frauen hängen Gardinen auf, vielleicht um besser ihre Beobachtungen der Nachbarschaft auführen zu können. Und dann rauchen sie sie grau. Das machen meist Frauen.


Sie hat mich angelogen. Hat mir gesagt, sie habe mich erkannt, mein Wesen, mein Ich, mein verdammtes Ungeschlecht. Als sie die Gardine sah, stutze sie, schnüffelte etwas, inhalierte die Luft des Raumes um die Duftpartikel des weiblichen Poltergeistes dieser Männerwohnung zu identifizieren. War da eine? Versteckte ich eine? Hatte ich sie zu ihrer Freundin geschickt?


Stumm saß ich ihr gegenüber. Eine hässliche Frau. Braune Augen, rote Lippen, ein Mund wie ein Frosch mit Lippenstiftspleen und lange rötliche Haare, volles Haar, eine Fülle, die mich an die Hölle des fruchtbaren Urwalds erinnerte. Fülle, die einem ein Jucken im Körper hervorruft, denkt man daran, was sich unangenehmes in dem wüsten Überfluss der Gewächse verbergen könnte.


Sie war gekommen nur weil wir uns verstanden hatten. Verstanden - endlich einmal eine, die sich nicht anstellte mit der guten altmodischen Art der Konversation. Wie mir diese e-mail-Kommunikation zuwider ist, sie merkte das sofort, sie empfand genauso, war froh, das Netz nicht mehr ihre Worte schlucken und wieder ausspeien lassen zu müssen. Und nun - kein Wort. Ich würde mich schon an sie gewöhnen.


Sie würde mit mir schlafen, mich konsumieren, ein Stück von mir verbrauchen, aussaugen. Mich ausnutzen, wie Frauen Männer ausnutzen. Skrupellos, überglücklich, geil, leidend. Dann würde sie sich in meine Gefüge mischen, bis zum Auseinanderbrechen.


Sie würde ihr Revier markieren, mit Lippenstiften in meinem Handschuhfach, mit Horhautschabern in meinem Alibert. Und sie würde neue Gardinen aufhängen, diese Scheißgardinen, die mir den Blick auf das Wesentliche verhängen. Kein Wunder, dass die Kerle Zigaretten holen müssen auch wenn sie nicht rauchen. Raus aus der Gardinenhölle, nur raus....


Ich machte es anders. Hab sie rausgeworfen. Ich sitze auf meinem Nussbaumstuhl.


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Daktari
Guest
Registriert: Not Yet

etwas verwirrend

Die Gefühle des Mannes sind gut beschrieben, aber eines verstehe ich nicht. Wenn er sie häßlich findet?.... es heißt, sie würde mit ihm schlafen. Da gehören doch immer zwei dazu. Ich schlafe mit keinem Mann, den ich häßlich finde. Warum biedert er sich so an? War er lange Zeit alleine?

Mann könnte das Ende ein wenig in die Länge ziehen, den Leser etwas an die Story binden. Zum Fenster gehen, die Gardine langsam abnehmen, auf die Frau zu gehen und die Gardine dann in den Mülleimer neben der Frau werfen. Oder so ähnlich. oder sie der Frau schenken. Oder sie läuft entrüstet aus dem Zimmer, als die Gardine im Müll landet.

Vielleicht etwas Spannung oder Situationskomik einflechten, um den Leser mehr an die Geschichte zu fesseln. Die basis ist auf jeden Fall ausbaufähig und brauchbar, alleine durch Ihre Ungewöhnlichkeit.

Liebe Grüße Tim

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Willibald
???
Registriert: Jul 2002

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Salute,

sehr schöne story, eine Internet-bekanntschaft nun leibhaftig und nicht mehr nur über computer präsent, was sag ich, überpräsent. Schöne erlebte Rede mit "würde". Verrätselter Einstieg und Ausstieg mit dem Stuhl und den Gardinen.

Paar kleine Tippfehler, findet man selber bald.

Gardinenmotiv vielleicht noch ein bisschen genauer fundieren, da gibt es noch sehr weite Spielräume, kommt mir so vor:

Kerle holen Zigaretten, weil sie Frauen entkommen wollen.
Kerle rauchen. Kerle holen Z, auch wenn sie nicht rauchen. Kerle holen z, auch wenn sie eigentlich nicht rauchen, rauchen sie aber dann eben trotzdem.

Frauen wie die Urwaldüberfülle rauchen und machen graue Gardinen.

Gardinen, die er nicht aufhängen würde.

Conclusio(nen):

Da sauste schon mal ne Frau rum, die Gardinen aufhängte - der Mann wollte keine - und sie rauchte die Gradinen grau. Und jetzt gibt es eine Frau, die die alten von einer Frau grau gerauchten Gardinen rausschmeist m auf den neuen Gardinen ihre Duftmarke zu setzen.

Du siehst schon, Überlegungen über Überlegungen (sic). Und die Antworten sollte ein sehr guter Text mit ein bisschen mehr Unterfutter füttern. Das ist so ein Kontrakt zwischen Text und Leser und Textverursacher.

Vale

W. Illiam (aes)
__________________
aes (auf! eulen schwingen)

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Axen
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

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danke sehr

das ist ein posting, für das ich mich bedanken muss...sehr gute anregungen...ich überarbeite meine texte nur selten, aber diesen werde ich mir im hinblick auf deine anregung noch mal vornehmen.

H.E.Axen

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Pilar
???
Registriert: Jun 2003

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Als er wieder alleine war, setzte er sich auf seinen Nussbaumstuhl und betrachtete sich im Spiegel. Er fand sich bleich und schön. Im Zimmer hing noch eine Wolke von Frauendunst, eine Welle wohlige Erleichterung durchströmte ihn. Er wollte endgültig allem Weiblichen abschwören, auch wenn er weiterhin von den abartigsten Träumen geplagt werden würde. Gewaltige Frauenhände, die ihn aufhoben und entkleideten, ihn - der nicht grösser ist als ein Daumen, geschickt und ohne viel Federlesens. Er wurde in die Lüfte gehoben und an einen riesigen Mund gedrückt. Lippen wie Kumuluswolken und mohnrot.
Im Traum hatte er keine Angst, wenn eine riesige Zunge auf ihn zuquoll und er sich alsbald von hinten und vorne liebkost fand. Mit Schleim überzogen und nass wie ein neugeborenes Kalb, verweigerte ihm sein Kopf den Gehorsam, lieferte ihn den rosigen Zungen aus, ja hiess sie mit einem Erschauern willkommen.

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Axen
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

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pilar...

schwül, blümerant, ein wenig vordergründig männliche urängste beschwörend...ein schöner text, der zu meinem text aber nicht nur stilistisch kaum passt.


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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
Kommentare: 1405
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Hallo Axen,

eun ungewöhnlicher, guter Text. Kommt noch eine Bearbeitung? Ich wäre gespannt darauf.

Gruß,
Gabi

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